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Mittwoch, 28. Dezember 2016

Der Weg in die Nacht


Wir sprechen von Weihnachten in dem Sinne, dass diese "Nacht" geweiht und gesegnet ist. Das Fest beginnt mit dem Heiligen Abend als dem Beginn der Nacht. Vielleicht hast du schon einmal ganz allein und für dich einen Nachtspaziergang gemacht jenseits der Lichter der Stadt. Auf einmal bist du mit dir selbst da und deine Ängste kriechen hoch. Möglicherweise fühlt es sich auch ganz friedlich an. Die außergewöhnliche Zeit, der Ort und das fehlende Licht kann die Sehnsucht in dir wecken nach Verwandlung von Dunkel in Licht, und von Angst in den Frieden. Immerhin geht Gott auch in die Nacht und "weiht" sie. Ich wünsche dir den Frieden und das Licht für deine inneren Dunkelheiten und Nächte.

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Dienstag, 27. Dezember 2016

Orientierung am Ende des Jahres


Das wünschen sich viele Menschen vor allem am Ende des Jahres nach einer anstrengenden und nervenaufreibenden Lebensphase.  Zeit und Ruhe, in sich gehen, mal ein gutes Buch lesen, gemütlich beim Kerzenlicht sitzen, ein gutes Gespräch mit einem lieben Freund, ein besinnliches Konzert besuchen und die Seele baumeln lassen.
Das ist jedoch die Realität: Nachholen, was liegen geblieben ist; den Großeinkauf machen; Verwandte besuchen; den Garten bearbeiten und vieles mehr. Eigentlich wie immer: ein voller Terminkalender.

Ein ägyptisches Wort sagt: Wer sich abhetzt, wird nie Vollkommenheit erlangen. Dazu gehören Ruhe und Stille.

Die meisten Menschen werden es nicht verhindern können, den einen oder anderen auch schönen Termin zusätzlich zu haben. Aber du kannst alle Dinge etwas gelassener angehen und entgegennehmen. Du lässt dich in deiner Arbeit nicht antreiben vom inneren Unruhestifter. Du nimmst dir vor, vollkommener zu werden in einer ganz speziellen Weise. Vollkommener zu sein in deiner Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die du nicht ändern kannst. Vollkommener zu werden, barmherzig mit deiner Unfähigkeit umzugehen, deine Termine gut zu koordinieren. Vollkommener zu werden, all deine Unzulänglichkeiten zu akzeptieren und dabei der glücklichste Mensch der Welt zu sein. Ich wünsche dir einen gesegneten Tag.

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Montag, 26. Dezember 2016

Vom Aufbrechen und Ankommen


Na? Bist du schon angekommen? Was meine ich mit ankommen, könntest du jetzt fragen. Du hast ein Dach über dem Kopf und im weitesten Sinne eine Familie. Also bist du irgendwo im Leben angekommen. Dabei ist die Frage gar nicht abwegig. Wenn du in deinem Leben schon einmal umgezogen bist weißt du, wovon ich spreche. Du ziehst an einen dir fremden Ort und sensible Menschen fragen dich, ob du schon angekommen bist. Der Körper mag zwar vor Ort sein, aber das Herz und die Seele sind noch am alten Standort oder unterwegs. Du musstest einmal im Berufsleben ankommen, im Rentnerdasein, im Urlaub, in deiner „Seele“.
Über das Ankommen möchte ich heute ein wenig mit dir nachdenken. Immerhin feiern wir an Weihnachten die „Ankunft“ des Kindes in der Krippe. Mir kommt in den Sinn, dass es da einen Dreischritt gib, der im Leben immer wieder auftaucht und sich im Advent auch abzeichnet. Die drei Schritte heißen für mich aufbrechen, unterwegs sein und ankommen. Viele Menschen die ich kenne, haben mindestens mit einem der Schritte so ihre Schwierigkeiten. Manchen fällt der Aufbruch schwer aufgrund vieler Hindernisse, andere finden das heimatlose Umherirren schwierig oder finden keinen passenden neuen Platz.
Wenn du aufbrichst, musst du dich von Vertrautem verabschieden und loslassen. Da gibt es die Sätze wie: „Eigentlich müsste ich … aber“ und dann tauchen die vielen Hindernisse im Kopf auf, warum das nicht geht. Außerdem macht es nur Sinn aufzubrechen, wenn du ein lohnenswertes Ziel vor Augen hast. Du suchst z.B. eine andere Wohnung, weil die Jetzige nicht mehr passt oder weil du eine andere Arbeitsstelle bekommen hast. Manche halten auch lieber am Alten fest obwohl sie richtig leiden, weil das Neue zu ungewiss und beängstigend ist. Lieber bekanntes und vertrautes Leiden als das unkalkulierbare Neue. Dennoch ist es wichtig für die persönliche Weiterentwicklung, immer wieder aufzubrechen und nicht mehr Stimmiges und Abgestorbenes hinter sich zu lassen. Wie mag der Entstehungsgedanke und der Prozess in Gott gewesen sein bevor es zum Kind in der Krippe kam? Welche Notwendigkeiten sah er und was war sein Ziel? War es leicht für ihn, aufzubrechen in die menschliche Gestalt?
Der zweite Schritt nach dem Aufbruch liegt im „unterwegs sein“. Für eine Zeit bewohnst du keinen festen inneren oder äußeren Ort. Du musst ausprobieren, Erfahrungen sammeln, finden und wieder loslassen. Du schaust dir verschiedene Wohnungen an, du denkst dir neue Berufsleben aus, du erfindest neue Rituale und Sprechweisen in deiner Ehe oder deiner Familie oder du hangelst dich von Gottesbild zu Gottesbild. Dabei spürst du vielleicht auch die tausend Möglichkeiten und Freiheiten, die dir damit gegeben sind. Diese zeigen sich erst im Gehen des Weges. „Ah, da gibt es eine Abzweigung und da noch eine. Welche nehme ich denn jetzt?“ Wenn du nie aufbrichst, bleibt dir das Auswählen der vielen Wege erspart.
Irgendwann möchtest du oder wirst du irgendwo ankommen. Es sei denn, du gehörst zu denen, die dauerhaft irgendwie unterwegs sind. Kennst du solche Menschen, die bei dir den Eindruck vermitteln, dass sie wie getrieben sind? Wie die Hummeln verweilen sie nur kurz und sind mental schon wieder weg, bevor der Körper sich auch auf den Weg macht. Vom Leben Jesu kennen wir eigentlich nur die Zeit der „Unterwegs-sein-Phase“. Die Geschichten aus den Evangelien wirken auf mich aber immer wie eine Kombination aus „Ankommen im Unterwegs sein.“ Aufbrechen, unterwegs sein und ankommen wirken bei ihm verbunden.
Ich hoffe, du bist wenigstens einmal im Leben wirklich angekommen. Wirklich mit Körper, Geist und Seele, fast ohne jede Einschränkung mit einem völlig klaren „Ja“. Vielleicht fällt es dir aber auch schwer, dich hinzusetzen, wo immer du bist, die Hände in den Schoß zu legen und dir zu sagen: „Jetzt bin ich angekommen, jetzt bin ich da!“ Ich glaube, dass es im Leben immer nur so ungefähre Momente dieser Art gibt. Wirklich angekommen sind wir, wenn wir es ohne jede Einschränkung fühlen und sagen können. Wahrscheinlich in aller Endgültigkeit nicht in diesem irdischen Leben.
Weihnachten lädt dazu ein, die Sehnsucht nach dem Ankommen stärker in den Blick zu nehmen. Am Unsere Aufmerksamkeit geht auf den Stall zu Bethlehem, den Ankunftsort Jesu. Die Menschen an der Krippe kommen dort an, kommen an diesem Ort zu Ruhe, machen in der Gottesbegegnung die Erfahrung der „Erleuchtung durch den Stern von Bethlehem“ und den Frieden in der Seele mit dem göttlichen Kind.
Bis dahin machst du die merkwürdige Erfahrung einer oft angespannten Gleichzeitigkeit. Gleichzeitig brichst du mit bestimmten Lebensthemen auf, bist mit anderen Themen schon länger unterwegs und bist schon irgendwie angekommen. Du bist vielleicht angekommen an deinem Arbeitsplatz, brichst aber auf in eine neue Beziehung und bist unterwegs auf der Suche nach dem tieferen Sinn in deinem Leben. Manchmal scheint es dich zu zerreißen und manchmal erlebst du das Geschenk, dass alles synchron schwingt und innere Ruhe einkehrt. Gelassenheit breitet sich in deinem Inneren aus. So lädt Weihnachten dich ein, dass du einfach vor der Krippe sitzt und einmal nichts machst und stattdessen geschehen lässt was immer auch mit dir geschieht.

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Sonntag, 25. Dezember 2016

Frohe Weihnachten!


In den Tagen des Adventes habe ich dich eingeladen, dein Herz zu besuchen. Es war ein Weg jenseits von Sternen, Engeln und anderen typischen Symbolen dieser Zeit. Ich verstehe Weihnachten so, dass das göttliche Kind in dir geboren wird. In deinem Herzen. Und es ist gut, dein Herz dafür vorzubereiten.
Im Geiste stehe ich nun mit dir vor der Krippe und nehme wahr, was geschieht. Wenn wir aufbrechen und losgehen sind wir selber aktiv. Wir bewegen unseren Körper und kommen Schritt für Schritt voran. Auch in unseren Gedanken und in unserem Herzen waren wir unterwegs. Da gab es die Einladungen, mal sein Denken und Handeln zu überprüfen. Der Adventsweg hat etwas vom Pilgern. Immer wieder sammelst du Erfahrungen, die sich setzen. Du ruhst aus und brichst wieder auf. Du bist zwischendurch erschöpft und müde und bekommst von irgendwo her wieder Energie zum Weiterlaufen.
Jetzt schaust du auf die Krippe und bist am Ziel angekommen. Jetzt gibt es nichts mehr zu tun. Du kannst von dir aus nichts mehr selber machen. Deine Hände sind noch unruhig und wollen arbeiten. Dein Herz ist aufgeregt und wartet auf das Spannende, das jetzt geschieht.
Und dann? Es geschieht nichts! Du stehst und schaust und lässt geschehen. Das Kind schaut dich an und erwärmt dein Herz. Es sagt zu dir ohne Worte: "Komm zur Ruhe. Sei einfach da!" So wünsche ich dir, dass das Geheimnis des Lebens sich dir mitteilt und zeigt und dass du gestärkt deinen Weg weitergehen kannst.

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Samstag, 24. Dezember 2016

Herzputz im Advent: 24. Mehr finden



Ich kann finden als Ergänzung oder Gegensatz zum Suchen definieren. Ich kann aber auch sagen: „Ich finde dich toll!“ Ich kann Dinge finden, obwohl ich sie gar nicht gesucht habe. Ich begegne ihnen einfach. Ich kann die Liebe meines Lebens finden im Sinne von antreffen.
Das Herz findet sehr gerne. Es liebt Überraschungen. Wenn das Herz überrascht ist, nimmt es die Verlängerung zur Hilfe. Das sind die Arme und Hände und klatscht sie zusammen. Das Herz trottet irgendwie dahin und plötzlich wird es wach. Es kommt ins Schwingen und bekommt einen totalen Energieschub. Das Finden kann ein Ergebnis des Suchens sein, sozusagen die Belohnung einer Arbeit. Es kann aber auch sein, dass das Finden sich einfach so ereignet. Und davon wünsche ich dir mehr.

24. Mehr finden
Haben die Hirten eigentlich die Krippe gesucht? Oder haben sie die Krippe gefunden? In meiner Vorstellung haben sie einfach einen Schutz für die Tiere aufgesucht. Sie kannten diese Hütte und waren überrascht, dass da einfach fremde Leute waren. Vielleicht haben sie sich sogar geärgert über die Besetzung. Aber dann sahen sie das Kind und die Freude brach aus.
Die drei Könige haben vermutlich gesucht. Sie wussten ja von den alten Weissagungen und sind ihrem Traum gefolgt. Gesucht haben die aber auch nicht, denn sie hatten einen Stern als Wegweiser. Die Engel mussten auch nicht suchen. Sie ließen sich vom inneren Wissen leiten. Wie kann ich etwas finden ohne dass ich suche?
Ich darf nichts Bestimmtes im Sinne haben. Dann fange ich an zu suchen. Ich muss mich von allem verabschieden. Darf keine Konzepte im Kopf haben. Es könnte auch sein, dass nichts passiert. Ich laufe und finde eben nichts. Wenn ich wach bin und mein Herz öffne, so meine Erfahrung, dann passiert immer etwas Überraschendes. Ich darf mich nicht fokussieren auf eine einzige Sache. Sondern ich muss defokussieren. Den Fokus also auf alles zugleich und nichts Konkretes richten. Ich besuche an Weihnachten jemanden und habe gar keine Erwartungen. Weder Geschenke noch Kuchen. Nicht einmal, dass dieser Mensch zu Hause ist. Vielleicht treffe ich ja ein Eichhörnchen. Deine Erwartungen werden schnell enttäuscht, wenn sie sich nicht erfüllen. Du befindest dich dann im Suchmodus. Im Suchmodus hast du klare Vorstellungen von allen Abläufen. Im Findemodus lehnst du dich zurück und lässt dich überraschen. Alles darf und nichts muss. Hast du Lust, in den Findemodus zu wechseln? Wann fängst du damit an?
Welche Menschen haben wohl das Jesuskind gefunden im Stall von Bethlehem und wir haben bisher nichts davon erfahren? Herodes hat übrigens das Kind gesucht und nicht gefunden. Vielleicht nähert man sich der göttlichen Quelle auch so. Nicht suchen, sondern finden. Wenn du findest, dann gehst du davon aus, dass es schon da ist auch wenn du es noch nicht siehst. Und wenn es schon da ist, kann es auch seine Kräfte entfalten. Du könntest auch einfach mal so tun, als hättest du es schon gefunden. Wie fühlst du dich als Finder?