Bei
der Wanderung kommen wir an einen kleinen Fluss wo man gut baden
könnte. Aber ein Schild warnt uns. "Vorsicht, hier kannst ertrinken!"
Ich weiß nicht warum, aber das Schild wirkt ein wenig wie ein Comic und
löst bei uns Heiterkeit aus. Da lauert eine Gefahr, wir könnten
ertrinken, und wir stehen da, lachen und fotografieren. Verbinde ich das
Comic mit meiner angstbesetzten Phantasie bleibt mir das Lachen im Hals
stecken.
Das erinnert mich an so manche
Beratungssituation. Wenn ein Mensch noch schwimmen kann, dann bekommt er
sein Leben selbst geregelt. Wenn jemand droht zu ertrinken, kommt er zu
mir. Krisen sind wirklich bedrohlich. Wenn ich den Überblick verliere.
Handlungsunfähig werde. Meine Ohnmacht spüre. Nicht mehr weiter weiß.
Einen solchen Zustand kann ich nur schwer ertragen.
Und
was, wenn ich auch keine Lösung weiß? Wenn ich keinen Rettungsring zur
Hand habe? Wenn mir auch nichts mehr einfällt, weil man es irgendwie nur
aushalten muss? Manchmal hilft dann doch ein wenig Galgenhumor. Aber
nicht zu früh! Erst nach der Ohnmacht! Erst dann, wenn klar ist, dass es
keinen Ausweg gibt. Wenn es ein Einverständnis gibt, ertrinken zu
dürfen.
www.matthias-koenning.de
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Freitag, 27. März 2020
Dienstag, 24. März 2020
Corona und der Weg durch die Angst mit Kindern
Als Erwachsene versuchen wir das Ausmaß der Krise zu verstehen. Wir informieren uns auf allen Kanälen, suchen nach Antworten und Strategien, um gut zu überleben. Dabei denken wir, dass unsere Kinder genauso gestrickt sind und dass wir vor allem kluge und sinnvolle Antworten für ihre Fragen parat haben müssen. Hilfreicher für Kinder sind aber andere Dinge.
Sei präsent
Kinder verlassen sich
darauf, dass sie bei ihren Eltern geborgen sind. Dazu reicht die Anwesenheit.
Wenn die Eltern da sind, ist alles gut. Darum nimm immer wieder mal
Kontakt auf. Kind: „Bist du da?“ – Eltern: „Ja,
bin ich!“ Dann ist alles klar und die Kinder können weitermachen mit dem, was
sie gerade tun. Es hilft, wenn du dich innerlich mit den Gefühlsanteilenteilen verbindest, die sicher sind.
Damit strahlst du Zuversicht aus. Mach dir klar, worauf du dich immer noch verlassen kannst. Du hast ein Dach
über dem Kopf, ausreichend Nahrung. Du liebst deine Kinder und die Kinder
lieben dich. Das ist eine wichtige Basis.
Angst darf sein
Wenn etwas nicht so ist
wie gewohnt, entsteht das Gefühl der Angst. Es sagt uns: „Pass auf!“ und lässt
uns überlegen, was zu tun ist. Angst hat ihre Berechtigung. Sag deinem
Kind nicht: „Hab keine Angst“ oder „Ist nicht so schlimm“, sondern vermittel ihm, dass Angst ganz normal ist und uns immer wieder einmal besucht.
Sprich darüber, wie sie sich anfühlt: Ist sie nur unangenehm oder gibt es
noch andere Empfindungen? Wo macht sie sich im Körper bemerkbar? Hat das Gefühl
eine Form oder Farbe? Zeige Interesse, ganz nach dem Motto: „Wir laufen
nicht vor der Angst weg, sondern schauen mal, was sie so macht.“ Gemeinsam
werdet ihr feststellen, dass die Angst, so wie sie gekommen ist, auch wieder
vergeht.
Jetzt ist die Zeit der Rituale
Kinder lieben und brauchen
klare und geregelte Abläufe. Besonders jetzt, wo nichts mehr ist, wie gewohnt. Wenn
alle immer zu Hause sind, wird der Tag lang, schnell ödet man sich an und wird
empfindlicher. Hier bringt es Stabilität und Entlastung, wenn du Rituale
einführst, die immer zur selben Zeit stattfinden. Das kann eine Kuschelrunde
sein, eine Vorlesezeit oder Mahlzeiten, für
die alle mithelfen und sie besonders schön gestalten.
Tipp: Abendritual
Setzt euch zusammen
und zündet eine Kerze an. Dann sagt jedes Familienmitglied, wie es ihm
gerade geht, was ihm heute gelungen ist und Freude gemacht hat. Denkt dann
an die Menschen, die jetzt nicht da sind und nennt alle beim Namen. So
wird der Familienkreis größer. Zum Schluss überlegt, wie der nächste Tag
aussehen könnte und ob es eine schöne Aktivität gibt, auf die alle Lust haben.
Nur beantworten, was gefragt wird
Kinder haben jetzt viele
Fragen, die euch als Eltern vielleicht überfordert. Das macht nichts. Du musst
nicht alles wissen, und ein Thema auch nicht erschöpfend beantworten: Wenn ein
Kind mit der Antwort zufrieden ist und nicht nachfragt, braucht es keine
weiteren Erklärungen. Knüpf an frühere Erfahrungen an, wenn du mit deinen
Kindern über Angst sprichst. Frag beispielsweise: „Hast du schon einmal Angst gehabt? Was hast du da gemacht? Was
hat geholfen, was hat dir nicht gut getan? Was könnte dir jetzt helfen?“ Mit
solchen Fragen machst du die Kinder zu kompetenten Gesprächspartnern.
Mehr Kontakt und weniger Kopf
Körperkontakt ist die beste
Form, Sicherheit zu schenken. Wenn der Körper sich anlehnen kann, bekommt er
Schutz und Geborgenheit. Das ist auch einfacher als die Suche nach Antworten,
die noch nicht einmal Experten haben. Kinder haben drei Grundbedürfnisse: Sie
brauchen gefühlte Nähe (Verbundenheit), körperliche Sicherheit und Freiraum, um
sich im Spiel ausdrücken zu können (Autonomie). Schau, welches dieser
Bedürfnisse sich bei deinem Kind gerade meldet und was du dafür tun kannst. Will
es spielen, gib ihm Freiraum. Wenn es Liebe sucht, schenken Zuwendung. Hat es Angst, spende Geborgenheit.
Montag, 23. März 2020
Von der Körperhygiene zur Psychohygiene angesichts des Coronavirus
Ein paar hygienische Grundregeln zu beachten ist im Augenblick für alle Menschen enorm wichtig. Wir alle können etwas aktiv dafür tun, dass der Virus sich nicht so schnell weiter verbreitet. Wer etwas machen kann, fühlt sich nicht mehr hilflos.
Wie wäre es, die Vorschriften und Vorschläge zur Körperhygiene
auszuweiten auf eine gut Psychohygiene. Viele vergessen, dass neben der
Sorgfalt im Umgang mit dem Körper auch unsere Seele etwas braucht, damit wir
heil durch diese Krise kommen.
Die Hände waschen
Du kannst dir für einen Augenblick bewusst werden, was du
jeden Tag mit deinen Händen machst. Dass deine Hände dir so viele treue Dienste
leisten. Ohne sie wärest du völlig ohnmächtig und vom Morgen bis zum Abend auf
fremde Hilfe angewiesen. Wenn du dir die Hände wäschst, dann kannst du deinen
Händen dankbar sein, dass sie dich unterstützen bei allem, was du machst.
Gedanklich kannst du ja einmal so einen Tag durchgehen, wofür du deine Hände so
verwendest.
Mit deinen Händen empfängst du und gibst etwas weiter. Du
kannst Lebensförderndes entgegennehmen und Feindliches weiterreichen. Wo im
Leben unterstützt du und wo verbreitest du schlechte Laune und Feindseligkeit.
Du reduzierst jetzt die Begrüßung mit einem Händedruck. Aber du kannst
freundliche Gedanken empfangen und weiterschenken.
Und du kannst dir bewusst machen, wie du sonst mit deinem
Körper umgehst. Was nimmst du an Nahrung zu dir? Bewegst du dich zu wenig oder
zu viel? Was würde dir jetzt gut tun? Die Hände können im Moment für das Ganze
stehen. Behandle deine Hände mit Sorgfalt und den Rest von dir auch.
Abstand halten
Wie nimmst du die Nähe und die Distanz zu den Menschen wahr?
Manche Menschen kommen dir auch sonst zu nahe und du fühlst dich unwohl.
Manchen Menschen rückst du auf die Pelle und sorgst selber für Unbehagen. Jeder
Mensch braucht einen Raum um sich herum, der für Sicherheit und Wohlbefinden
sorgt.
Wie oft überschreiten wir im Alltag solche unsichtbaren
Grenzen. Da gibt es ein Gedrängel an der Supermarktkasse. Da wollen alle
gleichzeitig die Veranstaltung verlassen und es kommt manchmal zu sehr
unangenehmen Körperkontakten mit völlig fremden Menschen.
Auf der anderen Seite gibt es aber vielleicht auch das
Bedürfnis nach mehr Nähe. Nähe zu den Lieblingsmenschen. Wenn es körperlich im
Moment nicht so gut geht – vielleicht aber geht es gut emotional. Du kannst an
die Menschen denken, die du liebst und ihnen gute Gedanken schicken.
In den Tagen von Corona kannst du dir Zeit nehmen für die
Menschen, die du verloren hast. Die so weit auf Abstand sind, dass du lange
nicht mehr an sie gedacht hast.
Wie nahe dürfen Menschen dir überhaupt kommen? Magst du
Distanz und bist froh, dass das jetzt endlich mal geht. Dass dir niemand zu
nahe kommt? In den nächsten Tagen und Wochen hast du die Möglichkeit, darüber
einmal intensiver nachzudenken und dich neu zu finden in den Fragen von guter
Nähe und Distanz.
Beim Husten und Niesen schleudern wir ja alle Viren und
Bakterien in die Umwelt. Das kommt in der Regel sehr eruptiv. Die Armbeuge ist
ein guter Ort, das schädliche Material aufzusammeln.
Manchmal sammelt sich in unserem Inneren Ärger und Wut an.
Du kannst jetzt sehr wütend und ärgerlich werden, weil dein Alltag für Tage und
Wochen unterbrochen wird. Freiwillig möchtest du nicht zu Hause bleiben. Du
hättest gerne deine gewohnten Abläufe wieder. Da kann es passieren, dass du
schon mal aus der Haut fahren möchtest. Du wirst immer dünnhäutiger und lässt
diesen Ärger heraus an deine Partnerin, deinen Partner oder deine Kinder. Es entsteht
eine aggressive Stimmung, die immer mehr zu eskalieren droht. Der Ärger und die
Wut sind ja durchaus berechtigt. So, wie du hustest oder niest, kann der Ärger
sich seinen Weg suchen. Du kannst dir aber überlegen, wo ein guter Ort für
deine Wut wäre. „Rotzt“ du die Menschen an, die du eigentlich liebst? Oder gibt
es eine andere Möglichkeit für dich, dir Luft zu verschaffen. Power dich lieber
aus beim Jogging. Hau auf einen Sandsack oder ins Kissen. Schrei im Wald die
Bäume an. Bewege deinen Körper mit anderen kräftezehrenden Übungen.
Samstag, 21. März 2020
Eigentlich würde ich lieber Ja sagen.
Ich habe Nein gesagt.
Ich werde nicht zur Geburtstagsfeier gehen.
Ich bin sauer auf meinen Gastgeber.
Der hat mir nicht einmal zu meinem Geburtstag gratuliert.
Der hat mich nur eingeladen, weil er ein Selbstdarsteller ist.
Er umgibt sich gerne mit vielen Menschen weil er zeigen will, wie beliebt er ist.
Ich wollte kein schmückendes Beiwerk sein.
Ich wollte mich nicht missbrauchen lassen.
Der hat sich bisher noch nie bei mir entschuldigt.
Im letzten Jahr war ich noch dort.
Und alle haben ihn bewundert.
Das tolle Haus, die tolle Familie, der tolle Hund, das tolle Essen. Toll!
Er hatte nicht mal mein Geschenk ausgepackt.
Kurz gratuliert und schon wieder weg!
Ich hätte im letzten Jahr schon Nein sagen sollen.
Aber mein Nein musste wohl noch wachsen und klarer werden.
In diesem Jahr habe ich Nein gesagt.
Ich habe Nein gesagt ohne eine Begründung.
Damit es ordentlich weh tut.
Darf ich dich einladen?
Nein!
Aber eigentlich...
Eigentlich würde ich lieber Ja sagen.
In dem Nein steckt so viel Kränkung.
Die ist nicht weggegangen.
Ich habe Nein gesagt und die Kränkung ist geblieben.
Daraus habe ich gelernt.
Ich sage weiterhin Nein. Das fühlt sich richtig an.
Aber wenn ich eigentlich lieber Ja sagen würde,
sage ich nicht mehr Nein.
Ich arbeite dann an dem "eigentlich" bis es klar wird.
Bis Kopf, Herz und Bauch übereinstimmen.
Dann gibt es manchmal interessante Lösungen.
Ich sage Ja aber mit Vorbehalt.
Ich sage Nein aber mit Möglichkeit, dass es noch Ja werden kann.
Ich sage Nein und springe trotzdem über meinen Schatten.
Ich sage Ja und mache dennoch Nein.
Ich befreie mich vom Diktat von Ja oder Nein und frage nach meinen Bedürfnissen.
Wenn ich da angekommen bin, lässt sich vieles leicher klären.
www.matthias-koenning.de
Ich werde nicht zur Geburtstagsfeier gehen.
Ich bin sauer auf meinen Gastgeber.
Der hat mir nicht einmal zu meinem Geburtstag gratuliert.
Der hat mich nur eingeladen, weil er ein Selbstdarsteller ist.
Er umgibt sich gerne mit vielen Menschen weil er zeigen will, wie beliebt er ist.
Ich wollte kein schmückendes Beiwerk sein.
Ich wollte mich nicht missbrauchen lassen.
Der hat sich bisher noch nie bei mir entschuldigt.
Im letzten Jahr war ich noch dort.
Und alle haben ihn bewundert.
Das tolle Haus, die tolle Familie, der tolle Hund, das tolle Essen. Toll!
Er hatte nicht mal mein Geschenk ausgepackt.
Kurz gratuliert und schon wieder weg!
Ich hätte im letzten Jahr schon Nein sagen sollen.
Aber mein Nein musste wohl noch wachsen und klarer werden.
In diesem Jahr habe ich Nein gesagt.
Ich habe Nein gesagt ohne eine Begründung.
Damit es ordentlich weh tut.
Darf ich dich einladen?
Nein!
Aber eigentlich...
Eigentlich würde ich lieber Ja sagen.
In dem Nein steckt so viel Kränkung.
Die ist nicht weggegangen.
Ich habe Nein gesagt und die Kränkung ist geblieben.
Daraus habe ich gelernt.
Ich sage weiterhin Nein. Das fühlt sich richtig an.
Aber wenn ich eigentlich lieber Ja sagen würde,
sage ich nicht mehr Nein.
Ich arbeite dann an dem "eigentlich" bis es klar wird.
Bis Kopf, Herz und Bauch übereinstimmen.
Dann gibt es manchmal interessante Lösungen.
Ich sage Ja aber mit Vorbehalt.
Ich sage Nein aber mit Möglichkeit, dass es noch Ja werden kann.
Ich sage Nein und springe trotzdem über meinen Schatten.
Ich sage Ja und mache dennoch Nein.
Ich befreie mich vom Diktat von Ja oder Nein und frage nach meinen Bedürfnissen.
Wenn ich da angekommen bin, lässt sich vieles leicher klären.
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Mittwoch, 18. März 2020
Mehr Freiraum angesichts des Coronavirus
Wenn du Angst spürst, dann wird es eng im Inneren. Die Enge bewirkt, dass du nicht mehr klar denken kannst. Du landest im Stressmuster und machst Dinge, die du nicht machst, wenn du klar bist. Die Lösung heißt: Sorge dafür, dass die Enge etwas weniger bedrückend wird. Schaffe dir einen Freiraum, der die Enge weniger bedrohlich macht. Das Schaffen von kleinen Freiräumen heißt also das Zauberwort. Wie könntest du es umsetzen? Hier drei Hinweise.
1. Durchatmen
Hilfreich ist, es für einen Moment innezuhalten und tief
durchzuatmen. Wer Angst hat vergisst oft das Atmen. Überprüfe, ob du deinen
Körper mit genug Sauerstoff versorgst und atme bewusst ein paar Mal tief ein und
aus.
2. Der erste kleine Schritt
Eine weitere Möglichkeit wäre es, an den nächsten kleinen
Schritt zu denken. Was wäre jetzt für dich in diesem Augenblick der erste
kleine, aber hilfreiche Schritt. Er muss nur klein sein. Wer noch einen Schritt
machen kann, landet nicht in der Ohnmacht. Du könntest jetzt mal eben jemanden
anrufen. Dir ein Glas Wasser einschenken. Eine Tasse Tee oder Kaffee trinken
und Kraft sammeln. Der erste kleine, aber hilfreiche Schritt.
3. Akzeptieren, was ist
Die dritte Möglichkeit heißt: Ich akzeptiere, was jetzt
gerade ist. Eine Situation kannst du manchmal nicht ändern. Der Virus ist da
und verbreitet sich hoffentlich nur langsam. Du bist eingeschränkt in deinen
Bewegungsmöglichkeiten. Du musst Dinge tun, die dir im Augenblick nicht
gefallen. Wenn du es für einen Moment akzeptierst verschwendest du nicht Zeit
und Energie für den Kampf gegen etwas, das du jetzt nicht ändern kannst. Wenn
du akzeptierst kannst du dich für einen Moment entspannen, loslassen und
Freiraum gewinnen.
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