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Freitag, 1. Januar 2021

Irischer Segen für das neue Jahr 2021: Mehr Klarheit

 

"Möge Klarheit sich spiegeln auf dem Grunde deines Herzens. Rein sei deine Seele wie ein See in der Stille des Gebirges." Altirischer Segen

Mit welchen Gedanken und Gefühlen bist du in das neue Jahr hineingegangen? Kommt es dir auch so vor, als sei dein inneres Wasser getrübt mit vielen Gedanken von Einschränkungen, Mangel, Sorge, Ängste, Trennungen und Befürchtungen? Das vergangene Jahr war ja nicht so normal wie sonstige Jahre. Es gab keine Lebensbereiche, in die Corona nicht hineinreichte. 

Die Ereignisse machen etwas mit uns. Sie lassen uns nicht unberührt. Wie schön, wenn du zu den Menschen gehörst, die in Krisen eher gestärkt werden. Wenn du so stabil im Leben stehst, dass dich so leicht nichts ins Wanken bringt. Eine ganze Reihe meiner Freundinnen und Freunde konnten gut ihre Ressourcen abrufen. Ich habe aber auch viele Menschen gesehen oder begleitet, die ihre Mitte verloren haben. Die jetzt neben sich stehen oder nicht mehr so zugänglich sind. So, als ob das Herz angefüllt ist mit getrübtem Wasser. Ich finde das ganz verständlich. Nicht alle haben genug Widerstandskraft, mit den Widrigkeiten gelassen umgehen zu können.

Mir gefällt dieser irische Segen zu Beginn dieses Jahres. Zu mehr Klarheit kommen auf dem Grunde meines Herzens. Im letzten Jahr ist vieles unklar geworden oder verschwommen. Worauf kommt es in meinem Leben an. Was brauche ich mehr? Mehr Sicherheit oder mehr Freiraum? Wo bin ich zunehmend dünnhäutiger geworden? Und dann gibt es auch diese Erschöpfung. Immer aufpassen mit den Masken im Gesicht. Niemanden anstecken und nicht angesteckt werden. Vor allem nicht anecken und dafür sorgen, dass die Ängste nicht noch größer werden. Die vielen unterschiedlichen Stimmen, die viel wissen oder nichts wissen oder glauben zu wissen. Der Kopf wird immer voller und das Herz immer trüber. 

Menschen in den Familien fanatisieren und entzweien sich. Man darf sich nicht mehr treffen in größeren Gruppen und vielleicht ist es auch gut so. Nach wenigen Minuten sprechen alle über das Thema, über das man besser nicht mehr sprechen sollte. Schnell entstehen zwei Parteien. Die eine ist für etwas mit totaler Absolutheit und die andere ist dagegen mit ebensolcher Energie. "Möge Klarheit sich spiegeln auf dem Grunde deines Herzens." Mögest du deine eigene Mitte wiederfinden. Mögest du die Liebe wieder entfachen, die dich lebendig sein lässt. Mögest du wieder mehr verbinden als trennen können.

Wie wäre es, wenn die Seele die Reinheit wiederfinden könnte. Zwischen allen Gedanken, Ängsten und Zukunftssorgen mag es still werden. Erst still, damit sich die trüben Teile absenken können und dann warten, bis es klar wird. Damit es klar werden kann braucht es Stille. Das ist nicht leicht aber auch nicht unmöglich. Bei den lauten Pandemie Stimmen um uns herum werden die Stilleräume weniger. Das Internet dringt in jeden Winkel. Aber es gibt immer noch die Taste, die das Netz zum Schweigen bringt. Ich kann die Augen schließen und in mir das Bild vom stillen Bergsee entstehen lassen. Ich kann mich ans Ufer setzen und den See auf mich wirken lassen. Dieser See existiert in meinem Herzen. Wenn ich ein paar Augenblicke bei mir bleibe wird es stiller und stiller. Die Klarheit kommt dann, wenn sie kommt. Sie kommt, wenn die Erinnerung in mir aufsteigt, woher ich komme. Der Seelensatz taucht auf aus der Stille: "Ach, ich bin aus dem Göttlichen!" Ich spüre die Wirkung, die das Innewerden, das Erinnern auslöst. Das Herz atmet, wird weiter und berührt. Da ist sie, die Klarheit auf dem Grunde meines Herzens.

matthias-koenning.de

 

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