Montag, 31. August 2015

Das Leben ist hart, aber die einzige Zeit, in der man Spaß haben kann.

Es muss Spaß machen! Diesen Anspruch höre ich oft. Die Arbeit muss Spass machen. Der Urlaub muss Spaß machen. Alles muss Spaß machen. Keinen Spaß zu haben ist nicht cool. Locker und leicht sollte das Leben sein.
Doch leider ist es hart, das Leben. Du musst zur Arbeit. Du musst Geld verdienen. Du musst dich benehmen. Du bist ein Sklave.
Echt? Das Leben ist hart, aber die einzige Zeit, in der man Spaß haben kann. Es klingt wie ein Kampf. Den Spaß muss ich mir von der Härte des Lebens abringen. Ich muss aufpassen, dass die Freude nicht zu kurz kommt.
So kommt mir das Leben von vielen Menschen vor. Die Gelegenheiten nutzen! Nichts verpassen! Da sein, wo etwas los ist! Du darfst nichts versäumen1 Du möchtest dabei sein und mitreden können.

Mir ist eine solche Einstellung fremd. Wohl aber ein Spiegel eines Teiles unserer Gesellschaft. Das Leben ist für mich weder hart noch weich, weder stressig noch spaßig. Das Leben ist!
Das Leben ist das Leben ist das Leben! Du kannst und du darfst und - du musst nichts!

Auch Spaß kann zu einer irrsinnigen Anstrengung entarten. Das Leben gleicht einer Blumenwiese und lädt dich jeden Tag zum Pflücken ein. Du pflückst dir den Blumenstrauß, der dir entspricht. Du sagst Ja dazu und mehr gibt es nicht zu sagen.

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Samstag, 29. August 2015

Ich bin eine © Limited Edition


Ich bin eine "Limited Edition". Mich gibt es nur einmal! Ein einziges Mal! Ich bin kostbar und einmalig! Es gibt viele Männer auf dieser Welt und ich bin von denen ganz einzig.
Darum gehe ich mit mir um wie ich auch sonst mit einzigartigen Dingen umgehe. Ich pflege mich, ich behüte mich und ich gebe gut darauf acht, dass ich das bekomme, was mir gut tut.
Und ich wünsche mir, dass du auch pfleglich mit mir umgehst. Ich bin nämlich eine "Limited Edition". Ich möchte, dass du das nicht vergisst! Wenn du mich verbal oder gedanklich schlägst, dann vertrag ich das nicht so gut. Das gibt Dellen in meiner Einmaligkeit!
Ach so! Du bist auch eine "Limited Edition!" Ja, das stimmt! Du bist auch einmal! Total! Wie wunderbar! Gut, dass du mich daran erinnerst. Manchmal vergesse ich das. Auf einmal habe ich dir gedanklich und emotional etwas über die Rübe gegeben und deine Einmaligkeit nicht gesehen! Dabei bist du wirklich eine "Limited Edition" sogar mit einem © . Du bist schützenswert! Du hast einen Rechtsanspruch darauf! Niemand hat die Erlaubnis, dir das zu nehmen. Ich auch nicht!
Auch, wenn ich einmal sauer bin auf dich oder auf mich. Ich bleibe eine "Litmited Edition" mit Rufzeichen und Rechtsanspruch. Solltest du das vergessen werde ich dich daran erinnern. Und zugleich bitte ich dich, mir nicht die rote Karte zu zeigen sondern die grüne: "Hallo, du bist eine Limited Edition! Geh pfleglich mit dir und mir um!"
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Freitag, 28. August 2015

Ich mache keine Fehler, sondern ich lerne nur dazu.


Das Zimmer ist noch nicht aufgeräumt. Der Garten sieht ungepflegt aus. Ich habe keine Zeit! Du musst noch einkaufen! Das hast du vergessen! Dies fehlt hier. Wer hat das kaputt gemacht? Du bist zu spät gekommen. Du hast nicht aufgepasst. Dies ist nicht richtig! So macht man das nicht!
So viel müssen wir noch machen! Du bist zu langsam! Du bist nicht sorgfältig genug! Das hätte nicht passieren müssen. Das war völlig überflüssig! Du hast es doch gewusst! Warum hast du es dennoch anders gemacht! Jetzt stehe ich da!

Kennst du solche Sätze? Wie viele davon denkst du jeden Tag? Wie viele davon hörst du oder sprichst du selber aus? Wenn mal eine ganze Litanei davon heruntersprichst wirst du folgendes feststellen: Es zieht dich herunter! Es macht dich fertig! Es setzt dich unter Druck und macht dir ein schlechtes Gefühl!

In wie vielen Situationen im Leben sind wir defizitorientiert? Wir sehen nur das, was fehlt, was fehlerhaft oder ungenügend ist. Irgendwann hörst du auf. Du resignierst. Du wendest dich ab!

Dein Zimmer hat tolle ordentliche Bereiche. Der Garten ist voller duftender Wildkräuter. Ich habe eine halbe Stunde Zeit für dich. Gut, dass du an so viele Dinge gedacht hast. Ich freue mich über deine Sorgfalt. Gut, dass es kaputt ist, jetzt hast die die Erfahrung gemacht, wie zerbrechlich Porzellan ist. Jetzt kann ich dir erst meine kostbaren Gläser anvertrauen, weil du ein Gefühl für die Kostbarkeit der Dinge entwickelt hast.

Stell dir eine fehlerfreundliche und entwicklungsbereite Welt vor! Was würde sich dann in deiner Familie verändern? In deiner Arbeitswelt oder Nachbarschaft! Ich wünsche dir einen Raum, in dem du dich gut weiterentwickeln kannst. Du gehst wohlwollend mit allem um was ist. Und alles was ist, wird wohlwollend mit dir sein!
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Donnerstag, 27. August 2015

"Mach Tempo, dann lebst du doppelt so viel!"


Verlockend, nicht wahr? Mit ein wenig Geschick und Organisationstalent schaffst du das Doppelte an einem Tag. Du könntest mit deinem Arbeitgeber sprechen, dass du schneller arbeitest, dafür früher nach Hause gehst und dort dich den Dingen widmest, die dir sonst noch am Herzen liegen. Familie, Hobbys, Weiterbildung, Renovierungen... Du könntest gleichzeit das Leben eines Rentners und eines Arbeiters führen. Du würdest doppelt so viel leben.
Im Buch Momo kommen ja die grauen Männer und rechnen den Menschen vor, wie sie Zeit sparen können, damit sie mehr Zeit haben.  Und nach diesem Prinzip funktioniert ja auch die Wirtschaft. "Mach Tempo, dann lebst du doppelt so viel!" Diesen Spruch habe ich im Radio gehört in einem Beitrag, wo es um den Umgang mit der Zeit geht.
"Mach Tempo!" Das erinnerte mich an meine Kindheit und Jugendzeit. Mein Vater arbeitete in einer Schuhfabrik und versorgte die ganze Familie mit Heimarbeit. Schule, Mittagessen, Hausaufgaben, "Heimarbeit", Freizeit... Das unterschied uns von vielen anderen Familien. Der Berg von Schuhschäften! Arbeiten im Akkord! "Mach Tempo!" Dann bist du schneller fertig und kannst auf die Straße. Das hatte durchaus eine eigene Kinderlogik. Dadurch prägt sich schnell ein bestimmter Lebensstil ein. "Immer schnell!" Im rasanten Tempo durchs leben. Ich könnte ja am Ende auch früher Schluss machen, denn ich habe ja alles erledigt!
Ich behaupte einfach mal das Gegenteil: "Mach langsam, dann lebst du doppelt so intensiv!" Das ist der Nachteil am Tempo. Das Genießen kommt zu kurz und die Seele bleibt auf der Strecke. Ich wünsche dir einen guten Ausgleich zwischen Tempo und Müßiggang, damit sich dein Leben kohärent anfühlt und du in einer guten Balance bist. 
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Mittwoch, 26. August 2015

Zwischen Angst und Hoffnung!



In einem Liedtext von Ludger Edelkötter las ich die Zeilen: „Zwischen Angst und Hoffnung leben wir und möchten doch gern glücklich sein und Sinn erfahren.“ Heute möchte ich mit dir meine Aufmerksamkeit richten auf das „Dazwischen“.
Selten sind wir voller Angst und selten befinden wir uns im absoluten Glückszustand. Oft befinden wir uns im Dazwischen – nicht mehr ganz ängstlich und doch ein wenig glücklich. Wenn wir gehen, trägt zunächst der rechte Fuß unser Gewicht und wird abgelöst durch den linken. Auch dort gibt es ein Dazwischen, wo sich die Kräfte nach und nach neu verteilen. Wenn ein Familienmitglied  im Krankenhaus operiert wir und auf der Intensivstation liegt leben alle manchmal in einem Zustand zwischen Leben und Tod. Je länger dieser Zustand dauert, desto  zermürbender wird es. Irgendwann sehnen sich alle nach einem erlösten Zustand. Manchmal ist sogar der Tod akzeptabler als der Schwebezustand.
Was kennzeichnet dieses „Dazwischen“ aus? Es wirkt unentschieden, schwebend, instabil, übergangsartig und drängt nach Auflösung. Wie viele Minuten oder Stunden am Tag, in der Woche oder im Leben befinden wir uns im „Dazwischen?“ Ich vermute, dass diese Zeiträume länger sind als wir ahnen.
Für manche Menschen existiert nur schwarz oder weiß. Das Grau ist unerträglich. Ich möchte dich dennoch einladen, das „Dazwischen“ zu gestalten. Im „Dazwischen“ entscheidest du wohin du den nächsten Schritt lenkst. Im „Dazwischen“ finden alle Entscheidungsschritte statt. Oft sind wir eher auf das Ziel ausgerichtet und weniger auf den Vorgang des Gehens. Wenn du deine Aufmerksamkeit auf das „Dazwischen“ richtest bist du auf einmal ganz im Hier und Jetzt. So wünsche ich dir segensreiche Zwischenräume.  

Dienstag, 25. August 2015

Kannste so machen, dann ist es halt Kacke.


Ich stelle mir einen Sohn vor, der seiner Mutter erzählt, was er jetzt vorhat. Die Mutter kennt ihren Sohn und schlägt die Hände über den Kopf zusammen. "Lernt der denn nie dazu? Das kann nicht mein Sohn sein! So oft habe ich ihm schon gesagt! Wann versteht er denn endlich! Ich kann ja sagen was ich will, der hört ja eh nicht! Alle meine Unterstützung ist zwecklos!"
Dann kommt die Resignation: "Kannste so machen, dann ist es halt Kacke." Das erspart jede weitere Erklärung. "Soll er doch machen! Ist ja schließlich sein Leben! Ich würde ihm die "Kacke" ja ersparen, aber..."
Da gibt es ja die Perfektionisten. Die schon immer alles genau wissen. Die wissen, dass da Kacke bei herauskommt. Die Menschen mit den tollen Lebenserfahrungen und Schlaubergereien. In Klammern gehöre ich wohl auch dazu. Wir meinen es ja nur gut. Mit uns und mit allen anderen.
Ein Perfektionist hat eine klare Vorstellung davon, wie etwas zu gehen hat. Erst kommt A, dann B, dann C. Alles sehr sorgfältig und möglichst fehlerfrei. Das Prinzip heißt: "Kacke" vermeiden. Um jeden Preis. "Kacke" ist halt "Kacke". Müll! Überflüssig! Abfall! Wird nicht mehr gebraucht!

Ich möchte ein Plädoyer geben für diese Kacke! Daraus wird Humus, oder? Die Systemiker sagen: "Wo die Scheiße ist, ist auch ein Kamel!" Alle Dinge haben auch ihre positive Seite.
Wenn der Sohnemann sich zu seinem "Unglück", zu seiner "Kacke" entscheidet, wer weiß wofür das gut ist? Er sammelt Erfahrungen und Erkenntnisse! Und am Ende kommt total etwas schönes dabei heraus. Vielleicht nicht sofort, aber später. Auch Kacke braucht Zeit, bis daraus fruchtbarer Humus entsteht. Geben wir dem Ganzen also ein wenig Zeit, sich zu entwickeln. 
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Montag, 24. August 2015

So viel Venedig! Oder auf der Suche nach dem Paradies auf Erden!


Vor ein paar Tagen las ich von Lippstadt als dem Venedig Westfalens. Kannte ich noch nicht! Dann begann ich zu recherchieren und fand heraus, dass es die Venedig des Nordens gibt mit Giethoorn in Holland. Dazu kommen noch Amsterdam, Brügge, Kopenhagen und Friedrichstadt. Im Osten tummeln sich als Venedig Städte wie Dresden, Breslau und St. Petersburg. Im Westen gibt es auch Orte mit dem gleichen Beinamen wie Westport in Irland und Nantes in Frankreich. Um die Venedigs zu komplettieren wandern wir in den Süden nach Recife, Puerto de Mogan auf Gran Canaria und nach Bangkok.
Ergänzen wir dann noch die Vendigs für die Städte, die sich ein wenig zurücknehmen, dann gelangen wir zu den "Kleinvenedigs" nach Berlin, Colmar und Bamberg. Und mitten drin: Lippstadt, das Venedig in Westfalen! Herrlich!
Ein paar Venedigs habe ich bestimmt noch vergessen. Mir geht es jedoch um das Thema, das sich dahinter verbirgt. Wir möchten alle im Paradies leben. Ein paar Kanäle, schöne Häuser, Orte des Verweilens, ein Straßencafé. Einfach im Sein sein! Manchmal entscheiden wir uns für diesen Ort und fahren nach Venedig im Original. Wir haben die Hoffnung, dass sich da unsere Träume und Sehnsüchte erfüllen.
Die Sehnsucht treibt uns voran und zieht uns an sich. Das lässt sich auch gut vermarkten. Sobald eine Stadt ein wenig Venedig ausstrahlt, lässt sich das mit der Sehnsucht der Menschen verknüpfen nach dem Motto: "Komm nach Lippstadt und deine Seele findet, was sie sich wünscht!" Und so nebenbei lässt du den einen oder anderen Euro im dahinsiechenden emotionalen Sehnsuchtszustand fallen.
Das erinnert stark an die ersten Geschichten im Buch Genesis. Die Menschen verlieren ihr Paradies, weil sie von der verbotenen Frucht essen. Sie werden vertrieben, aber die Erinnerung bleibt und die Sehnsucht auch, wieder dahin zu finden.
Im psychologischen Sinn war unser erstes Paradies der Mutterleib. Den mussten wir verlassen bei der Geburt. Jeder Mensch trägt also eine Geschichte der Verlassenheit in sich. Und zugleich eine Geschichte der Sehnsucht. Ich will zurück! Zurück an dem Ort des Glückes.
"Venedig" wird zu einem modernen Bild unserer Sehnsucht. An das Paradies glaubt ja keiner mehr. Mit dem lässt sich auch kein Geld verdienen.
Wo liegt dein Venedig, wenn wir schon einmal bei dem Thema sind? Wann kannst du entspannen. Wo und was brauchst du dafür, wenn du etwas brauchst? Siechst du noch dahin in deiner Sehnsucht? Bist du also "süchtig" oder bist du schon angekommen? Bist du vielleicht noch verführbar? Wenn ja, wie stark? Welches "Venedig" steht dir zur Verfügung und nach welchem "Venedig" schmachtest du?
Wenn du magst, dann öffne doch mal dein Herz und schau da rein. Vielleicht entdeckst du, dass ein Stück Venedig dort verortet ist und du aufhören kannst mit dem Suchen. Frohes Entdecken!
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Samstag, 22. August 2015

Werde wesentlich!



Diesen Vers habe ich gefunden bei Angelus Silesius im „cherubinischen Wandersmann.“
„Mensch, werde wesentlich; denn wenn die Welt vergeht,
So fällt der Zufall weg, das Wesen, das besteht.“

Es gibt das „Wesen“ und das,  was „dazu fällt“.  Es gibt einen unzerstörbaren Kern, und es gibt die vergängliche Geschichte. Es geht etwas und es bleibt etwas. Jeden Tag fällt uns etwas zu. Ein Mensch kreuzt unseren Weg, wir sitzen am Frühstückstisch, wir erledigen die Alltagsgeschäfte. Wir regen uns auf, wir werden erschüttert. Wir geben den „vorübergehenden“ Erlebnissen unendlich Bedeutung. Nicht zuletzt besetzen uns manche Ereignisse so stark, dass wir über Jahre traumatisiert werden.
„Mensch, werde wesentlich!“ Das, was wir erleben soll uns dazu dienen, dass wir daran wachsen und reifen. Häufig bleiben wir jedoch bei den Dingen stehen und nicht beim Wesentlichen.
Als Kind kommst du z.B. zu deiner Mutter und beschwerst dich: „Mama, der Bernd hat mich gehauen!“ Dann hörst du deine Mutter sagen: „Ach du Armer, das hat er bestimmt nicht mit Absicht gemacht.“ „Doch, hat er...!“ Ihr Beide bleibt in der Szene, bis sie sich irgendwann friedlich oder sonst wie auflöst.
Sinnvoll ist es, wenn du dich irgendwann als Erwachsener mit den dahinter verborgenen Themen auseinandersetzt. Wie erlebst du den Umgang mit Macht und mit Gewalt? Wie gehst du um mit Schmerzen, Kränkungen und Ablehnungen? Wer ist dieses „Du“, dass das da gerade erlebt? Wenn du das machst, trägst du etwas dazu bei, wesentlich zu werden.
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Freitag, 21. August 2015

Angeschlagenes Geschirr hält gut zwei Menschenalter. (aus Russland)

Ich hänge an meinen Töpfen, an meinem Geschirr, an meinem Besteck. Ich brauche nicht alle Jahre davon etwas Neues. Neues Geschirr im Laden lacht mich nicht an. Ich gehe gleichgültig daran vorbei. Mit meinen Tellern und Tassen bin ich sehr zufrieden. Die Tassen sind schlicht, sie sind rundum dicht und halten jede Flüssigkeit. Auf den Tellern passt so viel, dass ich locker davon satt werden kann. Mein Geschirr lässt sich gut spülen und ist äußerst pflegeleicht. Auch die Jahre im Geschirrspüler haben sie schadlos überstanden. Die Teller haben noch keine einzige Macke, denn ich bin sorgfältig damit umgegangen. Nach so vielen Jahren mute ich dieses Geschirr auch meinen Besuchern zu. Bislang hat sich noch niemand darüber beschwert und alle essen brav von diesem Geschirr ohne Anzeichen von Ekel oder Ablehnung.
Zugegeben, die eine oder andere Tasse ist nicht mehr ganz heile. Von zwölf Tassen sind drei angeschlagen, wie man so schön sagt. Ich habe sie nicht nach hinten gestellt. Ich entscheide nach dem Zufallsprinzip. So müssen auch Gäste aus diesen Tassen trinken. Mir fällt das nicht einmal mehr auf. All dieses Geschirr gehört zu mir und ich habe mir fest vorgenommen, sie bis zum letzten Tag meines Lebens zu benutzen. Meine Möbel halten nicht so lange aus. Stoffe verschleißen sichtbarer als Porzellan.
Wir werfen viel zu früh viel zu viel weg. Trödelmärkte machen mich traurig. Da stehen all die Dinge, die angeschlagen und aussortiert sind. Ich will sie nicht haben, denn ich bin mit meinen Dingen ganz zufrieden. Ich möchte sie auch nicht zum Trödel bringen. Wenn ich diese Welt verlasse mögen meine Erben entscheiden, ob mein Geschirr noch taugt für ein weiteres Menschenalter.
Mein Geschirr ist zuverlässiger als meine Berufslaufbahn und meine Beziehungen. Sie sind treuer als das Geld auf meinem Konto und meine zunehmenden Alterskennzeichen. Sie stehen gleichmütig und treu in ihrem Schrank und warten auf den nächsten Einsatz, ohne Klage und ohne sich über das Alter zu beschweren.
Sie sind es sogar wert, darüber zu meditieren und darüber in eine Meditationshaltung zu kommen. Das ist ein wichtiger Aspekt: Es geht mir um das Würdigen, Werschätzen und Anerkennen. Wer dem angeschlagenen Geschirr noch zwei Menschenalter schenkt, dem kann man sich gut mit seinen Sorgen anvertrauen. Der wird sorgsam und liebevoll damit umgehen.
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Donnerstag, 20. August 2015

Ich habe mich entschieden und sage: vielleicht!


Es ist aber auch manchmal schwer, sich zu entscheiden! Da gibt es so viel abzuwägen! Je länger ich nachdenke, desto mehr sammeln sich im Kopf Argumente an.
Ich habe diese Hose gesehen! Ich habe sie auch anprobiert! Nicht schlecht, wirklich nicht schlecht! Das ist so eine Hose für jeden Tag und zu jedem Anlasse. Geht gut für die Arbeit und auch noch für die Freizeit. Ein echter Allrounder! Ich war schon lange auf der Suche danach! Es ist auch so schwer, in meiner Größe überhaupt das Passende zu finden. Und hast du das Passende gefunden, dann gefällt dir die Farbe nicht. Oft eben nur so ungefähr! Aber kaufst du eine Hose "so ungefähr", wenn du sie jeden Tag tragen möchtest - bis auf die Waschunterbrechungen?
Da habe ich jetzt also die neue Hose anprobiert. Wirklich toll! Dann schaue ich auf den Preis! Der haut mich um! Für das Geld kaufe ich sonst zwei Hosen. Eine einzige Hose für diesen Preis? Da mag sie aussehen oder mir passen wie sie will! Das geht ja gar nicht! Beim Preis von Hosen habe ich mir irgendwann einmal ein Limit gesetzt. Da gehe ich nicht drüber! Im Leben musst du immer Grenzen setzen, sonst ist dein Geld plötzlich weg und du weißt nicht einmal, wo! Schweren Herzens lege ich die Hose wieder weg.
Denn nehme ich sie noch einmal in die Hand und streichel über den Stoff. Ist doch schön! So eine finde ich so schnell nicht wieder! Ich habe da Erfahrung mit. Wenn ich jetzt gehe und die Hose liegen lasse, dann bereue ich es, sobald ich den Laden verlassen habe. Ich ärgere mich schwarz! Ich kaufe die Hose! Basta!
Auf dem Weg zur Kasse kommen doch noch die Bedenken. Ich höre schon die Kommentare: Du leistest dir eine solche Markenhose! Du, der "Einfachmensch"? Ist ja interessant! Mir kommt in den Sinn, dass ich schon mal hin und wieder etwas verkleckere! Auf die neue Hose? Da habe ich schon so viel Geld ausgegeben und dann versaue ich sie mir in kurzer Zeit. Vielleicht bewährt sich diese Hose ja gar nicht. Das ist auch gar nicht meine Marke. Ich trage sonst immer eine andere. Leider gibt es da zur Zeit nichts Passendes. Aber wenn ich ein wenig Geduld habe und auf die nächste Kollektion warte? Ich stoppe! Ich drehe mich um und lege die Hose wieder auf den Stapel.
Wenn ich sie ganz unten in den Stapel lege, dann wird sie vielleicht übersehen. Wenn sie lange genug da liegt, dann wird sie vielleicht im Preis reduziert! Dann würde ich in ein paar Wochen wiederkommen und würde mir die Hose viel günstiger kaufen. Aber - es gibt Menschen, die greifen zielgerichtet nach ganz unten in den Stapel. Das sind die Schnäppchenjäger! Vermutlich habe ich da keine Chance! Soll ich es doch riskieren?
Da kommt mir die Erleuchtung! Virginia Satir hat ja gesagt: Zwei Wege führen in ein Dilemma. So ist es häufig bei Entscheidungen. Du befindest dich in einem Dilemma und du kannst nicht zwischen A und B entscheiden. Je länger du nachdenkst, desto schwieriger wird es. Vor allem bist du pausenlos damit beschäftigt. Das ist anstrengend und kostet Energie. Ab dem dritten Weg beginnt die Freiheit. Ich brauche also eine dritte Lösung bei meiner Entscheidungsschwierigkeit.
Die Erleuchtung heißt so! Ich habe mich entschieden und sage: vielleicht! Jetzt wirst du denken, dass ich mich ja gar nicht entschieden habe. Ich habe ledglich dieses schreckliche "vielleicht" gesagt! Das ist doch keine echte Lösung! Vielleicht kaufe ich die Hose, vielleicht aber auch nicht! Dieses "vielleicht" raubt dir die Kraft, weil du schwankst zwischen A und B.
Das andere, alternative und neue "vielleicht" hingegen ist total kraftvoll und neu. Denn du hast dich entschieden! Du hast dich positiv für das "Vielleicht" entschieden! Du bist damit einverstanden, dass du jetzt nicht zwischen A und B entscheiden wirst. Du entziehst dich dem aufreibenden Wechsel.
Wie sieht das aus in der Umsetzung? Fröhlich lege ich die Hose auf den Stapel! Ich nehme mein Smartphone und mache ein hübsches Photo davon. Ich denke an all die vielen Hosen, die es noch auf der Welt gibt und glaube fest daran, dass irgendwo noch eine auf mich wartet, die zu mir kommen möchte. Zugleich schließe ich den Kauf dieser Hose auch nicht aus. Ich halte mir einfach die Möglichkeit offen und freue mich darüber, dass ich diese Option habe. Ich könnte ja auch in einer Welt leben, wo es nur Tücher gibt, die ich mir um den Bauch legen müsste. Aber ich lebe in einer Welt voller Hosen. Diese Hose auf dem Stapel ist eine davon. Ich hatte sie sogar für einen Augenblick an und ein ganz schönes Glücksgefühl damit. Aber haben muss ich sie nicht! Ich könnte! Das wäre auch ganz schön! Aber müssen muss ich nicht!
Jetzt kann ich den Laden verlassen. Ich fühle mich frei! Ich habe mich entschieden und sage: vielleicht!
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Mittwoch, 19. August 2015

Frei von ...?!


Die Produkte nehmen zu, die tolle Eigenschaften versprechen:

Frei von Gluten
Frei von Lactose
Frei von Fleisch
Frei von Pestiziden
Frei von Rückständen
Frei von Alkohol

Apotheken bieten "Frei von" Rezepten an und Verkaufstrainer versprechen ein wirksames Programm mit "Frei von" Verkaufsblockaden. Wir wünschen uns ein Leben frei von Angst. Am Sonntag freuen wir uns über eine Autobahn frei von Lkws und Menschen versprechen "frei von" Diabetes in 28 Tagen.
"Frei von" heißt ja wohl: Dahinter verbirgt sich offensichtlich etwas feindliches, hinderliches, störendes. Ich werde in meiner Freiheit eingeschränkt. Gluten, Lacotse, Fleisch, Alkohol, LKW, Diabetes, Chemiefasern, Angst...
Da stimmt doch etwas nicht! Da wird mir etwas als Freiheit verkauft, was in Wirklichkeit gar keine ist. Eine wunderbare Mogelpackung!
Meine Gedanken sind frei, weil ich ich denke, was ich denken möchte. Ohne Einschränkungen! Ich bin frei, ein Brot zu essen oder eine Banane - wenn vorhanden! Ich bin frei, zur Liebe ja oder nein zu sagen.
Außerdem ist nicht alles schlecht, was sich hinter "frei von" verbirgt. Angst ist manchmal sehr hilfreich. Gluten und Lactose sind für sich selbst auch nicht schlecht. Und während der Woche fahren auf der Autobahn auch die LKW.
Ich hätte da noch eine Alternative. Wie wäre es mit:

Internet frei von Werbung
Einkaufen frei von Rabattmarken (lieber günstigere Preise)
Landschaft frei von Müll
Menschen frei von Hass
Politik frei von Lüge
Medien frei von Beeinflussung
Kirche frei von Dogmen

Da gibt es eine Menge Baustellen, wo die Freiheit noch darauf wartet, verwirklicht zu werden. Außerdem kannst du in jeder Sekunde deinen eigenen Freiraum ausweiten. Nicht absolut und grenzenlos, aber ein kleines Stück geht immer. Und in diesem Freiraum wartet nicht eine "Negation" ein "von" irgendetwas, sondern "Frei für..."
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Dienstag, 18. August 2015

Wer die Menschen liebt, hat immer eine große Familie


Dieser Spruch kommt aus Ägypten. Wir leben in einer Zeit, in der es Familien nicht immer leicht miteinander haben. Ehen gehen auseinander, Paare finden sich neu, Patchworkfamilien entstehen. Manche Singles sind nicht so stark eingebunden in einer Familie und verankern sich eher im Freundeskreis. Entscheidend ist für mich die Erfahrung, sein Leben nicht allein gestalten zu müssen. Ich bin eingebunden, verbunden, habe meinen Platz. Ich denke an meine Großfamilie mit Freundinnen und Freunden und umgekehrt hoffe ich auch.
Wer nicht lieben kann erfährt oft Einsamkeit. Mir gefällt der Gedanke aus Ägypten, wie du zu einer großen Familie kommst: Einfach die Menschen lieben. Die Liebe verbindet die Menschen überall auf der Welt. Du musst nicht einmal Blutsverwandt sein.
Wer die Menschen liebt, hat immer eine große Familie. Immer - das heißt wirklich jede Stunde, jeden Tag, in jedem Alter, bis zum Tod. Augustinus sagt: "Liebe und tu, was du willst."


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Montag, 17. August 2015

Lerne aus der Vergangenheit, träume von der Zukunft, aber lebe hier und jetzt.


Wieder ein Spruch aus meiner fotografierten Spruchkartensammlung. Der Spruch sperrt sich mir!
Im Vorbeigehen reduziert sich der Satz auf Lerne, träume, lebe. Schauen wir uns doch einmal die Dreiteilung an.

Für das Lernen muss ich eigentlich nichts tun. Ich lerne automatisch dazu. Jeden Tag erfahre ich etwas Neues. Da wird der Spieltrieb und das Staunen in mir geweckt. "Lerne aus der Vergangenheit" Das klingt immer so gewaltig. "Nie wieder Krieg". "Bloß nicht so werden wie unsere Eltern!" Das Wort "lernen" ist zugleich belastet. Wie viele Jahre bin ich als Kind zur Schule gegangen und wie oft habe ich da die Frage gehört: "Hast du auch gelernt?" Habe ich gelernt? Ich übersetze den Satz für mich lieber so: Nutze, was du erlebst für deine persönliche Weiterentwicklung.

"Träume von der Zukunft " Welchen Grund sollte ich haben von der Zukunft zu träumen? Bin ich mit der Gegenwart nicht zufrieden? Ich träume gerne, sogar sehr gerne und häufig auch intensiv. Aber es sind echte Träume. Die in der Nacht. Die Zukunft finde ich nicht interessant. Sie hat ja noch gar nicht stattgefunden. Wenn ich von der Zukunft träume, dann bin ich nicht mehr da. Ich verändere den Satz in: Achte auf die Botschaft der Träume!

"Lebe hier und jetzt" Den Satz kann ich voll unterstreichen. Auf das Hier und Jetzt kommt es an. Da lebe ich nämlich. Das Vergangene und das Zukünftige ist vergangen oder ist noch nicht eingetroffen. Es ist also nicht. Es existieren wohl die Erkenntnisse aus der Vergangenheit. Die sind dann gegenwärtig und wichtig für den Augenblick.
Es macht Sinn immer wieder einmal zu überprüfen, ob du zu sehr in der Vergangenheit lebst, in eine "bessere" Zukunft flüchtest, oder in der Gegenwart lebst.
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Sonntag, 16. August 2015

Das Leben schmecken!


Du kannst das Leben bestehen oder das Leben schmecken! Kennst du den Unterschied?
Einer der das Leben besteht macht das so: Ich muss genug Geld verdienen, damit ich das Leben meiner Familie finanzieren kann. Ich muss auch noch etwas sparen. Ich brauche ein Dach über dem Kopf und genug zu essen. Außerdem benötigen meine Kinder eine gute Ausbildung damit sie nicht auf der Straße landen. Meine Rente soll auch abgesichert sein. Du weißt nicht, wie es morgen aussehen wird! Schon morgen kann die Krise kommen. Die Weltwirtschaft bricht zusammen! Du wirst arbeitslos! Deine Familie bricht auseinander! Das Leben ist letztlich ein Kampf. Glücklich, wer es besteht!
In Phasen der Angst leben wir mehr oder weniger nach diesem Prinzip. Beobachte dich einmal selbst, ob du in diesem Modus bist. Es geht auch nicht darum, eine solche Einstellung zu verurteilen. Es ist für mich sogar sehr verständlich. Du hast ja auch schließlich Verantwortung übernommen. Die kannst du nicht einfach so ablegen!
Schauen wir einmal auf den anderen Standpunkt. Das Leben schmecken! Wie sieht ein solches Leben aus? Du freust dich darüber, dass deine Familie da ist und du genießt das Zusammensein in vollen Zügen. Du gehst mit Schwung und Leichtigkeit zur Arbeit und denkst keine Sekunde an das Ende. Du riechst das frische Brot und dein Herz hüpft voller Dankbarkeit über dieses großartige Geschenk. Du bist wach mit allen Sinnen! Du hörst staunend die Vögel, siehst bewundernd die Natur um dich herum und schmeckst das Gemüse mit vollen Zügen.
Wenn wir entspannt und sorgenfrei sind, dann ist es leichter, das Leben zu schmecken, nicht wahr! Kannst du dir vorstellen, dass du der Regisseur deines Lebens bist. Dass es in dir eine Instanz gibt, die sich entscheiden kann? Das Leben bestehen oder das Leben schmecken! Wenn sich alles gut fügt ist es keine Kunst, das Leben zu schmecken. Wenn es gegen dich läuft, dann bist du gefragt, nicht in den "Bestehensmodus" zu wechseln. Gibt es also eine Instanz in dir, die das registriert?
Stell dir einmal vor, es läuft gut für dich. Du genießt! Dann gibt es einen Einbruch. Egal ob groß oder klein! Wechselst du dann sofort in den Überlebensmodus und kannst du dir sagen: Halt Stopp! Nicht so schnell. Erst einmal tief durchatemen." Auch wenn jetzt in diesem Augenblick nicht alles gut für mich läuft entscheide ich mich dafür, das Glück in meinem Leben wahrzunehmen!" Wenn du diesen Gedanken denken kannst, dann gibt es eine Instanz in dir, die beobachtet und noch einmal neu entscheiden und sich zu den Dingen verhalten kann.
Diese "Regieaufgabe" kannst du einüben, indem du Bewusstheit dahin legst. Du nimmst es dir vor dich besser wahrzunehmen als "Lebenskämpfer" und/oder "Lebensschmecker". Es ist auch völlig in Ordnung, das zunächst als Wunsch im Herzen zu tragen. Vielleicht gelingt dir der gelöste Umgang damit auch erst im hohen Alter. In Ordnung! Vielleicht auch erst auf dem Sterbebett! Auch in Ordnung! Und vielleicht auch erst nach diesem Leben! Wie schön, wenn es dir dann möglich ist, die Ewigkeit zu schmecken!
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Freitag, 14. August 2015

Mut braucht nur, wer Angst hat!


Ich sehe ein Kind vom 10 Meter Turm ins Wasser springen. Mutig?! Auf den ersten Blick ja! Du siehst Menschen, die von außen betrachtet etwas tun, das dir Respekt einflößt.
Mir hat geholfen, zum Thema Mut eine neue Zuordnung zu treffen. Stell dir zwei Kinder auf dem Sprungbrett vor. Das erste Kind hat große Angst. Das zweite Kind hat keine Angst. Das erste Kind überwindet die Angst und springt. Das zweite Kind springt auch. Von außen betrachtet gibt es keinen großen Unterschied, es sei denn, du kannst die Angst erkennen.
Aber eigentlich ist nur das erste Kind mutig. Es musste die Angst mit einkalkulieren, damit umgehen, überwinden oder ignorieren. Mut brauchen wir nur, wenn wir Angst haben. Sonst ist das, was wir tun, einfach selbstverständlich.
Da gibt es Menschen, die gehen einfach so in eine Boutique herein und stöbern zwischen den Ständern. Sie machen es selbstverständlich und mit großem Vergnügen. Andere müssen all ihren Mut zusammennehmen, um diesen Laden betreten zu können. Einen Laden zu betreten mag wohl objektiv gesehen nicht gefährlich sein. Aber jeder Mensch erlebt seine Ängste sehr subjektiv und anders.
In einem Laden könntest du angesprochen werden. Du wirst rot! Du kannst nicht antworten, weil du zu schüchtern oder verlegen bist! Du schämst dich deiner Sprachlosigkeit. Du hast die Vorstellung, dass du auch etwas kaufen müsstest. Dabei möchtest du eigentlich dein Geld sparen. Du möchtest nichts ausgeben. Du möchtest nur einmal schauen! Aber nur schauen? Was sagt da die Verkäuferin? Bei einer "Ladenbetretungsangst" können schon einige Dinge zusammenkommen, die es dir unmöglich machen, die Schwelle zu übertreten. Es sei denn: Du bist mutig!
Siehst du all die mutigen Menschen, die Tag für Tag sich überwinden und irgendeiner kleinen oder großen Angst in die Augen schauen müssen? Unsere öffentlichen Augen schauen bewundernd auf die Zirkusartisten, Sportler oder sonstigen Akrobaten. Die Tausenden von Angsthasen, die durch die Fußgängerzone laufen, müssen ihre Angst überwinden ohne dass jemand sie ermutigt oder bewundert.
Da gibt es die vielen Phobien, die du therapeutisch behandeln kannst. Von denen spreche ich hier nicht. Mir geht es um die versteckten und öffentlich unbekannten Ängste, die oft unseren Mut brauchen. Einem Menschen begegnen, mit dem du zerstritten bist!  Einen Yoghurt essen kurz nach dem Ablaufdatum! Das Auto im Parkhaus wiederzufinden! Mit dem Rad über einen Nagel zu fahren! Ausgelacht zu werden...
Und? Welcher Angst schaust du tagtäglich in die Augen und wo hast du schon großen Mut bewiesen, den niemand sieht außer dir? Meinen Respekt und meine Hochachtung!
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Donnerstag, 13. August 2015

Zur Ruhe finden


Die Ruhe kommt nicht so leicht von selbst. Ich muss die Ruhe finden! Ich muss sie nicht suchen. Aber ich muss sie finden. Oft ist sie nicht einfach so da.
Ich habe meine Aufgaben, die ich erfüllen möchte. Ich habe Verantwortung übernommen für Menschen und für Dinge. Hast du einmal Zeit für mich? Kannst du dies noch schnell erledigen vor dem Wochenende? Das wäre auch noch wichtig!
Die Kinder haben auch noch ein Anliegen. Die Eltern. Der Ehemann. Die Ehefrau. Der Arbeitskollege. Alle wollen sie ja auch nur deine Aufmerksamkeit für einen kleinen Augenblick. Bloß nicht zu viel. Niemand will dich ja überfordern.
Irgendwann taucht der Gedanke auf: Jetzt bräuchte ich mal ein wenig Ruhe! Doch sie ist nicht da! Hat sie sich versteckt! Hast du sie versteckt! Hast du sie verlegt wie den Regenschirm oder deine Handschuhe? Warst du vielleicht noch nie im Besitz von Ruhe? Könntest du Ruhe überhaupt ertragen, wenn du sie hättest?
Ruhe ist wie ein Ort, zu dem du hinfindest. Du machst dich bewusst auf den Weg und suchst diesen Ort auf. Du entscheidest dich dafür. Die Ruhe ist nicht einfach so da. Auch Brot ist nicht einfach so da. Du backst oder kaufst es. Und du entscheidest dich dafür. Du entscheidest dich dafür, den Raum der Ruhe zu finden.
Du musst diesen Raum auch nicht suchen! Er ist da, wenn du dich für ihn entscheidest. Wenn du dich hinsetzt, wo auch immer, geschieht es. Vor allem befindet sich der Ort deiner Ruhe in deinem Inneren. Du entscheidest dich für eine Pause. Du setzt dich hin. Du atmest ein. Du atmest aus. Du spürst deinen Herzschlag. Du wirst dir deiner selbst bewusst. Jetzt! Hier!

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Mittwoch, 12. August 2015

Liebe muss nicht perfekt sein. Sondern echt.


Wie würde eine perfekte Liebe aussehen?

Ich lese dir deine Wünsche von den Augen ab?
Ich ahne schon im Voraus, was dein Herz begehrt?
Ich bin immer verständnisvoll?
Ich bin rund um die Uhr für dich da?
Wenn nicht rund um die Uhr, dann doch wenigstens den Großteil des Tages!
Wenn nicht den Großteil des Tages, dann doch wenigstens, wenn wir zusammen sind!

Ich habe immer Verständnis für dich!
Ich mag zwar keine offenen Zahnpastatuben, aber bei dir macht es mich nichts aus - wegen der Liebe!
Ich schwinge mit dir und teile mit dir die Freizeit?
Ich bin mit dir seelenverwandt?
Ich lese die gleichen Bücher und mag den gleichen Wein?

Ich fühle mich von dir angenommen und verstanden?
Ich verstehe dich und nehme dich so an, wie du bist?
Ich liebe auch deinen vorgewölbten Bauch?
Ich liebe auch dein ständiges Schweigen und dein nicht aufhörendes Geschwätz?

Wäre das die perfekte Liebe?
Wäre das die Liebe, nach der du dich immer noch sehnst?

Liebe muss nicht perfekt sein. Sondern echt.
Wie sähe denn die echte Liebe aus im Unterschied zur perfekten?

Ich nehme wahr, dass du jetzt da bist.
Ich stehe zu dir, auch wenn die ersten Flittergefühle vorübergegangen sind.
Ich weiß in meinem Inneren, dass mit dir da sein möchte.
Ich erwarte nichts und bin auch mit einer Trennung einverstanden.
Jetzt bin ich mit dir da. Im nächsten Augenblick bin ich getrennt. Und dann wieder mit dir da.

Ich unterstütze dich bei deiner Entwicklung und du mich bei meiner. Heute!
Was morgen ist, entscheide ich morgen.
Jetzt bin ich gerne bei dir und im nächsten Augenblick bin ich gerne allein.
Und - es bekommt eine Erlaubnis. Es darf so sein!
Ich bin auch damit einverstanden, dass du nicht einverstanden sein kannst!
Und auch mein Unverständnis bekommt die Erlaubnis, da sein zu dürfen.
Ich komme zu dir. Ich gehe von dir fort. Ich komme zu dir zurück.
Ich halte auch den Schmerz aus. Auch das erhält ein Willkommen!

Liebe muss nicht perfekt sein. Sondern echt.
Ich zeige meinem Lieblingsmenschen nicht das Bild von mir, das er sehen möchte.
Ich konfrontiere meinem Lieblingsmenschen mit dem Original von mir.
Zumindest den Teil, den ich kenne!

Ich esse ja auch lieber echten Käse und nicht das Imitat.
Ich fahre auch lieber nach Spanien und setze mich nicht vor einer Tapete mit spanischer Landschaft.
Ich lebe auch lieber selber als Teil eines Filmes im Kino zu sein.

Also: Lieber echt als perfekt!

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Dienstag, 11. August 2015

Lächle, du kannst sie nicht alle töten


Wenn ich am Samstag durch die Fußgängerzone gehe zum Einkaufen bereue ich nach wenigen Schritten, dass ich da bin. Die vielen Menschen sind mir unerträglich! Ich frage mich, warum ich da im Strom mitlaufe. Ich habe eine christliche Grundeinstellung. Ich bin eigentlich ein friedliebender Mensch. Ich mache so eine Aktion nur einmal im Jahr. Aber sonst! Ich könnte sie alle töten!
Ich war einige Jahre in der Schule tätig. Ich liebe Kinder! Aber da gibt es Klassen! Alle schreien durcheinander! Niemand nimmt Rücksicht dort auf deine Nerven! Du hältst es nicht wirklich aus! Da kommt irgendwann der Moment, da verliere ich doch die Geduld. Ich könnte sie alle töten!
Wenn meine Eltern quengeln. Junge, du kommst ja nie! Du hast deine alten Eltern vergessen! Nie bist du da, wenn man dich braucht! Wenn dann noch ein paar andere Menschen etwas von mir wollen: Ich könnte sie alle töten!
Lächeln kann ich leider auch nicht! Das würde sehr gequält wirken. Es wäre höchstens ein erschöpftes, resigniertes und ablenkendes Lächeln! Lieber hätte ich in diesem Moment alle getötet.
Aber das ist zum Glück nur ein Moment. Ein winziger Moment. Zu kurz, um nach einer Waffe zu suchen. Ich hätte ja auch gar keine! Halt Stopp! 
Meine Stimme und mein Mund ist tödlicher als eine Pistole. Ich brauche nur flüstern! Meinen Blick kann ich sekundenschnell verwandeln in eine Waffe, schärfer als ein Schwert! Und mein Herz? Es entwickelt eine Vernichtungskraft, die das gesamte Weltall durchdringt!
Will ich das? Nein! Ich verbinde mich mit den Menschen in der Fußgängerzone und sage mir, dass ich einer von ihnen bin. Ich habe Verständnis für meine Eltern, für die das Leben zu einer großen Anstrengung geworden ist. Und bei den Kindern denke ich, ich war auch einmal so. Wenn ich alle töten wollte müsste ich zugleich etwas in mir töten. Aber alle meine Anteile gehören zu mir! Ich beobachte mich also von außen ein wenig und lächle mir zu wie ein Großvater wohlwollen auf sein Enkelkind schaut. "Lächle mein Kind, es gibt keinen Grund, etwas zu töten!"
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Montag, 10. August 2015

Carpe diem: Pflücke den Tag!


"Carpe diem!" Diesen Satz habe ich bislang so verstanden:

Nutze den Tag! 

Die Zeit ist kostbar!
Handle nicht unüberlegt!
Mach keine überflüssigen Dinge!
Wer weiß, ob du morgen noch lebst!
Was du heute kannst besorgen...
Morgenstund hat Gold im Mund...

Immer geht es darum, möglichst viel hineinzupacken. Jeden Zeitraum auszunutzen. Die Vorstellung ist mir nicht sehr sympathisch. 
Jetzt habe ich eine andere Übersetzung gehört.

Pflücke den Tag!

Der Tag ist wie eine Blume!
Lebendig!
Farbig!
Duftend!
Freude auslösend!
Bejahend!
Zustimmend!
Ein Geschenk!
Du darfst!

"Nutzt" du noch oder "pflückst" du schon? Stell dir vor, dass du diese Welt und diesen Körper verlässt. Wirst du dann auch noch "nutzen" in der Dimension der Zeitlosigkeit? Pflücken wirst du ganz bestimmt - das Leben, die Liebe, die Freude...

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Sonntag, 9. August 2015

Wenn du einmal enttäuscht bist...




Du hast Gäste eingeladen. Es ist Erdbeerzeit. Du möchtest einen wunderbaren Erdbeerboden backen. Eine dünne Schicht Mürbeteig, darüber einen lockeren Biskuit. Zwischen den Böden Erdbeermarmelade und obendrauf die leckeren reifen und süßen Erdbeeren, dicht an dicht und ohne Lücken. Viele Erdbeeren und wenig Tortenguss. Dabei stellst du dir vor, wie die Augen der Gäste vor Freude aufgehen. „Wie beim Konditor! Selbstgemacht! Nein, so was!“ Du freust dich schon bei diesen Gedanken einen Ast ab! Deine Gäste und deine Torte! Jetzt darfst du aber die Sahne nicht vergessen! Und vielleicht fällt dir noch ein Detail ein, das für dich unbedingt zu dieser Szene dazugehören müsste.
Dann kommen die Gäste und dein Drehbuch wird zum Film. Bis zu dem Moment, wo der erste Gast in den Kuchen beißt und seinen Bissen spontan wieder ausspuckt. Du hast leider beim Tortenguss Salz verwendet statt des süßen Zuckers. Aus und vorbei! Das Fest ist gelaufen! Deine Laune dahin! Du bist für keinen Trost mehr zugänglich und für den Rest des Tages beschäftigt dich nur die Frage: „Wie hat dir das passieren können!“ Du wirst ungnädig mit dir und du würdest gerne für eine Weile von der Bildfläche des Lebens verschwinden. Du hast dir das doch so gut ausgedacht, und jetzt?  
Der Kuchen ist jetzt nur die Einstimmung für das folgende Erlebnis und meine Erkenntnisse dazu für diesen Newsletter.
Wie so häufig hatte mein Regionalzug nach Gütersloh Verspätung. IC und ICE bekommen ja immer den Vorrang. Inzwischen habe ich mich darauf eingestellt. Ich plane Verspätungen ein. So komme ich nie zu spät! Ich nehme einfach immer einen früheren Zug und komme dadurch immer etwas zu früh. Dadurch sitze ich sehr entspannt im Zug und habe Zeit.
Mein Regionalzug nach Gütersloh hielt in Oelde. Auf dem Bahnsteig stand eine Reisgruppe von ca. 12 Herren im Rentenalter. Sie waren gekleidet in Khakihosen und ausgerüstet mit Wanderstock und Rucksack. Als der Zug hielt, öffnete einer der Männer die Tür, hielt inne, stieg aber nicht ein. Es gab eine kurzes Händefuchteln, dann liefen alle wie eine Horde aufgescheuchter Hühner zu einem der vorderen Wagen und ein Wanderer nach dem anderen stieg schließlich in das Abteil ein. Den Grund für den Türwechsel konnte ich nicht erkennen.
Als der Zug losfuhr kam die Durchsage des Zugführers, die es echt in sich hatte: „In diesem Zug wie auch in allen anderen Zügen der Deutschen Bahn haben Sie die Möglichkeit, an jeder Tür einzusteigen. Sie haben auch die Erlaubnis, nach dem Einsteigen durch den ganzen Zug zu laufen und ein für Sie passendes Abteil zu finden. Durch diese Einsteigeaktion am Bahnhof (Er meinte wohl die älteren Herren) kommen zu den augenblicklichen zehn Minuten noch fünf Minuten Verspätung hinzu. Vielen Dank!“
Der Zuführer war total höflich, nicht wahr? Aber es war zu spüren, wie es in ihm kochte und wie er sich ärgerte! Wie mögen wohl die Khakimänner darauf reagiert haben?
Gehen wir mal ein wenig in die Tiefe. Der Zug hat Verspätung. Der Zugführer spürt den Druck. Zwischen den Wartezeiten auf IC und ICEs muss er ständig auf die Tube drücken, um die Verspätungen wieder ein wenig aufzuholen. Nie kann er entspannt fahren. Er hat immer Züge vor sich und Züge hinter sich. Er hofft, dass alles im Fluss ist und reibungslos funktioniert. Vielleicht hat er einen kleinen Spielraum, Zeitdifferenzen auszugleichen. Wenn an einem Bahnhof die Menschen zügig aus- und einsteigen kann er die eine oder andere Minute gewinnen.
Jetzt kommt er im Bahnhof von Oelde an und sieht diese Reisegruppe. Er weiß, wie Reisegruppen sich verhalten! Die steigen nicht an unterschiedlichen Türen ein. Sie sind ja eine Gruppe! Alle bleiben schön zusammen! Das gehört zur Gruppenidentität. Der Zugführer sieht also schon bei der Einfahrt seine kostbaren Minuten dahinschwinden. Und schon während des Einsteigens kann er seine Rede vorbereiten. Jedes Wort sticht wie ein Messer in die Brust seiner Bahnkunden. Beschimpfen kann er sie ja nicht. Aber seinem Ärger Luft machen. Diese Rentner, die den ganzen Tag Zeit haben, halten seinen Laden auf! Sie haben ihm den ganzen Tag kaputt gemacht! Seine Aversion gegen Reisegruppen bekommt reichlich Nahrung.
Und unsere Rentnertruppe in afrikanisch anmutender Khakiuniform? Kurz vor der Lautsprecherdurchsage ist ihre Welt noch in Ordnung. Wie schön, in der Gruppe zu reisen. Einen Tag Pause zu machen von den Ehefrauen und Enkelkindern. Das Rentnerdasein genießen. Etwas für die Gesundheit tun. Schön wandern und lecker essen. Eine nette Truppe mit Menschen, die ähnlich ticken. Wir haben alle Zeit der Welt! Steigen wir nicht an dieser Tür ein, dann eben an einer anderen! Hauptsache ist, wir haben Spaß.
Alle haben jetzt Platz gefunden und die Reise kann losgehen. Da kommt auf einmal die Durchsage dieses Zugführers: „Der will uns wohl auf den Arm nehmen! Kann er das nicht in einem anderen Ton sagen? Der soll sich mal nicht so wichtig nehmen. Wenn er so weiter macht, dann schafft er es gar nicht bis zur Rente.“ Einer versucht noch, die Gruppe zu beschwichtigen, die gute Atmosphäre zu retten. Aber jetzt ist der Wurm drin. Die Reise geht nicht mehr so unbeschwert weiter wie bislang.
Die Rentner wurden zum Sand im Getriebe des Zugführers und der Zugführer wurde zum Zerstörer des Rentnerfriedens. Enttäuschung!
Welche Geschichten erlebst du im Alltag? Worin bestehen die Zutaten deines „Erdbeerkuchens“? Denkst du dir auch manchmal so schöne Dinge aus und dann kommt es so, wie du es dir nicht gewünscht und gedacht hast?  „Ich habe mir das so schön vorgestellt und jetzt...?“ Wie gehst du mit deinen Enttäuschungen um?
Zunächst einmal musst du nüchtern eingestehen, dass du dich getäuscht hast. Es war eben nur eine Vorstellung und nicht die Realität. Du wirst aus einem irrigen Bild herausgeholt, weil du dich getäuscht hast. Du wirst gezwungen, dein Bild von der Situation „einzutauschen“ gegen die wirkliche Wirklichkeit. Das ist durchaus schmerzhaft und unangenehm. So eine Enttäuschung kann dich sogar in eine tiefe Krise stürzen.
Die Liebe deines Lebens entspricht nicht deinem Bild, das du dir gemacht hast. Deine Kinder bringen nicht die Begabung mit, die du vermeintlich gesehen hast. Das Produkt, das du gekauft hast, hält nicht, was es verspricht. Immer das Gleiche! Du machst dir ein Bild von etwas und jemand anders zerstört es. Du siehst im Internet die schöne Ferienwohnung. Wenn du dort ankommst stellst du fest, dass die Fotos nur die Sonnenseiten zeigten, die Schattenseiten aber viel stärker auf dich einwirken, wenn du vor Ort bist.
Gibt es Möglichkeiten, da entspannter und gelöster mit sich umzugehen? Ich denke ja! Und das sind meine Ideen dazu.
Du planst Enttäuschungen im Leben einfach mit ein. Sie sind nichts Außergewöhnliches. Sie gehören dazu! Sie dienen letztlich deiner inneren Entwicklung und Reifung. Du wiederholst deine Täuschungen so oft, bis du klar siehst. Vertraue zugleich auf den Moment der Dankbarkeit, der sich einstellt, wenn du das erste schreckliche Gefühl erst einmal überstanden hast.
Du kannst auch die Kehrseite der Enttäuschung wahrnehmen. Für irgendwen und irgendetwas war es auch gut. Vielleicht sollte niemand den Erdbeerkuchen essen, weil alle gerade eigentlich auf Diät sind. Die Wanderrentner entwickeln einen noch größeren Gruppenzusammenhalt und der Zugführer gewinnt die Erkenntnis, dass er an seinem Stressgefühl auch einmal arbeiten könnte.
Enttäuschungen sind ein wunderbares Feld des Übens, auf Bewertungen zu verzichten. Es ist so anstrengend, ständig zu werten. „Das ist richtig! Das ist falsch!“ -  „Das ist gut! Das ist schlecht!“ Vielleicht lernst du durch die Erfahrung von Enttäuschung, gnädiger mit dir zu sein.
Du kannst deine Erlebnisse auch in einen neuen und größeren Gesamtzusammenhang stellen. Was bedeutet ein salziger Erdbeerkuchen schon im Blick auf die Ewigkeit, zu der du berufen bist? Du kommst vielleicht mit der Bahn oft zu spät, aber du wirst pünktlich genug im Himmel sein. Dort existier die Zeit gar nicht.
Das wäre doch, schön, wenn wir so gelöst mit unseren Enttäuschen umgehen könnten, nicht wahr?
Zugegeben! So weit entwickelt bin ich leider auch noch nicht, dass mir eine Enttäuschung keinen tiefen Stich im Herzen verursacht. Es fühlt sich nach wie schmerzhaft an und wenn ich es vermeiden kann, dann tue ich es. Und wenn ich mit diesem Thema nichts emotional zu tun hätte, würde ich darüber nicht schreiben.
Ich möchte nicht getäuscht werden, nicht enttäuscht werden und tausche diese Erfahrungen gerne aus gegen das pure Glück. Aber wenn ich es schaffe, eine Enttäuschung zu verarbeiten, dann liegt darin ein dickes Stück von „So ist es gut!“ Und das wünsche ich dir von ganzem Herzen. 

Freitag, 7. August 2015

Ist jemand da?


Manchmal kommt jemand zu mir in die Beratung und spricht fast ohne Punkt und Komma eine gefühlt ewige Zeit über sein Leben. Und hier! Und da! Und das auch noch! Und das muss ich unbedingt auch noch sagen! Und dieser Mensch redet sich so hinein in sein Thema, dass etwas eigenartiges geschieht.
Dieser Mensch verschwindet. Da ist auf einmal niemand mehr da. Du kannst z.B. mit den Händen wedeln und diese Person reagiert gar nicht. Der Körper sitzt vor dir und du hörst auch die Stimme. Die Sätze sind sinnvoll und die Geschichte ist wirklich dramatisch. Dennoch sitzt dir niemand mehr gegenüber. Da ist etwas verschwunden. Genau das ist in diesem Satz ausgedrückt:

"Ich bin nicht da! Bin mich suchen gegangen. Wenn ich wieder da bin, bevor ich zurückkomme, sage mir: ich soll auf mich warten."

In uns gibt es verschiedene Persönlichkeitsanteile. Ein Teil von dir kann jetzt auf eine schöne Insel verreisen und ein anderer Teil sitzt körperlich am Schreibtisch. Ein "Ich" ist am Körper gebunden und ein anderes "Ich" verschwindet einfach so! Im Traum machst du es auch so, oder? Ein Teil von dir liegt im Bett und ein anderer Teil ist unterwegs in irgendwelchen Traumgeschichten.

Wann geschieht es, dass alle deine Teile einmal ungeteilt versammelt sind? Wie fühlt sich das für dich an? Was ist dann anders? Kennst du das auch, dass du im Zug sitzt, und die Landschaft an dir vorüberzieht. Irgendwann steigst du mit deinen Gedanken aus und bist in der Vergangenheit oder in der Zukunft oder du mäanderst hin und her. Dann ruft der Zugführer: "Wir erreichen Köln in wenigen Minuten." Ein Schauer geht durch deinen Körper und du erwachst. In wenigen Momenten hast du die Erinnerung an deine Traumbilder verloren und das "Traum-Ich" ist verschwunden.

Wie bekommst du es hin, dass alle deine "Ichs" gemeinsam da sind? In dem Augenlick, wo du ganz in der Gegenwart bist, ganz im Hier und Jetzt. Genau dann! Wenn dir jemand beim nächsten Gespräch das Ohr vollredet und du gar nicht mehr zuhören magst oder kannst, dann weißt du vielleicht: Am anderen Ende ist im Moment niemand mehr da. Dann sprichst du diesen Menschen mit Namen an. Du wiederholst den Namen. Du machst es so lange, bis er dich anschaut. Wenn dieser Mensch dich anschaut fragst du: "Bist du da?" Und du wirst merken, dass sich etwas verändert. Dieser Mensch ist auf einmal anders da und du auch. Es kommt zu einer Begegnung. Auge in Auge und Wort an Wort!
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Donnerstag, 6. August 2015

Unser erstes gestohlenes Pferd


Vor einiger Zeit bekam ich von einer Freundin eine Postkarte. Da ist ein gesticktes Pferd zu sehen mit der Überschrift: "Unser erstes gestohlenes Pferd".
Hast du dir als Kind auch eine Freundin oder einen Freund gewünscht, mit der oder mit dem du Pferde stehlen kannst? Vielleicht hast du sogar so einen Menschen an deiner Seite. Vielleicht bist du sogar mit einem solchen Menschen verheiratet! Tolles Geschenk! Ich freu mich für dich!
Erinnerst du dich noch an dein erstes gestohlenes Pferd? Nicht, was du selber geklaut hast, sondern das gemeinsame Pferd? Dabei geht es ja wohl nicht um das Pferd an sich, sondern eher um das gemeinsam bestandene Abenteuer oder die erste gemeisterte Krise.
Beziehungen werden irgendwann sehr alltäglich! Du möchtest keine Anstrengungen mehr. Du bist nicht mehr aus auf Abenteuer. Du möchtest dich lieber zur Ruhe setzen. Du magst inzwischen eher leicht dahinplätschernde Freundschaften? Nichts dagegen einzuwenden.
Aber spürst du die Kraft in diesem Spruch? Die Freude? Kennst du auch dieses "Aha" Erlebnis? Mir ist es beim Lesen so gegangen. Mir wurde es warm ums Herz. Ja so ist es! Ich habe Menschen an meiner Seite, mit denen ich ein erstes Pferd gestohlen habe. Dafür bin ich sehr dankbar. Das erfüllt mich mit tiefer Freude. Von so manchen gestohlenen Pferden zähre ich bis heute!
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Mittwoch, 5. August 2015

Ich habe keine Macken...das sind special effects



Ein weiterer Postkartenspruch!

Ich habe Macken!
Ich trage welche aus meiner Kindheit mit mir herum. Wenn ich kritisiert werde von meinem Arbeitgeber, dann höre ich im Hintergrund meinen Vater. Dann schalte ich auf stur und kann nicht mehr offen sein. Mein Arbeitgeber wundert sich dann über mich und denkt, wie empfindlich ich doch bin - wegen einer solchen Kleinigkeit.
Ich erledige jede Aufgabe sofort und denke dabei an den Spruch von meinem Vater: "Was du heute kannst besorgen das verschiebe nicht auf morgen." Mit diesem Spruch schaut mich die Spülmaschine an, der Wäscheberg, die Papiere auf dem Schreibtisch, der Rasen, die Blumen...
Ich habe immer etwas mehr in meinem Kühlschrank gelagert als ich bewältigen kann. Ich könnte verhungern und am frühen Morgen bricht die Butterpanik aus. Es reicht nicht für das zweite Brot!
Ich bin ein konsequenter Verweigerer vom Schuheputzen. Mein Vater hat mit Schuhen sein Geld verdient und das Thema kam in der Familie zu häufig vor. Damit bin ich genetisch vorbelastet.
Ich knöpfe nie meinen letzten Hemdknopf zu, weder oben, noch unten. Es engt mich ein und Enge finde ich unerträglich; Krawatten und Fliegen auch.

Mein Leben setzt sich zusammen aus lauter Macken! Ich führe ein Mackenleben! Und? Und du? Ich könnte locker ein ganzes Buch vollschreiben von meinen Macken. Der Kartenspruch versucht ja so eine Art Verharmlosung. Es sind nur "special effects". Was ich daran mag ist: Du kannst über dich selber lachen. Nimm es mit Humor! Beginne damit, jede Macke an dir zu streicheln, zu lieben, zu zelebrieren und voll auszukosten.
Was geschieht, wenn du deine Macken magst und annimmst? Zugleich besitzt du die Freiheit, jederzeit von deinen Macken eine kleine Pause zu machen. Das ist ganz wohltuend. Du entsprichst für einen Moment nicht deinem eigenen Bild. So putze ich manchmal meine Schuhe und lass die Spülmaschine in Ruhe. Ich knöpfe mir den obersten Knopf am Hemd zu und werde demnächst bei einer Hochzeit eine Krawatte tragen ;-) (vielleicht).
Wir haben Macken und die prägen unseren Gesichtsausdruck, unser Körpergefühl und unser Denken. Sie gehören zu uns dazu. Aber! Das sind wir nicht. Ich bin jenseits meiner eigenen Macken. Ich bin total viel mehr! Es gibt einen "special effect", der wirklich einer ist: "ICH BIN!"
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Dienstag, 4. August 2015

Das Schönste an mir bin ich.


In einer Beratung kam zu mir eine Frau und während des Gespräches schrieb ich auf ein Flipchart-Papier:
Ich bin wunderbar!
Ich bin einmalig!
Ich fühle mich wohl!
Ich darf leben!
Dann fragte ich sie, ob sie diese Sätze laut lesen könnte. "Das bin ich nicht! Das kann ich nicht! So denke ich nicht von mir!"
Und - wie denkst du von dir? Wie klingt in deinen Ohren dieser Postkartenspruch:
"Das Schönste an mir bin ich." Vielleicht magst du auch noch ein Ausrufezeichen setzen!
Oder gehörst du zu den Menschen, die eine solche Postkarte gerne verschenken können an andere. Für andere ja, aber für mich? Dir fällt bestimmt ein Mensch ein, der ein geringes Selbstwertgefühl hat und den du mit einem solchen Spruch aufrichten könntest.
Lässt er sich damit aufrichten? Vielleicht mag dieser Mensch einen solchen Spruch gar nicht glauben. Wenn du als Kind immer gehört hast: "Kind, das kannst du nicht!" "Wie bist du doch ungeschickt!" "Wie du auch wieder aussiehst!" "Benimm dich nicht so!" Irgendwann glaubst du das. Du hast es als Kind tief bis in alle Körperzellen hinein verankert.
Mach einmal folgendes Experiment. Stell dich vor den Spiegel, lach dich an und sage laut zu dir selbst: "Das Schönste an mir bin ich!" Wenn du das von ganzem Herzen laut kannst, dann gratuliere ich dir. Du hast eine prächtige Kindheit gehabt mit viel Bestätigung.
Wenn es nur still und leise über deine Lippen kommt, dann hast du jetzt die Möglichkeit, es einfach so oft zu sagen, bis es in deinem Bauch angekommen ist. Bis dein Herz davon bebt und bis die angestauten Tränen sich ausgeweint haben.
Eines kann ich dir total sagen! Es stimmt! Ohne Abstriche! "Das Schönste an mir bin ich!"

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Montag, 3. August 2015

Magst du gnädig mit dir sein?

Suche so oft wie möglich nach dem, was verbindet und achte darauf, nicht das Trennende wahrzunehmen.
Jeder Mensch kann sich weiter entwickeln. Du selbst und auch alle anderen.
Auch der, den du nicht liebst, ist ein Kind Gottes und wird von ihm geliebt.
Die Liebe wird dir helfen, fehlerfreundlich zu werden und "gnädiger" mit dir selbst umzugehen.

Wenn du dich nur noch auf die Liebe konzentrierst, wird sich dein Leben radikal verändern.
Entscheide dich jetzt dazu, mit aller Kraft zu lieben, dich selbst und die Menschen, mit denen du zusammenlebst, die ganze Schöpfung und vor allem diejenigen, die du eigentlich nicht magst. 

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Sonntag, 2. August 2015

Ein bisschen Dreck schadet nicht, oder?



Wie hältst du es mit der Reinheit? Bist du da entspannt, gibt es Zwänge? Thema angenehm oder unangenehm? Viele Kulturen kennen die Vorstellung, dass wir uns innerlich und/oder äußerlich beschmutzen. Um wieder versöhnt dem „reinen“ Gott gegenüberzutreten bedarf es in dieser Vorstellung eine Erneuerung und Reinigung.
Dazu kommen mir mehrere Assoziationen. Vor einigen Monaten war ich in dem Kinofilm „Der Medicus“ und sah im ärmlichen Heimatdorf des späteren Arztes lauter schmutzige Gesichter. Alles starrte nur so vor Dreck! Das erinnerte mich an andere Filme aus dem Mittelalter, in denen die Menschen eher wie Tiere hausten als wie ordentlich gewaschen, gut angezogene und zivilisierte Menschen.
Machen wir einen Sprung in die Gegenwart. Da gab oder gibt es die berühmte Werbung von „Ariel“ (hebräisch wie passend: der Feuerherd Gottes) mit Clementine, die da lautete: „Ariel wäscht nicht nur sauber sondern rein“. Ich konnte nie verstehen, was bei der Wäsche den Unterschied ausmacht zwischen „sauber“ und „rein“. Ich erwarte von einem Waschmittel, dass es die Wäsche schlicht sauber macht. Dennoch suggeriert der Satz, dass es Steigerungen der Sauberkeit gibt: Schmutzig, Sauber, Rein… Was für Vorstellungen und Ideen verbergen sich da im Hintergrund? Mit welchen Bildern wird hier gespielt?
Eine erste Idee dazu kommt mir von unserem ganz natürlichen Empfinden her. Du siehst Schmutz oder vergammeltes Essen und ekelst dich. Der Ekel, den du empfindest, warnt dich davor, mit der verdorbenen Nahrung in Berührung zu kommen. Du hast ein ganz natürliches Frühwarnsystem. Wenn du Schimmel isst, kannst du sterben. Halte dich davon fern. Der Ekel bewirkt, dass wir uns fernhalten von etwas, das uns nicht gut tut. Schmutzige Menschen wecken in uns den Gedanken nach Ungeziefer. Wir beginnen uns schon zu kratzen und rümpfen die Nase. In unseren Breiten kommt das ja nur noch selten vor, vielleicht wenn wir Menschen begegnen, die auf der Straße leben.
Wir vermeiden Situationen, in denen Ekel entstehen könnte. Ariel wird auch noch die letzten verborgenen Schimmel- und Schmutzreste beseitigen. Dreck, den man nicht sieht. Da kommen dir dann Bakterien, Mikroben und sonstige kleine Giftviecher in den Sinn, die dir nach dem Leben trachten.
Du befindest dich im ständigen Kampf gegen den Schmutz in der Welt. Du reinigst im weiteren Umfeld die Wohnung, den Garten und die Straße und im näheren Umfeld deine Haut, deine Haare und deine Kleidung. Nie hört diese Arbeit auf.
Wenn der Februar als Reinigungsmonat ursprünglich der letzte Monat im römischen Jahreskalender war, macht das auch Sinn, aufzuräumen und sich zu säubern nach dem Motto: Geh frisch und rein in das neue Jahr. 
Interessanterweise kennt auch die Kirche Zeiten der Reinigung. 40 Tage nach dem Weihnachtsfest am 2. Februar begeht sie das Fest mit den verschiedenen Namen: „Darstellung des Herrn“, „Lichtmess“ oder „Fest der Reinigung Mariens“. Maria erhält nach dem jüdischen Gesetz 40 Tage nach der Geburt ihres Sohnes wieder den Status der kultischen Reinheit. Dahinter verbergen sich sehr archaische Vorstellungen vom Leben. Wenn Tiere getötet werden, dann verlieren sie ihr Blut. Wenn eine Frau in der Menstruation blutet, verliert sie ihre Lebenskraft und muss geschont werden. Wieder geht es um die tiefergehende Auseinandersetzung mit Leben und Tod. Halte dich vom Tod und von den Toten fern, wenn du selber leben möchtest. Darum schicke „Todeskandidaten“ wie Bakterien in die Quarantäne und reinige dich selbst ordentlich. Das macht ja durchaus auch Sinn. Mir geht es nicht um das sinnvolle Reinigen, sondern um die Angst vor den „lebensfeindlichen und bedrohlichen“ Elementen.
In der Regel beginnt im Februar die Fastenzeit, die Zeit der inneren Reinigung und Umkehr. Womit wir zu einem weiteren Aspekt kommen. Neben der äußeren Reinheit, die wir durch das Waschen erreichen können, gibt es auch die Vorstellung der inneren Reinheit. Wenn ich innerlich rein bin, kann ich vor Gottes Angesicht treten. So manche Bußlieder sprechen da vom “Abwaschen der Sünde, um rein zu werden“.
Der Waschzwang von manchen Menschen treibt auf die Spitze, was viele empfinden und denken. Ich möchte rein sein, innen und außen. Sünde, Schmutz und Ekel halte ich möglichst fern von mir. Das macht mir Angst, das will ich nicht haben, davon wende ich mich ab. Mein Motto lautet in solchen Situationen: Ach, jetzt wird es erst interessant! Suchen wir doch einmal nach dem positiven „Wert“ des Schmutzes.
Eine frühere Kollegin im Altenheim desinfizierte sich ständig ihre Hände, damit sie sich keine Keime einfing. Von allen Angestellten war sie  am häufigsten krank.
Kinder, die nicht im Dreck wühlen, haben keine Möglichkeit, ihr Immunsystem sinnvoll zu stärken. Ein ordentliches Schlammbad kann durchaus gesundheitsfördernd sein. 
Jesus ist es egal, ob seine Jünger mit unreinen Händen essen. Für ihn kommt die Unreinheit von innen und nicht von außen. Er hat auch keine Berührungsängste gegenüber den sogenannten unreinen Aussätzigen.
Schmutzige Wäsche waschen im übertragenen Sinn ist deshalb so erfolgreich, weil wir unseren eigenen Schatten lieber verstecken, als ihn zu zeigen. Je mehr wir ihn jedoch verbergen, desto gewichtiger fühlt er sich an, wenn wir ihn entdecken. Beim genauen Hinsehen wird ausnahmslos jeder Politiker seine   schmutzige Wäsche haben. Wenn jeder offen damit umgeht, ist es nicht mehr bedeutsam für die Öffentlichkeit.   
Die systemischen Familientherapeuten sagen: „Wo Scheiße ist, ist auch ein Kamel.“ Das heißt: Die verachteten Dinge der einen Seite der Medaille weisen zugleich hin auf die wertvolle. Wenn „Geiz“ z.B. dein abgelehnter „Scheißehaufen“ ist bedeutet es immerhin, dass du Geld sehr hoch achtest und dir Mühe gibst, verantwortlich damit umzugehen.
Ekel ist zunächst einmal ein wertvolles und beschützendes Gefühl, das dich unterstützt gegen alle Krankheitskeime. Du musst ihm aber nicht immer nachgeben und davor weglaufen. Manchmal ist es gut, sich diesem Gefühl zu stellen.
Wenn du nur deine sonnigen Seiten liebst, liebst du dich nur halb. Wir sollen nach dem wichtigsten christlichen Gebot Gott lieben und den Nächsten wie uns selbst. Da steht nicht, dass wir nur einzelne Teile von uns lieben sollen. In dir wohnen Prinz und ein Frosch gemeinsam! Vielleicht ist es darum hilfreich, hin und wieder mit Absicht einen kleinen Flecken auf die „saubere“ Tischdecke hinzuschmieren. Ein Freund von mir machte das regelmäßig mit dem Kommentar: „Dann muss ich nicht mehr so aufpassen!“
Das wiederum finde ich einen wichtigen Hinweis. Das ständige „Rein-Sein“ ist auf die Dauer sehr anstrengend. Lehne dich zurück und entspann dich. Sei wortwörtlich mitten im Fluss und akzeptiere den Schlamm am Grund und die Klarheit im fließenden Wasser.