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Mittwoch, 31. August 2016

Von der Pflicht zur Kür!


Beim Eislaufen und beim Tanzen gibt es zwei Programme. Es gibt die Pflicht und es gibt die Kür. Dein Leben teilst du manchmal auch so ein. Die verfplichtende Arbeit und die Freizeitkür. Beide kämpfen häufig miteinander. Die Pflicht hat die Angst, nicht erfüllt zu werden und die Kür hat die Sorge, dass die Freude zu kurz kommt.
Am Morgen schaust du in der Regel auf den Tag und überlegst, was du alles erledigen musst. Unter erledigen verstehe ich die Vorstellung, dass wir bestimmte Pflichtaufgaben haben. Von diesen so genannten Pflichten kommen einige zusammen. Essen zubereiten, einkaufen, putzen, aufräumen, waschen usw. Manchmal arbeitest du dich durch diese Aufgaben und hakst in Gedanken ab, was du geschafft hast. Das Wort "erledigen" drückt dabei eine Menge aus. Am Ende bist du erledigt und erschöpft von deinen Pflichten. Du freust dich auf deine freie Zeit und lebst in der Dualität, im Gegensatz von Arbeit und Vergnügen.
Wenn du das Wort "erledigen" nun ersetzt durch "gestalten" betonst du deine Freiheit und deine Kreativität. Du entscheidest, was du machst und wann du es machst. Du entscheidest auch, ob du es mit Liebe tust oder mit Widerwillen. Du kannst die Aufgaben so gestalten wie Kinder ihre Spiele spielen. Der Tag ist ein Geschenk und darfst ihn für dein Vergnügen mit Inhalt und Freude füllen.
In der Bibel wird die Geschichte von Adam und Eva im Paradies erzählt. Vor dem "Sündenfall" mussten sie auch im Garten arbeiten, aber sie vergnügten sich. Nach dem "Sündenfall" verwandelte sich der Tag in Mühsal und Plage. Ob es Mühsal und Plage ist oder Freude, Siel und Vergnügen - diese Entscheidung findet in deinem Kopf und in deinem Herzen statt.
Je bewusster du den Beginn des Tages beginnst und in den Tag hineinmeditierst, desto eher hast du die Chance, die lebensfrohe Seite in den Blick zu nehmen. Vielleicht geht das nicht zu hundert Prozent, aber vom Grundsatz her ist eine Veränderung immer möglich.
Letztlich geht es wirklich um die Kunst, Pflichten in Küren zu verwandeln und am Ende die Dualität aufzuheben. Mark Twain erzählt von Tom Sawyer, der aus Strafe einen Zaun streichen "muss". Da müssen verwandelt er in ein Privileg und lässt alle Freunde und Bekannte dafür bezahlen, dass sie auch ein Stück Zaun streichen dürfen. Wer über den Dingen oder sich außerhalb stellt kann das Leben neue erfinden.
Vom Ende des Lebens her betrachtet hören ja mit dem Tod alle Pflichten auf und es beginnt die Kür des Himmels. Wenn du in diese Kür nicht eingeübt bist und nur die Pflichten kennst, wie wirst du den Himmel genießen können? Stell dir vor, dass Petrus dich an der Himmelspforte begrüßt und dich gerne an diesen Ort willkommen heißt. Du gehst dort auf und ab und brauchst nichts zu tun. Du darfst da sein und genießen. Innerlich jedoch treibt dich eine gewisse Unruhe voran und dir wird bewusst: Du suchst die Pflichten. Du kannst nicht ohne sie auskommen! Dann gehst du zu Petrus und erzählst ihm von deinem Leiden. Dieser antwortet dann: "Ah, alles klar. Du hast dich nur vertan! Du wolltest eigentlich in die Hölle! Die befindet sich ein Stockwerk tiefer!"

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Dienstag, 30. August 2016

Die Schuld bei anderen suchen, warum nicht?

Plagt dich auch manchmal das schlechte Gewissen?
Du hast nicht aufgepasst. Du hast dich nicht genug gekümmert. Du hast etwas nicht richtig gemacht. Du warst zu früh oder zu spät. Du hast nicht das Richtige angezogen. Du hast einen vergesslichen Eindruck gemacht. Du warst nicht ganz da. Du hast etwas vergessen. Gefällt dir meine Liste? Kannst du noch was hinzufügen?
Ich könnte stundenlang weiterschreiben. Da meldet sich ständig diese überflüssige Simme in mir, die mich ermahnt und erinnert. Ich kann sie manchmal nicht ertragen. Sie zeigt mit dem Finger auf mich und sagt mir mit strengen Augen: "Du bist schuldig!" Ja, ich trage die Schuld, dass etwas nicht mehr funktioniert, dass meine Familie unglücklich ist, dass es nicht bei der Arbeit läuft. Ich trage die Schuld! Wer möchte schon mit Schuld und Schulden herumlaufen. Wer Schulden hat, muss zurückzahlen. Der erhobende Zeigefinger droht nämlich weiter: "Mach das nie wieder! Mach das schön wieder gut! Sonst..." Klar möchte ich keine Folgen tragen, nicht ausgeschlossen werden. Ich möchte nicht aus dem Paradies verbannt werden. Die Stimme in mir hört aber erst auf, wenn ich mich entschuldige, wenn ich etwas wieder gut mache. Schrecklich! Sie hört nicht einmal auf, wenn alles wieder gut ist. Da bleibt der drohende Zeigefinger mit dem "nie wieder!"
Da lese ich auf der Spruchkarte: "Man muss die Schuld auch mal bei anderen suchen." Das ist doch wirklich mal eine Entlastung. Warum immer ich? Jeder trägt doch etwas zum Geschehen in der Welt bei. Warum nicht die anderen! Wenn die Schuld haben, bin ich befreit! Super! Die anderen haben sich nicht genug gekümmert. Die anderen sind nicht richtig. Was habe ich damit zu tun!
Eine schöne Abwechslung! Dennoch beschleicht mich der Gedanke nach einer Alternative. Ein Leben jenseits von Schuld und schlechtem Gewissen. Schulden müssen zurückgezahlt werden. Da klebt ein Gewicht an mir oder an anderen. Da muss etwas ausgeglichen werden. Sonst stimmt die Welt nicht. Ich plädiere für einen Schuldenerlass. Grundsätzlich. Jeden Tag wieder neu. Durch ein Wort bin ich sie los. Ich spreche dich frei von allen Schulden. Ich mich selbst auch. Mache ich einfach. Du sprichst dich auch frei. Dann ereignet sich das Wunder und wir leben wie Adam und Eva am ersten Tag im Paradies.
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Montag, 29. August 2016

Genug ist genug!


Ich war eingeladen zu einem Essen. Die Frau des Hauses bot mir gerne von dem leckeren und reichhaltigen Mahl an. Irgendwann war ich satt und bedankte mich als mir die Schüssel gereicht wurde. "Schade, aber ich kann nicht mehr." "Vielleicht doch noch ein wenig?" "Nein, wirklich nicht mehr." "Nicht doch noch einmal, es schmeckt Ihnen doch so gut!" "Nein wirklich nicht!" Ich wurde zusehends ärgerlicher. Konnte sie mich nicht verstehen? Wollte sie mich freundlich zwingen? Konnte sie nicht mein Nein akzeptieren?
Bei mir gibt es eine Grenze und die heißt: "Genug ist genug." Irgendwann ist es einfach genug. Ich möchte nicht mehr. Ich kann nicht mehr und ich will nicht mehr. Zu einer bestimmten Uhrzeit möchte ich ins Bett und irgendwann kann ich nicht mehr zuhören. Für ein bestimmtes Produkt möchte ich nicht mehr Geld ausgeben und diesen Pullover will ich nicht mehr anziehen, weil er kratzt. Genug ist genug!
Kennst du deine Grenzen? Kannst du das auch deutlich ins Wort bringen. Mit Entschiedenheit sagen: Nein, ich möchte nicht! Bist du bereit, die Ablehnung in Kauf zu nehmen? Das wäre vielleicht der Preis, den du zahlen müsstest. Dabei finde ich das völlig selbstverständlich. Ich glaube, dass wir zu oft über unsere Grenzen hinaus gehen und nicht mehr wahrnehmen, wann es genug ist.
Dabei sagt es ja schon das Wort. Genug heißt ja, dass es für mich eine ausreichende Menge ist. Ich bin von dem jetzt satt. Mein "Topf" ist voll. Mehr geht nicht rein. Manche Menschen haben jedoch Angst vor dem Mangel. Es könnte ungenügend sein. Lieber zu viel als zu wenig. Manche muss man ja auch zu ihrem Glück zwingen, weil sie so bescheiden sind.
Es gibt ja zwei Seiten. Die eine Seite kann nicht nein sagen und die andere Seite überschreitet die Grenzen. Beide könnten an sich arbeiten. Lebst du ausgewogen? Kannst du ein Nein akzeptieren ohne gekränkt zu sein? Kannst du selber nein sagen und dennoch kein schlechtes Gefühl haben? Ich wünsche dir ein gutes Maß an Fürsorge mit dir und mit den anderen.
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Freitag, 26. August 2016

Die Ros ist ohn warum...



Angelus Silesius schrieb folgenden Vers im  „cherubinischen Wandersmann“
„Die Ros ist ohn warum; sie blühet, weil sie blühet,
Sie acht nicht ihrer selbst, fragt nicht, ob man sie siehet.“
Die Rose ist einfach da. Sie fragt nicht, wie sie wirkt, was andere über sie denken. Bin ich schön genug? Genüge ich? Bin ich richtig? Sie fragt nicht, warum sie auf der Welt ist und wohin sie geht, wenn sie verblüht. Das macht sie frei, einfach nur zu sein.
Wenn du dich mit der Rose vergleichst, was kommt dir da in den Sinn? Gelingt es dir auch, so unbeschwert da zu sein? Oder stehst du schon am Morgen vor dem Kleiderschrank und überlegst, was du dir anziehen sollst und wie es dir steht? Fragst du dich, was die anderen über dich denken, wenn du dieses trägst, jenes sagst und etwas anderes wiederum tust? Bist du frei und unabhängig in deinem Denken, Fühlen und Handeln?
Die Ros ist ohne warum. Sie ist! Mach es der Rose gleich!

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Donnerstag, 25. August 2016

Freundschaft ist das Seil das hält, wenn alle Stricke reißen!

Da gibt es die Angst davor, dass alle Stricke reißen, nicht wahr? Ein Seil besteht ja aus vielen einzelnen Stricken. Schön, wenn das ganze Seil ein Leben lang hält. Aber manchmal löst sich ein Faden. Das Seil wird älter und brüchiger und muss so einiges aushalten.
Über weite Strecken passt du auf dein Lebensseil gut auf. Du kümmerst dich um dein Leben und übernimmst Verantwortung für Familie, Beruf, Hobbys, ... Manchmal jedoch wird es dir zu viel. Oder es passt nicht mehr. Oder dir fehlt die nötige Kraft. Je älter du wirst, desto deutlicher wird dir, dass dein Seil eines Tages reißen wird. Spätestens auf dem Sterbebett. Eines Tages reißen deine Stricke. In dem Spruch heißt es nun: "Freundschaft ist das Seil das hält, wenn alle Stricke reißen." Wie schön, wenn es etwas gibt außerhalb deines Stricksystems. Etwas, das alles überdauert und alles trägt, sogar die Trennung und den Tod. Hast du einen Menschen an deiner Seite, der diese Qualiät besitzt?
Hättest du gerne so jemanden? Oder empfindest du das auch als eine Überforderung?
Vielleicht erfährst du das als Geschenk. Dann freue dich und sei dankbar dafür. Was zeichnet die Freundschaft aus, die stärker ist als jeder Teil eines Strickes? Mein Gedanke geht zur Freundschaft mit mir selbst. Wenn alle Stricke reißen, was bleibt? Die Freundschaft mit mir selbst wird noch länger dauern als die Freunschaft mit irgendeinem Menschen. Ab einem bestimmten Abschnitt im Leben gehst du allein. Da ist est gut, mit sich selbst gut Freund und Freundin zu sein, nicht wahr?
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