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Samstag, 10. April 2021

Du bist du und noch viel mehr! ... einfach ganz besonders.

Du bist wunderbar! Wie wunderbar!
Hat dir jemand mal gesagt, dass du wunderbar bist? Dein Kind, deine Eltern, dein Mann oder deine Frau, deine Freundin oder dein Freund? Also, du bist wunderbar! Du bist wirklich einfach ganz besonders. Du bist toll! Du bist außergewöhnlich! Du bist großartig!
Hältst du es noch aus oder hörst du auf zu lesen. Kommt bei dir jetzt ein "Ja"! "Ich bin wunderbar! Wie schön!" Oder kommt eher eine Reaktion wie: "Na ja, vielleicht manchmal! Eher aber nicht! Das ist doch übertrieben! Da kommen mir gleich meine Fehler und Einschränkungen in den Sinn. Das meinst du doch nicht wirklich. Außerdem kennst du mich ja gar nicht. Du weißt nicht, wer hier diesen Text liest. Wenn du mich wirklich kennen würdest. Wenn du wüsstest, wie schlecht gelaunt ich oft bin. Wenn du wüsstest, wie oft ich meine Freundinnen und Freunde vernachlässige! Wenn du wüsstest, wie oft ich eine Maske trage um meine Traurigkeit zu verbergen. Wenn du das wüsstest und noch viel mehr, dann könntest du das nicht mehr sagen."
Ein Teil in dir wünscht sich dennoch diese Bestätigung. Du bist wunderbar! Davon lebst du, Das richtet dich auf und macht dich ein paar Zentimeter größer. Und ein anderer Teil will es nicht hören. Kann es kaum aushalten. Ist es nicht gewöhnt. Im Alltag hörst du eher deine Defizite. Das hast du nicht richtig gemacht. Dies könntest du noch verbessern. Trotzdem: Du bist wunderbar!
In einem Seminar hatte eine Teilnehmerin eine Differenz mit dem Seminarleiter. Da kam ein Gefühl von Ärger hoch. Der Ärger bewirkte zunächst eine Trennung. "Der Seminarleiter ist blöd. Der ist ja sooo klug! Dieser Besserwisser! Ich fand ihn mal richtig gut und ich mochte ihn. Jetzt zeigt er aber sein wahres Gesicht. Er kann nichts anderes neben sich gelten lassen. Ist halt ein Sonnenkönig! Ein Superguru!" Daraufhin sprach der Seminarleiter diese Teilnehmerin an so ungefähr mit den Worten: "Da merke ich jetzt Ärger. Ich bin trotzdem mit dir in Verbindung. Spürst du das? Merkst du, dass ich bei dir bin und dich mag ganz unabhängig davon, ob da jetzt eine Meinungsdifferenz da ist oder ein Ärger! Spür einmal nach!" Da wachte die Teilnehmerin auf und ihr wurde klar, dass das Gefühl von Trennung nicht nötig ist. Sie konnte wieder in Verbindung gehen. Mir hat das sehr gefallen. Denn es hat einen Unterschied gemacht zu sonstigen Erfahrungen.
Wenn wir uns über jemanden ärgern gehen wir in der Regel in die Trennung. Wir wollen mit dieser Person nichts mehr zu tun haben. Wir wenden uns ab. Kannst du dir vorstellen, dass du zugleich den Ärger spürst, aber dich nicht trennst sondern in Verbindung bleibst? "Ich ärgere mich jetzt. Aber du wirst es nicht schaffen, dass ich mich von dir trenne. Ich kann immer noch das Wunderbare in dir wahrnehmen und freue mich, dass ich etwas davon bekomme!"
Also noch einmal. Du bist wunderbar! Trotz und jenseits aller Defizite und Mängel. Du bist einfach ganz besonders. Dafür musst du nichts tun! Gar nichts!
www.matthias-koenning.de

Freitag, 9. April 2021

Die Stille ist nicht leer, sie ist voller Antworten.

Ich liebe die Stille. Wenn ich sitze und nichts mache. Es gibt keinen Impuls, etwas erledigen zu müssen. Kein inneres Drängen. Ich sitze und so nach und nach wird es still um mich herum und in mir. Die Stille breitet sich aus, wenn sie darf und den Raum bekommt. Ich verabschiede die Außenwelt und sage ihr, dass ich eine Pause mache. Ich sage aber auch, dass ich wiederkomme.
Das Versprechen, dass ich wiederkomme hilft, dass die Welt mich in Ruhe lässt. Dann sitze ich und lade die Stille ein. Hilfreich finde ich es, die Augen dabei zu schließen und auf den Atem zu achten.
Der Atem kommt und geht. Es gibt nichts zu tun. Wenn ich Fragen habe kommen keine Antworten. Beim Fragen entsteht schnell so ein Druck, dass da jetzt Antworten kommen müssten.
Also keine zielgerichtete Stille machen um Antworten auf Fragen zu finden. Wenn ich in die Stille gehe und nichts frage, dann tauchen oft Bilder oder Gedanken oder Gefühle auf. Ich weiß nicht, woher sie kommen. Ich staune dann über die Fülle der Antworten und dass sie wie von selber fließen. Quasi ohne Bestellung. Ich bekomme Antworten zu Fragen, die ich noch gar nicht hatte. Die aber demnächst kommen werden. Ich bekomme überraschende Antworten zu Problemen, auf die ich mit dem Verstand nie gekommen wäre. Dabei gibt es oft einen Tenor, der da heißt: Das ist alles gar nicht so wichtig. Du kannst es so machen, aber auch anders. Hänge dein Herz nicht da dran.
Die Stille fühlt sich dann an wie ein Angelplatz im Meer. Es kann etwas kommen, aber es muss nicht. Es gibt keine Enttäuschung, weil es keine Erwartung gibt. Die Stille ist eine erwartungsfreie Zone. Du ruhst dich darin aus und wachst erfrischt wieder auf - mal mit einem Impuls und oft auch ohne. Es bleibt die Zufriedenheit im Erleben der Stille.
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Donnerstag, 8. April 2021

Die Pflicht ruft! Sag ihr, ich rufe zurück.

Die Pflicht kann manchmal ganz schön mächtig sein. Sie steht nicht leise im Hintergrund und winkt, um auf sich aufmerksam zu machen. Sie steht in der ersten Reihe und ruft. Sie liebt solche Worte wie Verantwortung, Müssen, Anstrengung, Arbeit und Erschöpfung.
Die Pflicht liebt es, wenn man sofort reagiert und alles erledigt. Sie lebt nach dem Motto: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Mit Vergnügen kann sie nichts anfangen. Sie sammelt so viel an Aufgaben an, dass für das Vergnügen nur wenig Zeit bleibt. Wenn das Vergnügen dran kommt, wartet sie schon im Hintergrund und scharrt mit den Füßen. "Jetzt ist es aber mal genug." Die Pflicht kann sich nicht vorstellen, hinten anzustehen. Das passt nicht zu ihrer Identität. Man stelle sich vor, dass jemand das Wort umdreht. "Erste Vergnügen sammeln um die Pflichten zu erfüllen." Die Pflicht sagt: Entweder/Oder und meint damit entweder Pflicht oder Pflicht.
Die Pflicht ruft! Sag ihr, ich rufe zurück. Neben Pflicht und Kür gibt es ein "Ich", das entscheiden kann. Jemand, der den Automatismus aufhebt und in Erinnerung ruft, dass es auch noch die Freiheit gibt. Ich kann, ich muss aber nicht. Auch wenn die Pflicht sich vorgedrängelt und den ersten Platz behauptet. Sie braucht ein starkes Gegenüber. Fordert es geradezu heraus. Ja, ich rufe zurück und ich entscheide wann. Im Augenblick bin ganz vergnüglich mit mir und möchte es bleiben. So lange, bis ich zurückrufe. Und wenn ich lange genug warte, dann hat die Pflicht mich vielleicht vergessen und spannte einen anderen vor ihren Karren.
matthias-koenning.de

Mittwoch, 7. April 2021

Lerne ruhig zu bleiben. Nicht alles verdient eine Reaktion!

Die sozialen Netzwerke laden dich ein, dich zu verhalten. Gib ein like. Schreibe einen Kommentar! Verhalte dich dazu. Was hältst du vom Brexit. Vom Zustand der Fußballnationalmanschaft. Von der Bundeskanzlerin oder vom Bienensterben. Vom Klima oder dem Tempolimit auf Autobahnen. Von Mehlmischungen mit Stabilisatoren. Von der Qualität von No Name Produkten und dem, was die Kirche gerade so von sich gibt.
Ständig könnte ich darauf reagieren und etwas meinen und etwas sagen. Wenn ich das zu allem machen würde, wo wäre ich dann? Wahrscheinlich weit weg von mir und bei allem, was es im Umfeld so gibt. Wenn ich lerne ruhig zu bleiben, dann bin ich bei mir. Bei dem, was ich denke. Bei dem, was ich fühle. Bei der Achtsamkeit für das, was jetzt gerade ist. Ich könnte mich verlieren an den Dingen der Welt. Und die meisten Themen von heute sind morgen sehr uninteressant. Nicht alles verdient eine Reaktion!
Aber wenn du in meinem Leben auftauchst und ich dich sehe und du mich siehst - dann möchte ich gerne reagieren. Dann freue ich mich einfach. Das öffnet mein Herz und ich bin ganz da! Wenn ich dich sehe, dann reagiere ich gerne!
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Dienstag, 6. April 2021

Nimm es leicht!


Stell dir eine Situation vor, die dich belastet. Du hast einen Fehler gemacht. Du hast dich blamiert. Du fühlst dich nicht wohl damit. Du möchtest es verdrängen, leugnen, zur Seite schieben. Aber es lastet auf dich. Wie fühlt es sich an?
Wenn das Ereignis frisch ist, kann ich diese Reaktion gut verstehen. Aber wenn diese Geschichte schon lange zurückliegt? Wenn es sich in deiner Kindheit abgespielt hat? Und wenn du daran denkst und es fühlt sich wieder so schwer an, macht das noch Sinn? Diesen alten Teebeutel wieder in die Tasse zu hängen und alte Gefühle wiederzubeleben? Es ist ein altes Gefühl! Es ist nicht aktuell!
Jetzt magst du denken: Aber ich kann mich nicht dagegen wehren. Es kommt einfach immer wieder. Ich hatte mich damals so blamiert! Es belastet mich immer noch! Dann belastet dich nicht das vergangene Ereignis sondern es belastet dich das aktuelle Gefühl, dass du dir selber gemacht hast. Die Erinnerung erschafft das Gefühl. Du bist der Schöpfer dieses Gefühls. Du hast es selber erschaffen!
Wenn du mal in die Jauchegrube gefallen bist und es dir nicht gefallen hat. Würdest du freiwillig wieder hineinspringen? Würdest du noch einmal eine heiße Herdplatte anfassen um das Gefühl von Verbrennung wiederzubeleben? Würdest du doch nicht. Das macht keinen Sinn! Aber deine alten Ereignisse kramst du dein ganzes Leben lang wieder hervor und erneuerst deine schlechten Gefühle.
O.k. Wenn du es nicht lassen kannst, weil du ein Erinnerungsjunkie bist dann mache es doch einmal ganz richtig. Das geht so!
Stell dir eine Situation vor, die dich belastet. Schließe dazu die Augen und lass sich das Bild in dir entfalten. Nimm wahr, wie deine Mutter dich auslacht und wie du reagierst. Wende dich aber dieses mal auf keinen Fall ab wie sonst! Bleib bei dem Bild! Bleib noch weiter bei dem Bild! Schau dir deine Mutter an und schaue dich selber an. Lass alles zu, was auftaucht. Es ist wie bei einem Eiterpickel: Alles muss raus! Also schau das Bild an. Übernimm die Verantwortung dafür. Es ist deine Situation, deine Geschichte, deine Erinnerung. Sie gehört dir! Egal was du erlebt hast. Schau dir die Situation an und laufe nicht weg! Halte es länger aus als sonst. Schau dich daran satt! Ich habe einmal Sahne sehr gerne gemocht. Dann habe ich einen ganzen Becher Sahne getrunken und mir wurde schlecht. Lange Zeit konnte ich dann keine Sahne mehr essen. Ich hatte die Nase voll davon. Schau dir also mal als Experiment deine schwere Geschichte an bis du satt bist.
Wenn du es lange genug gemacht hast wird etwas sehr Unerwartetes und Ungewöhnliches geschehen. Davon kann ich dir hier nichts erzählen, denn dann würde dein Geist ganz schnell dahin flüchten. Das möchte ich vermeiden.
Wenn du dir dein Bild anschaust dann machst du etwas anderes gleichzeitig. Du sagst dir: Jetzt bin ich hier. Mein Leben ist weitergelaufen! Ich bin die von damals und zugleich jemand anderes. Zum Abschluss der Übung schaust du auf das Mädchen im Foto: Es bläst eine Pusteblume. Die Geschichte ist abgeschlossen. Der Same darf sich verteilen. Die Geschichte war schwer und der Same ist leicht. Wie bei einer Pusteblume puste ich den Samen meiner Geschichte in die Welt und habe Anteil an meiner Weiterentwicklung und der Entwicklung der Welt.
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