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Donnerstag, 14. Mai 2015
Die Kunst, Lamettafäden zu schneiden
Schmückst du deinen Weihnachstbaum auch mit Lametta? Der besteht doch aus lauter langen und dünnen Silberfäden. Natürlich kaufst du dein Lametta fix und fertig geschnitten. Alle Fäden in der Packung sind schön gleichmäßig, oder?
Wenn du den nicht kaufen könntest, dann müsstest du aber tatsächlich Lametta schneiden. Streifen für Streifen würdest du sorgfältig von deiner Alurolle abschneiden. Deine Phantasie ginge hin zu einer Vereinfachungsmaschine. Oder zu einer Person, die das für dich macht. Oder dahin, diese Streifen auf jeden Fall aufzubewahren, weil sie dir so viel Mühe und Zeit gekostet haben.
Dabei kommen im Leben doch so häufig Situationen vor, wo du im übertragenen Sinne "Lametta schneidest". Gemüse putzen und kleinschneiden, Unkraut jäten, Staub wischen, in einem Stau weiterkriechen, eine Perlenkette auffädeln, einen Text Buchstaben für Buchstaben weiterschreiben, die Wartezeit beim Arzt ertragen im Blick auf die Uhr...
Eigentlich möchtest du direkt zu dem Ergebnis springen. Du bist mental schon beim Ende. Das Lametta hängt schon am Baum, der Eintopf ist gekocht und dein Garten sieht super aus. Leider musst du durch diesen Prozess hindurch. Du musst Faden für Faden schneiden. Jedes Krautpflänzchen wartet auf deine rupfenden Finger.
Durch den Prozess musst du hindurch. Aber wie? Das ist die große Frage! Und das ist das, was den Unterschied macht. Du hast Einfluss auf die Gestaltung des Prozesses. Wenn du beim Lamettaschneiden auf das Ende fixiert bist, dann hältst du damit dein Leben an. Du setzt mit dem Leben aus und fängst wieder an, wenn dein Lametta geschnitten ist. Wenn du während des Lametta schneidens achtsam bist und dich am Schneiden erfreust, an dem Glitzer, an der Fertigkeit deiner Hände und an der Qualität deiner Schere wird der Prozess selbst zu einem Fest.
Du schneidest dich nicht irgendwie durch, sondern du entwickelst dich zum Lamettaschneidekünstler. Du kannst Staubwischkünstlerin werden oder auch Staukriecherkünstler. Vielleicht wird das sogar zu deinem Alleinstellungsmerkmal. Du bekommst vielleicht keine öffentliche Anerkennung, aber du bist ganz im Sein. Wer weiß, ob du dein nächstes Lametta fertig kaufst oder es mal probierst, in diesem Bereich zu einem Künstler, zu einer Künstlerin zu werden.
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Mittwoch, 13. Mai 2015
Die Kunst, auf das letzte Wort zu verzichten
Du bist in einer Diskussion mit einem Arbeitskollegen. Du hast ein Streitgespräch mit einem Familienmitglied. Dein Gegenüber fängt mit einem Satz an und du erwiderst etwas. Immer denkst du: "Das kann ich nicht so stehen lassen. Da muss ich jetzt aber noch etwas zu sagen!"
Du willst etwas korrigieren, richtig stellen. Du möchtest deine Meinung dazu äußern. Du fühlst dich gekränkt, missverstanden, nicht beachtet. In dir entsteht ein tiefes Bedürfnis und fast so etwas wie ein Zwang der Erwiderung.
Ich kenne Paare, die bei Diskussionen und Streitgesprächen nicht aufhören können. Sie merken nicht, wie erschöpft sie inzwischen sind. Wenn du erregt bist, kannst du vielleicht gar nicht mehr wahrnehmen, dass du gar keine Kräfte mehr hast. Es gibt halt immer noch etwas zu sagen. Irgendwann bist du doch müde. Oder du hast einen anderen Termin. Oder du bekommst die Kurve und hörst einach auf.
Eigentlich geht es dir ja gar nicht darum, das letzte Wort zu haben. Du möchtest verstanden werden. Du möchtest auch Recht bekommen. Aber dein letztes Wort führt wieder zu einem letzten Wort beim Anderen. Es gibt eine Fülle von letzten Worten. Erst das wirklich "letzte Wort" beendet ja die Diskussion. Wenn du dich streitest und im Streit gehst, gibt es ein letztes Wort. Es ist das Wort, das zuletzt gesprochen wurde. Derjenige, der das letzte Wort gesprochen hat, macht die Geschichte quasi rund. Der hat dann das bessere Gefühl nach dem Motto: "Ich habe das letzte Wort gesprochen und ich habe damit gewonnen!"
Wenn du auf das letzte Wort verzichtest bist du aus dem Zwang heraus, weiterdiskutieren zu müssen. Du musst nicht noch eins nachlegen, nachkarren oder hinzufügen. Du gewinnst die Freiheit, dann aufzuhören, wenn du aus dem Spiel aussteigen möchtest. Da es ja keinen Schlusspfiff gibt in einem Streit kannst du nur selber pfeifen. Du entscheidest, wann für dich Schluss ist.
Wenn du dir das vorher klar machst dann folgst du nicht mehr dem Gesetz von Rede und Widerrede oder dem Gesetz von Kränkung und Gegenkränkung. Du legst schon vorher eine Pause ein und machst einen STOP! Du bleibst der Regisseur des Stückes. Der Regisseur bestimmt, wann das Stück endet.
Es gibt allerdings etwas, was du bestimmt gut machen könntest. Du sprichst das vorletzte Wort! Das heißt dann so oder so ähnlich: "Ich werde jetzt dieses Gespräch beenden und bin gerne bereit zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal mit dir zu sprechen. Jetzt werde ich gehen."
Dann wartest du noch auf das letzte Wort, das nicht von dir kommt, und... du gehst. Die Kunst besteht darin, das vorletzte Wort so zu gestalten, dass du gut gehen kannst und dass es zugleich das erste Wort für ein nächstes, hoffentlich friedlicheres Gespräch wird.
www.matthias-koenning.de
Dienstag, 12. Mai 2015
Die Kunst des negativen Denkens
So lautet der Titel eines norwegischen Filmes. Alle Menschen in diesem Film versuchen, einen Rollstuhlfahrer wieder auf den Weg in die Hoffnung zu führen. Aber das gelingt nicht. Der Rollstuhlfahrer lässt sich nicht zur Hoffnung verführen.
Das ist doch verständlich, oder? Wenn es jemandem wirklich schlecht geht, dann versucht das ganze familäre und soziale Umfeld, ihn zu unterstützen. Geht es jedoch dann immer darum, wirklich dem anderen zu beizustehen? Oder geht es auch darum, dass die "Helfer" das Elend nicht sehen mögen. Sie tun also eher etwas für die Beruhigung des eigenen schlechten Gefühles.
"Negatives Denken" ist nicht in! "Positiv denken" ist schon lange in! Die Menschen suchen ja nach dem Zustand des Glückes. Wenn positives Denken dabei hilft, dann mache ich das doch! Viele Ratgeber unterstützen dich dabei. Eine ganze Flut von Büchern wartet auf die erlösungsbedürftige Menschheit. Früher gab es die Bibel, heute die "Kraft des positiven Denkens".
Ich habe immer in meinem Bewusstsein ein Pendel vor Augen. Der eine Pol des Pendels heißt: "Denke positiv". Das ist gut für dich! Der andere Pol des Pendels heißt: "Denke negativ!" Das ist...?
Jetzt würdest du vielleicht denken, dass ich schreibe: Das ist schlecht für dich! Aber das schreibe ich nicht und das denke ich nicht.
Meine Hypothese lautet: "Negatives Denken" ist auch positiv! Es dient deiner Weiterentwicklung. Es entlastet dich! Es darf da sein, weil es eh da ist!
Hier die Erläuterungen. Wenn dir ein Unglück widerfahren ist, oder wenn du etwas verbockt hast, dann hast du klar negative Gedanken. Wenn jetzt ein "Positivdenker" dir sein Repertoire anbietet bekommst du noch zusätzlichen Stress. Du musst ein Problem lösen! Du musst einen Fehler gerade biegen! Und... du kommst in die zusätzliche Anstrengung, das auch noch positiv zu bedenken. Du strengst dich also an, dein negatives Denken in positives umzuwandeln. Wenn du das nicht schaffst, dann kommst du dir wie einen noch größeren Versager vor. Das Gesetzt der Mathematik lautet: positiv und negativ ergibt negativ. Positivdenker verstärken also das Negativdenken.
Was ist, wenn du den negativen Gedanken einfach Raum gibst. So viel und so lange sie wollen. Du verstärkst sie vielleicht sogar. Du gibst dich mit großer Leidenschaft allen deinen negativen Gedanken hin. Es kann sein, dass du irgendwann einfach die Nase davon voll hast. Genug der negativen Gedanken! Du bist fertig damit! Und du entscheidest, wann es so weit ist! Du ersparst dir die ganzen Ratgeber und schreibst selber einen: "Über die Kunst des negativen Denkens!" Auch hier gilt das Gesetz der Mathematik: minus und minus ergibt ? Klar doch! Das ergibt Plus! Die Verstärkung des negativen Denkens führt dich automatisch irgendwann zum inneren Frieden. Gesetz der Mathematik!
Was ist gut und hilfreich am negativen Denken? Du zeigst deine Bereitschaft, auch Dinge wahrzunehmen, die nicht so angenehm sind. Du bist nicht mit vorschnellen Lösungen zufrieden, die doch nicht halten, was sie versprechen. Du gehst durch das Tal der Tränen durch bis ans Ende und nimmst das an, was da ist.
Es gibt eine Gefahr! Du kannst im Sumpf von negativen Gedanken versinken! Darum ist es wichtig, dass es "jemanden" gibt in deinem Inneren, der diese Gedanken gestaltet, koordiniert, lenkt, eröffnet, beendet und entscheidet. Du hast die Freiheit! Du kannst positiv denken. Du kannst und darfst negativ denken. Da gibt es ein "Ich", der das macht. Wenn du im guten Kontakt zu diesem "Ich" bist, der das macht, dann gibt es die Freiheit zu wählen!
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Montag, 11. Mai 2015
Die 15 Schwächen der römischen Kurie oder der eigene Blick in den Spiegel!
Schwäche Nr. 1 – sich unsterblich fühlen
Die erste Schwäche benennt er folgendermaßen: Sich unsterblich, immun oder unersetzbar zu fühlen: "Eine Kurie, die sich nicht selbst kritisiert, die sich nicht selbst erneuert, die nicht versucht, sich selbst zu verbessern, ist ein kranker Körper".
Es gibt eine Ebene, da kann ich dem Papst nur beipflichten. An seinem Stuhl und Posten festkleben, Verantwortung nicht abgeben können, immer alles wissen wollen, veränderungsresistent sein, dem Glaubenssatz zu folgen, dass das noch nie oder immer schon so war. Eine solche Mentalität findet sich bestimmt nicht nur bei kirchlichen Beamten sondern überall auf der Welt in jedem Unternehmen. Dennoch möchte ich gerne einen Schritt weitergehen und einmal spielerisch das Gegenteil des Papstgedankens in den Raum stellen.
Meine Gegenaussage: "Es ist eine Stärke, sich unsterblich, immun und unersetzbar zu fühlen." Ich finde, dieser gegenteilige Satz stimmt auch. Wir sind als Menschen unsterblich, das sagt uns unser christlicher Glaube. Wir sind unendlich geliebt. Wir leben hier in der Welt und nach diesem irdischen Leben weiter in der ewigen Liebe Gottes. Wir sind einmalig und niemand wird unser Dasein so erfüllen, wie wir es machen. Andere Menschen mögen eine Aufgabe auch gut erfüllen, sie werden es aber anders machen. Auch eine gewisse Form von Immunität ist sehr förderlich für die eigene Persönlichkeit. Kennst du Menschen, die bei der leisesten Kritik umfallen? Sie sind wie Fähnchen im Wind! Also, das Bewusstsein für die eigene Unsterblichkeit, Immunität und Unersetzbarkeit im Sinne der Einmaligkeit zeugt zunächst einmal nur von einem gesunden Selbstvertrauen, das jedes "Kind Gottes" auf dieser Welt haben oder entwickeln sollte.
Papst Franziskus erwartet ja von seiner Kurie, dass sie sich selbst kritisiert. Da verlangt er doch eine ganze Menge. Kritisierst du dich selbst? Kannst du das in einer heilsamen und nicht selbstzerstörerischen Weise? Selbstkritik zu üben setzt ja voraus, dass ich genügend Selbststand habe. Wenn ich mich aber klein und minderwertig vorkomme, dann werde ich es zu verhindern wissen, mich selbst zu kritisieren. Sich selbst verbessern, was der Papst sich wünscht, geht davon aus, das etwas "gut" ist. Das Gute kann ich noch besser machen. Oder anders ausgedrückt: Wo Güte ist, kann ich noch mehr Güte hinzufügen. Wo nichts ist, ist auch nichts zu verbessern!
Ich formuliere mal den Satz des Papstes für mich ein wenig um als Impuls für meine eigene Fastenzeit: "Ein Mensch mit einem guten Selbstwertgefühl voller Wärme und Anteilnahme wird wie selbstverständlich Sorge tragen, dass Körper, Geist und Seele bei sich und im ganzen Umfeld Gesundheit und Freude ausstrahlen. Er wird ein kritisches Wort mit Dankbarkeit entgegen nehmen, weil er dahinter nur wohlwollende Weiterentwicklung sieht."
Ob es denkbar ist, dass die Kurie sich auf eine solche Fährte begeben könnte wie die, die ich gerade beschrieben habe? Vielleicht leiden die Menschen in der Kurie ja an einem guten Selbstwertgefühl?! Im Zusammenleben machen wir häufig dem anderen Vorwürfe, wenn wir unzufrieden sind. Das kann ich verstehen. Aber leider sind diese oft nicht hilfreich. Auch ein Vorwurf ist ein "Wurf", bei dem der andere nur in Deckung oder Abwehr geht.
Drücke einmal deine Vorwürfe aus in Wünsche oder Bitten. Und vertraue zugleich auf deine eigene Veränderungsbereitschaft und die der anderen.
Schwäche
Nr. 2 – zu hart arbeiten
Die
zweite Schwäche in der Kurie, die Papst Franziskus bei der Kurie diagnostiziert
hat lautet folgendermaßen: Zu hart arbeiten. "Eine Rast ist für
diejenigen, die ihre Arbeit getan haben, notwendig, gut und sollte ernst
genommen werden".
Das
hätte ich jetzt nicht gedacht, dass in der Kurie hart gearbeitet wird. Da muss
ich meine Vorurteile gründlich revidieren. Ich stelle mir in meiner Phantasie
den kirchlichen Beamten in Rom vor mit einem kleinen Gehalt auf einer sonnigen
Piazza. Er sucht Erholung bei einem Espresso und freut sich, dass er sich ein
so kleines Tässchen einmal in der Woche leisten kann. Angesichts des geringen
Gehaltes und der wenig attraktiven Arbeit in einem muffigen Büro wird er eher
Akten schieben als bearbeiten. Danke Franziskus, dass du mich von diesem Bild
befreist. In Rom wird also hart gearbeitet, zu hart gearbeitet.
Der
Papst empfiehlt bei harter Arbeit eine Rast. Und diese Rast sollte man ernst
nehmen. Franziskus spricht damit ein urchristliches Thema an. Es geht um „ora
et labora“, um „Kampf und Kontemplation“, um „Arbeit und Freizeit“. Es geht um
den Ausgleich und ein Leben in Balance. Angesichts von zunehmendem Burnout in
unserer Gesellschaft haben wir Christen durchaus etwas anzubieten. Wenn du in
einem guten Wechsel von Arbeit und Freizeit dich befindest, schaffst du dir
eine ausgewogene Lebensgrundlage. Die Vorstellung gefällt mir und sie gefällt
mir zugleich nicht.
Ich
habe da eine Alternative im Sinn, die ich dir jetzt gerne vorstellen möchte. Es
hängt von der Qualität der Arbeit und der Qualität der Freizeit ab, ob das
System funktioniert. Stell dir doch einmal einen hart arbeitenden Menschen vor.
Er quält sich ins Büro oder in die Fabrik und schaut schon nach zehn Minuten
auf die Uhr. „Wie lange muss ich noch? Hilfe? So viel zu tun! Wie kann ich das
nur schaffen! Ich brauche eine Pause! Wie kann ich meine Pause dehnen, ohne
dass es jemand merkt!“ Die Arbeit wird zu Qual und die freie Zeit wird
benötigt, sich von dieser Qual einigermaßen körperlich und geistig zu erholen.
Ein Leben nach Zuckerbrot und Peitsche. Zuckerbrot die Freizeit, wenn sie denn
erholsam ist und Peitsche die Arbeit, es sei denn man ist gut darin, sich
unsichtbar zu machen. In diesem Denkmodell benötigt der hart Arbeitende
wirklich Erholung, sonst würde er das Rentenalter gar nicht erst erreichen.
Jetzt
stell dir noch einmal einen wirklich hart arbeitenden Menschen vor. Er kommt
händereibend ins Büro oder in die Fabrik mit dem Bewusstsein: „Heute gestalte
ich die Welt mit! Ich bin eine Schöpfer, eine Schöpferin!“ Er gibt sich der
Arbeit hin voller Leidenschaft und Aufmerksamkeit. Er versinkt darin förmlich
und blickt erstaunt auf, wenn die Glocke zum Feierabend bimmelt. Er geht nach
Hause und fühlt sich vielleicht ein wenig körperlich erschöpft, aber geistig
frisch. Er kann seine Freizeit einfach genießen aber ohne den Anspruch, dass
diese Zeit sein muss. Sie darf mal kürzer oder auch länger dauern. Ein solcher
Mensch befindet sich im „Sein“. Die Bibel bezeichnet diesen Zustand als
Paradies. Wer sich in einem paradiesischen Seins-Zustand befindet, kann
beginnen, die Kategorien von Arbeit und Freizeit aufzulösen. Er spielt damit,
so wie die ersten Menschen im Paradies spielend gearbeitet und arbeitend
gespielt haben.
Es
wäre doch schön, wenn die Kurie mit einer solchen spirituellen Grundhaltung zum
Vorbild für die Welt werden könnte! Eine heilige Allianz von Arbeit und
Freizeit!
Wenn
ich den heutigen Satz von Papst Franziskus an die Kurie und an uns alle
umformulieren möchte, würde er so heißen. „Gestalte dein Leben so, dass du im
Bewusstsein der Einheit und Verbindung mit Gott lebst. Arbeite nicht „hart“ und
mache auch keine „Zwangspausen“. Arbeite mit der Kraft der göttlichen Quelle
und genieße deine freie Zeit mit der Zusage Gottes, du bist geliebt, du darfst
Sein und musst nichts tun.“
Die Kunst, Probleme zu finden
Du wünschst dir eine Leben ohne Probleme? Na klar, ich glaube, das wünschen sich die meisten Menschen! Du möchtest glücklich sein? Deine Arbeit soll dich erfüllen? Du möchtest leben wie im Paradies? Das ist verständlich!
Probleme höchstens ab und zu. Ausnahmsweise! Immer glücklich sein ist vielleicht auch gar nicht so schön! Ein kleines Problemchen hier und da zur Abwechslung wäre hilfreich für den Unterschied. Wenn du dein Problem gelöst hast, bist du wieder glücklich. Und zugleich bist du glücklich, dass du wieder glücklich sein darfst.
Wenn du viele Probleme hast, dann wird es dir mit der Zeit immer besser gelingen, diese zu lösen. Du kannst zu einem Meister in Lösen von Problemen werden. Psychotherapeuten sind wie geschaffen dafür. Polizisten und Rechtsanwälte auch. Es gibt ganze Gruppen von "Problemlösungshelfern".
So weit so gut! Mich interessiert jetzt in diesem Augenblick allerdings eine ganz andere Seite dieses Themas. Alle "professionellen Problemlöser" wären arbeitslos, wenn es nicht die Problemfinder gäbe.
Stell dir einen Menschen vor, der zu dir kommt und dir sagt: "Kannst du mir helfen? Ich habe ein Problem!" Du hilfst natürlich gerne weiter, in dem Maße, wie du kannst. Wenn nicht, schaltest du einen Profi ein je nach Thema. Das Problem wird also gelöst. Wunderbar! Du hast einen Menschen glücklich gemacht.
Nach kurzer Zeit kommt dieser gleiche Mensch wieder zu dir und sagt: "Du, ich hab da noch ein Problem. Kannst du mir noch einmal helfen? Das hat ja beim letzten Mal so gut geklappt!" Also hilfst du freundlicherweise noch einmal, mit oder ohne Profi.
Jetzt kommt dieser Mensch zum dritten Mal zu dir. Nun gehen deine ersten Alarmzeichen an. "Der hat doch bestimmt wieder ein Problem!" Deine Alarmzeichen geben dir Recht. Ein neues Problem ist aufgetaucht. Du bekommst einen Verdacht. Du bist einem Menschen begegnet, der ständig Probleme hat. Kaum hat er eine Schwierigkeit überwunden, tut sich die nächste Baustelle auf. Oft muss dieser Mensch mehrere Probleme gleichtzeitig lösen. Wahrscheinlich bist du nur einer von vielen Problemlösungshelfern in seinem Bekanntenkreis.
Ich kenne Familien, die mit Arbeitslosigkeit, Suchtproblemen und Erziehungsfragen eine ganze Batterie von "Helfern" am Laufen halten. Angefangen von Familie, Nachbarn und Freunden über Sozialamt, Jugendamt, Therapeuten und Caritasstationen beschäftigen sie so viele Menschen, dass man sie als Unternehmer bezeichnen könnte.
Ein solches Unternehmen muss laufen! Aber wie? Denn, wenn alle Probleme gelöst wären, würde sich das "Helferunternehmen" auflösen und arbeitslos werden. Was ist also die beste Lösung im Umgang mit Problemen? Klar! Man findet neue Probleme!
Und das ist die Kunst! Darauf will ich hinaus! Ich selber gehöre eher zu den Genügsamen, die sich schwer tun, etwas als Problem anzusehen. Aber ich bewundere Menschen, die es schaffen, ein Problem nach dem anderen zu finden. Sie sind Weltmeister im Anziehen von Problemen! Sie werden überfallen. Sie stürzen da hinein! Sie finden einfach Probleme wie Pilze im Wald. Sie haben halt einen Blick dafür. Es gibt Menschen, denen wird es unheimlich, wenn sie einfach glücklich sind. Das kann nicht einfach nicht sein!
Ein Leben mit Problemen kann einfach auch vertraut sein. Wenn du immer Probleme hast, hast du auch immer etwas zu tun. Das gibt ein vertrautes Gefühl. Von außen betrachtet mag das zwar unangenehm sein, aber für "Problemkünstler" ganz selbstverständlich.
Wenn du die meiste Zeit glücklich bist kennst du gar nicht mehr den Unterschied von "Problem" und "problemfreiem" Leben. Ein Problemkünstler empfindet vielleicht wie ein Junkie. Er genießt den Zeitpunkt und den Augenblick, wenn das Problem gerade gelöst wird. Dieses "Lösungsgefühl" möchte er immer wieder erleben. Erleichterung! Entlastung! Entspannung! Ein starkes Gefühl!
Vielleicht machen uns "Promlemfindekünstler" auf etwas Wichtiges aufmerksam: Hierfür sind wir Menschen auf dieser Welt! Wir sammeln Erfahrungen. Wir erleben etwas. Das geht schief! Es gibt ein Problem! Wir lösen es! Na denn...
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