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Dienstag, 9. Juli 2019

Was wirklich zählt! Teil 6: Rufe in den richtigen Wald hinein!


Ich traf einmal eine Frau, die sehr unglücklich war. Sie erzählte mir, dass sie zu ihren Arbeitskollegen immer nett und freundlich sei. Sie würde alle am Morgen grüßen und sich am Abend verabschieden. Aber niemand würde höflich zurückgrüßen. Und wenn diese Kollegen nicht mehr mit ihr reden, dann würde sie auch nicht mehr mit ihnen sprechen wollen. Der Satz würde nicht stimmen: „So, wie du in den Wald hineinrufst, so kommt es auch zu dir zurück.“ Sie würde sich immer bemühen, aber es würde nichts nutzen. Sie könne sich anstrengen so sehr sie wolle.
Dann fragte ich sie, in welchen Wald sie denn hineinrufe? In den Wald der Kolleginnen und Kollegen oder in den eigenen inneren Wald. Da stutzte sie einen Moment. Ihr wurde klar, dass sie gar nicht nach außen rief. Die Kolleginnen nahm sie gar nicht richtig wahr. Sie blickte in ihren eigenen einsamen, verlassenen und unfreundlichen Wald. Wie kann ein verdorrter Wald im eigenen Inneren einen blühenden Wald in der Außenwelt grüßen und glauben, da käme freundlich etwas zurück.
Die Frau erzählte mir, dass sie über die Jahre hin einsam geworden sei. Sie glaubte nicht mehr an das Glück an ihrem Arbeitsplatz und überhaupt. Irgendwann resignierte sie und gab innerlich auf. Ihr wurde klar, dass sie erst einmal ihren eigenen inneren Wald wiederbeleben muss. Noch war nicht alles verloren. Wurzeln graben sich tief ein und können längere Zeiten überstehen. Was braucht der innere Wald, damit er sich lebendig anfühlt und damit er freudig in andere Wälder hineinrufen kann? Eine gute Portion Selbstliebe! Selbstvertrauen und Glaube. Ein inneres Wissen, selber die Schöpferin und der Schöpfer des Waldes zu sein. Der innere Wald lebt oder vertrocknet in der Weise, wie ich es gestalte. Zu meinem inneren Wald hat niemand sonst einen Zutritt und niemand trägt die Verantwortung dafür außer mir selbst.
Seitdem beobachte ich mich verstärkt, wie es denn so ist mit meiner Außenwirkung. Wenn ich voller Freude durch die Welt gehe rufe ich viel lebendiger und liebevoller. Es kommt unweigerlich Liebe und Freude zurück. Und wenn mal nichts zurückkommt macht das nichts. Ich bin ja nicht darauf angewiesen. Um meinen inneren Wald kann ich mich immer kümmern.
Erinnerst du dich an die Anfangsfrage im letzten Brief, ob du noch ertrinkst oder schon surfst? Ein Ertrinkender wird zum Bettler, der schreit, ob ihn jemand rettet. So wie es Ertrinkende tun müssen. Wenn du surfst muss dich niemand retten. Du nimmst die Wellen wie sie kommen und gleitest durch das Auf und Ab hindurch. Dein inneres freies Kind erwacht und lacht und jauchzt. Du brauchst ein gutes Körpergefühl, ein gesundes Selbstvertrauen und die klare Vorstellung, dass du das kannst.
So wie du in deinen inneren Wald hineinrufst, so verlässt es deinen Körper und erreicht die Welt. Was andere tun kannst du nicht steuern und beeinflussen. Du bist davon auch nicht abhängig. Du bist nur der Hüter deines eigenen inneren Waldes. Da kannst du flüstern und rufen. Schmeicheln und flirten. Spaß machen und trösten.

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