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Freitag, 27. Januar 2017

Spring doch mal einfach über deinen Schatten!

Das sagt sich so leicht: "Spring doch mal über deinen Schatten!" Mach einmal etwas, was du sonst nicht tust. Es entspricht nicht deinen Gewohnheiten. Du schämst dich, wenn du es tätest. Es geht dir gegen den Strich. Es spricht gegen deine Glaubensüberzeugungen.
Du willst z.B. gerecht sein. Gerechtigkeit ist eines deiner höchsten Werte. Wenn du etwas tun müsstest was ungerecht wäre, würdest du es nie machen. Du müsstest da über deinen Schatten springen.
Genau betrachtet funktioniert das eigentlich gar nicht. Kein Mensch kann über seinen Schatten springen. Wenn du springst springt dein Schatten immer mit. Der lässt sich nicht austrixen. Dein Schatten gehört zu dir. Du kannst ihm nicht ausweichen. Du kannst dich wegdrehen und ihn nicht sehen. Aber er bleibt da. Und du weißt es. Schatten haben es an sich, in der Regel nicht gemocht zu werden. Darum führen sie ja auch ein Schattendasein. Der Schatten beinhaltet die Eigenschaften, die wir an uns gar nicht mögen. Wir verleugnen sie sogar. Wir sehen sie beim Gegenüber und regen uns fürchterlich darüber auf. Aber dass diese bestimmte Eigenschaft des anderen auch zu uns gehört würden wir strikt ablehnen. Wir Menschen sind häufig Künstler darin, unseren Schatten so zu verbergen, dass wir ihn selber nicht mehr sehen oder wahrnehmen können.
Aber auch wenn wir ihn nicht sehen, bleibt er uns erhalten und geht jeden Schritt mit uns. Tag und Nacht. Er beeinflusst unser Leben und unsere Entscheidungen. Je mehr wir ihn verleugnen, desto wirksamer setzt er sich in Szene.
Es gibt jedoch eine Möglichkeit, den Schatten zu verändern. Wenn Licht dahin fällt. Wenn Licht auf den Schatten fällt, dann verschwindet er. Das gilt im bildlichen und auch im übertragenen Sinn.
Wenn du Licht auf die Eigenschaften richtest, die du nicht magst und liebevoll damit umzugehen lernst, wird der Schatten immer kürzer. Der lange Schatten verkürzt sich und kommt auf dich zu. In dieser Phase lernst du dein "Geister" und "Gespenster" so richtig kennen.
Bei einem ganz bestimmten Sonnenstand verschwindet der Schatten fast gänzlich. Du lässt zu, dass überall Licht einfallen darf auf deine Schattenseiten. So geht der Prozess der Erleuchtung! Du entscheidest dich für  einen Friedens- und Versöhnungsprozess, den Schatten zu integrieren und als einen Teil deiner selbst anzunehmen.
Leider musst du diese Übungen täglich machen. Solange wir Menschen existieren wird es auch die Neigung zum Schatten geben. Er gehört zu uns dazu. Mal mehr und mal weniger. Wann bist du das letzte mal über deinen Schatten gesprungen und wie ist es dir bekommen? Wie hast du das geschafft?
www.matthias-koenning.de


Mittwoch, 25. Januar 2017

Du hast zwar Recht aber ich finde meine Meinung besser.

Manchmal bin ich so schlau! Ich weiß so viele Dinge! Ich kann zu vielen Dingen viel sagen. Ich bin also ein Klugscheißer!
Manchmal begegne ich einem Menschen, der so viele Dinge weiß! Der zu so vielen Dingen so viel sagen kann. Viel mehr als ich! Ein noch größerer Klugscheißer!
Dann bin ich echt genervt. Warum muss es so große Klugscheißer geben?! "Halt die Klappe," sagt eine innere Stimme. "Du bist selbst einer!"
Wenn ich mich so fühle und dann diese Postkarte lese wo steht: "Du hast zwar Recht aber ich finde meine Meinung besser." Dann fühlt sich das an wie Balsam. Endlich jemand, der mich versteht. Es geht nicht darum, Recht zu haben. Es geht darum, eine Meinung zu haben, die sich gut anfühlt! Die Meinung, dass Radfahrer rücksichtslos sind mag zwar falsch sein, aber es fühlt sich gut an, wenn da einer vor meinem Auto herwackelt und ich diese Meinung haben darf. Besser ist, ich habe diese Meinung als dass ich ihn überfahre.
So ist das doch, oder? Meine Meinungen sind bestimmt oft falsch, subjektiv, stimmen nicht, sind übertrieben. Aber sie bewirken in mir ein Wohlgefühl, so dass ich mit mir selber verträglicher werde und auch mit meiner Umwelt. Der neue US Präsident Trump könnte jetzt viele eigenartige Meinungen haben zu den Ereignissen dieser Welt. Ich weiß ja, dass es nur eine Meinung ist, nicht mehr. Eine Meinung, mit der er sich besser fühlt. Es ist gut, wenn er sich gut fühlt. Ein Mensch, der sich gut fühlt, denkt nicht an Krieg. Er darf also ruhig etwas meinen solange klar ist, dass er damit nicht unbedingt Recht hat.
In der Familie lässt man die Nörgler ja auch manchmal einfach so reden und gibt keinen Widerspruch. Der Nörgler möchte einfach sein Herz erleichtern. Besser ist, ich lasse ihn. - Und halte mich da auf, wo die Sonne scheint!
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Dienstag, 24. Januar 2017

Hier sehen Sie den Menschen, der für Ihr Leben verantwortlich ist!

Wer ist für mein Leben verantwortlich?
Meine Eltern, denn die haben dafür gesorgt, dass es mich gibt.
Meine Lehrer, denn die haben dafür gesorgt, dass ich etwas lernen konnte.
Meine Pfarrer, denn die haben sich darum gekümmert, dass ich die Religion bekam.
Mein Arbeitgeber, denn er muss dafür sorgen, dass ich jeden Monat mein Gehalt bekomme.
Mein Arzt, der ist zuständig, dass ich gesund bleibe oder wenigstens gesund werde.

Meine Eltern tragen die Verantwortung, meine Lehrer, Ärzte, die Polizei, das Gericht, die Regierung, der Papst.
Wenn die alle ihre Verantwortung ordentlich warhnehmen würden, dann würde es mir prächtig gehen. Mir geht es schlecht, weil alle versagt haben. Ich könnte eine lange Liste des Versagens schreiben. Anschließend würde ich mich zurücklehnen und vorwurfsvoll in die Runde schauen: "Da seht ihr nun, was ihr angerichtet habt. Jetzt seht mal zu, wie ihr das wieder hinbekommt. Vorher stehe ich hier nicht auf!"
Ich bin ein armes Opfer. Ein Opfer meiner Eltern. Ein Opfer meiner Ärzte. Ein Opfer meiner Pfarrer. Darum bin ich so verkorkst. Aus mir konnte nur dieses Wrack werden, das jetzt diese Zeilen schreibt.
STOPP!
Ich gehe auf die Toilette und sehe einen Zettel am Spiegel hängen. "Hier sehen Sie den Mensche, der für Ihr Leben verantwortlich ist!" Ich protestiere! "Ich bin verantwortlich? Ich? Nicht meine Eltern und das ganze Gefolge?" Unerbittlich hängt dort der Zettel und sagt mir, dass ich in den Spiegel schauen soll. "Du trägst die Verantwortung für dein Leben!"
Ja, es gibt Vorgaben. Die Eltern geben etwas vor, die Lehrer, die Ärzte und die ganze Liste der Menschen, die etwas zu meinem Leben beigetragen haben. Und dann kommt der Denkfehler. Ich denke dann: "Aha, das ist das Ergebnis. So bin ich jetzt und in Ewigkeit."
Ich denke um. Ich schaue in den Spiegel und nehme wahr, was ich alles im Leben erlebt habe. Und dann komme ich! Ich mache etwas mit dem Material, das vor dem Spiegel steht. Ich kann mich dazu verhalten. Ich kann etwas gut oder schlecht finden. Ich kann meinen Eltern danken oder mich davon distanzieren. Ich kann zur Arbeit gehen oder wegbleiben. Ich kann mich verhalten zu dem, was ich da im Spiegel sehe. Ich stehe also vor dem Spiegel und übernehme die Verantwortung für den Menschen, den ich dort sehe. Es ist mein Leben und nicht das Leben meiner Eltern oder meiner Lehrer oder meiner Pfarrer. Die Liste meiner "Förderer" und "Behinderer" existiert zwar. Aber ich mache etwas damit - oder auch nicht.
Ich gehe auf die Toilette und lasse dort etwas los. Den Müll und die einschränkenden Bilder und Vorstellungen. Ich wasche meine Hände und übernehme die Verantwortung. In Ordnung! Jetzt bin ich dran!
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Montag, 23. Januar 2017

Viel Vergnügen beim Essen ... ich hoffe, es hat Ihnen gefallen.


Stell dir vor, dass du ein Restaurant besuchst und bekommst den ersten Gang serviert. Die Servicekraft stellt den Teller vor dich hin und sagt: "Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen." Würde dich das irritieren? Wenn du fertig bist mit deinem Gang kommt die Servicekraft wieder mit dem Kommentar: "Ich hoffe, es hat Ihnen gefallen." Wärst du dann noch einmal irritiert?
Eine Freundin erzählte mir von einem solchen Feinschmecker-Restaurant in Hamburg. Dort wünscht man nicht "Guten Appetit" vor dem Essen und "Hat es Ihnen geschmeckt?" nach dem Essen. Dort wünscht man wirklich Vergnügen beim Essen und hofft, dass es dem Gast gefällt.
Wenn ich das Essen reduziere auf die Nahrungsaufnahme dann geht es um Geschmack und Menge. Dann liegt der Fokus der Aufmerksamkeit auf die Qualität des Essens, auf die Menge, die Temperatur, die Frische usw. Dann ist die logische Konsequenz, dass ich am Ende frage, ob es geschmeckt hat.
So kenne ich das auch, wenn ich Gäste einlade. Ich wünsche mir, dass es schmeckt und dass alle einen gesegnete Appetit haben. Ich wünsche also kein Vergnügen und frage nach Gefallen. Offensichtlich folgt dieses Restaurant einem anderen Konzept. Bei einer Theateraufführung frage ich nach Vergnügen und Gefallen. Ich vergnüge mich bei einer Tanzveranstaltung, einer Party oder sonst einem "vergnüglichen" Ereignis. In dem Hamburger Restaurant geht es also nicht nur um den Geschmack der Nahrung sondern darum, dass der ganze Abend vergnüglich sein möge und gefällt. In diesem Restaurant geht es also auch darum, wie die Atmosphäre ist, die Bedienung, das Ambiente, das Geschirr, die Musik, der Duft. Essen nicht als Nahrungsaufnahme sondern als ein Kulturereignis.

Das verändert und erweitert die Perspektive. Einen Restaurantbesuch mit Vergnügen und Gefallen zu verbinden erweitert die Möglichkeiten. Ein Restaurant ist eben keine Imbissbude oder irgendein Stand wo man schnell seinen Hunger stillt. Die Nahrungsaufnahme wird zum Abenteuer, zum Erlebnis, zu einem Kulturereignis.
Das bringt mich auf die Frage, wo wir sonst im Leben die Dinge reduzieren und fest definieren. Muss ein Bekleidungsgeschäft zwangsläufig nur Kleidung verkaufen oder könnte es auch eine Wohfühloase sein? Betrachtet man im Zoo Tiere oder gibt es dort vielfältige Möglichkeiten, mit Tieren zusammen zu sein. Immerhin verkaufen Kaffeeläden schon seit vielen Jahren Artikel des täglichen Bedarfs und Seifenläden erweitern sich zum Duftparadies.
Wir Menschen lieben das Gewohnte und Zuverlässige. Dass es beim Bäcker Brot und in einem Restaurant Gerichte gibt. Aber wir sind auch neugierig und wünschen uns das Neue und Andere. So wünsche ich dir einen tiefen und weiten Tag. Ich wünsche dir ein herz- und verstanderweiterndes Jahr. Ich wünsche dir Begegnungen, die deiner Nase gut tun und Menschen, die deinen Hunger nach Schönheit sättigen. Ich wünsche dir Autofahrten mit dem Impuls, dass sich so das Paradies anfühlen muss und Gespräche, von denen du noch Jahre schwärmen wirst. Viel Vergnügen und ich hoffe, dass es gefällt!
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Samstag, 21. Januar 2017

Du bist du und noch viel mehr! ... einfach ganz besonders.

Du bist wunderbar! Wie wunderbar!
Hat dir jemand mal gesagt, dass du wunderbar bist? Dein Kind, deine Eltern, dein Mann oder deine Frau, deine Freundin oder dein Freund? Also, du bist wunderbar! Du bist wirklich einfach ganz besonders. Du bist toll! Du bist außergewöhnlich! Du bist großartig!
Hältst du es noch aus oder hörst du auf zu lesen. Kommt bei dir jetzt ein "Ja"! "Ich bin wunderbar! Wie schön!" Oder kommt eher eine Reaktion wie: "Na ja, vielleicht manchmal! Eher aber nicht! Das ist doch übertrieben! Da kommen mir gleich meine Fehler und Einschränkungen in den Sinn. Das meinst du doch nicht wirklich. Außerdem kennst du mich ja gar nicht. Du weißt nicht, wer hier diesen Text liest. Wenn du mich wirklich kennen würdest. Wenn du wüsstest, wie schlecht gelaunt ich oft bin. Wenn du wüsstest, wie oft ich meine Freundinnen und Freunde vernachlässige! Wenn du wüsstest, wie oft ich eine Maske trage um meine Traurigkeit zu verbergen. Wenn du das wüsstest und noch viel mehr, dann könntest du das nicht mehr sagen."
Ein Teil in dir wünscht sich dennoch diese Bestätigung. Du bist wunderbar! Davon lebst du, Das richtet dich auf und macht dich ein paar Zentimeter größer. Und ein anderer Teil will es nicht hören. Kann es kaum aushalten. Ist es nicht gewöhnt. Im Alltag hörst du eher deine Defizite. Das hast du nicht richtig gemacht. Dies könntest du noch verbessern. Trotzdem: Du bist wunderbar!
In einem Seminar hatte eine Teilnehmerin eine Differenz mit dem Seminarleiter. Da kam ein Gefühl von Ärger hoch. Der Ärger bewirkte zunächst eine Trennung. "Der Seminarleiter ist blöd. Der ist ja sooo klug! Dieser Besserwisser! Ich fand ihn mal richtig gut und ich mochte ihn. Jetzt zeigt er aber sein wahres Gesicht. Er kann nichts anderes neben sich gelten lassen. Ist halt ein Sonnenkönig! Ein Superguru!" Daraufhin sprach der Seminarleiter diese Teilnehmerin an so ungefähr mit den Worten: "Da merke ich jetzt Ärger. Ich bin trotzdem mit dir in Verbindung. Spürst du das? Merkst du, dass ich bei dir bin und dich mag ganz unabhängig davon, ob da jetzt eine Meinungsdifferenz da ist oder ein Ärger! Spür einmal nach!" Da wachte die Teilnehmerin auf und ihr wurde klar, dass das Gefühl von Trennung nicht nötig ist. Sie konnte wieder in Verbindung gehen. Mir hat das sehr gefallen. Denn es hat einen Unterschied gemacht zu sonstigen Erfahrungen.
Wenn wir uns über jemanden ärgern gehen wir in der Regel in die Trennung. Wir wollen mit dieser Person nichts mehr zu tun haben. Wir wenden uns ab. Kannst du dir vorstellen, dass du zugleich den Ärger spürst, aber dich nicht trennst sondern in Verbindung bleibst? "Ich ärgere mich jetzt. Aber du wirst es nicht schaffen, dass ich mich von dir trenne. Ich kann immer noch das Wunderbare in dir wahrnehmen und freue mich, dass ich etwas davon bekomme!"
Also noch einmal. Du bist wunderbar! Trotz und jenseits aller Defizite und Mängel. Du bist einfach ganz besonders. Dafür musst du nichts tun! Gar nichts!
www.matthias-koenning.de