Mein
Kalender schreibt diesen Spruch einer chinesischen Weisheit zu.
Tatsächlich stammt er aber wohl von dem protestantischen Theologen
Bengel. Warum glaubt mein Kalender wohl, dass es sich um eine
chinesische Weisheit handelt. Wo lag der Anfang des Irrtums?
Wenn
du einmal das Internet durchforstest wirst du feststellen, dass viele
von vielen abschreiben manchmal mit richtiger Quelle, manchmal mit
falscher und oftmals auch ohne Ursprungsangaben. Meine Sätze habe ich
auch schon in einem Blog wiedergefunden und gedacht: Ach wie vertraut!
Macht
es einen Unterschied, ob die Würdigung der Muße chinesischen oder
protestantischen Ursprungs ist? Ich glaube nicht! Wir alle haben etwas
Unsterbliches in uns. Wann wird unsere Sehnsucht nach einem ewigen Leben
wach? Wenn ich den ganzen Tag arbeite, dann erschließt sich mir kaum
ein Ewigkeitsgedanke. Da zählt das, was jetzt in diesem Augenblick zu
tun ist.
Doch wenn du für einen ganzen Tag dich der Muße hingibst
und in den Himmel schaust, dann öffnest du den Raum des unendlichen
Kosmos. Ich nenne es den Zustand der "Verbundenheit". Das Gegenteil wäre
die "Trennung". Das theologische Wort dafür heißt "Sünde" von
absondern, getrennt sein. Die Stunde ist begrenzt, der Tag mit den 24
Stunden auch. Wenn dir die Sterblichkeit in den Sinn kommt, bist du im
Zustand der Trennung, der "Sünde". Der Tod trennt dich vom Leben. Wie
gelangst du jedoch in einen Zustand der Verbundenheit? Wenn du dir Zeit
nimmst und nichts tust, einfach da bist, verschwindet diese gleich
Zeit. Sie hört auf zu existieren. Es entsteht ein Zustand der Muße, in
dem die Unsterblichkeit aufleuchtet. Auch, wenn du "arbeitest" kannst du
in diese Bewusstheit hineingehen des "Ich Bin".
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Dienstag, 6. September 2016
Montag, 5. September 2016
Sei geduldig mit allen Fragen in deinem Herzen, und versuche, die Fragen an sich zu schätzen. (Rainer Maria Rilke)
Du
bewegst eine Frage in deinem Herzen und suchst nach einer Antwort.
Deine Ungeduld möchte oftmals eine zügige Antwort, vor allem, wenn du
leidest. Du fragst, warum du immer so ungeduldig bist mit dir und den
Menschen in deiner Familie. Du fragst dich, warum es dir nicht gelingt,
den ganzen Tag ausgeglichen und guter Laune zu sein. Du fragst, warum
das Leben so ungerecht zu dir ist. Du glaubst, dass dann, wenn du eine
Antwort darauf hast, es dir besser geht.
Nach meiner Erfahrung gibt es keine letzten Antworten auf ein "Warum?". Hinter jedem "Warum" gibt es ein neues "Warum". Schon die Kinder, die so fragen, zeigen es dir. Du beantwortest geduldig jede Frage, aber irgendwann spürst du das brühmte Loch in deinem Bauch und sagst: "Schluss. Kein "Warum?" mehr!"
Rilke lädt dich ein, bei der Frage selbst zu bleiben. Lerne, deine Fragen zu schätzen und nicht eine Antwort zu erwarten. Nehmen wir doch einmal eine sehr philosophische Frage. "Wozu bin ich auf dieser Welt?" Jetzt kannst du dich direkt ans Antworten begeben. Du könntest sagen, weil deine Eltern sich liebten oder weil es im Plan Gottes liegt. Du könntest aber auch die Frage einfach einmal stehen lassen. Wozu bin ich auf dieser Welt? Wenn ein Antwortgedanke auftaucht, dann stoppe ihn einfach.
Bleib also bei der Frage selbst stehen, ohne auf eine Antwort zu warten. Welche Erfahrungen machst du dabei? Kommt vielleicht ein Gefühl? Wenn ja, welches? Entsteht Freude oder Trauer? Empfindest du vielleicht sogar einen Schmerz, weil da eine Leere entsteht? Das "Wozu" könnte zu einer sehr tiefen und persönlichen Sinnfrage werden. Wer ist das "Ich", das da fragt? Von welcher Welt sprichst du überhaupt, der sichtbaren oder der unsichtbaren Welt? Wo gehört das hin, was du so selbstverständlich "Ich" nennst? Es kann geschehen, dass du die Frage mehr liebst als die Antwort. Denn jede Antwort wird vorläufig sein. Wenn du deinen Kindern eine Antwort gibst bist du froh, wenn es nicht weiterfragt und da eine Zufriedenheit entsteht. Zugleich weißt du, dass deine Antwort dem Kind gegenüber mehr Fragen offen lässt, als du Antwort gegeben hast.
Uns fällt es schwer, etwas im Raum stehenzulassen. Wir mögen Stabilität und nicht die Schwebe. Fragen schweben eher als dass sie stabilisieren. Versuche, die Fragen an sich zu schätzen. Die Fragen wirken wie ein Motor, der dich weiter vorantreibt, neue Erfahrungen zu machen und auf der Suche zu bleiben.
www.matthias-koenning.de
Nach meiner Erfahrung gibt es keine letzten Antworten auf ein "Warum?". Hinter jedem "Warum" gibt es ein neues "Warum". Schon die Kinder, die so fragen, zeigen es dir. Du beantwortest geduldig jede Frage, aber irgendwann spürst du das brühmte Loch in deinem Bauch und sagst: "Schluss. Kein "Warum?" mehr!"
Rilke lädt dich ein, bei der Frage selbst zu bleiben. Lerne, deine Fragen zu schätzen und nicht eine Antwort zu erwarten. Nehmen wir doch einmal eine sehr philosophische Frage. "Wozu bin ich auf dieser Welt?" Jetzt kannst du dich direkt ans Antworten begeben. Du könntest sagen, weil deine Eltern sich liebten oder weil es im Plan Gottes liegt. Du könntest aber auch die Frage einfach einmal stehen lassen. Wozu bin ich auf dieser Welt? Wenn ein Antwortgedanke auftaucht, dann stoppe ihn einfach.
Bleib also bei der Frage selbst stehen, ohne auf eine Antwort zu warten. Welche Erfahrungen machst du dabei? Kommt vielleicht ein Gefühl? Wenn ja, welches? Entsteht Freude oder Trauer? Empfindest du vielleicht sogar einen Schmerz, weil da eine Leere entsteht? Das "Wozu" könnte zu einer sehr tiefen und persönlichen Sinnfrage werden. Wer ist das "Ich", das da fragt? Von welcher Welt sprichst du überhaupt, der sichtbaren oder der unsichtbaren Welt? Wo gehört das hin, was du so selbstverständlich "Ich" nennst? Es kann geschehen, dass du die Frage mehr liebst als die Antwort. Denn jede Antwort wird vorläufig sein. Wenn du deinen Kindern eine Antwort gibst bist du froh, wenn es nicht weiterfragt und da eine Zufriedenheit entsteht. Zugleich weißt du, dass deine Antwort dem Kind gegenüber mehr Fragen offen lässt, als du Antwort gegeben hast.
Uns fällt es schwer, etwas im Raum stehenzulassen. Wir mögen Stabilität und nicht die Schwebe. Fragen schweben eher als dass sie stabilisieren. Versuche, die Fragen an sich zu schätzen. Die Fragen wirken wie ein Motor, der dich weiter vorantreibt, neue Erfahrungen zu machen und auf der Suche zu bleiben.
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Samstag, 3. September 2016
Ein Hauch von Etwas – oder die richtige homöopathische Dosis
Von allem, was es auf der Welt gibt kannst du sehr viel oder auch nur einen Hauch haben. Ein Hauch von Sonne, Winter, Mord, Film, Italien, Liebe, Tannenduft, Zärtlichkeit oder Zimt. Sogar das Nichts kann existieren mit einem kleinen Hauch.
Ein Hauch von Etwas
ist nicht viel. Ein Hauch ist sehr wenig. Sogar weniger als wenig. Fast nichts.
Aber eben nur fast nichts. Homöopathische Mittel enthalten auch nur einen Hauch
von Etwas. Sogar weniger als einen Hauch. Eigentlich bleibt nur die Information
übrig. Informationen in Tropfen oder Globuli.
Dabei hat es der
Hauch in sich. Stell dir vor, dass es drückend heiß ist und die Sonne intensiv auf
dein Haupt scheint. Nirgendwo findest du Schatten. Wie würdest du jetzt einen
Hauch von Wind empfinden?
Das Gegenteil vom
Hauch wäre die pralle Fülle. Mehr als genug von Etwas. Pralles Italien, fette
Liebe, betörender Tannenduft, krasser Mord. Jesus würde in diesem Fall vom Leben
in Fülle sprechen. Ich selber mag diese Fülle sehr. Ich sehe die Auslagen beim
Bäcker und darf wählen. Ich sehe die vielen Sorten Eis und kann mich in einen
Eisbecher reinsetzen. Ich muss keine Angst vor dem Mangel haben. Fülle ist das
Rezept für alle, die als Kinder zu kurz gehalten wurden. Ab und zu Pommes essen
bis zum Abwinken. Beim letzten Betriebsausflug waren wir in einem Flammkuchen –
Restaurant mit dem Konzept: all you can eat. Eine junge Kollegin fragte mich,
ob ich als Kinder Hunger leiden musste. Sie hielt mich für ein Kind der
Kriegsgeneration. Eine andere Kollegin erzählte voller Stolz, wie viele
Flammkuchen sie beim letzten Mal mit ihrem Freund verdrücken konnte. Je mehr
Flammkuchen uns gebracht wurden, desto schneller verschwand meine Lust. Es gab
dann nur noch die Gier und die Befriedigung der Gier. Das Schmecken trat in den
Hintergrund.
Ständig bewegen
wir uns zwischen Hauch und Fülle. Ich wünsche mir die Fülle. Wenn sie da ist
kann ich sie für einen Moment genießen. Aber es stellt sich irgendwann ein
gewisses Maß an Sättigung ein und dann wäre eine Pause sinnvoll und angebracht.
Eine Pause vom
Essen? Eine Pause von der Liebe? Auf die Fülle verzichten? Ein Teil von mir
sagt: „Lieber nicht! Das muss nicht sein. Der Krieg ist schließlich schon lange
vorbei.“ Ich gehöre doch wohl zur Generation die manchmal „kriegsmäßig“ denkt.
Ich glaube
dennoch, dass wir als Menschen für die totale Fülle nicht geschaffen sind. Das
überfordert unser System. Zu viel von Etwas scheint für uns schädlich zu sein.
Das gilt auch in der Gottesbegegnung. Die zwei Jünger auf dem Berg der
Verklärung konnten das gleißende Licht kaum ertragen. Unser Geist und unsere
Seele vertragen nur irdische Portionen. Nicht mehr als zwei Flammkuchen und
eine homöopathische Dosis von Gott.
Wünsche dir also
nicht wirklich eine vollkommene Gottesbegegnung. Sie würde dich umhauen. Du könntest
sie nicht tragen. Besser nur kleine Schritte machen. Kein Sprung ins eiskalte
Wasser, sondern eine langsame Gewöhnung.
Schau doch noch
einmal mit mir auf die kleine Dosis. Dem Hauch von Etwas. Verlockender als du
ahnst. Stell dir einmal einen Hauch von Berührung vor. Es findet kein
Körperkontakt statt. Aber jemand kommt dir so nahe, dass du so gerade etwas
spürst. Stell es dir jetzt vor! Gerade jetzt kommt die Hand eines Freundes,
einer Freundin und möchte dich berühren. Was geschieht? Richten sich deine
feinen Härchen auf? Läuft dir ein wohliger Schauer über den Rücken? Fühlt es
sich warm an? Oder gehst du in Alarmstellung? Witterst du Gefahr? Bei mir
reicht der Hauch einer Vorstellung aus, dass mein Körper reagiert.
Ich sehe die
unglaubliche Kraft und Macht des Hauches. Der Hauch einer Chance kann mehr
entfalten als die Chance selber. Der Hauch besitzt ein eigenes Potential. Wenn
du hauchst, dann hat das ja mit deinem Atem zu tun. Du belebst das, was
außerhalb deiner selbst ist. Du atmest ein und im Ausatmen belebst du die Welt.
Du musst nicht pusten und nicht einmal kräftig ausatmen. Es reicht aus, wenn du
hauchst.
Wenn du deine
Kinder anbrüllst, weil sie etwas angestellt haben und du dich ärgerst, wirst du
nicht weit kommen. Deine Kinder werden sehr schnell immun gegen dein Schreien.
Wenn du aber deinen Ärger leise hauchst und zugleich voll körperlich fühlst
kann sich daraus ein gefährlicher Sturm entfalten, der fast ohne Töne auskommt.
Erinnerst du dich
an die Anfangsszene des Westerns: „Spiel mir das Lied vom Tod?“ Da geschieht
minutenlang fast nichts. Ein Windrad quietscht. Eine Fliege surrt. Gesichter
und langes Warten. Ein Hauch von Nichts in dem sich die Katastrophe nähert.
Der Hauch
versteckt mehr als dass er etwas zeigt. Er deutet nur an. Das gilt auch für die
Kleidung. Die Frau ist nicht nackt interessant, sondern in ihrem Hauch von
Nichts, das sie trägt. Das Versprechen! Die Einladung! Die Verheißung! Das
Spiel mit der Phantasie!
Ich möchte mit
dir diese Erfahrung gerne auf die Spiritualität und den Glauben übertragen. Gott
kann kein Interesse daran haben, sich in ganzer Fülle uns Menschen zu zeigen. Warum
sollte er? Es gäbe kein Spiel mehr. Wir würden ihn bei zu großer Nähe irgendwann
nicht mehr spüren. Wir würden uns möglicherweise langweilen. Wenn es aber nur
einen Hauch von Gott gibt in dieser Welt, dann leben wir immer in der Nähe
einer Explosion, die sich nie ereignet aber die stets verspricht, gleich zu kommen.
Du hast keine
Chance, in diesem Leben die Fülle Gottes zu erfahren. Wenn du aber bereit bist,
dich auf seinen Hauch einzulassen, wirst du Wunder erleben. Ein Hauch von Rosenduft
erscheint dir wie fast nichts aber dennoch sehr betörend. Ein Hauch von Gott wäre
für deine irdische Existenz mehr als genug. Es sei denn du bist bereit zu
sterben.
Stell dir vor,
dass Gott in dieser Schöpfung und in deinem Leben millionenfachen Hauch
ausgebreitet hat. Milliardenfache vibrierende Impulse, die von seiner
Anwesenheit Zeugnis geben. Von dieser Fülle an Hauchimpulsen kannst du dich
betören lassen!
Zugleich jedoch
kannst du ihn komplett ignorieren. Du kannst sagen: „Ich spüre nichts! Ich sehe
nichts! Ich höre nichts! Da ist nichts!“ Zwei Menschen im gleichen Universum
atmen den gleichen Hauch ein. Der eine wirkt auf dich wie im Rausch, der andere
spürt nichts. Was macht der Mensch anders, der dem Hauch auf der Spur ist und
ihm erliegt? Was unterscheidet ihn vom abgestumpften Trampel? Wer den Hauch von
Etwas bemerkt erinnert sich zurück an den Anfang der Schöpfung. Er nimmt das
wahr, was er immer schon kannte. Er riecht die Rose und erkennt den Duft wieder.
Ein Hauch reicht!
Ich nehme Gott
wahr, weil ich aus seiner Quelle komme und von seiner Art bin. Wenn ich mich
erinnere kann ich ihn wahrnehmen. Ich erkenne ihn wieder von früher. Von der
Zeit, als er und ich noch Eins waren. Und obwohl ich so weit entfernt von ihm
bin, reicht der Hauch aus. Er ist mehr als genug. Der Hauch ist zugleich die
Fülle!
Jesus war vertraut mit den Auswirkungen des
„Hauch-Prinzips“. Er hauchte die Jünger nach der Auferstehung an mit den
Worten: „Empfangt den Heiligen Geist.“ Die Bibel erzählt immer wieder davon,
wie Gott sich dem Menschen eher behutsam und vorsichtig nähert im Wissen um
seine umwerfende und kaum zu ertragende Präsenz. Weil wir seine Ebenbilder sind
tragen auch wir dieses Prinzip in uns. Beobachte einmal die Kraft und
Auswirkung deiner Gedanken. Nimm wahr was geschieht, wenn du dich mit deinem
Körper einer anderen Person näherst. Spüre in den Raum deines Herzens hinein
und nimm dort aus auf, was gerade in deiner Umgebung geschieht. Du wirst staunen,
was dein „Hauch“ bewirkt und ausmacht.
Vertrau auf die homöopathischen Dosen im Leben und koste den Hauch
aus. Ist dir schon einmal aufgefallen, dass der Hauch sich im Staunen
offenbart? Im Staunen öffnest du deinen Mund und atmest hörbar aus. Darin wirst
du zum Schöpfer und zur Schöpferin.
Freitag, 2. September 2016
Das ist jetzt wirklich wichtig!
Es ist total wichtig!
Es ist sehr wichtig!
Es ist wirklich wichtig!
Es ist wichtig!
Es ist schon wichtig!
Es wäre schon wichtig!
Es könnte ganz wichtig sein!
Es ist nicht so ganz unwichtig!
Es ist nicht so unwichtig!
Es ist nicht unwichtig!
Es wäre nicht unwichtig!
Es wäre ein wenig wichtig!
Manche "Wichtigkeiten" verstecken sich in merkwürdig verdrehten Sätzen. Ist es jetzt wichtig oder ist es unwichtig? Manche Wichtigkeiten kannst du gut verstecken in solchen Monsterkonstruktionen. Stell dir vor du sagst: "Es ist wichtig, dass du pünktlich kommst!" Klare Botschaft! Dein Gegenüber sagt dann vielleicht: "Das mag aus deiner Sicht so sein, aber mir es es egal!"
Wenn du sagst: "Es ist nicht so ganz unwichtig, dass du pünktlich kommst!" relativierst du deinen Satz und machst dich unangreifbar. Es ist halt nur so ungefähr wichtig. Ich bin da ganz entschieden für mehr Klarheit!
Manche Sätze finde ich "un"-möglich!
Mein Freund ist nicht unnett!
Meine Arbeitskollegin ist wirklich nicht unkooperativ.
Das Essen in dem Restaurant ist durchaus nicht ungenießbar.
Das Leben nach dem Tod finde ich nicht uninteressant.
Und? Worüber machst du gerne "un"-Sätze?
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Donnerstag, 1. September 2016
Bist du ein Problemjunkie?
Du wünschst dir eine Leben ohne Probleme? Na klar, ich glaube, das wünschen sich die meisten Menschen! Du möchtest glücklich sein? Deine Arbeit soll dich erfüllen? Du möchtest leben wie im Paradies? Das ist verständlich!
Probleme höchstens ab und zu. Ausnahmsweise! Immer glücklich sein ist vielleicht auch gar nicht so schön! Ein kleines Problemchen hier und da zur Abwechslung wäre hilfreich für den Unterschied. Wenn du dein Problem gelöst hast, bist du wieder glücklich. Und zugleich bist du glücklich, dass du wieder glücklich sein darfst.
Wenn du viele Probleme hast, dann wird es dir mit der Zeit immer besser gelingen, diese zu lösen. Du kannst zu einem Meister in Lösen von Problemen werden. Psychotherapeuten sind wie geschaffen dafür. Polizisten und Rechtsanwälte auch. Es gibt ganze Gruppen von "Problemlösungshelfern".
So weit so gut! Mich interessiert jetzt in diesem Augenblick allerdings eine ganz andere Seite dieses Themas. Alle "professionellen Problemlöser" wären arbeitslos, wenn es nicht die Problemfinder gäbe.
Stell dir einen Menschen vor, der zu dir kommt und dir sagt: "Kannst du mir helfen? Ich habe ein Problem!" Du hilfst natürlich gerne weiter, in dem Maße, wie du kannst. Wenn nicht, schaltest du einen Profi ein je nach Thema. Das Problem wird also gelöst. Wunderbar! Du hast einen Menschen glücklich gemacht.
Nach kurzer Zeit kommt dieser gleiche Mensch wieder zu dir und sagt: "Du, ich hab da noch ein Problem. Kannst du mir noch einmal helfen? Das hat ja beim letzten Mal so gut geklappt!" Also hilfst du freundlicherweise noch einmal, mit oder ohne Profi.
Jetzt kommt dieser Mensch zum dritten Mal zu dir. Nun gehen deine ersten Alarmzeichen an. "Der hat doch bestimmt wieder ein Problem!" Deine Alarmzeichen geben dir Recht. Ein neues Problem ist aufgetaucht. Du bekommst einen Verdacht. Du bist einem Menschen begegnet, der ständig Probleme hat. Kaum hat er eine Schwierigkeit überwunden, tut sich die nächste Baustelle auf. Oft muss dieser Mensch mehrere Probleme gleichtzeitig lösen. Wahrscheinlich bist du nur einer von vielen Problemlösungshelfern in seinem Bekanntenkreis.
Ich kenne Familien, die mit Arbeitslosigkeit, Suchtproblemen und Erziehungsfragen eine ganze Batterie von "Helfern" am Laufen halten. Angefangen von Familie, Nachbarn und Freunden über Sozialamt, Jugendamt, Therapeuten und Caritasstationen beschäftigen sie so viele Menschen, dass man sie als Unternehmer bezeichnen könnte.
Ein solches Unternehmen muss laufen! Aber wie? Denn, wenn alle Probleme gelöst wären, würde sich das "Helferunternehmen" auflösen und arbeitslos werden. Was ist also die beste Lösung im Umgang mit Problemen? Klar! Man findet neue Probleme!
Und das ist die Kunst! Darauf will ich hinaus! Ich selber gehöre eher zu den Genügsamen, die sich schwer tun, etwas als Problem anzusehen. Aber ich bewundere Menschen, die es schaffen, ein Problem nach dem anderen zu finden. Sie sind Weltmeister im Anziehen von Problemen! Sie werden überfallen. Sie stürzen da hinein! Sie finden einfach Probleme wie Pilze im Wald. Sie haben halt einen Blick dafür. Es gibt Menschen, denen wird es unheimlich, wenn sie einfach glücklich sind. Das kann nicht einfach nicht sein!
Ein Leben mit Problemen kann einfach auch vertraut sein. Wenn du immer Probleme hast, hast du auch immer etwas zu tun. Das gibt ein vertrautes Gefühl. Von außen betrachtet mag das zwar unangenehm sein, aber für "Problemkünstler" ganz selbstverständlich.
Wenn du die meiste Zeit glücklich bist kennst du gar nicht mehr den Unterschied von "Problem" und "problemfreiem" Leben. Ein Problemkünstler empfindet vielleicht wie ein Junkie. Er genießt den Zeitpunkt und den Augenblick, wenn das Problem gerade gelöst wird. Dieses "Lösungsgefühl" möchte er immer wieder erleben. Erleichterung! Entlastung! Entspannung! Ein starkes Gefühl!
Vielleicht machen uns "Promlemfindekünstler" auf etwas Wichtiges aufmerksam: Hierfür sind wir Menschen auf dieser Welt! Wir sammeln Erfahrungen. Wir erleben etwas. Das geht schief! Es gibt ein Problem! Wir lösen es! Na denn...
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