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Freitag, 11. Dezember 2020

13. Impuls im Advent: Vor Gott muss man sich beugen, weil er so groß ist; vor dem Kinde, weil es so klein ist. (Peter Rosegger)

Im Advent möchte ich mit dir meine Aufmerksamkeit richten auf das Ziel in Bethlehem. Ich möchte dem Kind begegnen und wahrnehmen, was dann geschieht. Die Hinweise dafür geben die "Kinder" auf der Straße, das "Kind" in dir, das "Kind" in mir und  "Kinderweisheiten" von Menschen in der ganzen Welt.

Warum muss man sich überhaupt beugen? Es gibt für mich nur einen guten Grund, sich vor dem Kind zu beugen. Ich möchte auf gleicher Augenhöhe sein! Nicht von oben nach unten und nicht von unten nach oben! Auf gleicher Augenhöhe! Es geht also auch nicht um das beugen an sich, sondern um das, was ich tun muss, um auf Augenhöhe zu kommen.
Und wie ist das mit dem Beugen vor Gott und seiner Größe? Geht es darum anzuerkennen, dass ich so klein bin und Gott so groß ist? Ich verbeuge mich vor dem "Allmächtigen" und sage ihm mit meiner Verbeugung, dass ich ihm diene? Geht es darum? Oder geht es nur um eine Respektbezeugung?
Ich finde das mit dem "Verbeugen" nicht so leicht. Wenn dadurch ein Oben und Unten entsteht bewegen wir uns in ein hierarchisches Denken hinein. Da gibt es Herren und Sklaven. Da gibt es Vorgesetzte und Untergebene. Wenn das " sich Beugen" lediglich bedeutet, dass ich dich respektiere, dann mag es angehen.
Es stimmt zugleich auch das Gegenteil. Vor Gott musst du dich nicht beugen, weil er in dir wohnt. Da macht das Beugen gar keinen Sinn. Vor dem Kind musst du dich auch nicht beugen. Du kannst auch daneben liegen oder es zu dir emporheben. Eigentlich geht es wie immer um eine gute Kommunikation.
Wenn du dich erniedrigst vor wem auch immer kannst du nicht gut kommunizieren. Du machst dich klein, abhängig, bedürftig und ohnmächtig. Eine Position auf Augenhöhe in einer wohlwollenden Atmosphäre von Freiheit erscheint mir hilfreicher als diese "Beugerei".
Wer sich zu viel beugt bekommt einen krummen Buckel und verliert den aufrechten Gang. Gott hat uns geradezu so erschaffen, dass wir aufrecht gehen. Wir bekamen von ihm die Freiheit, die Würde und den aufrechten Gang.
Im Bezug auf das Kind heißt das für mich: Den Kindern den aufrechten Gang zu lehren wäre für mich das erste Ziel. Und der Impuls für heute: Vor wem beugst du dich? Und was drückst du damit aus? Ist es ein "Liebebeugen" oder eine "Sklavenbeuge"?
Beim Kind in Stall von Bethlehem kannst du dir so eine Art Selbstbeugung Gottes vorstellen. Er macht sich klein, damit wir aufhören, uns vor ihm zu verbeugen. Der Weg ins Herz benötigt kein Verbeugen mehr. Sind die Wörter "verbeugen" und "verbiegen" verwandt?
www.matthias-koenning.de

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