Translate

Samstag, 19. Februar 2022

Viele bunte "Du's"


Ich liebe diese vielen und bunten "Du". Ein paar Kostproben?

Das handwerklich Du geht so:
Komm mal her und halte fest! Das musst du so machen! Du musst das anders halten, so rutscht es dir weg! Pack mal ordentlich an, so wird das nichts! Willste ne Flasche Bier? Du, wenn wir das geschafft haben, dann haben wir echt was geschafft! Passt! Dich hamsewohl zu heiß gebadet als Kind! Du hast wohl zwei linke Hände! Man, stell dich nicht so an! Siehste, hab ich doch gesagt! Hör mal zu! Du muss nur zuhören!

Das therapeutische Du geht so:
Du, wenn du das so sagst, wie du es gerade sagst, dann merk ich bei mir, wie du da was ins Schwingen bringst. Du hast so eine besondere Art, wie du dich da so ausdrückst. Das ist irgendwie, wie soll ich sagen, na ja so ein wenig einschmeichelnd. Aber nicht, dass du mich jetzt falsch verstehst. Ich meine das nicht so, wie du es vermutlich gerade glaubst. Denn wenn ich dich jetzt so anschaue, dann habe ich den Verdacht, dass sich da bei dir so eine bestimmte Phantasie regt, die ich wirklich vermeiden wollte. Du verstehst, was ich jetzt sagen will? Nein, du verstehst nicht? Ja stimmt, ich drücke mich manchmal so unentschieden aus. Da siehst du, welche Auswirkung so ein Satz auf mich hat, wenn du ihn aussprichst.

Das Eltern Du geht so:
Wie oft muss ich es dir noch sagen! Hast du nicht gehört? Du nervst! Jetzt halt doch mal den Mund und lass mich sprechen! Mach das nicht noch einmal, das sag ich dir! Wehe, du sagst dieses Wort noch einmal. Musst du immer... Kannst du nicht einmal... du du du....

Das Kinder Du geht so:
Du (damit einher geht eine Schwingung, die hoch anfängt, nach unten abfällt und sich wieder rasant nach oben zieht, verbunden mit einem gleichzeitigen Fragenklang, Erzählwunsch und um Aufmerksamkeit bittend.) Das "Du" muss man hören, es ist auf keinen Fall kurz, sondern lang gedehnt und variantenreich. 
Du, darf ich noch ein Eis? Du, Mama, du bist auch die Allerliebste! Du, Mama, darf ich auch noch ein Ü-Ei?

Das Göttlich Du geht so:

Du

www.matthias-koenning.de

Freitag, 18. Februar 2022

Wann die Freiheit beginnt!

"Street One" kann ich verschieden verstehen.
Es könnte sich um die beste und großartigste Straße im Vergleich zu allen anderen Straßen handeln. Die First Class Straße. Eine, auf die ich mich unbedingt bewegen möchte. Sehen und gesehen werden. Wer diese Kleidung trägt, der kann mithalten auf den Einlaufsmeilen dieser Welt. Der spielt in der ersten Liga. Immer die Nr. 1 sein!

Die zweite Lesart für mich lautet: Wer nur "eine Straße" kennt, landet schnell in der Sackgasse. Virginia Satir empfiehlt bei der Suche nach Lösungen, wenn du ein Problem hast, folgendes:
Ein Weg führt in die Sackgasse. (Street One)
Zwei Wege führen in ein Dilemma. (Street Two)
Ab dem dritten Weg beginnt die Freiheit. (Three and more streets)
Das ist genug Stoff zum Nachdenken, nicht wahr? Wo befindest du dich heute wie in einer Sackgasse? Wo musst du dich zwischen A und B entscheiden und kannst das nicht? Welches wäre jetzt dein dritter und/oder vierter Weg?
Vielleicht wird es Zeit für eine Marke: "Many streets".
www.matthias-koenning.de

Donnerstag, 17. Februar 2022

Die Tiefe im Leben eines Menschen ist wichtiger als die Länge. (Swahili)



Häufig höre ich den Satz: "Er ist viel zu früh gestorben." Ich wünsche jedem Menschen ein langes Leben. Es ist furchtbar, wenn ein Kind stirbt, das noch ein so wunderbares Leben vor sich hat. Es ist fast unmöglich, Eltern in dieser Situation Trost zu spenden. Der Verlust, der Schmerz, die Trauer sind oft unerträglich. Dies gilt es wahrzunehmen an erster Stelle.

Und dennoch gibt es auch die andere Erkenntnis aus Afrika: "Die Tiefe im Leben eines Menschen ist wichtiger als die Länge." Zu dieser Weisheit gelangst du nur, wenn du mit dem Tod einigermaßen versöhnt bist. Es kommt auf die Qualität des Lebens an. Lebst du jede Minute bewusst? Bist du immer voll da im Hier und Jetzt? Freust du dich über jeden Sonnenstrahl bis in die Tiefe deines Herzens? Registrierst du die freundlichen Blicke der Menschen um dich herum? Genießt du im Augenblick deinen Kaffee, das Brot, das was du gerade siehst?

Wenn du schon nicht so lange leben kannst, wie du es eigentlich möchtest, dann tust du gut daran, die Zeit auszukosten, die dir gegeben ist. Empfange das Geschenk des Lebens - Jetzt!

www.matthias-koenning.de

Mittwoch, 16. Februar 2022

Gedanken bringen nicht so viel ein, wie Gefühle kosten. (jüdische Weisheit)


Stell dir vor, dass du einen Gedanken hast. Du hast den Gedanken, dass du ganz reich werden könntest. Du hast den Gedanken, dass du etwas erfindest. Du machst eine Erfindung, die die Welt voranbringt. Etwas, was noch nie dagewesen ist.
Dann freust du dich! Die Freude wächst mit jedem Gedanken. Du wirst reich! Du kannst dir unheimlich viel leisten! Alle Träume erfüllen! Die Menschen glücklich machen. Deren Glück würde dein Glück beflügeln. Du würdest in einem Glüchsrausch sein. Nur bei dem Gedanken an deine Erfindung. Du hast sie noch nicht gemacht, aber du bist schon im Glücksrausch!
Dann fängst du an mit der Umsetzung. Dir fällt leider nichts ein! Nichts mit Substanz. Du bist enttäuscht. Die Enttäuschung wird tiefer und tiefer. Du bist wütend und traurig. Du bekommst deine Bestätigung, dass du doch nur ein armseliges Licht bist.
Jetzt sagt dieses jüdische Sprichwort: Gedanken bringen nicht so viel ein, wie Gefühle kosten. Die Gefühle kosten unser Leben. Sie fallen ins Gewicht - wortwötlich!
Es geht um den sorgfältigen Umgang mit meinen Gedanken. Ich mache mir manchmal gedankenlos Gedanken und bin mir nicht bewusst, dass ich am Ende einen Gefühlspreis dafür zahle. Ich bereite mir selber meine Enttäuschungen. "Das hatte ich mir so schön ausgedacht!" Und dann kommt es anders. Ich habe viel investiert auf der gedanklichen Ebene. Und dann kommt es anders!
Ich finde es hilfreich, Gefühle und Gedanken gemeinsam in den Blick zu nehmen. Wie werde ich mich fühlen, wenn ich das jetzt denke. Wie wird es mir gehen, wenn ich meine Pläne umsetze? Werde ich mit einer Enttäuschung klarkommen?
Die Dinge können kommen, müssen es aber nicht. Die "müssen" - Gedanken haben oft diesen emotional so hohen Preis. Manchmal ist es weise, einen Moment eine Pause zu machen. Will ich das wirklich? Bin ich bereit für eine mögliche Enttäuschung? Wäre es besser, sich von dem Gedanken jetzt wieder zu verabschieden? Manche reiten ein totes Kamel und können nicht absteigen. Es war ja so wertvoll und teuer! Auf welchen toten Kamelen sitzt du und vergießt dort Tränen? Wo heulst du und vergisst dabei, irgendwann auch abzusteigen?
www.matthias-koenning.de

Dienstag, 15. Februar 2022

Das Reine wird leichter schmutzig. (aus Bulgarien)


Wenn du einen kleinen Flecken auf der Tischdecke hast, musst du nicht mehr so aufpassen. Wenn du eine frische weiße Decke auflegst bist du ganz vorsichtig. Bloß keinen Flecken machen. Der eine Fleck fällt sofort ins Auge. Er macht die ganze Decke schmutzig. Das Reine wird leichter schmutzig. ich passe so auf, dass ich mich verkrampfe. Ich verkrampfe mich und schon ist das Reine schmutzig.

Wenn ich eine total wichtige Aufgabe erledigen muss, dann besteht die Gefahr, dass ich besonders aufpasse. Und verkrampfe. Und es vermassle. Ich will das Reine rein halten. Die Aufgabe perfekt lösen. Darum mag ich es, wenn alles nur so ungefähr ist. Die Decke so ungefähr glatt gebügelt. Die Aufgabe so ungefähr erledigt. Alles so ungefähr. Eben gut genug, aber nicht perfekt.

Wenn das Reine nur so ungefähr rein ist stellt sich die Frage nach dem Schmutz nicht mehr so bedrängend. Ich war einmal eingeladen zu einem Festessen mit weißer Tischdecke. Als wir alle saßen nahm die Gastgeberin einen kleinen Löffel und tauchte ihn in die Sauce. Dann kippte sie die Sauce über die Decke und sagte: "Jetzt müssen wir alle nicht mehr so aufpassen! Lasst es euch schmecken."
Wenn wir doch alle ein wenig gelassener sein könnten!

www.matthias-koenning.de

Montag, 14. Februar 2022

Es ist besser das zu überschlafen, was du zu tun beabsichtigst, als dich von dem wachhalten zu lassen, was du getan hast. (Igbo)




Bevor du eine Entscheidung triffst, von der Glück oder Unglück anderer Menschen abhängt, schlaf mal eine Nacht drüber. Nicht alles muss sofort entschieden werden. Bedenke alles, wiege es hin und her und dann lass es wieder los. Schiebe es in den kosmischen Brutkasten und belass es dort für eine Weile.
Wenn du zu schnell handelst und dabei Menschen verletzt oder kränkst, nur weil du es zu eilig hattest, musst du den Preis der schlaflosen Nächte zahlen.
Die Art deiner Nächte kann ein wichtiger Hinweis sein, wie gelassen du mit deinem Leben umgehst. Kannst du gut loslassen? Deine Gedanken, deine Pläne, dein möglicherweise schlechtes Gewissen?

Es ist besser, das zu überschlafen, was du zu tun beabsichtigst, als dich von dem wachhalten zu lassen, was du getan hast.

www.matthias-koenning.de

Freitag, 11. Februar 2022

Wenn das Problem zu einer Aufgabe wird, die ich lösen kann...

Nach dem Duden kommt das Wort "Problem" aus dem Griechischen: "pro ballein", "das Hingeworfene", "das Vorgelegte". Ein Problem meint also nur "die vorgelegte Aufgabe". Kommt jemand zu dir mit einem Problem dann meint er: "Ich habe da eine Aufgabe".
Bei uns kommt aber an: "Ich habe da etwas, das ich nicht lösen kann und das mir Kopfzerbrechen bereitet." In unserem Verständnis bekommt das Wort Problem sofort einen Beigeschmack: "Hilfe, ich muss da jetzt eine Lösung für finden.
Dabei ist ein Problem so lange kein Problem in unserem Sinne, wie die Aufgabe lösbar erscheint. Ein Problem wird zum Problem, wenn die Aufgabe unlösbar wird. Wozu ist das wichtig, dass ich das weiß?
Kommt jemand zu mir und sagt: "Ich habe da ganz viele Probleme!" Dann höre ich zunächst: "Ah, du hast ganz viele Aufgaben, die du lösen musst." Das nimmt den Druck heraus, sofort eine Antwort zu wissen. So muss ich ein Problem ja auch nicht lösen. Lösen muss ich etwas aus vielen Verwicklungen und Verstrickungen.
Wenn ich das Problem vereinfache hin zu einer Aufgabe zeigt sich die "Lösung" manchmal wie von selbst!
www.matthias-koenning.de

Dienstag, 1. Februar 2022

Ich bin nicht da! Ich bin mich suchen gegangen...


Manchmal kommt jemand zu mir in die Beratung und spricht fast ohne Punkt und Komma eine gefühlt ewige Zeit über sein Leben. Und hier! Und da! Und das auch noch! Und das muss ich unbedingt auch noch sagen! Und dieser Mensch redet sich so hinein in sein Thema, dass etwas eigenartiges geschieht.
Dieser Mensch verschwindet. Da ist auf einmal niemand mehr da. Du kannst z.B. mit den Händen wedeln und diese Person reagiert gar nicht. Der Körper sitzt vor dir und du hörst auch die Stimme. Die Sätze sind sinnvoll und die Geschichte ist wirklich dramatisch. Dennoch sitzt dir niemand mehr gegenüber. Da ist etwas verschwunden. Genau das ist in diesem Satz ausgedrückt:

"Ich bin nicht da! Bin mich suchen gegangen. Wenn ich wieder da bin, bevor ich zurückkomme, sage mir: ich soll auf mich warten."

In uns gibt es verschiedene Persönlichkeitsanteile. Ein Teil von dir kann jetzt auf eine schöne Insel verreisen und ein anderer Teil sitzt körperlich am Schreibtisch. Ein "Ich" ist am Körper gebunden und ein anderes "Ich" verschwindet einfach so! Im Traum machst du es auch so, oder? Ein Teil von dir liegt im Bett und ein anderer Teil ist unterwegs in irgendwelchen Traumgeschichten.

Wann geschieht es, dass alle deine Teile einmal ungeteilt versammelt sind? Wie fühlt sich das für dich an? Was ist dann anders? Kennst du das auch, dass du im Zug sitzt, und die Landschaft an dir vorüberzieht. Irgendwann steigst du mit deinen Gedanken aus und bist in der Vergangenheit oder in der Zukunft oder du mäanderst hin und her. Dann ruft der Zugführer: "Wir erreichen Köln in wenigen Minuten." Ein Schauer geht durch deinen Körper und du erwachst. In wenigen Momenten hast du die Erinnerung an deine Traumbilder verloren und das "Traum-Ich" ist verschwunden.

Wie bekommst du es hin, dass alle deine "Ichs" gemeinsam da sind? In dem Augenlick, wo du ganz in der Gegenwart bist, ganz im Hier und Jetzt. Genau dann! Wenn dir jemand beim nächsten Gespräch das Ohr vollredet und du gar nicht mehr zuhören magst oder kannst, dann weißt du vielleicht: Am anderen Ende ist im Moment niemand mehr da. Dann sprichst du diesen Menschen mit Namen an. Du wiederholst den Namen. Du machst es so lange, bis er dich anschaut. Wenn dieser Mensch dich anschaut fragst du: "Bist du da?" Und du wirst merken, dass sich etwas verändert. Dieser Mensch ist auf einmal anders da und du auch. Es kommt zu einer Begegnung. Auge in Auge und Wort an Wort!
www.matthias-koenning.de