Donnerstag, 31. August 2017

Findest du eine Regel, kommt die Ausnahme von selbst dazu. (jüdische Weisheit)


Regeln regeln unser Zusammenleben. Ich habe Regeln für mich selbst. Wann stehe ich auf. Was sind die Grundbestandteile meiner Ernährung. Wie verhalte ich mich im Verkehr. Wie gehe ich um mit der Pünktlichkeit.
Wie lebe ich mit anderen Menschen zusammen. Viele Dinge in meinem Leben sind ganz schön geregelt. Und wenn etwas offen ist, dann sagt irgendjemand bestimmt: "Das müssen wir noch regeln!" Wenn Paare sich trennen müssen sie viele Dinge wieder neu regeln. Wenn jemand seinen Arbeitsplatz wechselt oder jemand stirbt. Ganz schnell muss etwas geregelt werden.
"Darf ich dich heute einladen?" "Gerne!" sage ich, "ich muss nur noch schnell regeln, wer auf die Kinder aufpasst."
Dann gibt es diese wunderbare Beobachtung, dass bei jeder Regel die Ausnahme von selbst dazu kommt. Keine Regel ohne Ausnahme. Manche machen lieber eiserne Regeln. Sie hassen die Ausnahme! Andere sind da eher großzügig. Interessant finde ich die Idee, dass die Ausnahme wie von selbst dazu kommt. Wenn ich höre, dass jemand Regeln aufstellen möchte, regt sich bei mir "in der Regel" sofort der Widerstand. "Aber bitte nicht für mich!" Ich bin der geborene Ausnahmenfinder. Wenn ich in einer Besprechungsrunde sitze, dann stelle ich schnell fest, dass es zwei Gruppen gibt. Die Regelaufsteller und die Ausnahmenfinder. Die Regelaufsteller brauchen die Kontrolle, die Sicherheit und die Zuverlässigkeit, damit es ihnen gut geht. Die Ausnahmefinder brauchen die Freiheit, Autonomie und Individualität, damit es ihnen auch gut geht. Manchmal beißen sich diese unterschiedlichen Grundbedürfnisse.
Aber jetzt wird es auch klar, warum die Ausnahmen von selbst kommen. Da, wo einer kontrollieren möchte, fühlt sich ein anderer bedroht in seiner Freiheit. Wenn du selbst in deiner Familie, einem Verein oder an deiner Arbeitsstelle in einer Besprechung sitzt - wohin tendierst du? Plädierst du für Regeln und findest sie hilfreich? Oder wirst du erst lebendig, wenn du Ausnahmen finden kannst? Und wie gelingt es dir, dass deine und die scheinbar entgegengesetzten Bedürfnisse erfüllt werden?
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Mittwoch, 30. August 2017

Gedanken bringen nicht so viel ein, wie Gefühle kosten. (jüdische Weisheit)


Stell dir vor, dass du einen Gedanken hast. Du hast den Gedanken, dass du ganz reich werden könntest. Du hast den Gedanken, dass du etwas erfindest. Du machst eine Erfindung, die die Welt voranbringt. Etwas, was noch nie dagewesen ist.
Dann freust du dich! Die Freude wächst mit jedem Gedanken. Du wirst reich! Du kannst dir unheimlich viel leisten! Alle Träume erfüllen! Die Menschen glücklich machen. Deren Glück würde dein Glück beflügeln. Du würdest in einem Glüchsrausch sein. Nur bei dem Gedanken an deine Erfindung. Du hast sie noch nicht gemacht, aber du bist schon im Glücksrausch!
Dann fängst du an mit der Umsetzung. Dir fällt leider nichts ein! Nichts mit Substanz. Du bist enttäuscht. Die Enttäuschung wird tiefer und tiefer. Du bist wütend und traurig. Du bekommst deine Bestätigung, dass du doch nur ein armseliges Licht bist.
Jetzt sagt dieses jüdische Sprichwort: Gedanken bringen nicht so viel ein, wie Gefühle kosten. Die Gefühle kosten unser Leben. Sie fallen ins Gewicht - wortwötlich!
Es geht um den sorgfältigen Umgang mit meinen Gedanken. Ich mache mir manchmal gedankenlos Gedanken und bin mir nicht bewusst, dass ich am Ende einen Gefühlspreis dafür zahle. Ich bereite mir selber meine Enttäuschungen. "Das hatte ich mir so schön ausgedacht!" Und dann kommt es anders. Ich habe viel investiert auf der gedanklichen Ebene. Und dann kommt es anders!
Ich finde es hilfreich, Gefühle und Gedanken gemeinsam in den Blick zu nehmen. Wie werde ich mich fühlen, wenn ich das jetzt denke. Wie wird es mir gehen, wenn ich meine Pläne umsetze? Werde ich mit einer Enttäuschung klarkommen?
Die Dinge können kommen, müssen es aber nicht. Die "müssen" - Gedanken haben oft diesen emotional so hohen Preis. Manchmal ist es weise, einen Moment eine Pause zu machen. Will ich das wirklich? Bin ich bereit für eine mögliche Enttäuschung? Wäre es besser, sich von dem Gedanken jetzt wieder zu verabschieden? Manche reiten ein totes Kamel und können nicht absteigen. Es war ja so wertvoll und teuer! Auf welchen toten Kamelen sitzt du und vergießt dort Tränen? Wo heulst du und vergisst dabei, irgendwann auch abzusteigen?
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Dienstag, 29. August 2017

Der Hastige überspringt seine Gelegenheiten (aus Albanien)


Manchmal bin ich einfach zu schnell. Brauchen wir noch Mehl? Schon springe ich los und laufe zum Supermarkt. Dann komme ich wieder und stelle fest, dass ich auch noch Zitronen gebraucht hätte.
Die Albaner sagen: "Der Hastige überspringt seine Gelegenheiten."
Mir gefällt dieses Bild. Als Hastiger springe ich. Ich mache große Sprünge. Zu große Sprünge. Ich springe so groß und weit, dass ich bestimmte Gelegenheiten verpasse. Die Gelegenheiten zwischen den hastigen Sprüngen.
Gilt auch das Gegenteil? Etwa so? "Der Langsame verliert sich in seine Gelegenheiten?" Das kenne ich auch. Ich verliere mich so in die Details, dass ich von meinem Umfeld fast nichts mehr mitbekomme. Ich schaffe nur einen Bruchteil von dem, was ich mir vorgenommen habe.
Ich kann also die Gelegenheiten überspringen oder mich darin verlieren. Wohin tendierst du? Bist du eher hastig oder langsam? Wie siehst du dich selbst und wie sehen dich andere? Kommt es vielleicht auch auf das Thema an?
Ich bin eher hastig. Ich wusel mich quasi durch den Tag. Manchmal jedoch verlangsame ich meine Schritte und mein Denken. Ich werde langsamer und langsamer und entdecke wirklich Gelegenheiten. Ich sehe in einem Schaufenster einen Buchtitel, der mich anspricht. Oder ich sehe einen Menschen, den ich schon länger nicht mehr getroffen habe. Kann es sein, dass ich ganz bestimmte Menschen nur deshalb nicht sehe, weil ich zu hastig bin? Ich wundere mich nämlich, dass ich manche Freunde so selten auf der Straße treffe.
Ich stelle mir vor, wie mein Leben ausgesehen hätte, wenn ich nicht so hastig gewesen wäre. Ich hätte andere Leute getroffen. Hätte andere Ideen gehabt und würde heute vielleicht ganz anders leben?!
Und wenn ich hastig alle meine Gelegenheiten überspringe, dann komme ich viel schneller ans Ende meines Lebens an, oder? Das glaube ich jetzt mal nicht. Es wird noch viele Gelegenheiten für irgendetwas geben.
Es ist gut, manchmal einfach anzuhalten. Sich zu verlangsamen. Aufmerksam zu werden. Sich über diese besondere Gelegenheit zu freuen. Schade, wenn ich die wirklichen Geschenke meines Lebens verpassen würde!
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Montag, 28. August 2017

Menschen kommen, wo Menschen sind (aus Island)


Im Urlaub nehme ich wahr, dass in dem einen Café alle Plätze besetzt sind und nebenan sitzt niemand.
Manche Straßenmusiker ziehen die Menschen so an, dass die Leute stehen bleiben und einen Kreis um den Musiker bilden. Andere musizieren und die Leute gehen achtlos vorbei.
Kennst du folgende Situation? "Lass uns mal da nachschauen! Da sind so viele Leute! Da ist bestimmt was los!" Menschen kommen, wo Menschen sind. So sagt man in Island.

Ich könnte auch ergänzen: Menschen kommen, wo "echte" Menschen sind. Wo die Menschen menschlich sind. Es gibt Menschen mit einer positiven Ausstrahlung. Mit denen bist du einfach gerne zusammen. Da fühlst du dich wohl und du bekommst etwas. Ein gutes Wort. Ein Lächeln. Ein freundlicher Blick. Wo solche Menschen sind kommen immer wieder Menschen hinzu. Eine Gruppe von menschlichen Menschen, die wie eine Tankstelle wirken.

Davon wünsche ich mir mehr. Ich war einmal am Rande einer Wahlkampfveranstaltung. Echter Kampf! Kampf mit Parolen und fuchtelnden Händen. Aufgeladene Leute. Desinteressierte oder frustrierte Menschen auf einem Platz versammelt. Da treibt es mich schnell fort. Da möchte ich nicht bleiben. Das tut mir nicht gut!

Bist du ein Mensch, der andere Menschen anzieht. Einer, wo andere sich gerne in der Nähe aufhalten? Weißt du, wie du etwas dafür tun kannst, dass sich das noch verstärkt? Menschliche Menschen lieben andere Menschen. Sie schauen nicht danach, wie der andere aussieht. Was er so denkt oder macht. Erst einmal lieben sie. Ohne Grund. Mit einem großen und weiten Herzen. Und das wünsche ich dir! Ein großes und offenes und weites und großzügiges Herz!
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Samstag, 26. August 2017

Das Reine wird leichter schmutzig. (aus Bulgarien)


Wenn du einen kleinen Flecken auf der Tischdecke hast, musst du nicht mehr so aufpassen. Wenn du eine frische weiße Decke auflegst bist du ganz vorsichtig. Bloß keinen Flecken machen. Der eine Fleck fällt sofort ins Auge. Er macht die ganze Decke schmutzig. Das Reine wird leichter schmutzig. ich passe so auf, dass ich mich verkrampfe. Ich verkrampfe mich und schon ist das Reine schmutzig.

Wenn ich eine total wichtige Aufgabe erledigen muss, dann besteht die Gefahr, dass ich besonders aufpasse. Und verkrampfe. Und es vermassle. Ich will das Reine rein halten. Die Aufgabe perfekt lösen. Darum mag ich es, wenn alles nur so ungefähr ist. Die Decke so ungefähr glatt gebügelt. Die Aufgabe so ungefähr erledigt. Alles so ungefähr. Eben gut genug, aber nicht perfekt.

Wenn das Reine nur so ungefähr rein ist stellt sich die Frage nach dem Schmutz nicht mehr so bedrängend. Ich war einmal eingeladen zu einem Festessen mit weißer Tischdecke. Als wir alle saßen nahm die Gastgeberin einen kleinen Löffel und tauchte ihn in die Sauce. Dann kippte sie die Sauce über die Decke und sagte: "Jetzt müssen wir alle nicht mehr so aufpassen! Lasst es euch schmecken."
Wenn wir doch alle ein wenig gelassener sein könnten!

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Freitag, 25. August 2017

Denke immer nur an die Meile, die vor dir liegt. Nicht an die Meile danach. (aus Dänemark)


Ich erlebe viele Menschen, die versuchen, die Probleme von übermorgen zu lösen. Je größer die Kontrollzone, desto stärker das Gefühl von Sicherheit. Wenn ich mich jetzt schon einstelle auf übermorgen, dann habe ich morgen keine Sorgen. Klingt logisch und sehr fürsorglich mit sich selbst, oder?
Aber wenn ich das Übermorgen vorbereite, dann lauert das Unglück vielleicht in der Zeitspanne nach dem Übermorgen. Also auch diese Meile noch bedenken und die Meile danach. Ich sollte mein Leben bis zum letzten Tag bedenken, dann bin ich total sicher, oder?

Ich wäre nur noch mit Vorbereitungen für irgendein Morgen beschäftigt. Ich würde gar nicht mehr leben! Mein Leben wäre voll ohne dass ich leben würde. Denke immer nur an die Meile, die vor dir liegt. Nicht an die Meile, die danach kommt. Händel dein Leben in überschaubaren Portionen. Die Meile, die du jetzt gerade gehst. Die Aufmerksamkeit für diesen Schritt. Für diesen Augenblick. Lebe jetzt!

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Donnerstag, 24. August 2017

Das Licht lacht immer über das Werk der Dunkelheit (aus Estland)


Wenn ich in den Keller gehe ist es dort dunkel. Sobald ich das Licht anmache ist es hell.
Wo ist die Dunkelheit hin verschwunden? Sie hat sich einfach aufgelöst!
Das Licht lacht immer über das Werk der Dunkelheit. Es ist dunkel und du machst das Licht an. Die Dunkelheit verschwindet. Einfach so!
Wenn ich die Nachrichten höre dann wird viel Dunkelheit verbreitet. Ich könnte den Eindruck bekommen, dass die Welt vollkommen trist und trübe ist. Das ist aber nicht die ganze Wahrheit! Nur ein kleiner Teil! Ein kleiner Teil, der sehr viel Aufmerksamkeit bekommt. Jetzt in diesem Augenblick lieben Millionen von Menschen andere Millionen von Menschen. Jetzt in diesem Augenblick behandeln Tausende von Ärzten ganz zugewandt tausende von Menschen. Jetzt in diesem Augenblick strahlen Millionen Kinder über etwas, was sie gerade erfreut.
Ich verbinde mich mit diesen unendlich vielen Impulsen des Lichtes! Bist du dabei?
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Mittwoch, 23. August 2017

An etwas Gutes erinnert man sich, das Böse geht einem nicht mehr aus dem Sinn. (aus Finnland)


Worüber hast du dich heute gefreut? Fällt dir etwas ein? Worüber hast du dich vor zwei Wochen gefreut? Was ist dir in den letzten Wochen Gutes passiert? Jetzt denkst du vielleicht nach und dann bekommst du eine Idee! Ja! Ich war doch eingeladen zum Geburtstag. Es war nett! Ich habe da diese interessante Frau kennengelernt. Das war ein sehr schöner Abend. Jetzt, wo du danach fragst, fällt es mir auch wieder ein.
Das Gute gerät aber so nach und nach in Vergessenheit. Es taucht nur wieder auf, wenn ich mich bemühe. Wenn ich nachdenke. Wenn ich mich erinnere. Die Aktivierung des schönen Ereignisses wird für mein System nicht mehr gebraucht.
Wenn mich etwas schockiert, dann bleibt das im Körper hängen. Sofort bekomme ich einen Adrenalinschub. Bloß nicht weiter da dran denken. Das Ereignis geht mir nicht mehr aus dem Sinn. Wenn ich mich selber frage, wann ich denn mal etwas Schreckliches erlebt habe, dann reihen sich die Ereignisse wie Perlen an einer Schnur. Es läuft ab wie ein Film.
An das Gute kann ich mich durch nachdenken aktiv erinnern und mich freuen. Das Böse steckt noch in den Knochen. Was mache ich mit dieser finnischen Weisheit? Wenn ich möchte, dass ich entspannt und ausgeglichen bin dann arbeite ich lieber an meinen positiven Erinnerungen. Ich lasse das Gute in mir groß werden. Ich tue aktive etwas dafür. Und ich passe auf mich auf, dass ich mich nicht suhle in den negativen Ereignissen. Nicht ständig erinnern! Nicht immer wieder sich selbst quälen. Es zumindest nicht auch noch forcieren. Und zugleich eine innere Friedensarbeit mit sich machen. "Auch, wenn mir dieses Ereignis in den Knochen steckt, darf ich weiterleben. Danke!"
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Dienstag, 22. August 2017

Der Himmel ist sichtbar für jeden. (aus Lettland)

Ich sitze in meinem Büro und schaue aus dem Fenster. Ich sehe die Straße und in der Ferne den Supermarkt. Und über mir sehe ich den Himmel. Am anderen Ende der Stadt sitzt ein Freund in seinem Büro und sieht eine andere Straße und wenn er nach oben schaut sieht er auch den Himmel. Wir beide sehen den Himmel. Nur wenn ich in den Keller gehe sehe ich ihn nicht.
Der Himmel scheint noch demokratisiert zu sein. Alle dürfen da hinschauen! Beim Urlaub am Meer gibt es schon Unterschiede. Mit Meerblick, seitlich und ohne. Den Blick in den Himmel muss ich nicht bezahlen. Ich kann da hinschauen von jedem Ort der Welt. Frei zugänglich und sichtbar für jeden. Es gibt immer eine Perspektive! Immer eine Öffnung! Immer noch eine Möglichkeit!
Der Blick in den Himmel kann auch mein Herz öffnen wenn es einmal eng wird. In der Trauer halte ich den Kopf nach unten, den Blick gesenkt. Vielleicht will ich dann auch nichts weiter wahrnehmen. Möchte mich einigeln und verschließen. Ich kann aber auch die Augen erheben und den Himmel erblicken.
Für manche Menschen ist der Himmel im übertragenen Sinne unsichtbar. Weil die Trauer die Augen verdunkelt hat. Vieleicht hilft da die Verheißung im Hintergrund und aus der Ferne. Hörst du es? Der Himmel ist sichtbar für jeden. Prinzipiell! Grundsätzlich! Als natürliche Voraussetzung! Bist du bereit?
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Montag, 21. August 2017

Nimm Verbindung auf!


Ich beobachte, wie eine Verkäuferin eine Kundin berät. Diese hat eine Bluse anprobiert und schaut kritisch in den Spiegel. Elegant sieht diese Kundin aus. Ich höre förmlich ihre Gedanken. "Steht mir die Bluse? Richtige Größe? Sitzt sie gut? Passt sie zu den anderen Sachen, die ich habe? Wozu kann ich die wohl tragen?" Ich sehe, mit welchen Fragen sie sich beschäftigt.

Die Verkäuferin hat eine etwas füllige Figur und trägt eher lässige Kleidung. Sie redet freundlich auf die Kundin ein. "Wir haben schon viele Blusen von dieser Firma in dieser Saison verkauft. Die ist äußerst beliebt. Und vor allem sind diese Blusen so unglaublich bequem. Das ist der entscheidene Vorteil. Diese Blusen tragen sich einfach unheimlich gut. Das ist aber typisch für diese Firma mit diesen Schnitten."

Die Verkäuferin nimmt nicht wahr, was in dieser Kundin vor sich geht. Zwei Menschen in zwei Welten vor dem gleichen Spiegel. Die Kundin möchte "elegant" und die Verkäuferin bietet "bequem" an.

Ein paar Augenblicke später nehme ich wahr, dass ich auch Dinge verkaufe, die jemand anderes nicht bestellt hat. Gar nicht will! Und ich stelle fest, dass wir alle das oft tun. Wir bieten Dinge an, die nicht bestellt und nicht gewollt wurden. Mütter bieten ihren Kindern Sachen an und drängen ihnen irgendetwas auf. "Willst du nicht doch die Mütze? Ein Butterbrot?" Ärzte verschreiben Medikamente, die der Patient vielleicht gar nicht braucht. Pastöre predigen Glaubenssätze, die eher für sie selbst gedacht sind. - Und ich schreibe vieleicht Gedanken, die niemand bestellt hat.

Aber so ist das. Wir leben alle in verschiedenen Welten. Jeder lebt in seiner eigenen Welt. Und manchmal treffen wir uns. Ich treffe dich in deiner Welt. Und du triffst mich in meiner Welt. Und ich kann etwas dafür tun, dass es zur Begegnung kommt. Will der andere meine Gedanken und Vorschläge? Oder macht es mehr Sinn, erst einmal zu schauen, zu spüren und vor allem nachzufragen. Und erst einmal Verbindung aufzunehmen. Wenn also zwei Welten sich treffen, was ständig passiert und normal ist, dann gilt es zuerst, Verbindung aufzunehmen. Und ich glaube, dass das manche Menschen noch nie gehört oder gemacht haben. Verbindung aufnehmen!
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Samstag, 19. August 2017

Ich besuche mich...


Heute besuche ich mich.

Ich mache es mir schön.

Ich setze mich hin.

Ich mache es mir bequem.

Ich lege ein Buch auf den Tisch.

Ich stelle ein Glas Wasser daneben.

Dann sitze ich...

...mal schauen...

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Freitag, 18. August 2017

Ein Thron für dich!




Immer wieder beschäftigt mich die Frage: Wo gibt es einen Platz für mich? Wo darf ich leben, wo darf ich sein? Ergeht es dir auch manchmal so wie bei dem Kinderspiel von der Reise nach Jerusalem? Es ist kein Stuhl mehr für dich frei! Du hast das Gefühl, du gehörst nicht dazu. Du kommst zum Beispiel etwas später zu einer Geburtstagsfeier. Alle lachen, unterhalten sich und sind in ausgelassener und gelöster Stimmung. Du hast den Eindruck, du kommst nicht wirklich dazwischen. Und du bist die Einzige, der Einzige, der nicht dazwischen kommt. Du strengst dich an, nickst allen freundlich zu und signalisierst dein Interesse. Deine Seele scheint irgendwo im Raum zu schwirren, aber nicht in dir an dem Platz, wo sie sich wohlfühlt. Da kommen vielleicht so alte Kindersprüche hoch, die dich damals schon gekränkt haben: „Aufgestanden, Platz vergangen, musst dir einen wieder fangen!“ Schrecklich, nicht wahr! Das wird schnell zu einem Einfallstor für eine depressive Grundstimmung: „Ich gehöre hier nicht hin!“ „Ich gehöre nirgendwo hin!“ „Es ist so anstrengend, sich immer zu bemühen!“ Und viele Ausbrüche mehr.
Ich möchte dir von meiner letzten Zugfahrt erzählen. Ich war zu einem Meeting in Stuttgart und hatte für den Rückweg im ICE einen Platz reserviert. Als ich im Zug einstieg, saß auf meinem Platz ein Mann und las seine Zeitung. Zwischen seinen Füßen stand seine Aktentasche. Am Haken hing sein Mantel. „Es tut mir leid“, sagte ich, „aber dieser Platz ist leider reserviert.“ (Nur so nebenbei – das mit dem „Leidtun“ ist doch eine Floskel, oder? Man ist doch froh über einen Platz, der freigehalten wird von der Bahn, extra für dich. Außerdem kostet das ja auch Geld.)
Aber weiter zu meinem Erlebnis. Der Mann faltete wortlos seine Zeitung zusammen, nahm seinen Mantel und seine Tasche und setzte sich direkt auf den Sitz vor meinem jetzt frei gewordenen Platz und faltete seine Zeitung wieder auseinander. Aber dort gab es auch eine Reservierung. Der „Besitzer“ dieses Platzes kam weniger als eine Minute später. Das gleiche Spiel wiederholte sich: „Entschuldigung…“ Zeitung falten, Mantel und Tasche nehmen. Wieder einen Platz weiter, jetzt schräg rechts davor. Wieder keinen Blick auf das „Reserviert“ - Zeichen und die Zeitung ausfaltend. Dieses mal saß dort schon ein Gast, der nur mal kurz zur Toilette musste. Wieder stand Mister „Besetzer“ wortlos auf und suchte sich den nächsten freien Platz. Der lag dann leider im nächsten Abteil und ich weiß nicht, wie die Geschichte endete. Meine ersten Regungen waren: „Der hat nicht alle Tassen im Schrank! Kann er denn nicht nachschauen! Ist der blind? Warum hat er sich nicht eine Reservierung bestellt wie jeder andere? Ist der dreist!“  
Zugleich jedoch musste ich innerlich grinsen. „Welch herrliches Erlebnis hier im Zug! Ach, wie wunderbar dreist doch jemand sein kann! Wie abgefahren! So frech möchte ich auch mal sein! So bekommt man auch einen Platz – halt immer wieder einen neuen. Das ist zwar anstrengend und aufwendig, aber so geht es auch!“
Es gibt viele Möglichkeit mit der Frage nach dem Platz im eigenen Leben umzugehen. Warte ich darauf, bis mir jemand einen Platz an seiner Seite anbietet? Ergreife ich die Gelegenheiten, die sich mir bieten? Nehme ich einfach Platz, wo immer ich einen sehe? Warte ich auf Einladungen? Verbinde ich das mit der Frage: Werde ich gesehen? Mag mich jemand? Kann ich es akzeptieren, auch einmal übersehen oder abgelehnt zu werden?
Unsere Verstorbenen hatten mal einen körperlichen Platz in dieser Welt und mussten ihn verlassen. Auch wir werden diesen Platz einmal räumen müssen. Es gibt keine festen Plätze, die für immer und ewig an der gleichen Stelle unser Eigen sind. Du bist Gast auf dieser Welt und ich bin es auch. Als Gast habe ich auf jeden Fall einen Platz, wo ich gerade bin. Das ist doch schon mal eine Aussage!
Da, wo ich gerade bin, kann niemand anders sein. Ich habe meinen Platz, weil ich bin. Also sei gelassen! Aufgestanden, Platz vergangen… Na und? Stell dir vor, dass da wo du gerade sitzt, sich dein Thron befindet. Dort darfst du thronen. Bist du auf dem Sprung oder sitzt du ordentlich fest!

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Donnerstag, 17. August 2017

Dies ist mein Revier!

Ich steige in den Zug und viele Plätze sind besetzt. Da sehe ich vier Plätze, davon zwei gegenüber. Ein Platz ist besetzt mit einer jungen Frau. Ihre Taschen hat sie auf zwei Plätze verteilt und ein Koffer steht vor dem letzten freien Platz. Bezahlt hat sie vermutlich nur für eine Person. Aber den Platz in Anspruch nimmt sie für vier. Mein erstes Gefühl ist Ärger. Kann sie nicht Rücksicht nehmen? Sieht sie nicht, dass schon so viele Plätze besetzt sind? Muss sie die Sitze mit ihren schmutzigen Tüten belegen?
Ich nehme mein eigenes Bedürfnis wahr. Ich möchte sitzen und mich ausruhen. Aber diese Frau hat ihr Revier abgesteckt. Das muss man erst einmal können. Im gut besetzten Abteil so viel Platz einnehmen.
Diese Situation ist mir vertraut. Immer wieder komme ich in ähnliche Situationen. Da breitet sich jemand aus und ich komme zu kurz. Da nimmt jemand mehr in Anspruch als er wirklich bräuchte. Einfach so! Ohne nachzudenken! Das würde ich nie machen. Jedes mal ärgere ich mich. Und ich nehme wahr, dass ich mich ärgere. Und ich ärgere mich, dass diese Menschen es schaffen, mich in Ärger zu versetzen. Wo ich doch eigentlich müde bin und ausruhen möchte. Stopp! Stopp!
Wenn ich mich jetzt ärgere ist das doch gut! Ich stoße Adrenalin aus und werde wieder lebendig. Die Müdigkeit verfliegt und ich kann locker stehen. Ich könnte! Aber ich mache es nicht. Ich schiebe den Koffer zur Seite und setze mich einfach hin. Ich frage auch nicht um Erlaubnis. Ich setze mich einfach und platziere meinen Rucksack auf ihre Tüte. Ich mache etwas, was sich sonst nicht tue. Normalerweise schmolle ich in meinem Ärger und erzähle allen davon.
Ich habe mich einfach hingesetzt und diese Frau ein wenig aus dem Gleichgewicht gebracht. Und? Wie ging die Geschichte aus? Die Frau fing an, ihre Sachen neu zu sortieren und schaffte es, sich auf zwei Plätze zu beschränken. So hatte ich einen Sitz für mich und einen für den Rucksack. Und die Lehre daraus für mich? Da finden oft so Kopfgeschichten statt mit kruden Gefühlen.
Besser ist es, einfach zu machen. Kein Kopfkino, keine überflüssigen Gedanken und irreführenden Gefühle. Alte Muster wiederholen? Muster aus der Kindheit? Manchmal ist es hilfreich, seine Muster zu unterbrechen. Im Zug zahlt jeder nur für einen Platz. Also setze ich mich. Ich scheue mich nicht, einfach zu bitten: "Würden Sie bitte den Rucksack wegnehmen, damit ich mich setzen kann?"
Fühlt sich anders an als die Opferrolle. Ich gestalte und übernehme die Verantwortung.
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Mittwoch, 16. August 2017

Die Aufpasserin!

Sie sitzt auf dem Rasen und hat einen Stuhl mitgebracht auf dem sie es lange aushalten kann. Die Sonnenbrille schützt sie vor der Sonne und macht sie auch ein wenig unsichtbar. Für viele Stunden schaut sie in eine ganz bestimmte Richtung. Ihr Schild um den Hals deutet darauf hin, dass sie zu einer Einrichtung oder einer Gruppe gehört. Sie ist keine Touristin. Wer schleppt schon Stühle mit durch die Gegend? Aufmerksam beobachtet sie etwas. Immer in eine Richtung.
Sie beobachtet ein Objekt in etwas Entfernung. Der Rasen verschluckt sie, so dass sie von dem Objekt aus nicht sofort gesehen werden kann. Jeder hätte die Möglichkeit, dieses Objekt zu zerstören. Wenn man schnell genug ist. Diese Frau bewacht ein Objekt der Skulpturenausstellung in Münster.

Und das ist das Objekt: Eine Skulptur von Justin Matherly mit dem Titel "Nietzsches Felsen". Auf dem Foto wirkt es jetzt ein wenig wie ein Zelt. Ich stehe also vor diesem Kunstobjekt und nehme eigentlich die Aufpasserin wahr.
Kunst ist bestimmt interessant und der Künstler hatte bestimmt ein Idee mit seinem Felsen auf Krücken und Gehhilfen. Aber mich interessiert diese Aufpasserin. Was denkt sie so den ganzen Tag? Muss sie oft eingreifen wenn die Leute das Kunsterwerk anfassen wollen? Darf sie in der Zwischenzeit lesen? Hat sie genug Wasser dabei? Lebt sie davon? Was bekommt sie so in der Stunde? Und was macht sie, wenn sie nicht Kunstwerke bewacht? Ist sie vielleicht selber Künstlerin und würde lieber ihre eigenen Skulpturen bewachen?
Die Aufpasserin führt mich hin zu einem Gedanken. In Filmen geht es immer um die Hauptdarsteller, die berühmten Persönlichkeiten. In der Politik und bei Vereinen schauen wir auf die Präsidenten. Die öffentlichen Kameras richten sich in der Regel auf die Hauptfiguren. Auf die kommt es scheinbar an! Aber ist das wirklich so?
Was würde ein Chefarzt ohne seine Team machen? Was ein Künstler ohne die Material-Lieferer? Ein Bundeskanzler ohne all die Sacharbeiter? Eine Ameisenkönigin ohne ihr Volk?
Je höher der Posten, desto wichtiger erscheint er uns. Desto mehr steht ein Mensch in der Öffentlichkeit. Alle schauen darauf. Aber mich interessiert, was da nebenbei geschieht. Das Verborgene. Das, worauf keiner achtet. Dort werden die Geschichten erzählt, die das Herz berühren. Wenn du also eine große Figur in der Weltgeschichte wärest, wärest du für mich nicht so wichtig. Aber ich finde dich interessant. So am Rande der Wichtigkeiten! Du hast eine Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte, die mich berührt. Das eigentliche Weltgeschehen wird von den Kameras nicht erfasst. Es geschieht im Verborgenen. Ich lade dich ein, mal dahin deine Aufmerksamkeit zu richten.
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Dienstag, 15. August 2017

Einmal wie Jesus auf dem Wasser gehen!

Ich besuche die Skulpturenausstellung in Münster. Eyse Erkmen installierte einen Steg, der die zwei Ufer des Kanals miteinander verband.
Scharen pilgern jeden Tag dorthin. Sie ziehen sich Schuhe und Socken aus und laufen über das Wasser. Der fast unsichtbare Steg macht es möglich. Die Leute sinken nicht ein. Sie staunen und haben Vergnügen. Was unterscheidet diesen Steg vom Wassertreten oder von Kneippschen Bädern?

Der Steg macht möglich, was sonst nicht möglich wäre. Ich darf ein mal auf dem Wasser laufen. Ein wenig Jesus spielen. Wunder werden demokratisiert. Die Geschichte wird neu geschrieben. Jesus lief einst übers Wasser. Ich auch!

"Ich auch!" Das erinnert mich an meine Kindheit. Meine Mutter fragte: "Wer möchte ein Eis?" Meine Schwester antwortete: "Ich!" Der Rest der Geschwister: "Ich auch!"

Wir alle wollen teilhaben am Leben. Wer möchte ein paar Sonnenstrahlen? Eine frische Tomate aus dem Garten? Eine duftende Scheibe Brot? Eine kleine Umarmung? Ein nettes Wort? "Ich auch!" Ich bin bedürftig! Manchmal merke ich das erst, wenn ich gefragt werde. Manchmal merke ich den Hunger erst, wenn ich beim Bäcker vorbeilaufe. Manchmal brauche ich eine Einladung zu einem Steg, der mich einlädt, in die Leichtigkeit des Seins zu gelangen.
Ich wandle auf dem Wasser und es trägt mich. Ich bin leicht, weil ich mich leicht fühle. Ich gehe auf dem Wasser und fühle mich leicht. Alle anderen fühlen sich auch leicht auf dem Wasser. Sie lächeln. Sie schmunzeln. Sie werden leichtsinnig! "Leicht" mitt allen "Sinnen"!

Eines Tages werden wir alle auf dem Wasser laufen. Ohne Steg! Wir gehen durch Wände als sei es selbstverständlich. Wir werden uns wundern, warum wir das Leben immer so schwer genommen haben. Wir könnten es leichter nehmen. Einfach jetzt anfangen. Vielleicht mit einem Besuch am Kanal in Münster?
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Montag, 14. August 2017

Schmecke das Leben, es ist köstlich!

In einem Café hängt ein Bild an der Wand von El van Leersum. Zwei Männer und zwei Frauen genießen und schwelgen. "Schmecke das Leben, es ist köstlich!" So die Bildunterschrift.

Manchmal dreht sich der Kopf und ich beschäftige mich den ganzen Tag mit dem Lösen von Problemen. Was machst du hier? Wie antwortest du da? Wem sagst du was in welcher Situation? Was sind die Auswirkungen? Während des Nachdenkens decke ich den Tisch, esse mein Brot und trinke den Kaffee. Später am Tag kann ich mich nicht mehr daran erinnern, wie viele Brote ich gegessen habe mit welchem Belag. Ich war zu sehr mit dem Denken beschäftigt.

Dabei habe ich doch nur dieses eine Leben. Vielleicht nur diesen einen Tag! Vielleicht mein letzter! "Schmecke das Leben, es ist köstlich!" Ich schmecke die Sonne! Ich schmecke den Regen! Ich schmecke die Vögel auf dem Rasen! Ich schmecke!
Ich schwelge und staune! Ich genieße und setze mich mitten hinein in das Leben. Ich schaue mir die üppigen Leute auf dem Bild an und proste ihnen zu. Schön, dass ich da bin! Schön, dass du da bist! Willkommen im Leben!
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Samstag, 12. August 2017

Wie du zum Einverständnis kommst!

Stell dir vor, jemand bittet dich um etwas und du erfüllst diese Bitte. So weit so gut. Oder auch nicht.  Ich möchte mit dir heute einmal diesen eigenartigen Zwischenraum betrachten, der zwischen dem Aussprechen der Bitte und deren Erfüllung liegt.
Also noch einmal. Ein Freund bittet dich zum Beispiel: "Kannst du mir ein Paket Kaffee mitbringen wenn du kommst?" Dann steht diese Bitte in deinem inneren Raum. Vielleicht antwortest du spontan "Ja", weil du eh noch genug Vorräte im Schrank hast oder weil du sowieso an einem entsprechenden Geschäft vorbeikommst. Es ist für dich nicht mit Umständen verbunden so dass du die Bitte einfach erfüllst. Es kann aber auch sein, dass du keine Vorräte hast, eigentlich auch keine Zeit oder keine Lust. Dennoch kaufst du den Kaffee ein, weil du diesen Freund nicht enttäuschen möchtest oder weil du nicht nein sagen kannst, oder oder oder ...
Wenn du also eigentlich diese Bitte nicht erfüllen willst und es dennoch tust übergehst du etwas in dir. Du übergehst deine innere Stimme, die protestiert und ein "Nein" erwägt. Es kann leicht geschehen, dass du dann nicht mehr mit dir selbst in Übereinstimmung lebst und fremdgesteuert wirst. Daraus folgt dann auch ein Gefühl der Unzufriedenheit. Du gehst vielleicht mit einer gequälten Freundlichkeit zu deinem Freund und lieferst dort den Kaffee ab. Du kannst die Zweisamkeit nicht genießen, weil dein Inneres mit dir im Groll liegt und schmollt.
Im Zwischenraum von Bitte und Erfüllung bist du nicht aufmerksam gewesen und musst jetzt mit den Folgen leben. Bei einem Paket Kaffee mag das nicht so tragisch sein, aber wenn es um sehr große Bitten oder andere Wünsche geht spielt das eine große Rolle. Darum glaube ich, dass es wichtig ist, diesen Zwischenraum sorgfältig zu bedenken und den inneren Prozess zu gestalten.

1. Höre die Bitte mit dem Bauch, dem Herzen und dem Verstand.
2. Bewege es in deinem Inneren. Möchte ich das? Kann ich es? Gibt es Widerstände? Für wen ist es gut?
3. Triff eine Entscheidung. Wenn du ein klares "Nein" oder "Ja" hörst und umsetzt, übernimmst du Verantwortung für dein Handeln und hast keinen Grund, weiter innerlich zu grollen.
4. Gib dein Einverständnis. Atme ein und tief aus und sage noch einmal "Ja" zu deiner Entscheidung, egal wie sie ausfällt.

Ich möchte auf diesen vierten Schritt heute mein Augenmerk legen. Sein Einverständnis geben ist mehr als sich zu entscheiden. Beim Entscheiden wählst du zwischen den Möglichkeiten und setzt dann eine Möglichkeit um. Aber ob du wirklich innerlich ein ganzes "Ja" dazu sagst ist damit noch nicht grundgelegt. Probier einmal folgendes aus. Erinnere dich an die letzte Bitte, die jemand an dich gerichtet hat. Dann atme tief ein und im Ausatmen sagst du mit der Tiefe des Herzens und des Verstandes: "Einverstanden!" Was spürst du dabei?
Nach meiner Erfahrung setzt dieser Schritt eine Energie frei, die dich mit größerer Leichtigkeit Bitten erfüllen oder nicht erfüllen lässt. Beim "Einverstehen" nimmst du das Verständnis in dich hinein. Du verstehst und stehst zu dem, was du tust. Du gibst neben dem äußeren "Ja" auch dein inneres "Ja". Du entwickelst ein Verständnis für dich, das sich wie Wärme und Wohlwollen anfühlt. Du vollziehst den inneren Weg der notwendigen Schritte, um in Übereinstimmung mit dir zu bleiben, zu kommen und zu sein.
Vielleicht denkst du, dass es nicht immer möglich ist, im Gespräch diese vier Schritte zu machen. Wenn du einmal genauer darüber nachdenkst wirst du feststellen, dass du das immer schon gemacht hast im Bruchteil einer Sekunde. Es fehlte vielleicht manchmal die Bewusstheit dafür. Sich dieser vier Schritte bewusst zu werden gleicht einer spirituellen alltäglichen Praxis. Höre, bewege, entscheide dich.. Dann atme tief ein und sage im Ausatmen "Einverstanden". Dazu gehört für mich auch, dass du zum "Nein" sagen einverstanden sagst. Es geht nicht darum, dass du einverstanden bist, die Bitte eines anderen zu erfüllen. es geht darum, dass deiner Entscheidung das Einverständnis gibst. Erst, wenn du einen Vertrag unterschreibst, bekommt er Gültigkeit und Kraft.
Warum verbinde ich es mit dem Atem? Nun, im Ausatmen lässt du ja deinen Atem wieder los. Du gehst nicht in eine Anspannung sondern in die Entspannung und in die Lösung. Die gefühlte Lösung bringt dir zugleich Erleichterung mit. Du hast dich entschieden, es muss nicht mehr in deinem Kopf herumwandern, so wird es im Loslassen leichter in deinem Kopf. Übe dich im "Einverständnis". Du kannst dich auch einfach hinsetzen und einen Baum anschauen. "Einverstanden!" Du kannst dir deine Beziehungen anschauen und sagen: "Einverstanden!" Vielleicht wirst du aber da schon einen Unterschied merken ob du zu einem Sommerbaum "Ja" sagst und ob deine "hakeligen" Beziehungen auch ein solches "Ja" bekommen. Gibt es Widerstände? Spürst du ein unangenehmes Gefühl? Kommt da ein Mangel oder ein Schmerz? Das macht nichts, wenn ein Schmerz kommt, dann kannst du mit dem Schmerz "einverstanden" sein. Und wenn du mit dem Schmerz nicht einverstanden sein kannst, dann kannst du "Einverstanden" sein mit deinem "Unverständnis". Es wird immer eine Einladung im Raum stehen, mit dem du in ein "Einverständnis" gehen kannst.
Diese "Einverständnis" - Übung, wie ich sie einmal nennen möchte könnte zu einem wichtigen Bestandteil deines inneren Friedensprozesses werden.
1. Im Einatmen nimmst du alle Anliegen in dich auf.
2. Am Ende des Einatmens hältst du für nur einen Augenblick inne und bewegst das, was da ist.
3. Im Ausatmen lässt du los und sagst: "Einverstanden."
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Freitag, 11. August 2017

Kurze Unterbrechung!






Wenn du am Morgen deine Beine aus dem Bett hebst bleib für einen Moment auf der Bettkante sitzen und besinne dich: Was wünsche ich mir für den heutigen Tag?

Wenn du beim Frühstück in dein Brot beißt, mach eine kurze Pause. Was esse ich hier eigentlich?
Wenn du unterwegs bist, mach eine kurze Pause. Lass die Welt für einen Augenblick still stehen. Wenn du die Zeitung liest, mache beim Lesen eine kurze Pause. "Was habe ich da gerade gelesen?" Wenn du mit jemanden sprichst unterbrich deine eigene Rede und mache eine kurze Pause.
Mit jeder Unterbrechung wirst du dir deiner selbst gewahr. Du steigst aus aus dem Alltagsgeschäft und spürst dich selbst.
Wenn du anfängst wahrzunehmen kommst du in den Genuss des Hier und Jetzt
Ich wünsche dir den Genuss des Augenblicks, wo du dich unterbrichst um dir zu begegnen.

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Donnerstag, 10. August 2017

Das geht ja gar nicht!


Wieder einmal sind sich alle am Tisch einig. Eine spricht aus, was alle denken: Das geht ja gar nicht! Am Tisch entsteht Einvernehmen und Solidarität. Das geht ja gar nicht!
Ich saß zwar in der Nähe und bekam den Inhalt und Anlass der Aufregung leider gar nicht mit. Ich weiß nicht, was da "gar nicht ging". Irgendjemand hat irgendetwas gesagt oder getan, was unmöglich war. Abscheu und Verachtung hing wie eine Wolke über diesem Tisch. "Das geht ja gar nicht!" ist auch so eines dieser Modeworte. Mir gefällt dieser Satz. Du rufst ihn aus der Tiefe deines Bauches heraus im Brustton der völligen Überzeugung. Es gibt da keinen Kompromiss und kein Hauch eines Verständnisses. Auch das muss mal sein! Ewig wird erwartet, dass du Verständnis hast für andere Menschen oder bestimmte Situationen, aber wer hat Verständnis für dich? Mit einem solchen Satz wie "Das geht ja gar nicht!" kannst du auch gleich allen anderen Ärger, den du in dir gesammelt hast, mit nach oben spülen und herauslassen. Die schreckliche Tat dieses unmöglichen Menschen war nur der Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte.
Ich hole mir die Situation am Tisch wieder ins Bewusstsein. Das furchtbare Wort, die unmögliche Tat hatte ihre gute Seite. Solidarität und Freundschaft am Nachbartisch. Jawohl! Wir sind anders! Uns passiert so etwas nicht! Wir halten zusammen! Wir pflegen unsere Freundschaft! Wir sind tolerant und verantwortungsbewusst! Wir wissen noch, was Moral und Anstand ist!
Diese fremde Person, von der ich nichts weiß bis heute, hat ohne es zu wissen eine gute Tat vollbracht. Sie hat dafür gesorgt, dass sich mein Bewusstsein erweitert hat. Manchmal ist es gut, seinem Herzen Luft zu machen und den Ärger förmlich auszuspucken. Danach kann der Atem wieder frei fließen und du bekommst die Energie zum weitergehen.

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Mittwoch, 9. August 2017

Viele bunte "Du's"


Ich liebe diese vielen und bunten "Du". Ein paar Kostproben?

Das handwerklich Du geht so:
Komm mal her und halte fest! Das musst du so machen! Du musst das anders halten, so rutscht es dir weg! Pack mal ordentlich an, so wird das nichts! Willste ne Flasche Bier? Du, wenn wir das geschafft haben, dann haben wir echt was geschafft! Passt! Dich hamsewohl zu heiß gebadet als Kind! Du hast wohl zwei linke Hände! Man, stell dich nicht so an! Siehste, hab ich doch gesagt! Hör mal zu! Du muss nur zuhören!

Das therapeutische Du geht so:
Du, wenn du das so sagst, wie du es gerade sagst, dann merk ich bei mir, wie du da was ins Schwingen bringst. Du hast so eine besondere Art, wie du dich da so ausdrückst. Das ist irgendwie, wie soll ich sagen, na ja so ein wenig einschmeichelnd. Aber nicht, dass du mich jetzt falsch verstehst. Ich meine das nicht so, wie du es vermutlich gerade glaubst. Denn wenn ich dich jetzt so anschaue, dann habe ich den Verdacht, dass sich da bei dir so eine bestimmte Phantasie regt, die ich wirklich vermeiden wollte. Du verstehst, was ich jetzt sagen will? Nein, du verstehst nicht? Ja stimmt, ich drücke mich manchmal so unentschieden aus. Da siehst du, welche Auswirkung so ein Satz auf mich hat, wenn du ihn aussprichst.

Das Eltern Du geht so:
Wie oft muss ich es dir noch sagen! Hast du nicht gehört? Du nervst! Jetzt halt doch mal den Mund und lass mich sprechen! Mach das nicht noch einmal, das sag ich dir! Wehe, du sagst dieses Wort noch einmal. Musst du immer... Kannst du nicht einmal... du du du....

Das Kinder Du geht so:
Du (damit einher geht eine Schwingung, die hoch anfängt, nach unten abfällt und sich wieder rasant nach oben zieht, verbunden mit einem gleichzeitigen Fragenklang, Erzählwunsch und um Aufmerksamkeit bittend.) Das "Du" muss man hören, es ist auf keinen Fall kurz, sondern lang gedehnt und variantenreich. 
Du, darf ich noch ein Eis? Du, Mama, du bist auch die Allerliebste! Du, Mama, darf ich auch noch ein Ü-Ei?

Das Göttlich Du geht so:

Du

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Dienstag, 8. August 2017

Wenn Furcht das Herz befällt, spricht die Zunge nur das, was das Auge der Furcht sieht. (Ibnol Katib)

Eine Weisheit der Sufis! Teilst du diese Erfahrung? Du gehst im Alltag deinen Weg. Du erledigst deine Aufgaben. Du sprichst mit Menschen. Du verfolgst deinen Tagesplan. Plötzlich geschieht etwas. Es geschieht etwas, dass dich in ein Erschrecken versetzt. Das kann eine Kleinigkeit sein wie ein Porzellanteller auf dem Boden oder eine Person, die plötzlich dich von hinten her anspricht. Es kann auch etwas Großes sein wie ein Anruf, dass es einen Verkehrsunfall gab oder dein Arbeitsplatz in Gefahr ist.
In einer solchen Situation befällt "Furcht das Herz". Du wirst quasi überfallen. Du kannst für einen
Augenblick oder auch länger dein Leben nicht mehr steuern. Du fühlst dich ohnmächtig und alle kontrollierenden und selbstbestimmenden Kräfte stehen dir nicht zur Verfügung. Du hast nicht die Angst, sondern die Angst hat dich fest im Griff.
In dem Augenblick kann die Zunge nur das aussprechen, was gerade im Inneren abläuft. Du hast die Brille der Furcht aufgesetzt und kannst nicht mehr klar denken. Du denkst in Kategorien der Angst.
In manchen "angsterfüllten" Gesprächssituationen ist es darum wichtig, erst einmal Ruhe hineinzubringen. Erst einmal durchatmen! Erst einmal hinsetzen! Die Klarheit der Gedanken muss erst wiedergewonnen werden. Das braucht seine Zeit. Das geht nicht sofort.
Stell dir vor, dass ein Arbeitgeber seinen Angestellten ruft und ihm mitteilt, dass der in Kürze seine Stelle verliert. Jetzt müsse man unbedingt reden über alle Regularien. In dem Augenblick wird der Angestellte gar nicht in der Lage sein, da einen klaren Gedanken zu fassen. Er wird einfach Zeit brauchen, bis seine Zunge und sein Verstand wieder funktionsfähig sind.
Ich denke, dass es wichtig ist, in einer solchen Situation behutsam zu sein und sich Zeit zu lassen für alle weiteren Schritte.
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Montag, 7. August 2017

Wenn das Problem zu einer Aufgabe wird, die ich lösen kann...

Nach dem Duden kommt das Wort "Problem" aus dem Griechischen: "pro ballein", "das Hingeworfene", "das Vorgelegte". Ein Problem meint also nur "die vorgelegte Aufgabe". Kommt jemand zu dir mit einem Problem dann meint er: "Ich habe da eine Aufgabe".
Bei uns kommt aber an: "Ich habe da etwas, das ich nicht lösen kann und das mir Kopfzerbrechen bereitet." In unserem Verständnis bekommt das Wort Problem sofort einen Beigeschmack: "Hilfe, ich muss da jetzt eine Lösung für finden.
Dabei ist ein Problem so lange kein Problem in unserem Sinne, wie die Aufgabe lösbar erscheint. Ein Problem wird zum Problem, wenn die Aufgabe unlösbar wird. Wozu ist das wichtig, dass ich das weiß?
Kommt jemand zu mir und sagt: "Ich habe da ganz viele Probleme!" Dann höre ich zunächst: "Ah, du hast ganz viele Aufgaben, die du lösen musst." Das nimmt den Druck heraus, sofort eine Antwort zu wissen. So muss ich ein Problem ja auch nicht lösen. Lösen muss ich etwas aus vielen Verwicklungen und Verstrickungen.
Wenn ich das Problem vereinfache hin zu einer Aufgabe zeigt sich die "Lösung" manchmal wie von selbst!
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Samstag, 5. August 2017

Ein wenig mehr Leichtigkeit!


Stell dir eine Situation vor, die dich belastet. Du hast einen Fehler gemacht. Du hast dich blamiert. Du fühlst dich nicht wohl damit. Du möchtest es verdrängen, leugnen, zur Seite schieben. Aber es lastet auf dich. Wie fühlt es sich an?
Wenn das Ereignis frisch ist, kann ich diese Reaktion gut verstehen. Aber wenn diese Geschichte schon lange zurückliegt? Wenn es sich in deiner Kindheit abgespielt hat? Und wenn du daran denkst und es fühlt sich wieder so schwer an, macht das noch Sinn? Diesen alten Teebeutel wieder in die Tasse zu hängen und alte Gefühle wiederzubeleben? Es ist ein altes Gefühl! Es ist nicht aktuell!
Jetzt magst du denken: Aber ich kann mich nicht dagegen wehren. Es kommt einfach immer wieder. Ich hatte mich damals so blamiert! Es belastet mich immer noch! Dann belastet dich nicht das vergangene Ereignis sondern es belastet dich das aktuelle Gefühl, dass du dir selber gemacht hast. Die Erinnerung erschafft das Gefühl. Du bist der Schöpfer dieses Gefühls. Du hast es selber erschaffen!
Wenn du mal in die Jauchegrube gefallen bist und es dir nicht gefallen hat. Würdest du freiwillig wieder hineinspringen? Würdest du noch einmal eine heiße Herdplatte anfassen um das Gefühl von Verbrennung wiederzubeleben? Würdest du doch nicht. Das macht keinen Sinn! Aber deine alten Ereignisse kramst du dein ganzes Leben lang wieder hervor und erneuerst deine schlechten Gefühle.
O.k. Wenn du es nicht lassen kannst, weil du ein Erinnerungsjunkie bist dann mache es doch einmal ganz richtig. Das geht so!
Stell dir eine Situation vor, die dich belastet. Schließe dazu die Augen und lass sich das Bild in dir entfalten. Nimm wahr, wie deine Mutter dich auslacht und wie du reagierst. Wende dich aber dieses mal auf keinen Fall ab wie sonst! Bleib bei dem Bild! Bleib noch weiter bei dem Bild! Schau dir deine Mutter an und schaue dich selber an. Lass alles zu, was auftaucht. Es ist wie bei einem Eiterpickel: Alles muss raus! Also schau das Bild an. Übernimm die Verantwortung dafür. Es ist deine Situation, deine Geschichte, deine Erinnerung. Sie gehört dir! Egal was du erlebt hast. Schau dir die Situation an und laufe nicht weg! Halte es länger aus als sonst. Schau dich daran satt! Ich habe einmal Sahne sehr gerne gemocht. Dann habe ich einen ganzen Becher Sahne getrunken und mir wurde schlecht. Lange Zeit konnte ich dann keine Sahne mehr essen. Ich hatte die Nase voll davon. Schau dir also mal als Experiment deine schwere Geschichte an bis du satt bist.
Wenn du es lange genug gemacht hast wird etwas sehr Unerwartetes und Ungewöhnliches geschehen. Davon kann ich dir hier nichts erzählen, denn dann würde dein Geist ganz schnell dahin flüchten. Das möchte ich vermeiden.
Wenn du dir dein Bild anschaust dann machst du etwas anderes gleichzeitig. Du sagst dir: Jetzt bin ich hier. Mein Leben ist weitergelaufen! Ich bin die von damals und zugleich jemand anderes. Zum Abschluss der Übung schaust du auf das Mädchen im Foto: Es bläst eine Pusteblume. Die Geschichte ist abgeschlossen. Der Same darf sich verteilen. Die Geschichte war schwer und der Same ist leicht. Wie bei einer Pusteblume puste ich den Samen meiner Geschichte in die Welt und habe Anteil an meiner Weiterentwicklung und der Entwicklung der Welt.
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Freitag, 4. August 2017

Die Kunst des indianischen Weges


Ich las von einem alten Indianer, der mit seinen Enkelkindern unterwegs war. Er forderte sie dazu auf, für alles am Weg aufmerksam zu sein. Irgendwann blieb er stehen und fragte die Kinder, was es dort besonderes gäbe. Die Kinder schauten sich um und konnten nichts außergewöhnliches entdecken. Der alte Indianer zeigte nach oben in den Baum und wies auf eine Eule hin.
"Wie konntest du die Eule sehen, wo du doch die ganze Zeit auf den Boden geschaut hast?" bemerkte einer von den Kleinen. "Es liegt an den Mäusen", erwiderte der Großvater. "Weit und breit ist am Boden keine Maus zu sehen. Die Mäuse kommen nur, wenn es keine Gefahr gibt. Darum war mir klar, dass im Baum eine Eule sitzen muss."
An dieser Geschichte imponiert mir, dass der Indianer die Zeichen lesen konnte. Er muss nicht die Eule sehen um zu wissen, dass sie da ist. Am Fehlen der Mäuse erkennt er die Anwesenheit der Eule.
Wie würde unser Leben aussehen, wenn wir uns in dieser Kunst üben könnten, die Welt so wahrzunehmen. Klar, wenn  es auf der Straße stinkt wissen wir, dass wir in der Nähe eines Feldes sind, wo gerade Gülle ausgefahren wird. Kondensstreifen am Himmel deuten an, dass dort gerade ein Flugzeug vorbeizog. Es geht eher um die Kunst, quasi um die Ecke zu denken.
Der Indianer findet seine Orientierung mit Hilfe der Mäusesicht. Er taucht in diese Welt ein und denkt von da aus. Das ließe sich doch auch auf uns übertragen. Du könntest zum Beispiel einen ganzen Tag lang die Welt mit den Augen und dem Bewusstsein eines Kindes betrachten. Du steigst in die Welt eines Kindes ein und fühlst und denkst so wie es. Du hast die gleiche Körpergröße, das gleiche Wissen und die gleichen Fähigkeiten. Was geschieht, wenn du das machst? Wirst du vielleicht neugieriger, unbeschwerter oder unmittelbarer?
Die Prärie mag ja voller Mäuse sein, darum ist ihre An- oder Abwesenheit für die Deutungen des Lebens hilfreich. Wir müssten etwas anderes finden als Mäuse in unserer Zivilisation. Was kommt bei uns denn häufig vor und könnte gut als Indikator dienen? Aus der Sicht eines Vogels? Oder eines Autos?
Nicht so leicht! Meine Idee heißt: Immer mal wieder das eigene "Ich" verlassen und die Perspektive wechseln. Sonst besteht die Gefahr, dass du denkst, die Welt ist so, wie du sie siehst. Aber die Welt ist nicht so! Es könnte sein, dass deine Welt vielfältiger wird, wenn du hin und wieder die Perspektive wechselst. Du kannst dir auch vorstellen, dass du alles wahrnimmst mit dem Grundgefühl von Liebe! Was geschieht dann mit dir? Du könntest dich auch dafür entscheiden, dass du denkst: Alle wollen etwas von dir! Was geschieht dann? Du wirst feststellen, dass du selbst auf einmal mehr bist als das "Ich", das gerade etwas wahrnimmt. Du gehst nach außen und nimmst etwas wahr. Du kehrst zu dir zurück und nimmst das Neue mit in dir hinein. Das wird dich verändern und deiner Weiterentwicklung dienen. So lernst du die Kunst des indianischen Weges.

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Donnerstag, 3. August 2017

Die Tiefe im Leben eines Menschen ist wichtiger als die Länge. (Swahili)



Häufig höre ich den Satz: "Er ist viel zu früh gestorben." Ich wünsche jedem Menschen ein langes Leben. Es ist furchtbar, wenn ein Kind stirbt, das noch ein so wunderbares Leben vor sich hat. Es ist fast unmöglich, Eltern in dieser Situation Trost zu spenden. Der Verlust, der Schmerz, die Trauer sind oft unerträglich. Dies gilt es wahrzunehmen an erster Stelle.

Und dennoch gibt es auch die andere Erkenntnis aus Afrika: "Die Tiefe im Leben eines Menschen ist wichtiger als die Länge." Zu dieser Weisheit gelangst du nur, wenn du mit dem Tod einigermaßen versöhnt bist. Es kommt auf die Qualität des Lebens an. Lebst du jede Minute bewusst? Bist du immer voll da im Hier und Jetzt? Freust du dich über jeden Sonnenstrahl bis in die Tiefe deines Herzens? Registrierst du die freundlichen Blicke der Menschen um dich herum? Genießt du im Augenblick deinen Kaffee, das Brot, das was du gerade siehst?

Wenn du schon nicht so lange leben kannst, wie du es eigentlich möchtest, dann tust du gut daran, die Zeit auszukosten, die dir gegeben ist. Empfange das Geschenk des Lebens - Jetzt!

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Mittwoch, 2. August 2017

Wenn wir keinen Feind in uns tragen, dann kann uns der Feind draußen nichts anhaben.

"Wenn wir keinen Feind in uns tragen, dann kann uns der Feind draußen nichts anhaben." (aus Afrika)
Ein interessanter Gedanke und eine weise Erfahrung. Die Gedanken und Gefühle von Feindschaft entstehen in unseren Herzen.
Du bist gekränkt, weil dir jemand weh getan hat. Du bist enttäuscht, weil dich jemand übersehen hat. Deine Bedürfnisse wurden übersehen und nicht ernst genommen. Du sammelst im Inneren deines Herzens alle Enttäschungen, Kränkungen, die Wut und den Ärger an. Da entsteht eine brodelnde Masse, die Energie eines Vulkanes. Eine Zeitbombe, die irgendwann ausbricht.
Da begegnest du mit der Energie deines Grolles einen Menschen, der ähnlich ist wie du. Du schaust wie in in einen Spiegel und erkennst es doch nicht. Du siehst den Feind in deinem Spiegel und merkst nicht, dass du dich nur selber siehst in einer Art Verkleidung. Aber du bist es selbst. Ohne den Groll in deinem Herzen wäre dein Gegenüber ein harmloser Vorübergehender, der dir nichts getan hat.
Was ist daraus zu schließen? Geh den Weg nach innen und lerne deine Abgründe kennen, die Dämonen, die in dir wohnen, die Ärgergeister und Kränkungsgespenster. Da ist eine ganze Gemeinschaft versammelt, die gefüttert werden will. Begegne deinen inneren Feinden mit Wohlwollen und Verständnis und du erlebst das Wunder, dass die Feinde im Außen plötzlich nicht mehr da sind.
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Dienstag, 1. August 2017

Es gibt keinen Weg, der nicht irgendwann nach Hause führt.

Ein afrikanischer Spruch aus meinem Kalender.
Ich kenne viele Menschen, die das Gefühl haben, nicht bei sich angekommen zu sein. Immer gibt es einen Mangel. Nie ist etwas so ganz richtig. "Jetzt mache ich mehr Sport, das hat mir früher schon gut getan, aber irgendwann habe ich damit aufgehört. Vielleicht hilft es mir ja weiter." Dann kommt der Sport und es fühlt sich wieder nicht so ganz richtig an.
Manche Menschen sagen von sich, dass sie viele Umwege machen. Da ist die erste Liebe, die nicht funktioniert, dann kommt die zweite Liebe und manchmal ist die dritte Liebe dann die richtige.
Manche erlernen einen Beruf und stellen schnell fest, dass er nicht den eigenen Fähigkeiten und dem Herzenswunsch entspricht. Aber sie üben ihn aus über viele Jahre bis hin zur großen Sinnkrise.
Bei all diesen Geschichten und Erfahrungen kommt dann vielleicht der Gedanke: Wozu das alles? Warum diese ständigen Umwege? Wann komme ich endlich an mein Ziel? Wann wird alles so sein, dass ich rundum zufrieden bin?

Da sagt das afrikanische Sprichwort: Es gibt keinen Weg, der nicht irgendwann nach Hause führt. Das ist doch beruhigend, nicht wahr? Ich darf Umwege machen, so viele ich will. Es ist nicht einmal ein Umweg. Das Wort "Umweg" ist nur meine persönliche Deutung. Es ist halt mein Weg, der Weg, den ich gerade gehe. Ich kann mehrmals um die ganze Erde reisen und innerlich durch tausend Welten wandern, es geht gar nicht anders, als das ich ans Ziel gelange. Ein Misslingen ist damit quasi ausgeschlossen. Egal wie lange du unterwegs bist und wohin du dich auch wendest: Du kommst irgendwann nach Hause, entweder am Ende deines Lebens, zwischendurch oder auch heute. Diese Erkenntnis schenkt dir eine unmittelbare Gelassenheit und klare Gewissheit. Es gibt keinen Weg, der nicht irgendwann nach Hause führt.   
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