Als
im vergangenen Winter viel Schnee lag, hing ich in einem Strauch einen
Meisenknödel auf. Es brauchte ein paar Tage, bis die Meisen daran
gingen. Auch eine Taube und eine Amsel hatten Interesse an diesn
Körnern. Sie waren aber zu groß und zu schwer und konnten sich nicht an
dem Netz festhalten. "Die Trauben hingen zu hoch." Als jedoch die Meisen
kamen und kraftvoll in dem Knödel herumpickten, fiel immer ein
Bröckchen auf den Boden. Da waren Taube und Amsel gleich zur Stelle und
pickten sich ihren Teil. So erreichten sie doch noch ihr Ziel, etwas vom
großen Kuchen abzubekommen. Ich glaube, das gilt auch für uns Menschen.
Wenn du aufmerksam bist, fällt immer etwas ab, auch für dich. Schau nur
genau hin! Dabei geht es um die Aufmerksamkeit und das Gewahrsein.
Jetzt
im Frühjahr wärmt die Sonne die Natur und bringt sie zum aufwachen. Ein
paar Sonnenstrahlen fallen auch für dich ab. Du brauchst nichts dafür
tun. Stell dich einfach in die Sonne und es geschieht. Du erwachst, wie
die Natur!
Du kannst dir auch die Weisheit von Taube und Amsel
aneignen und dir zu Herzen nehmen. Immer fällt irgendwo etwas für dich
ab. Im Karneval die Kamelle, im Winter die Wärme in einem Kaufhaus, hier
und da ein paar Rabatte und Peisnachlässe, ein Probierstand im
Supermarkt, eine kleine Gabe auf dem Wochenmarkt, ein Hustenbonbon und
ein Paket Taschentücher in der Apotheke, eine Scheibe Wurst beim Metzger
und ein freundlicher Hinweis einer Verkäuferin im Modegeschäft.
Vielleicht lässt du selber mal hier und da etwas liegen für einen
anderen Menschen. Ein kleines Bildchen, einen Aufkleber, eine Dose
Futter für das Tierheim. So funktioniert der Kreislauf. Du empfängst und
du gibst, du bist ein Teil vom Ganzen. Du kannst es bewusst
mitgestalten und erlebst Wunder über Wunder! Faszinieren, nicht?
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Freitag, 27. März 2015
Donnerstag, 26. März 2015
Steh auf!
Jesus
befindet sich in guter Gesellschaft mit Marius Müller-Westernhagen,
Bushido, Culcha Candela, Betontod und den Toten Hosen. Sie alle und noch
einige Künstler mehr sangen oder sprachen diese Aufforderung aus: „Steh
auf!“
Das sind
energische Worte! „Steh auf!“ Mit Ausrufezeichen! Jesus richtet diese
Worte an den verstorbenen Sohn einer Witwe. Dieser wird gerade auf der
Bahre liegend weggetragen. „Steh auf!“ ruft Jesus in einem eindeutigen
Befehlston. Man stelle sich einmal vor, er würde folgendes sagen:
„Junger Mann, es wäre doch schön für deine traurige Mutter und für alle
anderen Verwandten, wenn du es dir mit dem Sterben noch einmal überlegen
würdest. Die ganze Zukunft liegt noch vor dir! Willst du das alles
wegwerfen? Ist deine Zeit denn wirklich schon gekommen?“ Das wären zwar
sehr einfühlsame Worte gewesen und sicherlich angemessen für einen Toten
und zugleich tröstlich für die Mutter. Hätten solche Worte jedoch
ausgereicht, einen Toten aufzuwecken? Jesus entscheidet sich für die
harte Tour. „Steh auf!“
Die
Band Betontod singt in ihrem Lied: „Ich will Dich nie wieder am Boden
sehen, es ist Zeit aufzustehen und nach vorne zu sehen! Ich will Dich
nie wieder am Boden sehen, steh auf!“ Interessant, dass sowohl
„Betontod“ als auch die „Toten Hosen“ das Wort „Tod“ im Namen tragen.
Musiker mit solchen Namen werden so zu Verkündern des Evangeliums vom
Aufstehen!
„Am Boden liegen – und aufstehen“ – darüber möchte ich gerne noch ein
wenig intensiver nachdenken. Als kleines Kind bin ich mit meinen Eltern
und Geschwistern am Sonntag spazieren gegangen. Mein Vater erzählt mir
heute manchmal, dass ich mich einfach zwischendurch auf die Straße
setzte und nicht wieder aufstand. Alle seine Bitten und Appelle halfen
nichts. Ich blieb da einfach sitzen und die ganze Familie wartete, bis
ich von selbst wieder aufstand. Aus der Perspektive des am Boden
liegenden zeigt sich: Der muss
auch aufstehen wollen. Die Aufforderung muss das Ziel zuerst einmal
erreichen.
Wir Menschen
können nicht früh genug damit beginnen, das wieder Aufstehen einzuüben.
Wir alle haben irgendwann gelernt, das erste Mal auf eigenen Füßen zu
stehen und bewegten uns haltsuchend und wackelig auf den Beinen an den
Objekten im Wohnzimmer entlang. Dann gingen wir freihändig ohne
„Objektschutz“ zwischen Mama und Papa hin und her, strahlten über die
ersten wirklich freien Schritte und … wir fielen! Das Fallen gehört zum
Laufen lernen dazu.
Mittwoch, 25. März 2015
Erhol dich gut!
Das Wort „erholen“ kommt ursprünglich aus der Medizin. Nach
einer Phase der Krankheit geht es darum, wieder gesund zu werden. Der Körper soll nach einer Anstrengung wieder
Zeit bekommen zur Regenerierung, vielleicht nach dem Motto: „Hole dir deine
Gesundheit wieder.“
Wenn wir uns vor dem Urlaub wünschen: „Erhol dich gut!“ dann
verbinden wir damit den Wunsch nach einer Regeneration. Das setzt ja voraus,
dass der entsprechende Mensch tatsächlich krank war oder eine anstrengende
Phase hinter sich gebracht hat.
Es wäre schön, wenn wir auch die Arbeitsphasen im Leben so
gestalten, dass wir nicht erholungsbedürftig werden. Interessanterweise
sprechen wir auch nicht von Erholungsbedürftigkeit nach einem anstrengenden
Sport. Ein anstrengender Sport führt zur Erholung und eine anstrengende Arbeit
zur Erholungsbedürftigkeit.
Ich glaube, da stimmt was nicht.
Statt „Erholung“ rede ich lieber von „Pause“. Untersuchungen
zeigen, dass wir Menschen uns nur 90 – 120 Minuten konzentrieren können und
dann eine Unterbrechung brauchen. Einfach für ein paar Minuten nichts tun und Körper
und Geist zur Ruhe kommen lassen. Wenn wir am Tag genug pausieren, wird der
Urlaub nicht zu einer Art selbstfinanzierter Reha Maßnahme. Der Urlaub wird zur zweckfreien Zeit und zu
einer ausgedehnten Pause.
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Dienstag, 24. März 2015
Werde wesentlich
Auch diesen Vers habe ich gefunden bei Angelus Silesius im
„cherubinischen Wandersmann.“
„Mensch, werde wesentlich; denn wenn die Welt vergeht,
So fällt der Zufall weg, das Wesen, das besteht.“
Es gibt das „Wesen“ und das,
was „dazu fällt“. Es gibt einen
unzerstörbaren Kern, und es gibt die vergängliche Geschichte. Es geht etwas und
es bleibt etwas. Jeden Tag fällt uns etwas zu. Ein Mensch kreuzt unseren Weg,
wir sitzen am Frühstückstisch, wir erledigen die Alltagsgeschäfte. Wir regen
uns auf, wir werden erschüttert. Wir geben den „vorübergehenden“ Erlebnissen
unendlich Bedeutung. Nicht zuletzt besetzen uns manche Ereignisse so stark,
dass wir über Jahre traumatisiert werden.
„Mensch, werde wesentlich!“ Das, was wir erleben soll uns
dazu dienen, dass wir daran wachsen und reifen. Häufig bleiben wir jedoch bei
den Dingen stehen und nicht beim Wesentlichen.
Als Kind kommst du z.B. zu deiner Mutter und beschwerst
dich: „Mama, der Bernd hat mich gehauen!“ Dann hörst du deine Mutter sagen:
„Ach du Armer, das hat er bestimmt nicht mit Absicht gemacht.“ „Doch, hat
er...!“ Ihr Beide bleibt in der Szene, bis sie sich irgendwann friedlich oder
sonst wie auflöst.
Sinnvoll ist es, wenn du dich irgendwann als Erwachsener mit
den dahinter verborgenen Themen auseinandersetzt. Wie erlebst du den Umgang mit
Macht und mit Gewalt? Wie gehst du um mit Schmerzen, Kränkungen und
Ablehnungen? Wer ist dieses „Du“, dass das da gerade erlebt? Wenn du das
machst, trägst du etwas dazu bei, wesentlich zu werden.
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Montag, 23. März 2015
Angeschlagenes Geschirr hält gut zwei Menschenalter. (aus Russland)
Ich
hänge an meinen Töpfen, an meinem Geschirr, an meinem Besteck. Ich
brauche nicht alle Jahre davon etwas Neues. Neues Geschirr im Laden
lacht mich nicht an. Ich gehe gleichgültig daran vorbei. Mit meinen
Tellern und Tassen bin ich sehr zufrieden. Die Tassen sind schlicht, sie
sind rundum dicht und halten jede Flüssigkeit. Auf den Tellern passt so
viel, dass ich locker davon satt werden kann. Mein Geschirr lässt sich
gut spülen und ist äußerst pflegeleicht. Auch die Jahre im
Geschirrspüler haben sie schadlos überstanden. Die Teller haben noch
keine einzige Macke, denn ich bin sorgfältig damit umgegangen. Nach so
vielen Jahren mute ich dieses Geschirr auch meinen Besuchern zu. Bislang
hat sich noch niemand darüber beschwert und alle essen brav von diesem
Geschirr ohne Anzeichen von Ekel oder Ablehnung.
Zugegeben, die eine oder andere Tasse ist nicht mehr ganz heile. Von zwölf Tassen sind drei angeschlagen, wie man so schön sagt. Ich habe sie nicht nach hinten gestellt. Ich entscheide nach dem Zufallsprinzip. So müssen auch Gäste aus diesen Tassen trinken. Mir fällt das nicht einmal mehr auf. All dieses Geschirr gehört zu mir und ich habe mir fest vorgenommen, sie bis zum letzten Tag meines Lebens zu benutzen. Meine Möbel halten nicht so lange aus. Stoffe verschleißen sichtbarer als Porzellan.
Wir werfen viel zu früh viel zu viel weg. Trödelmärkte machen mich traurig. Da stehen all die Dinge, die angeschlagen und aussortiert sind. Ich will sie nicht haben, denn ich bin mit meinen Dingen ganz zufrieden. Ich möchte sie auch nicht zum Trödel bringen. Wenn ich diese Welt verlasse mögen meine Erben entscheiden, ob mein Geschirr noch taugt für ein weiteres Menschenalter.
Mein Geschirr ist zuverlässiger als meine Berufslaufbahn und meine Beziehungen. Sie sind treuer als das Geld auf meinem Konto und meine zunehmenden Alterskennzeichen. Sie stehen gleichmütig und treu in ihrem Schrank und warten auf den nächsten Einsatz, ohne Klage und ohne sich über das Alter zu beschweren.
Sie sind es sogar wert, darüber zu meditieren und darüber in eine Meditationshaltung zu kommen. Das ist ein wichtiger Aspekt: Es geht mir um das Würdigen, Werschätzen und Anerkennen. Wer dem angeschlagenen Geschirr noch zwei Menschenalter schenkt, dem kann man sich gut mit seinen Sorgen anvertrauen. Der wird sorgsam und liebevoll damit umgehen.
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Zugegeben, die eine oder andere Tasse ist nicht mehr ganz heile. Von zwölf Tassen sind drei angeschlagen, wie man so schön sagt. Ich habe sie nicht nach hinten gestellt. Ich entscheide nach dem Zufallsprinzip. So müssen auch Gäste aus diesen Tassen trinken. Mir fällt das nicht einmal mehr auf. All dieses Geschirr gehört zu mir und ich habe mir fest vorgenommen, sie bis zum letzten Tag meines Lebens zu benutzen. Meine Möbel halten nicht so lange aus. Stoffe verschleißen sichtbarer als Porzellan.
Wir werfen viel zu früh viel zu viel weg. Trödelmärkte machen mich traurig. Da stehen all die Dinge, die angeschlagen und aussortiert sind. Ich will sie nicht haben, denn ich bin mit meinen Dingen ganz zufrieden. Ich möchte sie auch nicht zum Trödel bringen. Wenn ich diese Welt verlasse mögen meine Erben entscheiden, ob mein Geschirr noch taugt für ein weiteres Menschenalter.
Mein Geschirr ist zuverlässiger als meine Berufslaufbahn und meine Beziehungen. Sie sind treuer als das Geld auf meinem Konto und meine zunehmenden Alterskennzeichen. Sie stehen gleichmütig und treu in ihrem Schrank und warten auf den nächsten Einsatz, ohne Klage und ohne sich über das Alter zu beschweren.
Sie sind es sogar wert, darüber zu meditieren und darüber in eine Meditationshaltung zu kommen. Das ist ein wichtiger Aspekt: Es geht mir um das Würdigen, Werschätzen und Anerkennen. Wer dem angeschlagenen Geschirr noch zwei Menschenalter schenkt, dem kann man sich gut mit seinen Sorgen anvertrauen. Der wird sorgsam und liebevoll damit umgehen.
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