Montag, 31. März 2014

Einen Gabelstapler für deine Seele




In einem Bericht über technische Veränderungen am Arbeitsplatz lese ich einen interessanten Gedanken. Arbeitsabläufe, die früher mit Händen und Muskelkraft mühsam bewältigt wurden, werden heute von Maschinen erledigt. Für eine solche Arbeit braucht es dann eher Köpfchen als Händchen. Im Laufe der Jahre entstanden in klugen Köpfen Maschinen in klein und groß bis überwältigend für alle erdenklichen Arbeitsabläufe. Dabei werden die Techniken immer detaillierter und ausgereifter. Viele empfinden es als eine große Erleichterung, weniger körperlich belastet zu sein. Allerdings steigt damit auch die Erwartung an den Kopf. Technik will bedient werden. Wenn ich entscheiden müsste eine Kiste von A nach B zu tragen, würde ich mich auch für den Gabelstapler entscheiden.
Im Baumarkt stehe ich staunend vor all den vielen Geräten und Werkzeugen. Für jede erdenkliche Arbeit existiert ein spezielles Werkzeugteil. Dahinter steckt letztlich ein unglaublicher Erfindergeist und Präzisionsarbeit über viele Jahrzehnte bis zu Jahrhunderten.
Jetzt mache ich einfach einen Sprung und betrachte ich meine Seele. Wurde für die Seele inzwischen auch ein Gabelstapler erfunden, der das Leben erleichtert? Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir unsere Seele immer noch mit den Steinzeitwerkzeugen bearbeiten. Meistens ignorieren wir sie. Wir hoffen, dass sie uns im Alltag nicht in die Quere kommt und die Stimmung vermasselt. Was stellen wir mit unserer Seele alles unbewusst und unbemerkt so an?
Wir spüren nicht, wenn wir zu stark belastet sind in unseren Beziehungen und unserer Arbeit und machen einfach weiter so.
Wir streifen unsere Bedürfnisse nach Geborgenheit und Streicheleinheiten ab wie eine nicht nötige Haut und denken, wir müssten den Alltag bewältigen.
Wir nehmen uns Zeit zum Putzen der Zähne und verschieben das Seelenpflegen auf die wenigen Urlaubstage im Jahr. Dabei verwechseln wir auch noch körperliches Ausruhen mit aktiver Seelenpflege.
Was braucht die Seele denn eigentlich zum Leben? Im übertragenen Sinn kann ich fragen: Wenn der Körper zur Entlastung einen Gabelstapler braucht, was braucht da die Seele?
Die erste Antwort, die mir dazu einfällt heißt: Nimm sie erst einmal wahr! Beachte sie! Schenke ihr deine Aufmerksamkeit! Befrage sie doch einmal: „Was brauchst du, dass es dir gut geht?“ Vielleicht wird deine Seele erst zaghaft und zögerlich hervorkommen und Schwierigkeiten haben, sich auszudrücken.  Sie braucht Zeit.  Sie ist unglaublich schnell und zugleich braucht sie Zeit und ungeteilte Aufmerksamkeit. Ich empfehle dir folgende Übung.
Du gehst zum Bäcker und schaust auf die Auslagen. Du schaust nicht mit den Gedanken im  Kopf: „Was fehlt in meinem Haushalt, was ist gesund? Wie teuer ist das?“ Du fragst stattdessen deine Seele: „Worauf hast du Lust! Was lacht dich an! Was erfreut dein Herz!“ Es kann sein, dass du am Ende ganz unvernünftig bist und irgendein Sahneteilchen kaufst. Dein Kopf wird Bedenken äußern, aber deine Seele frohlockt. Mir geht es bei diesem Beispiel nur das Einüben. Zugleich geht es darum, dass du den Unterschied spürst, ob du im Kopf bist oder mit der Seele arbeitest. Auf die Dauer sollten Kopf und Seele natürlich besser zusammenarbeiten.
Deine Seele benötigt eigentlich keinen Gabelstapler. Deine Seele ist schöpferisch und kann jeder Zeit etwas neu erfinden und hervorrufen. Sie erzählt Geschichten, schenkt dir Freude im Alltag, hüpft um dich herum wie ein kleines Kind, schenkt dir spontan tiefe Erkenntnis und Weisheit, ist unberechenbar und total zuverlässig an deiner Seite.
Zugleich ist sie flüchtig und versteckt sich, wenn du für sie nicht aufmerksam bist. Wie Was für Gewichte der Gabelstapler, ist die Achtsamkeit für die Seele. Wenn du weißt, dass deine Zähne tägliche Pflege brauchen um gesund zu bleiben, dann schenke deiner Seele ein Vielfaches denn mit ihr reist du in das neue Leben. 

Jammern auf hohem Niveau

Ich weiß, ich jammer auf hohem Niveau. Schon mal gehört? Schon mal öfters gehört? Ich stutze manchmal, wenn ich diese oder eine andere Redewendung höre. Was zeigen solche Sätze und was verbergen sie? Zerpflücken wir mal diesen Satz: Jammern auf hohem Niveau.
Niemand liebt ewige Jammerer. Sie sorgen für schlechte Laune und ihre Lamentieren wirkt bisweilen ansteckend. Man geht ihnen nach gewisser Zeit lieber aus dem Weg. Jammern bedeutet laut Duden ein lautes Klagen oder unter Seufzen und Stöhnen seinen Kummer zeigen. Wer jammert, möchte gesehen und gehört werden und dabei vielleicht eine Portion Mitleid abholen. Jammern ist auf jeden Fall nicht an jedem Ort und zu jeder Zeit erwünscht.
Auf hohem Niveau begeben wir uns jedoch gerne. Ein Kinofilm mit hohem Niveau! Ein niveauvoller Mensch, ein niveauvolles Essen oder eine ebensolche Party zu erleben erfüllt uns mit Freude und lässt uns innerlich wachsen und größer werden. Ein Leben mit Niveau stärkt das Selbstwertgefühl.
"Jammern auf hohem Niveau" ist eine seltsame und ambivalente Kombination. Da paart sich ein eher negativer Selbstausdruck (Ich jammer) mit einer positiven Qualität (auf hohem Niveau). Und was ist beabsichtigt damit?
Meine Vermutung geht dahin, dass es darum geht, das Jammern hoffähig zu machen. Jemand der ständig jammert, weiß um seine Wirkung auf andere Menschen. Doch das Jammern auf hohem Niveau sorgt für eine Entschärfung und eine Abmilderung. Für mich ist jammern gleich jammern, egal welches Niveau man dabei anstrebt!

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Samstag, 29. März 2014

Stell dich in deinen Sonnenraum



Hast du schon einmal bemerkt, dass du die gleiche Tätigkeit mal mit Energie und Kraft locker bewältigst und ein andermal nur mit großer Mühe und Anstrengung?
Also, du stehst in der Küche und bereitest das Essen zu. Voller Freude liest du dein Rezept. Du schaust in den Kühlschrank, ob alle Zutaten da sind. In deiner Phantasie entsteht das Bild eines wunderbaren Gerichtes auf einem schön gedeckten Tisch. Deine Familie oder die Gäste schauen erwartungsvoll auf das Wunder, das du gewirkt hast. Nach den ersten Gabeln vernimmst du ein Ah! und Oh! Mit diesem inneren Bild und dem beglückenden Gefühl stellst du dich an den Herd und zauberst fast ohne jede Anstrengung dein Essen.
Ein paar Tage später stehst du wieder in der Küche. Du liest dein Rezept, du schaust in den Kühlschrank ... und du merkst: Etwas fehlt! Du freust dich nicht. Du bekommst kein Bild vom Ergebnis. Die Familie erscheint dir als undankbar. Die Zutaten erfüllen nicht deine Erwartungen. Du kochst und hoffst, du bekommst alles noch irgendwie fertig. Mühselig und angestrengt vollziehst du jeden Arbeitsschritt. Das Essen kommt auf den Tisch und du bist nur froh, wenn du anschließend deine Ruhe hast.
Der Zuschauer deines Filmes sieht zwei fast identische Szenen. Aber wenn der Zuschauer in dein Inneres hineinblicken könnte, würde er einen großen Unterschied wahrnehmen. Die erste Szene wäre gefüllt von Leben und Freude und die zweite Szene trist und grau.
Mich erinnert das an die erste Geschichte in der Bibel. Die Menschen leben im Paradies und arbeiten in diesem Garten voller Liebe und in Verbundenheit mit dem Schöpfer. Nach dem Essen von der verbotenen Frucht verwandelt sich das Paradies in einen Ackerboden, der kaum zu bewältigen ist. Die hilfreichen Engel verschwinden und sie fühlen sich ausgestoßen und verloren in einer kalten Welt.
Manchmal sagst du vielleicht selber: „Ich bin nicht im Vollbesitz meiner Kräfte.“ Wenn dir die Kraft fehlt, wird das Leben zu einer Anstrengung. Wenn du in der Freude bist, wird jede Arbeit zum Spiel und du erlebst dich wie im Flow. Wenn die Anforderungen jedoch anwachsen kann es sein, dass du mehr und mehr den Bezug zu deiner Mitte verlierst.
Wenn dir das Kartoffelschälen keine Freude mehr bereitet und du lustlos mit dem Löffel in der Sauce rührst, wird es Zeit, dass du eine Pause einlegst. Tank erst mal wieder auf! Stell dich in deinen Sonnenraum! Suche einen Wohlfühlort auf und tu erst einmal – nichts! Dein Sonnenraum kann ein äußerer Ort sein wie die Bank vor der Tür, ein Sessel im Wohnzimmer oder ein Platz  unter einem Baum. Dein Sonnenraum braucht jedoch zugleich eine innere Entsprechung. Im Sessel deines Wohnzimmers schließt du die Augen und wendest dich nach innen. Du visualisierst Licht und Wärme. Die angestrengte und überforderte Person in dir bittest du, für einen Moment zur Seite zu treten. Du könntest sie in die Küche schicken und von deinem Sessel aus betrachten. Von deinem Sessel aus schaust du wohlwollend auf die Person in der Küche, die sich gerade abmüht und keine Kraft hat. Dieser Person in der Küche schickst du Aufmerksamkeit und Anerkennung. Du selbst in deinem Sessel weißt, dass alles sich zum Guten wenden wird, denn du bist ja weise. Wenn du die Mitte wieder gefunden hast in deinem Sonnenraum kannst du diesen Menschen in der Küche ja ein wenig unterstützen. 
Wie oft höre ich: „Das muss ich erst noch fertig machen, dann gönne ich mir eine Pause!“ Im Hintergrund klingt bei mir: „Ich muss mich erst noch fertigmachen, dann kann ich eh nicht mehr!“ Arbeiten bis zum Anschlag. Die Pause musst du dir verdienen. Dann kann ich nur sagen: Umgekehrt! Umgekehrt! Nur mit der Pausenstimmung kommst du gut in deine Arbeit. Ohne innere Anbindung an deinen Sonnenraum wird das Leben zum Krampf. Dann höre ich: „Aber ich muss doch ...“ Überprüf einmal deine Glaubenssätze. Von wem stammen diese Aussagen? Spricht da deine Mutter oder dein Vater?
In der Mitte deines Sonnraumes bist du unangreifbar für das schlechte Gewissen und die ständige Pflichterfüllung. Da ist Platz für dich. Da tankst du auf. Da bist du einfach da!

Freitag, 28. März 2014

Für jeden ein eigenes Paradies


Am letzten Freitag war ich mit S im Schuhparadies. Das kam so: S  hat Schuhgröße 36. Größe 36 bedeutet in der Regel eine äußerst eingeschränkte Auswahl in den Schuhgeschäften. Da heißt es oft:da hat nichts gepasst und nichts war attraktiv genug. Doch plötzlich öffnete sich am Freitag in Essen der Himmel. Ein Schuhgeschäft mit ausschließlich reduzierten Markenschuhen. Da musste S rein. Der Himmel zeigte sich in 27 Regalreihen  mit je 12 Paar Sandalen und Schuhen in Größe 36. Ein 36iger Schuhparadies in weiß, pink, grün, gold und mehr...
So ein Paradies kommt einfach überraschend und nicht geplant. Wir leben in einer Wohlstandsgesellschaft und dennoch ist nicht für jeden von allem genug da. Ich finde häufig nicht die Bücher in den Buchläden, die ich mir wünsche. Manche von denen sind noch gar nicht geschrieben. Ich wünsche mir ein wirkliches Buchparadies mit den Büchern, die ich gerne lese. Und ich freue mich auf das Gemüseparadies, das bald wieder im Sommer geöffnet wird. 
Es ist schön, wenn jeder und jede so sein kleines Paradies findet in welchem Bereich des Lebens auch immer. Oft entwickeln wir erst ein Bewusstsein für unsere Paradiese, wenn wir im Mangel sind. Das ist egal, ob es ein Mangel an Schuhen, Büchern oder Kleidung ist. Wenn du jedoch die Augen offen hältst, liegt dein Paradies auf einmal da zu deinen Füßen. Es gibt im Leben immer mal wieder eine Überraschung. Halte also Herz und Augen offen!

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Donnerstag, 27. März 2014

Mit Würde Stellvertreter sein


Man kennt das vom Fußball: auf der Ersatzbank sitzen die Spieler, die ausgetauscht werden bei Bedarf. Sie sind Ersatzmänner. Sie sind nicht die erst Wahl. Die erste Wahl steht auf dem Platz. Die Wahl, die der Trainer getroffen hat, ist hoffentlich gut abgewogen im Hinblick auf die gegnerische Mannschaft. 
Der Papst hingegen nennt sich nicht Ersatzmann sondern Stellvertreter. Er ist der Stellvertreter Christi auf Erden. In einer Firma gibt es auch öfter einen Stellvertreter, wenn der Chef nicht erreichbar ist. Ein Stellvertreter erhält gewisse Vollmachten. Diese Vollmachten geben ihm eine eigene Würde. Er bekommt Kompetenzen und Erlaubnisse zugesprochen und hat Anteil an der Macht.
Ein Ersatzmann wird immer das Gefühl haben, nur ein Ersatz zu sein für jemand, der besser ist als er. Der Ersatzmann steht in einem Vergleich, nämlich im Vergleich besser-schlechter. Für das Selbstbewusstsein ist das nicht gerade förderlich. Der Stellvertreter weiß sich zwar im Auftrag von jemand anderem, behält aber seine Würde, wird nicht verglichen, zählt als eigenständige Persönlichkeit. 
Wie ist das so in unseren Betrieben und in der Familie? Wenn da jemand ausfällt, gibt es da Ersatz oder Stellvertreter? Bist du ein Ersatzvater oder ein Stellvertreter? Wenn du keine feste Stelle hast: Bist du in der Firma die Ersatzfrau oder eine Stellvertreterin?
Bewusstsein schafft Veränderung!

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Mittwoch, 26. März 2014

Der Weg zur inneren Quelle


Trinkst du noch aus einem Becher oder schon du aus der Quelle? Wir lesen viele Bücher von vielen weisen und auch nicht weisen Menschen. Kluge Bücher gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Viele Weisheiten sind darin versammelt und du könntest ein ganzes Leben damit verbringen, diese Weisheiten zu lesen und zu verinnerlichen. Und dennoch... Es ist wie aus einem Becher trinken. Du trinkst das "Weisheitswasser" eines anderen Menschen aus einem fremden Becher und weißt nicht, was mit dem Wasser geschehen ist. Es ist vermitteltes Wasser, oft kostbar und nährend, aber nur vermittelt. Du denkst als Mensch leider manchmal sehr klein von dir und schaust bewundernd auf all die weisen Menschen, die so kluge Worte zu sagen haben. Viele von ihnen waren an der Quelle und haben dort geschöpft. Dann zeigen sie dir ihren Becher und laden dich ein: Komm und trink aus diesem Becher! Du trinkst und staunst. Ja, das ist köstlich!
Die meisten Menschen bleiben bei dieser Erfahrung stehen. Sie fragen nicht nach dem Ursprung des "weisen" Wassers Bechers. Sie kommen gar nicht auf die Idee, nach der Quelle zu suchen. Sie suchen lieber den nächsten Weisen mit einem Becher klugen Wassers. Dabei wäre es viel einfacher, zur Quelle zu gehen, dort zu schöpfen und zu trinken. Es wird einen großen Unterschied machen wenn du das tust. Die Weisen der Welt wollen und können dich nur auf den Geschmack bringen. Sie machen dich vertraut mit dem, was deine Seele nährt. Aber es ist nur ein Hinweis und ein Spur. Du kannst selber die Quelle finden und von dem Wasser trinken. Diese Quelle ist nicht weit, sie ist sogar sehr nahe. Sie befindet sich in deinem Herzensraum. Geh und trink!

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Dienstag, 25. März 2014

Verlorene finden mit google

Wenn mich Wehmut nach alten und verlorenen Freunden überkommt, dann gehe ich in Gedanken in die Vergangenheit zurück. Ich suche nach Menschen, die mir einmal wichtig waren. Klassenkameraden von verschiedenen Schulen, Studenten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Arbeit, Seminarteilnehmer. Eine Menge Leute kommen da im Laufe der Jahre zusammen. Dabei gilt es, verschiedene Hürden zu überwinden. Welche Menschen waren mir da eigentlich wichtig? Wie hießen die noch? Du erschrickst darüber, dass dir so viele Namen nicht mehr einfallen. Du erinnerst dich an Gesichter und Geschichten, aber oft nicht an den Namen. Dann fällt er dir plötzlich ein, wenn du gar nicht dran denkst. Und dann kommt die große Stunde von Google.
Du setzt dich vor den PC und gibst den Namen ein. Ist diese Person im Netz zu finden? Wo lebt sie jetzt, was macht sie wohl, was erfährst du nach all den Jahren? Es ist ein wenig wie das Prinzip "Wundertüte". Du weißt nichts konkretes, aber du bist gespannt, was die Dateien so enthalten. Manchmal findest du nichts, aber oft taucht da auf einmal ein Gesicht auf! Ah, ist der alt geworden! Oh, die hat sich ja kaum verändert! Nein! Die wohnt ja gleich hier um die Ecke! Warum bist du ihr nicht mal über den Weg gelaufen! Du forscht weiter bei Facebook, bei Xing oder Twitter und dann knüpfst du ohne viel Federlesens an eine Geschichte an, die du längst für beendet geglaubt hast. Du klickst nur auf einen Button. Jetzt bist du wieder befreundet, bekannt und vernetzt. So manche Verlorene habe ich auf diesem Weg wiedergefunden. Wiedergefunden?
Nicht so ganz! Die Jahre des "Nichtkontaktes" lassen sich nicht einfach auslöschen. Es ist halt "nur" eine Facebookfreundschaft. Aber immerhin, die Möglichkeit besteht, den Faden wieder aufzunehmen und an einer gemeinsamen Geschichte weiterzuschreiben. Was wäre das für eine große Freude, wenn hier unter meinem Text im Kommentar erscheinen würde: "Hallo! Kennst du mich noch?"

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Montag, 24. März 2014

Im Dazwischen



In einem Liedtext von Ludger Edelkötter las ich die Zeilen: „Zwischen Angst und Hoffnung leben wir und möchten doch gern glücklich sein und Sinn erfahren.“ Heute möchte ich mit dir meine Aufmerksamkeit richten auf das „Dazwischen“.
Selten sind wir voller Angst und selten befinden wir uns im absoluten Glückszustand. Oft befinden wir uns im Dazwischen – nicht mehr ganz ängstlich und doch ein wenig glücklich. Wenn wir gehen, trägt zunächst der rechte Fuß unser Gewicht und wird abgelöst durch den linken. Auch dort gibt es ein Dazwischen, wo sich die Kräfte nach und nach neu verteilen. Wenn ein Familienmitglied  im Krankenhaus operiert wir und auf der Intensivstation liegt leben alle manchmal in einem Zustand zwischen Leben und Tod. Je länger dieser Zustand dauert, desto  zermürbender wird es. Irgendwann sehnen sich alle nach einem erlösten Zustand. Manchmal ist sogar der Tod akzeptabler als der Schwebezustand.
Was kennzeichnet dieses „Dazwischen“ aus? Es wirkt unentschieden, schwebend, instabil, übergangsartig und drängt nach Auflösung. Wie viele Minuten oder Stunden am Tag, in der Woche oder im Leben befinden wir uns im „Dazwischen?“ Ich vermute, dass diese Zeiträume länger sind als wir ahnen.
Für manche Menschen existiert nur schwarz oder weiß. Das Grau ist unerträglich. Ich möchte dich dennoch einladen, das „Dazwischen“ zu gestalten. Im „Dazwischen“ entscheidest du wohin du den nächsten Schritt lenkst. Im „Dazwischen“ finden alle Entscheidungsschritte statt. Oft sind wir eher auf das Ziel ausgerichtet und weniger auf den Vorgang des Gehens. Wenn du deine Aufmerksamkeit auf das „Dazwischen“ richtest bist du auf einmal ganz im Hier und Jetzt. So wünsche ich dir segensreiche Zwischenräume.  

Sonntag, 23. März 2014

Vereinfache deinen Tag



Manchmal verkomplizieren wir die Dinge statt sie zu vereinfachen. Da schrauben wir dann Sätze,  die so klingen wie: "Jetzt wo ich dich sehe wollte ich dir noch sagen von gestern her als ich beim Einkaufen war und mir wieder einmal bei  meiner Vergesslichkeit nicht einfiel..." Du kennst sicherlich auch Menschen, die so reden. Oder, du überlegst dir eine Mahlzeit und du möchtest es besonders gut machen für deine Lieben. Je komplizierter das Rezept, desto größer deine Liebe. Das Ergebnis sieht dann so aus: Die Herrlichkeit ist in wenigen Minuten nahezu kommentarlos verputzt.

Schalte mal bewusst einen Einfachtag ein. Heute keine komplizierten Saucen, sondern gebratene Kartoffeln mit Gemüse in der Pfanne, alles naturbelassen. Sage, was du zu sagen hast klar heraus in einfachen Sätzen und ohne Umschweife. Heute könnte dein "Weniger" zu einem "Mehr" werden. Genieße den Freiraum, der dir dadurch entsteht. Ich wünsche dir einen Tag voller Klarheit und Geradlinigkeit.

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Samstag, 22. März 2014

Sag Ja zum beständigen Wandel




Für drei Jahre lebte ich bei einem Pfarrer, der einen Spruch liebte und ständig zitierte. „Nichts erfordert so viel Treue wie beständiger Wandel.“
Wir neigen dazu, die Dinge festzuhalten. Wir halten unser Haus fest, unsere Freundschaften, Gewohnheiten, unsere Versicherungen, das Geld und letztlich das Leben. Dahinter steht vielleicht das Bedürfnis nach Sicherheit. Materielle und personale Sicherheit geben uns ein stabiles und gutes Gefühl. Die größte Gefahr für die beständige Sicherheit ist der Wandel.
Ich erinnere mich noch eine Kindersendung von früher mit einem Liedvers: „Nichts soll bleiben wie es ist. Alles muss sich ändern.“ Kinder lieben das Abenteuer und das Neue. Das Leben möge spannend sein.  Zu Beginn des Lebens bist du neugierig und freust dich auf spannende Erfahrungen. Mit zunehmendem Alter jedoch schleicht sich das Bedürfnis ein nach einem Zustand jenseits der Anstrengung. So wirst du älter und hast so manches Ehepaar vor Augen, das nur noch in Ritualen lebt nach dem Motto: „Alles soll bleiben wie es ist, nichts darf sich ändern.“ Wir richten uns ein und finden das  so gemütlich und zuverlässig. Schließlich folgt die Zwei  immer der Eins, der Abend folgt immer dem Mittag und der Schlaf folgt dem Wachsein.
Wenn wir unser Leben aber aus einem anderen Blickwinkel der Vergänglichkeit und Begrenzung betrachten, zerrinnt uns alles zwischen den Fingern. Die Körperzellen, aus denen wir jetzt bestehen, werden sich morgen umgewandelt haben in eine andere Daseinsform. Den gestrigen Tag kann ich nicht wieder beleben. Die Kinder werden erwachsen und ich lebe unaufhaltsam dem körperlichen Tod entgegen. Das ach so stabile und sichere Haus verfällt trotz aller Sanierungen und bei genauerem Betrachten stelle ich fest: Die absolute Beständigkeit ist eine Illusion.
Was tun? Wenn du die Prozesse nicht aufhalten kannst, dann kannst du vielleicht mit Allem mitschwingen. Gib dich einfach einverstanden mit den Veränderungen. Seltsamerweise kannst du darin beständig sein. Du kannst jeden Augenblick deines Lebens dich damit einverstanden erklären, alles loszulassen und Neues zu empfangen. In dem Wort Treue steckt ja „Vertrauen“. „Nichts erfordert so viel Treue wie beständiger Wandel.“ Das heißt: Mit großem Vertrauen meisterst du den stetigen Wandel. So wird dein Bedürfnis nach Beständigkeit erfüllt in der Bejahung eines fortwährenden Veränderungsprozesses.
Für mich hat diese Idee des Wandels auch etwas mit der Schöpfung zu tun. Wir sind Mitschöpfer und Gestalter dieser Welt. Wir entwickeln uns ständig weiter, hoffentlich. Wir dürfen wie eine Pflanze wachsen und reifen und unser ganzes Potential ausschöpfen. Der Wunsch nach Pausen ist bestimmt hilfreich und ebenfalls notwendig. Die Wandlungen finden einfach statt, aber in den Pausen triffst du die Entscheidung, wohin du dich mitentwickeln möchtest. Treue zum Wandel ist das Einverständnis in die eigene Weiterentwicklung.