Translate

Mittwoch, 26. Juni 2019

Warum gehen, wenn man tanzen kann?

Ja, du könntest tanzen. Auf der Straße, im Supermarkt, im Flur am Arbeitsplatz und durch das Leben überhaupt. Warum gehen, wenn man tanzen kann? Warum immer hinter den eigenen Möglichkeiten bleiben? Warum sich selbst Verbote erteilen, die niemand ausgesprochen hat?
Schon in der Bibel spielt die Schlange mit den Vorstellungen der ersten Menschen. Da heißt es:
Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes, die Gott, der Herr, gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen?
Die Frau entgegnete der Schlange: Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen;
nur von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen und daran dürft ihr nicht rühren, sonst werdet ihr sterben.
Die Schlange übersteigert das Verbot. Eigentlich dürfen die Menschen von allen Bäumen essen, aber die Schlange fragt hinterlistig: "Ihr dürft von keinem Baum essen?" Und die Frau übersteigert auch: "Doch, wir dürfen essen, nur nicht von dem einen Baum. Und wir dürfen nicht daran rühren."
Ja, da gibt es das Essensverbot, aber kein Berührungsverbot. Berühren würde auf jeden Fall gehen!
Also warum gehen, wenn man tanzen kann? Wir konstruieren uns unsere Welten und Wirklichkeiten, unsere Werte und Normen und unsere gesamten Vorstellungen vom Leben. Wie wäre die Welt wenn du tanzen würdest? Beim Tanzen drehst du dich und siehst 360°. Dein Radius weitet sich aus und vergrößert sich. Du wirst rundum! Und auch noch oben und unten. Es wird bunter. Du kannst dein Leben bunter machen. Warum gehen, wenn du tanzen kannst?
www.matthias-koenning.de

Freitag, 21. Juni 2019

Wenn jeder bekommt was er braucht, wird Gerechtigkeit überflüssig. (neudeutsche Weisheit)

Der Nachtisch wurde bei uns zu Hause stets gerecht verteilt. Die große Schüssel mit Quark kam auf den Tisch, dazu die kleinen Dessertteller. Dann nahm Mutter einen großen Löffel und zählte ab. Fünf Löffel für jeden. Wir fünf Kinder verfolgten mit den Augen das Schauspiel. Schafft Mutter es, alles gerecht zu verteilen? Wir hätten die Teller auf eine Waage stellen müssen, dann hätten wir es wirklich gewusst. So mussten wir unseren Augen und den Fähigkeiten der Mutter vertrauen.
"Das ist nicht gerecht!" Diesen Protestruf habe ich im Laufe meines Lebens so häufig gehört sei es von Kindern oder Erwachsenen. Das Leben ist eine Tummelwiese von großen und kleinen Ungerechtigkeiten. Immer wieder fühlen Menschen sich ungerecht behandelt. Der Andere hat mehr bekommen als ich! Der Eine lebt im materiellen Wohlstand, obwohl er es "nicht verdient" hat und der Andere lebt in Armut, wo er doch so fleißig ist.
Die Dessertverteilung habe ich als Kind zwar als sehr gerecht empfunden. Es war aber auch anstrengend! Du musstest immer deine Augen aufmachen. Du musstest messen, zählen, abwiegen und vergleichen.
Dabei gerät völlig aus dem Bewusstsein, dass du vielleicht gar nicht so viel möchtest oder brauchst. Aber du nimmst dir den gerechten Anteil, damit du nicht übervorteilt wirst.
Ich glaube nicht, dass es möglich ist, die Welt gerecht zu gestalten. Gerechtigkeit bleibt subjektiv, ist abhängig vom jeweiligen Beobachter. Du hast Glück oder weniger Glück. Du lebst im falschen Land auf dem falschen Kontinent. Du lebst in der benachteiligten oder privilegierten Schicht. Am Thema Gerechtigkeit kannst du ein ganzes Leben abarbeiten.
Jetzt stell dir einmal die Alternative vor am Beispiel meiner Quarkschüssel. Jeder am Tisch bekommt so viel wie er braucht. Was wird geschehen? Macht die Angst sich breit, dass es für mich nicht genug gibt? Dass jemand vor mir den Teller sich vollmacht ohne Rücksicht auf Verluste? Wenn mein Nachbar ein solch großes Bedürfnis hat und so viel braucht, warum nicht? Mag er es doch nehmen!
So einfach wird es doch nicht gehen. Es würde Sinn machen, vorher darüber zu sprechen, was jeder braucht. Dann kann man abschätzen, ob der Vorrat reicht. Es geht dann darum, das einzelne Bedürfnis in den Blick zu nehmen und das Gesamtbedürfnis aller. Das muss besprochen und verhandelt werden. Ich habe die erstaunliche Feststellung gemacht, dass es bei solchen Experimenten immer mehr als genug war!
Wenn am Ende dann jeder bekommt was er braucht, wird Gerechtigkeit überflüssig. Der Wunsch nach Gerechtigkeit schaltet sich ja erst ein, wenn das Bedürfnis des Einzelnen nicht genug berücksichtigt wird. Ist es sinnvoll, für eine gerechte Welt zu kämpfen? Oder macht es mehr Sinn, sich dafür einzusetzen, dass jeder das bekommt, was er zum Leben braucht. Ich glaube nicht, dass ich die Welt gerechter machen kann, aber ich kann meine Augen und mein Herz öffnen für die Bedürfnisse der Menschen, mit denen ich Kontakt habe.
www.matthias-koenning.de

Montag, 17. Juni 2019

Ab sofort bin ich nur noch ich. Alles andere ist mir auf die Dauer zu anstrengend. (Ernst Ferstl)


Es reicht aus, wenn ich ich bin. Damit habe ich genug zu tun. Ich weiß oft nicht einmal wer dieses ICH ist. Manchmal denke ich, es ist das Ich meines Vaters. Ich höre seine Stimme in mir. "Mach das so oder so! Aber bloß nicht anders!" Da gibt es die vielen Stimmen, die zu mir sprechen. Meine Eltern, meine Lehrer, mein Pfarrer. Eine lange Liste. Aber diese Stimmen tun so, als seien sie meine eigene. Wenn ich denke, dass sei meine eigene Stimme müsste ich dem ja folgen, nicht wahr?
Sehr raffiniert! Die vielen fremden Stimmen in mir tarnen sich! Ich denke, das sei ich, aber dabei bin ich es gar nicht. Was mache ich nun? Ich identifiziere die Stimmen in mir. Ich frage zuerst, wem sie gehört. Ist es eine fremde Stimme sage ich: "Raus aus meinem System!" Dann stelle ich mit Erschrecken fest, dass so nach und nach alle Stimmen verschwinden. Da bleibt nicht mehr viel übrig! Wo ist meine eigene Stimme? Die, die nur zu mir gehört?
Sie ist leise geworden im Laufe der Jahre. Sie denkt, dass sie unwichtig ist. Alle anderen Stimmen sind wichtiger. Besonders die elterlichen Stimmen. Aber ich halte die Stille in mir aus. Ich werde wütend und traurig. Und wenn ich es wirklich aushalte - meldet sich meine ureigene Stimme ganz leise in mir. Also: Ab sofort bin ich nur noch ich. Alles andere ist mir auf die Dauer zu anstrengend!
www.matthias-koenning.de

Samstag, 15. Juni 2019

Einmal in den Arm nehmen und drücken!


Was machst du wenn dein Kind zu dir kommt? Es weint, es ist traurig, es hat Sorgen. Du nimmst es zuerst in den Arm. Körperkontakt! Festhalten! Dazu sprichst du ein paar beruhigende Worte und schenkst Zuwendung und Trost. Irgendwann ist es wieder gut. Fast wie von selbst. Meistens!

Was machst du, wenn du traurig bist? Wenn dich jemand gekränkt hat? Wenn du Sorgen hast? In der Regel gehst du zu jemanden hin und sprichst. Du sprichst dich aus. Und du redest und du redest. Manchmal gibt es eine Erleichterung. Manchmal! Immer?

Jetzt mal ehrlich! Wünschst du dir nicht vielleicht auch öfter mal jemanden, der dich in den Arm nimmt so wie damals, als du noch ein kleines Kind hast? Körperkontakt? Ich finde, dass tröstende Worte oft zu wenig sind. Die tun zwar gut, machen aber nicht satt. Die Worte sind wichtig für den Kopf und das Herz, aber der Körper könnte schnell verhungern.

Es wäre schön, wenn wir das als Erwachsene öfter hinbekommen würden. ...nicht vergessen: ich muss dich unbedingt in den Arm nehmen und ganz doll drücken...
Ich wünsche dir jemanden, zu dem du gehen kannst, und der dich mal in den Arm nimmt. Wo es nicht peinlich ist! Wo du dich nicht schämen musst! Wo es ganz einfach geht! Für dich und für den der drückt! Und vielleicht magst du noch stärker zu jemandem werden der zum "in den Arm nehmen" einlädt! :-)
www.mattthias-koenning.de

Samstag, 8. Juni 2019

Das Staunen ist der Anfang der Erkenntnis (Platon)


Alles hat einen Anfang! Auch die Erkenntnis fängt mit etwas an. Wie läuft ein Erkenntnisprozess? Ich werde zuerst mit einer Idee konfrontiert oder einem Ereignis. Das Erlebte verarbeite ich und ich denke darüber nach. Am Ende des Denkprozesses gibt es ein Ergebnis: Die Erkenntnis.
Jetzt hat Platon eine interessante Idee. Am Ende steht die Erkenntnis und am Anfang ist das Staunen. Das "Staunen" ist eine wunderbare Gabe für uns Menschen. Wann hast du das letzte Mal gestaunt? Kinder staunen ständig! Wenn du ihnen etwas erzählst, dann werden die Augen ganz groß und sie sperren den Mund auf. Sie sagen laut: "Oooooh!" und "Aaaaaah!" Sie sind ganz außer sich und völlig erfüllt von dem Erleben. Sie saugen das Gesehene oder Gehörte förmlich in sich auf. Sie erschaudern und sind tief bewegt. Sie wollen mehr davon. Sie wollen es tiefer erfassen.
Wir Erwachsenen sind da schon viel abgebrühter. Es muss schon ein Smartphone mit besonderen technischen Raffinessen sein, das uns staunen lässt. Wenn ich im Urlaub ans Meer fahre dann staune ich über die Weite! Wenn ich in die Berge fahre dann staune ich über die Erhabenheit! Wenn ich dann jeden Tag aufs Meer schaue verändert es sich schon. Das Staunen wird geringer, die Selbstverständlichkeit wächst. Wir tauschen das "Staunen" gegen die "Macht der Gewohnheit." Ja, die Gewohnheiten sind auf die Dauer mächtiger als das Staunen. Schade eigentlich! Wenn wir nicht mehr staunen können nach Platon, dann hören auch die Erkenntnisse auf. Wir nehmen ja nichts mehr wirklich wahr. Wir gehen daran vorbei.
Du kannst ja auch nicht immer ans Meer oder in die Berge fahren damit du mal staunen kannst. Manche Menschen brauchen immer den letzten Kick damit sie sich das Staunen erhalten können, und das "Ooooh"-Gefühl. Wenn ich heute wieder verstärkt staunen möchte dann braucht es mehr Aufmerksamkeit. Ich blicke in den Garten und schaue mir die Eibe an. Das mache ich über einen längeren Zeitraum. Ich beobachte die Meisen, die darin herumhüpfen und Beeren picken. Ich nehme die Schönheit des Baumes wahr und vertiefe mich in das immerwährende Grün. Ich merke, wie das Staunen sich so langsam im Körper ausbreitet. Ich lebe Seite an Seite mit einem Baum, der jeden Tag ganz zuverlässig an seinem Platz steht. Jahr für Jahr! Jeden Tag und ohne Ausnahme steht er da in seinem Grün und gibt mir Schatten und den Vögeln Nahrung.
Meine Aufmerksamkeit geht jetzt am Frühstückstisch zu meinem Lieblingsbäcker. Ich mag sein Brot. Ich kann es jeden Tag essen. Mir wird es nicht überdrüssig. Er backt es zuverlässig jeden Tag für mich. Ich staune über die Kontinuität. Kuchen kann ich nur ab und zu genießen. Frischen Brot mag ich jeden Tag. Und wiederum breitet sich ein langsames und stetiges Staunen aus.
"Das Staunen ist der Anfang der Erkenntnis." Das hieße für mich, bei jedem Anfang dem Staunen mehr Chancen zu geben, wenn sich in mir so ein Gewohnheitsgefühl breitgemacht hat. Ich lade dich ein zum Staunen über all die vielen Anfangssituationen, die dir geschenkt werden im Leben.
www.matthias-koenning.de