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Dienstag, 17. September 2019

Gestern war hier noch aufgeräumt. Schade, dass du es verpasst hast.

Das Leben besteht darin, ständig das Chaos zu bändigen und zu sortieren. Ich putze und räume auf und beschaue mir die wunderbare Ordnung. Nur einen winzigen Augenblick später brauche ich ein Küchenmesser und lege es mal eben ab. Später werde ich es wieder einräumen. Dann kommt noch eine Tasse dazu und ein Schneidebrett. Nur noch ein paar kleine Krümel von dem Brot und schon sehe ich den Anfang vom neuen Chaos.
Der Zustand völliger Aufräumung hält nur kurz an. Ich könnte ja mal so ein Zimmer total aufräumen und dann abschließen. Nichts wieder anrühren. Nur ab und zu aufschließen und die Aufräumung genießen. Es würde sich zwar der Staub sammeln. Aber Staub macht keine Unordnung. Es senkt sich Schicht um Schicht auf die Ruhe. Ich könnte wegen der wunderbaren Ordnung noch ein zweites Zimmer so aufräumen und ein drittes und das ganze Haus. Ich würde das Haus nicht mehr benutzen. Ich könnte in ein Zelt ziehen. Da gibt es wenig Platz und weniger Möglichkeiten für Chaos. Ich würde dann ab und zu in mein Haus gehen, dort vorsichtig herumschleichen und nichts anrühren. Ich hätte auf ewig und überall alles aufgeräumt. Niemand, der mich besucht, würde es verpassen. Gestern war ich schon aufgeräumt und heute ist es noch immer so. Leider ist mein Zelt zu klein und darum kann ich dich hier ins Haus nicht einladen. Es würde doch schnell wieder unaufgeräumt sein.
Ich kann auch sagen: Das Haus wäre tot. Das Leben verschwunden. Wer lebt, macht Unordnung. Grundsätzlich. Geht gar nicht anders.
www.matthias-koenning.de


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