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Dienstag, 19. Oktober 2021

Wir alle haben im Dachgeschoss der Seele ein Geheimnis unter Verschluss. Carolos Ruiz Zafon


Stell dir vor, dass es im Dachgeschoss deiner Seele ein Geheimnis gibt. Du hältst es unter Verschluss. Du kennst es selbst nicht, Du hast diese Kiste nie geöffnet und verbirgst den Schlüssel vor dir selbst. Du achtest darauf, dass niemand sonst von diesem Geheimnis etwas weiß. Du vermutest nämlich, wenn du deine geheime Kiste öffnen würdest, dann käme da ein schreckliches Gespenst heraus. Du würdest etwas entdecken, für das du dich so schämst, dass es tödlich endet. Oder du hättest die Angst, nicht mehr bestehen zu können vor deinen Lieblingsmenschen und vor der Umwelt.
Du hältst es lieber verschlossen, damit auch ja nichts geschieht. Du verschließt es so, dass du sogar nicht mehr weißt, dass es sich im Dachgeschoss befindet. Du würdest jedem Menschen sagen: Ich habe keine Geheimnisse! Und du würdest dir sogar selber glauben. Aber vielleicht ahnst du, dass es ein Geheimnis gibt und du vermutest, dass es eher unangenehm ist. Und dann? Dann verhältst du dich so, als ob du etwas verstecken müsstest. Du würdest durch die Gegend laufen wie jemand, der etwas versteckt. Du wärest betont freundlich oder ausgelassen, damit man deine Angst nicht spürt. Du würdest so eine Mischung versprühen von scheinbarer Gelassenheit, auffälliger Unauffälligkeit, betont ruhiger unruhiger Blick. "Hoffentlich sieht es niemand!"
"Wir alle haben im Dachgeschoss der Seele ein Geheimnis unter Verschluss." meint Zafon. Wie beruhigend! Ich bin damit nicht allein. Du hast es! Ich habe es. Alle haben es. Alle laufen mit einem Geheimnis herum. Dann können wir ja auch aufhören uns zu verstecken. Das ist auf die Dauer nämlich ganz schön anstrengend. Und wer weiß! Vielleicht ist das Geheimnis ja etwas unglaublich Liebevolles. Etwas, das ich gut öffnen könnte! Etwas, das zu mir gehört und das gerne angenommen und gesehen werden möchte. Etwas, das nach Integration ruft! "Hallo, hier bin ich! Magst du mich?"
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Montag, 18. Oktober 2021

Gibt es ein Ohr so fein, daß es die Seufzer der welkenden Rose zu hören vermöchte? Arthur Schnitzler (1862 - 1931)

Ich hätte gerne ein so feines Ohr, dass ich das Seufzen der Rose hören könnte, wenn es welkt.
Ich hätte gerne ein so feines Ohr, dass ich die Zwischentöne meines Gegenübers hören könnte.
Ich hätte gerne ein so feines Ohr, dass ich das Gemeinte hören könnte im Gesagten.
Ich hätte gerne ein so feines Ohr, die Klarheit der Gefühle in meinem Inneren wahrzunehmen.

Meine Ohren sind leider so, wie sie sind. Ein wenig eingeschränkt in der Wahrnehmung. Ich höre nicht alles, verstehe nicht alles oder auch anders als gemeint. Ich bin nicht sensitiv genug, das leise Seufzen meiner welkenden Rosen zu hören. Aber ich gebe mir Mühe. Ich weiß um das Seufzen von der Welt um mich herum. Manchmal kann ich die Rosen trösten und manchmal eben nicht. Ich wünsche allen welkenden Rosen auf der Welt, dass ihr Seufzen in einen Raum von Liebe fällt.
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Samstag, 16. Oktober 2021

Jeder möchte mal ankommen!

Diese Wirklichkeit stimmt mich traurig. Menschen müssen ihre Heimat verlassen. Sie werden vertrieben und verjagt. Sie haben Angst um ihre Existenz und suchen Sicherheit in einem ihnen fremden Land.
Menschen auf der Flucht existieren seit es Menschen gibt. Das ist bedrückend! Ich bin in einem Dorf groß geworden, wo die Flüchtenden aus dem Osten ihre neue Heimat gefunden haben. In meiner Kindheit hießen sie pauschal: "Flüchtlinge". Sie werden bis heute so genannt von der "Urbevölkerung", den "Herkunftsmünsterländern", auch noch nach mehr als fünfzig oder sechzig Jahren. Mich stört das Wort. "Flüchtlinge" bezeichne ich mit meinem Wortschatz lieber als "Menschen auf der Flucht" oder "Flüchtende". Ich finde es wichtig, sorgsam und so gut wie es geht mit der Sprache umzugehen.
Es gibt viele Worte mit "...ling" die festlegend und einschränkend sind. "Winzling", "Säugling", "Hänfling", "Sträfling". Ein Mensch kann klein sein, aber in ihm steckt mehr. Ein Mensch mag eine Strafe absitzen, aber er ist mehr. Ein Säugling mag an der Mutter der Brust saugen, aber er ist mehr.
Wir sind also mehr als "...linge". Ein sogenannter "Flüchtling" kommt aus einem ganz konkreten Land, hat ein ganz konkretes Geschlecht und Alter. Er und sie ist ein Mensch auf der Flucht. Und er flüchtet im Augenblick, vorübergehend. Nach der Flucht wird er ankommen und nicht mehr flüchtend sein.
So ganz nebenbei: Ich bin auch ein "Flüchtender" in bestimmten Situationen! Ich flüchte manchmal vor Regen, manchmal vor der Sonne und gerne vor übellaunigen Menschen und zerstörerischer Kritik. 
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Freitag, 15. Oktober 2021

Höre mit dem Ohr des Herzens. (Benedikt von Nursia)

Höre mit dem Ohr des Herzens.
Jetzt!
Ich sehe dich!
Ich nehme dich wahr!

Ich schaue dich an und fühle ganz wohlwollend mit dir.
Ach, dass du da bist.
Dass DU da bist.
Dass du DA bist.
Dass du da BIST.

Ich sehe dich mit deinem Körper und dem, was du anziehst.
Mit deinem Gesichtsausdruck und dem, wie du wirken möchtest.
Ich nehme behutsam wahr, was du gerade fühlst.
Ich bin neugierig auf das, was du gerade denkst.

Aber noch viel lieber bin ich da mit dir.
Einfach nur da.
Du musst dafür nichts machen.
Gar nichts!

Du musst nicht einmal körperlich neben mir sitzen oder mir gegenüber.
Meine Vorstellung reicht völlig aus.
Jetzt bist du da und ich mit dir.
Und du mit dir und ich mit mir.
Und jetzt wird es still.
Frieden.

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Donnerstag, 14. Oktober 2021

Jede dunkle Nacht hat ein helles Ende. (persische Weisheit)

Ist doch logisch oder? Das weiß jedes Kind, dass jede dunkle Nacht ein helles Ende hat. Nach jeder Nacht kommt ein neuer Morgen. Diese Erfahrung macht jeder Mensch seit Beginn des Lebens. Diese Erfahrung teilt die ganze Menschheit. Vielleicht bildet eine Sonnenfinsternis und ein Vulkanausbruch eine Ausnahme. Aber generell gilt dieser Satz.
Eigentlich geht es bei dieser persischen Weisheit um die Erfahrung, dass auch in einer ausweglosen Situation immer noch etwas möglich ist. Oder in einer Lebenskrise immer noch ein Fünkchen Hoffnung sein kann. Der Mensch in der Dunkelheit und mitten in der Krise kann leider das Licht nicht mehr wahrnehmen. Für ihn ist es ewige Nacht. Es gibt keinen neuen Morgen.
Für diesen Menschen hilft dann die Erinnerung. "Erinnerst du dich daran? Es war mal besser und es wird auch wieder besser werden." Aber Vorsicht mit einer solchen Ermutigung. Das kann schnell nach rückwärts gehen. Die dunkle Nacht muss man schon auch mal aushalten. Zugleich möchte ich noch die Perspektive erweitern. Dass es hell wird steht außer Frage, es ist nur die Frage wann. Wenn du in der Krise bist kannst du sagen: "Das ist das Ende!" Du kannst aber auch sagen: "Diese Dunkelheit ist der Anfang von etwas, das ins Helle führt!" Du entscheidest, welche Perspektive du einnimmst. Machst du dich fest in der Dunkelheit oder schaust du auf das, was neu kommt.
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Mittwoch, 13. Oktober 2021

Wenn die Seele etwas erleben möchte, wirft sie das Bild dieser Erfahrung vor sich und fährt dann in das eigene Bild hinein. (Meister Eckhart)


Welch wunderbarer Gedanke! Wenn meine Seele etwas erleben möchte entwickelt sie dafür ein Bild und fährt hinein. Schon Meister Eckhart wusste, dass wir uns unsere eigene Wirklichkeit konstruieren. Es passiert nicht einfach etwas!
Es geschieht das, was die Seele entworfen hat. Etwas in mir hat die Sehnsucht und den Wunsch, etwas zu erleben. Erleben hat etwas mit fühlen zu tun. Mit Erfahrung. Ich möchte zum Beispiel wissen wie es sich anfühlt und wie es ist, sich völlig fremd zu fühlen. Ich will es ausprobieren, weil ich neugierig bin und weil ein Teil in mir es unbedingt braucht für den Erfahrungsschatz. Vielleicht für den Unterschied. Heimat kann ich nur dann in der ganzen Fülle erleben wenn ich den Unterschied kenne. Also die Fremde. Wenn meine Seele ein tiefes Heimatgefühl in der Totalität erleben möchte braucht es vielleicht ein ebenso starkes Fremdgefühl.
Die Seele traut sich auch unangenehme Gefühle zu. Gerade diese sind ein wichtiges Lern- und Entwicklungsfeld. Die Seele möchte also eine Erfahrung machen und dann tut sich dafür ein Feld auf. Es entwickelt sich nach und nach eine Geschichte oder wie Meister Eckhart sagt: ein Bild. Sie schreibt eine Art Drehbuch mit vielen Varianten und die wahrscheinlichste Variante setzt sich dann um. Es gäbe also tausende von Möglichkeiten für mich als Seele, Fremdheitsgefühle in unterschiedlicher Intensität zu erleben. Ich möchte also Fremde erfahren und dann öffnet sich das Feld der Fremdheitsmöglichkeiten. Ich muss nur noch hineinfahren in die Möglichkeit, die sich auftut.
Geschieht das bewusst? Unbewusst? Je mehr ich meine Seele kenne und ihre Wünsche und Bedürfnisse, desto mehr kann ich steuern und gestalten. Wenn ich total unbewusst bin werde ich immer denken, dass ich lediglich ein Schicksal habe. Ich bekomme nicht mit, dass da gerade etwas läuft zwischen meiner Seele und dem, was sie sich gerade erschafft. Das erlebe ich dann als großes Leid. Ich leide, weil ein Teil in mir nicht zugestimmt hat. Oder es nicht weiß oder nur so ungefähr ahnt.
Es scheint mir wichtig zu sein, dass ich immer mehr in Kontakt komme mit meiner Seele. Welche Erfahrung möchte ich gerne machen? Wo spüre ich das im Bauch? Wo im Herzen? Welche Bilder tauchen auf? Welche Gedanken verstärken sich im Moment? Je mehr ich in die Achtsamkeit geht, desto mehr bekomme ich mit, was da in mir läuft. Je aufmerksamer ich werde, desto mehr kann ich mitgestalten und schöpfen. Ich kann viel bewusster und entschiedener in "ein bestimmtes Bild hineinfahren." Ich werde also merken: "Jetzt muss ich dieses oder jenes tun, weil es genau das ist, was ich erfahren möchte!" Ich werde ganz in Übereinstimmung sein mit mir selbst.
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Dienstag, 12. Oktober 2021

Ich finde, die beste Methode, Kindern Ratschläge zu geben, ist die, herauszufinden, was sie wollen, und ihnen dann zu raten, genau das zu tun. (Harry S. Truman)


Der beste Ratschlag für Kinder und erwachsene Menschen besteht darin herauszufinden, was jemand wirklich will. Doch wie finde ich heraus was ich wirklich will?
Ich las einmal einen Zeitungsartikel über ein Ehepaar, wobei der Ehemann viele Jahre als Mönch in einem Kloster lebte. Während all der vielen Jahre "verlernte" er mehr und mehr seine Wünsche und Bedürfnisse. Er hatte ja einen festen Tagesablauf mit dem Wechsel von Gebet und Arbeit. Eigene Wünsche wären da eher hinderlich gewesen. Jetzt lebte er aber in einer Beziehung wo es darauf ankommt, für seine eigenen Bedürfnisse einzustehen. Was tun, wenn er diese gar nicht mehr spüren kann?
Vielleicht steckt in uns allen aber ein Stück von diesem Mönch. Als Kinder hatten wir bestimmt ganz viele Wünsche, Bedürfnisse und ein Wollen. Was haben wir von unseren Eltern gehört? "Kinder, die was wollen..." Wir waren abhängig von unseren Eltern. "Sei lieb, dann bekommst du das und das!" Es war für uns als Kind eher wichtig herauszufinden, was unsere Eltern wollten. Unsere Eltern wollten, dass wir uns gut benehmen. Dass wir nicht streiten. Dass wir gesundes Gemüse essen. Dass wir grüßen. Dass wir nicht herumschreien. Dass wir zu einer bestimmten Zeit ins Bett gehen. Eine endlose Liste.
Wann war Zeit, dass wir herausfinden und ausprobieren konnten, was wir selber wollten? Aus uns heraus. Aus unserer eigenen tiefen Mitte. Unabhängig davon, ob die Eltern das gut fanden oder nicht. Kann ich nach so vielen Jahren der "Erziehung" noch etwas wollen oder ist mir der Wille ausgetrieben worden. Immerhin haben damals Eltern, Schule und Kirche gut zusammengearbeitet. Wie sähe mein Leben aus, wenn ich wirklich täte was ich wollte? Wäre es das Leben, was ich heute führe oder doch ein anderes? Und wenn es ein anderes wäre: Kann ich noch was Drehen? Kann ich mein tiefes eigenes Wollen wiederfinden? Sei weniger Sklave und bestimme dich immer mehr selbst!
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Montag, 11. Oktober 2021

„Schau der Furcht in die Augen und sie wird zwinkern“ (Russland)


Wenn ich Angst habe schaue ich weg. Das ist ein Relikt aus Kindertagen. Jemand steht hinter einer Ecke und kommt plötzlich hervor. Hebt die Hände hoch und schreit "Huh!" Was mache ich? Ich schaue weg! Mit dem Ziel der Flucht. Wohin kann ich flüchten wenn mich jemand erschreckt. Es geht ja um eine Bedrohung. Ich fühle mich bedroht und mein Leben ist gefährdet. Darum schnell weg.

Was passiert, wenn ich der Furcht in die Augen blicke? Dann habe ich nicht mehr den Drang, unmittelbar zu flüchten! Ich halte Stand. Für den ersten Augenblick! Und dann noch einen Augenblick länger. Und noch einen Moment. Dann fange ich an, richtig hinzuschauen. Ist ja nur der Bruder! Nur der Onkel! Nur die Schwester, die Freundin! Ich kann abwarten, bis mich der Blick vom Gegenüber nicht mehr fixiert. Ich kann auch starren, wenn ich angestarrt werde! Ich starre zurück! Wer zwinkert zuerst?
Schau der Furcht in die Augen und sie wird zwinkern. Wer zwinkert fängt an zu lächeln. Und zu lachen. War doch gar nicht schlimm! Wenn ich der Furcht in die Augen blicke dann habe ich eine Alternative zum Weglaufen. Wie oft laufe ich weg. Auch heute noch als Erwachsener. Ich mache es eleganter. Ich nenne es nicht mehr Furcht sondern: "Das brauche ich jetzt nicht!" - "Ist doch im Moment nicht so wichtig!" - "Ich habe noch eine Alternative!" - "Ich komme morgen wieder, da ist ja auch noch ein Tag!" Und? Wo läufst du fort von etwas? Wo könntest du dich hinwenden um eine Wende hinzubekommen? Weg von der Furcht und hin zum zwinkern? ;-)
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Samstag, 9. Oktober 2021

Kaum mache ich was falsch, ist das auch nicht richtig!

Wenn ich mal was mache, mache ich wenigstens mal was.
Ich könnte auch mal mehr machen, wenn ich nicht so viel falsch machen täte.
Kaum mache ich mal was richtig, mache ich auch schon wieder falsch.
Mache ich mal was falsch, fallen alle über mich her.

Wenn ich nichts machen würde, würde ich auch nichts falsch machen.
Wenn ich nichts machen würde, würde ich aber auch nichts richtig machen.
Egal, was ich mache, da ist immer was falsch dabei.
Egal, was ich auch mache, irgendetwas ist auch immer richtig dabei.

Wenn ich was falsch mache, dann mache ich das Falsche aber ordentlich richtig falsch.
Und wenn ich was richtig mache, mache ich dem Falschen den Garaus.
Ich habe noch nie etwas total richtig oder total falsch gemacht.
Ich könnte etwas so ungefähr richtig machen im Wissen, dass auch etwas falsch dabei sein wird.

Ich kann mich in richtig und falsch so verheddern, dass ich nicht mehr weiter weiß.
Dass ich mich erschöpfe und keine Lust mehr habe. Es ist eh falsch. Zumindest ein bisschen.
Was passiert, wenn ich richtig und falsch streiche?
Kaum mache ich was, mache ich es!

Ich mache was!
Ich mache was!
Ich mache was!
Ich mache was!

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Freitag, 8. Oktober 2021

Wenn sich eine Tür schließt, sollte man auch nicht mehr durchs Schlüsselloch schauen.


Es ist manchmal echt schwer, etwas loszulassen. Ist da nicht noch was möglich. Soll ich noch mal hinterherhaken? Ich könnte ja noch etwas klären oder probieren.
Ich habe einmal eine Freundschaft beendet. Hinterher fragten mich alle, was denn so los war. Und dann habe ich losgelegt, wie gekränkt und verletzt ich immer noch sein. Wie unmöglich sich dieser Freund verhalten hat. Wie uneinsichtig er war und wie wenig ich mich verstanden fühlte. Alle, mit denen ich sprach, litten mit mir. "Du hast alles richtig gemacht. Sei froh, dass du den Freund los bist."
Dann wollte irgendwann niemand mehr mit mir über diese Kränkungen sprechen. Ich sah es schon in deren Augen: "Bitte nicht schon wieder!" Also musste ich die Kränkungen in meinem Kopf durchspielen. Wieder und wieder! Alle Dialoge noch einmal! Aber jetzt war ich nicht mehr Opfer meines Freundes, sondern ich habe es ihm heimgezahlt. Nur in den Gedanken natürlich.
Jetzt lese ich diesen Spruch: Wenn sich eine Tür schließt, sollte man auch nicht mehr durchs Schlüsselloch schauen.
Ich fühle mich erwischt. Ja, genau! Das mache ich doch ständig. Ich schaue durchs Schlüsselloch! Ich lasse die Geschichte einfach nicht los. Ich recherchiere und frage nach, ob mein Exfreund jetzt wenigstens leidet. Ich wühle alte Geschichten auf und vergrabe mich in meinem Elend. Aber es gibt keine Erlösung, solange ich vor der Tür stehe und durch das Schlüsselloch schaue. Dann kommen ständig alte Gefühle hoch. Wenn ich durch das Schlüsselloch schaue, was sind dann die Folgen? Ich bekomme einen krummen Rücken. Ich sehe durch das Loch nur einen kleinen Ausschnitt. Es macht mich auf die Dauer krank und fertig. Und ich verlerne den aufrechten Gang. Den brauche ich aber für die nächsten Schritte. Also weg vom Schlüsselloch und durchstarten. Ist besser so! Wenn ich erst einmal die neue Landschaft sehe wird es Schritt für Schritt besser. Irgendwann verschwindet das Schlüsselloch, die Tür und alles, was dazu gehört. Ich bin frei! Warum nicht sofort? Das Schlüssleloch lockt! "Komm, schau durch!" "Da ist noch was!" Es braucht eine klare Entscheidung und einen Ruck und die Verlockung des Neuen. Und auch das ist schon da!
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Donnerstag, 7. Oktober 2021

Der Wind bricht einen biegsamen Baum nicht. (Sukuma)



Welch tiefe Weisheit. Manche von uns stehen wie eine Kiefer starr im Sturm, manche stark wie eine Eiche. Wenn der Sturm zu stark ist, die Wurzeln nicht mehr greifen, dann haut es den Baum um. Die Empfehlung der Sukuma entspricht einer tiefen Weisheit, die es auch in anderen Kulturen gibt. Sei biegsam, dann haut dich der Sturm nicht um.Geh mit den Dingen, schwinge mit, sei Weide und nicht Kiefer. Es braucht ein langes Leben und spirituelles Einüben, wie eine Weide zu sein. Oft befinden wir uns wie im Trotzalter oder wie in der Pubertät. Nein, das will ich nicht! Nein, das mache ich nich!. Ich habe meinen eigenen Willen! Manchmal ist es gut, ein wenig geschmeidiger und biegsamer zu sein und mit den Dingen zu schwingen. Der Wind bricht einen biegsamen Baum nicht.

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Mittwoch, 6. Oktober 2021

Tür ist emotional instabil. Bitte fest drücken!

Manchmal wirkt etwas sehr fest und stabil. So eine Tür auch. Wenn sie fest geschlossen ist und sich in den Rahmen einfügt und auch gut in den Angeln hängt. Prima! Kann nichts passieren. Ich kann sie auch mal zuknallen und es macht ihr nicht viel aus.
Wenn aber die Tür äußerlich stabil, aber emotional instabil wäre. Dürfte ich dann feste drücken? Wäre das nicht gefährlich? Bekäme die Tür dann einen Schock? Ein Trauma? Wahrscheinlich nicht. Eine Tür muss ich feste drücken, wenn ich sie öffnen möchte. Die Tür braucht das. Sonst bewegt sie sich nicht. Eine Tür besitzt ja auch keine Emotionen.
Aber wir Menschen. Wir sind emotional oft instabil. Unsere Herzenstür ist da manchmal vor lauter Angst verschlossen. So verschlossen, dass uns sogar ein leichtes Pochen erschreckt. Und dann soll da auch noch jemand feste drücken? Wo ich doch so voller Angst bin? Gerade weil wir Menschen so sensitiv sind wünschen wir uns fürsorgliche Besucher an unserer Lebenstür.
Manchmal jedoch vergessen wir Menschen, dass wir nicht nur ein Haufen von instabilen Emotionen sind. Sondern wir sind auch Türen. Fest. Stabil. Klar. Erfahren! Wer erinnert uns daran, dass wir bei allen Einschränkungen auch diese Qualitäten besitzen. So kann es sein, dass ein Besucher kommt und mich als stabile Tür betrachtet. Er drückt feste zu. So, wie er es immer macht! Jetzt könnten wir sagen: "Was für ein grober Klotz! Wie wenig einfühlsam!" Wir könnten aber auch sagen: "Wenigstens einer, der mich wie einen normalen Menschen betrachtet. Der mir noch etwas zutraut." Und vieleicht hilft das auch, diese Stabilität wieder zu spüren.
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Dienstag, 5. Oktober 2021

Ich sehe dich auf der anderen Seite stehen. Ich weiß nicht, wie der Fluss so breit geworden ist. (Leonard Cohen)

Zu mir kommt ein Paar in die Beratung und ich spüre die Distanz zwischen ihnen. In ihrer Erinnerung und Wahrnehmung gab es einmal ganz viel Nähe. Und diese Nähe war immer noch eine gedachte Nähe. "Wir sind ja verheiratet. Und Paare sind sich nahe. Das macht ja die Partnerschaft aus, ist doch klar!"
Dann schauen sich die beiden an und sie bemerken mehr und mehr die Entfremdung. "Ich weiß nicht, wie der Fluss so breit geworden ist." stellt Leonard Cohen fest. Wir waren mal so eng und jetzt ist so viel Platz zwischen uns. Manchmal wird der Fluss so breit, dass ein Paar sich gar nicht mehr wahrnehmen kann. Nicht die Trauer im Gesicht. Nicht die Abwehr, die Wut und den Ärger.
Was kann helfen in einer solchen Situation? Die Suche nach dem schuldigen Part? Wohl kaum. Wenn ich einen Schuldigen feststellen könnte bliebe immer noch die Distanz und die fehlende Möglichkeit, durch das Wasser wieder zueinander kommen zu können.
Der Fluss wird einfach breiter im Verlaufe des Fließens. Ich muss an der ersten geeigneten Stelle eine Brücke bauen, damit die beiden Ufer noch zueinander finden können. Je vertrauter ich mit einem Menschen bin, desto breiter wird der Fluss. Aber wenn ich das weiß, dann kann ich eine Brücke bauen. Ich fange an, bevor es zu spät wird. Wenn der Fluss zu breit geworden ist, dann bleibt manchmal nur das Aufwachen und die Erkenntnis: "Da haben wir wohl etwas versäumt."
Ich wünsche dir einen aufmerksamen Blick für den Fluss, für die Ufer und für deine Fähigkeit, eine Brücke zu bauen.
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Montag, 4. Oktober 2021

Bohrst du noch dicke Bretter oder profitierst du schon vom Hühnergott!

 

Welches dicke Brett in deinem Leben wartet gerade darauf, durchbohrt zu werden? Liegt es schon lange da? Oder ist es eben erst hereingekommen? Vielleicht bist du auch in der glücklichen Lage, dass du nur ein paar dünne Bretter zu bearbeiten hast oder völlig davon befreit bist. Dann freue ich mich für dich. Ein Leben ohne zu durchbohrende dicke Bretter fühlt sich leichter und unbeschwerter an.

Ich liebe Aufgaben, die ich bewältigen kann. Wenn sie meinen Fähigkeiten entsprechen, ich Zeit und Energie dafür habe und mich in der entsprechenden psychischen Verfassung fühle. Dann fühlt sich das Leben an wie im Flow. Alles prima und wunderbar! Es gibt weiter nichts zu sagen.

Ich möchte von den Aufgaben und Herausforderungen sprechen, die sich so anfühlen wie ein zu dickes Brett mit einem ungeeigneten Bohrer.

Ich hatte einmal einen Mann in der Beratung, der wollte seinen Rasen neu anlegen. Beim Erzählen wurde sein Brett immer dicker. Selbst machen oder Handwerker bestellen?  Rasenkantensteine, ja oder nein? Rollrasen oder säen? Was ist der geeignete Zeitraum, damit zu beginnen? Aus jeder Frage wuchsen zehn neue Fragen und aus diesen Fragen wiederum zehn neue. Das Brett wurde so dick, dass er in völliger Hilflosigkeit endete. Solche und ähnliche Projekte dauerten bei ihm darum Jahre und oft packte er sie gar nicht erst an. Sein Perfektionsanspruch stand ihm dabei ständig im Weg.

Schau dir einmal deine eigenen Bretter an. Welche davon machst du ständig dicker nur durch deine Sorgen- und Gedanken Konstrukte. Die Angst lässt so manche Bretter fetter werden, als sie bei nüchterner Betrachtung sind.

Das Rasenprojekt meines Kunden wäre für mich ein dünnes Brett. Ich würde einfach machen. Nicht lange überlegen. Materialien besorgen und umsetzen. Ich wüsste schon im Voraus, dass es gelingen würde. Nicht einmal annähernd perfekt, aber so, dass ich damit gut leben könnte.

Dicke Bretter sind also nicht immer dicke Bretter. Der Durchmesser wächst mit meinen Ansprüchen und durch meine Gedanken, Interpretationen und Vorstellungen.

Dabei kann es leicht passieren, dass ich das Leben generell so verstehe. Ich habe da eine riesige Sammlung von dicken Brettern, die ich bis zum Ende meines Lebens durchbohrt haben muss. Brett für Brett durchbohren, bis ich den Weg zum Himmel freigelegt habe. Und irgendjemand sorgt dafür, dass immer noch Bretter dazukommen. Auf jeden Fall so viele, dass ich am Ende scheitern muss. Zu viele Bretter für zu wenig Lebenszeit.

Ich möchte dich einladen, die Brettmetapher zu verlassen. Sie verspricht nur eine bedingte Lebensqualität. Einverstanden, wenn du ein Brett durchbohrt hast, kannst du stolz sein auf deine Leistung und dich mit recht darüber freuen. Oft genug gehört es zum Leben einfach dazu. Nimm deine Verantwortung wahr und arbeite die Dinge ab. Das gehört auch zu meinem ganz normalen Alltag.

Zugleich möchte ich dich heute einladen, mit mir die Welt des Hühnergottes zu betreten. Ich komme darauf, weil mir ein sehr netter Mensch einen solchen Gott geschenkt hat.

Ein Hühnergott ist ein Stein mit einem Loch drin, das auf natürlicherweise durch Verwitterung entsteht. Man findet sie an Nord- und Ostsee. In der Mythologie sind Hühner die Begleiterinnen der Götter. So ein Stein am Hühnerstall gehängt sorgt für Glück und ein entspanntes Hühnerleben bei Blitz und Donner.

Wenn ich eine Aufgabe bewältigen muss, kann ich also Bretter bohren oder vom Hühnergott profitieren.

So ein Stein liegt also Jahrtausende im Meer und wird vom Wasser umspült. So nach und nach werden die Kreideeinlagerungen fortgewaschen, bis das Loch entsteht. Das wirkt auf den Betrachter wie ein Wunder. Wie kann in einem Stein ein Loch entstehen? Das muss mit Magie zu tun haben!

Was mache ich damit, wenn ich es auf mein Leben übertrage? Ich habe für meine Aufgaben nicht Tausende von Jahren Zeit. Schon morgen könnte ich sterben. Dennoch kann ich etwas von den Grundprinzipien des Hühnergottes in meine Aufgaben integrieren. Drei Ideen fallen mir dazu ein.

 

Lass die Umstände für dich arbeiten.

 

Der Stein sucht keine Werkzeuge, um sich vom Kalk zu befreien. Er liegt dort und nutzt die Kraft des Wassers und seiner eigenen Schwerkraft. Er ist einverstanden mit den Umständen wie sie gerade da sind und nutzt die vorhandenen Möglichkeiten für sich.

Beim Bewältigen unserer Aufgaben haben wir oft solche Gedanken wie: „Wenn ich das und das jetzt hätte, dann könnte ich es hinbekommen. Leider fehlen mir die Werkzeuge, die Ideen, das Geld, die Zeit…“ Wir richten unseren Blick auf das Fehlende. Weil wir oft sehr klare Vorstellungen davon haben, wie sich ein Problem lösen lässt, sehen wir nicht die Möglichkeiten, die außerhalb unseres Denkhorizontes auf uns warten. Da gibt es die Geschichte, wo bei einer Flut ein Mensch auf einem Dach Gott um Rettung bittet. Er lehnt alle Angebote ab, weil er auf Gott persönlich wartet.

Die Vorstellung vom besten aller Werkzeuge hindert uns daran, mit den zweitbesten Werkzeugen zu arbeiten. Beim Hühnergott zeigt es sich erst im Laufe der Jahre, dass das Wasser durchaus eine gute Möglichkeit ist, den Kalk zu entfernen.

 

Lass es geschehen.

 

Bei unseren Aufgaben denken wir oft, dass wir es selbst machen müssten. Es kommt auf unsere Arbeit an, unser Denken, unsere Energie, unsere Kraft. Arbeiten erledigen sich nicht von selbst. Wenn ich das Problem nicht löse, bleibt es mir trotzdem erhalten. Es beschäftigt mich im Kopf so lange, bis ich es abgearbeitet habe.

Das stimmt auch so und ich habe nichts dagegen einzuwenden. Wenn ich nicht einkaufe, habe ich nichts zu essen. Wenn ich die Waschmaschine nicht anstelle bekomme ich keine saubere Wäsche. Wenn ich kein Geld verdiene, kann ich nicht überleben. Es kommt auf mein Engagement an.

Das ist aber nur ein Teil der Wirklichkeit. Der Hühnergott zeigt, dass es grundsätzlich auch anders gehen könnte. Er lässt sich vom Wasser hin und her bewegen und das Loch entsteht ohne aktive Arbeit. Der Stein lässt zu, dass das Wasser seine Wirkung entfalten kann. Es ist in Ordnung, dass es Jahrhunderte oder Jahrtausende dauert. Am Ende wird es dieses Loch geben.

Die Wäsche an der Leine wird auch nach Jahrhunderten nicht gefaltet im Schrank liegen. Ich werde es immer selbst falten müssen. Dennoch gibt es einen Anteil von „Lass es geschehen.“ Es gibt den Moment in der Woche, wo Wäsche falten ganz leicht ist und so nebenbei gemacht werden kann. Oder wo ich den Geruch von Frische in meiner Nase verspüre oder die Lust auf Ordnung und Aufräumen. Dann wirkt das Wäschefalten nicht wie Arbeit, sondern kann sehr vergnüglich und befriedigend sein.

 

Die Magie jenseits der Möglichkeiten

 

Ein dünnes Brett kann ich mit einfachen Werkzeugen leicht durchbohren. Aber je dicker, desto schwieriger. Und wenn es dick genug ist, werde ich es nicht mehr schaffen. Das gilt noch mehr für den Stein, vor allem dann, wenn ich gar kein Werkzeug dafür habe. In bestimmten Situationen streikt mein Verstand und gibt auf. Der Verstand kann nur mit dem arbeiten, was sich in seiner Bibliothek befindet. Er arbeitet mit dem, was ihm bekannt ist, was er gelernt und was er verstanden hat.  Er kann nicht das Unmögliche denken, das jenseits der Naturgesetze liegt.

Der Hühnergott berührt die Fragen der Magie. Er bewahrt die Hühner vor Angst und Panik, wenn es donnert. Er sorgt für Glück und bewirkt Wunder. Wie wäre es, mal wieder an ein Wunder zu glauben? Nicht, dass der Stein plötzlich wie von Zauberhand ein Loch bekommt. Sondern, dass sich grundsätzlich ein Wunder ereignen könnte. Es würde etwas passieren, was eine Wendung gibt für dein Problem oder deine zu bewältigende Aufgabe. Wunder können sehr vielfältig sein, sozusagen unerschöpflich. Nehmen wir doch einmal die Wäsche auf deiner Leine. Wie könnte dort ein Wunder aussehen? Du bekommst Besuch, der sehr gerne faltet. Du gewinnst im Lotto und bestellst dir für den Rest des Lebens immer wieder frische Kleidung. In deinem Waschmittel gibt es einen Stoff, der bei dir Allergien auslöst und zum Glück ziehst du jetzt diese Wäsche nicht mehr an. Sie bleibt auf der Leine. Jemand bettelt an deiner Haustür und benötigt Kleidung. Die auf deiner Leine passt und er kann sie sich bequem mitnehmen.

Du kannst auch einfach beschließen, auf das Wunder zu warten. Ganz freundlich, heiter und gelassen. Das Wunder darf kommen, muss es aber nicht. Wunder mögen keine Zwänge. Wunder lieben den Freiraum.

 

Zum Schluss:

 

Das Leben pendelt zwischen der Anstrengung des Bohrens und dem Geschenk des Hühnergottes. Du kannst beide Möglichkeiten nutzen. Manchmal geht es um deinen Einsatz und dein Engagement. Manchmal geht es um das Vertrauen und darum, es geschehen zu lassen. Überlege einmal, wo du deine persönliche Stärke siehst und wo du dich weiterentwickeln könntest. Bist du eher ein Bretterbohrer? Wenn ja, in welchen Bereichen deines Lebens? Oder bist du Genießer eines Hühnergottes? Wo besonders und wann eher nicht?

Ein arabisches Sprichwort sagt: „Glaube an Gott und binde dein Kamel fest.“ Ich wünsche dir, dass es dir gut gelingt, die für dich richtige Mischung zu finden. 

 

Samstag, 2. Oktober 2021

Liebe für alle!


Vor einigen Tag saß ich im Auto und las an der Ampel den Aufkleber eines Autos vor mir: "Liebe für Alle, Hass für Keinen."
"Liebe für Alle" erschien mir ganz sinnvoll. Aber wieso "Hass für Keinen"? Bei der Recherche stieß ich darauf, dass es sich hier um einen Slogan handelt einer muslimischen Bewegung, die sich Ahmadiyya nennt und sich für den Frieden einsetzt.
"Liebe für alle" gefällt mir! Du achtest jedes Lebewesen auf dieser Welt. Du bist erfüllt von Respekt und lebst in tiefer Verbundenheit mit allen Geschöpfen auf der Erde. Du begegnest mit großem Wohlwollen Menschen unterschiedlicher Hautfarbe, Nationalität und Religion. Alle zu lieben ist ein total ausfüllendes Lebensprogramm und beinhaltet, sich mit den eigenen Schattenseiten auseinanderzusetzen, damit Liebe nicht nur ein Wort bleibt sondern auch fließt.
Aber warum "Hass für Keinen"? Wenn ich alle liebe, dann ist doch dieser Satz überflüssig! Er irritiert eher. Zu lieben beinhaltet doch schon alles. Energetisch steht da auf einmal das Wort "Hass" auf der Heckscheibe dieses Autos. Diesen Teil finde ich überflüssig und er erweckt sogleich Hass-Assoziationen nach dem Motto: Das "nicht" denken geht nicht. Das bekannte Beispiel: "Denk mal nicht an einen Elefanten." Das funktioniert auch nicht. Meine Bestätigung fand ich im Internet. es gibt eine Plattform, wo man den anderen Aufkleber bestellen kann. "Hass für alle, Liebe für keinen." Im Denken und Aussprechen des Hasses wird ein Wort in die Welt gesetzt. Sätze und Slogans können schnell umgedreht werden. Vielleicht ist ein solcher Spruch markig, aber nicht immer hilfreich.
Mir fällt da übrigens auch ein Spruch zu ein. Vielleicht gefällt er dir: "Liebe für Alle und Alle für die Liebe!" Es grüßen die drei Musketiere mit viel Energie! Bei einer solchen Bewegung würde ich übrigens sofort mitmachen, ohne Bedenken."Liebe für Alle und Alle für die Liebe!"
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p.s. Musketiere haben nichts mit "Muskeln" und "Tiere" zu tun, sondern kommt aus dem Französischen. Der mit der Muskete ist ein Musketier.

Freitag, 1. Oktober 2021

Ebend!

Ich höre im Radio den Vortrag von einem Professor. Ich muss genau hinhören. Er redet sehr wissenschaftlich. Seine Sätze sind lang. Und verschraubt. Manche Wörter kann ich nicht verstehen. Sie kommen aus dem Lateinischen. Das Zuhören fällt mir schwer.
Plötzlich höre ich aus dem Mund des Professors das Wort ebend. Hat er statt "eben" gerade "ebend" gesagt? In einem wissenschaftlichen Vortrag? Es lag bestimmt am Mikrophon und an der Akustik. Doch nach ein paar Sätzen kommt es wieder: "Ebend." Der kopflastige verschraubte Professor sagt tatsächlich "ebend". Die nachfolgenden Sätze rauschen an mir vorbei. Ich weiß nicht einmal, worüber er spricht. Ich wache auf denn da war es wieder - "ebend".
Es fühlt sich an wie ein Fleck auf einem weißen Hemd. Dann ist das ebend so! Auch ein kluger Professor hat das Recht auf Dialektwörter. Ich lese beim googlen, dass die Menschen in Berlin und Brandenburg so sprechen: "Ebend". Der Professor kommt also aus dieser Gegend. Mit dem "ebend" hat er sich seine Herkunft bewahrt. Also kein aalglatter Wissenschaftler ohne Geschichte. Einer, der sich "ebend" was traut.
Ich habe vom Vortrag nichts behalten. Nicht einmal die Überschrift. So ist das jetzt mal "ebend". Ebend macht Spass. Ich könnte das Wort adoptieren. Ich mag Berlin und die Berliner. So ist das ebend. Ich könnte so nebendbei mal einfach Dinge akzeptieren. Professoren sprechen Dialekt. Zebrastreifen dürfen krumm sein. Türen dürfen knarzen. Bäcker dürfen altes Brot verkaufen. So ist das ebend. Ich bin auch nur ein Mensch!
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