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Dienstag, 19. November 2013

Das Herz sieht weiter als...

So lautet ein Spruch aus Zentralafrika: "Das Herz sieht weiter als das Auge." Exupery sagt es ähnlich: "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar." Manche Sprüche sagen wir inzwischen so leicht dahin. Hast du es schon mal probiert, mit dem Herzen zu sehen?
Wenn du deine Augen öffnest, dann nimmst du die Gegenstände um dich herum wahr. Du siehst Bäume, Häuser, Straßen und Menschen. Bei einer Fata Morgana siehst du auch etwas, aber deine Augen täuschen dich. Das, was du siehst, ist gar nicht vorhanden, zumindest nicht vor deinen Augen. Deine Augen sagen dir: Da ist etwas, ich kann es genau erkennen. Das gibt dir ein Gefühl von Sicherheit. Ja, da ist ein Baum. Und wenn du hingehst und ihn anfasst, bekommst du deine Bestätigung. Auch deine Hände teilen dir mit: Ja, das ist wirklich ein Baum.
Wenn da nur nicht die optischen Täuschungen wären? Wiegen deine Augen dich nur in Sicherheit? Ist da in Wirklichkeit vielleicht gar nichts? Die Augen gaukeln dir Sicherheit vor. Deine Augen können vor allem nur bis zum Horizont sehen. Sie sehen einen kleinen Ausschnitt der Wirklichkeit.
Wenn du deine Augen schließt, dann siehst du noch immer! Du siehst mit deinem Bewusstsein die ganze Welt, den Mond, die Sterne, die Planeten, alle Menschen und alle Tiere auf der Welt. Mit den "Augen des Herzens" kannst weiter sehen als das Auge. Mit den "Augen des Herzens" kannst du dich verbinden mit allen Menschen, die du liebst und die dich lieben. Mit dem Herzen kannst du eine tiefere Schicht der Wirklichkeit "sehen" und wahrnehmen.
Normalerweise sind wir mit unserer Wahrnehmung im Kopf, dort wo die Augen sitzen in der Nähe unseres Verstandes. Wir nehmen die Dinge von dieser Stelle oben im Kopf aus wahr. Du könntest dir jetzt vorstellen, wie diese inneren Augen nach unten wandern in die Herzgegend. Jetzt nimm einmal alles von dieser Position aus wahr. Das geht nicht mit den leiblichen Augen, sondern nur mit den Herzensaugen. Von dort aus wird die Welt auf einmal viel größer und weiter.
Die Bibel erzählt uns, dass Gott uns nach seinem Ebenbild geschaffen hat. Vielleicht ist die Sichtweise vom Herzen her die Art, wie Gott wahrnimmt und sieht. Wir können es ihm gleich machen. Oft sind wir leider die wenigen, aber entscheidenden Zentimeter vom Herzen entfernt im Kopf bei unseren leiblichen Augen.
Manchmal verhindern unsere Augen den Gang zum Weg zum Herzen. Vom Kopf zum Herzen musst du nur rutschen. Vom Herzen zum Kopf hast du einen steilen Weg. Manchmal wundere ich mich über uns Menschen, dass wir uns für den schwereren Weg entscheiden. Also: "Das Herz sieht weiter als unser Auge."

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Freitag, 1. November 2013

Mensch ärgere dich nicht!

Du hast im Spiel mit dem Würfel deines Lebens eine Sechs gewürfelt und kommst optimal heraus. Es läuft rund. Alles, was du anpackst, wird etwas. Du bist vollkommen auf dein Ziel ausgerichtet und gehst unbeirrt deine Bahn. Zugleich bist du allerdings innerlich angespannt. Je näher du deinem Ziel kommst, desto mehr Sorgen breiten sich in deinem Inneren aus. Wird dein Glück reichen? Kommst du an? Hoffentlich wird beim Schlussspurt nichts schlimmes geschehen! Deine innere Anspannung steigt.
Und - in dir verändern sich unbermerkt und nach und nach deine Einstellungen zum Leben, deine Leichtigkeit und Gelassenheit. Du erinnerst dich kaum noch an die Anfangsfreude, als alles so glatt lief. Längst hat die Anspannung, die Sorge und die Ahnung einer sich nähernden Katastrophe alle Energie geraubt.
Dann geschieht, was du schon vorausgeahnt oder vielleicht selber kreiert hast. Da kommt plötzlich jemand von hinten und fegt dich aus dem Weg. Es reicht ihm nicht aus, dich zu überholen und einen hämischen Blick zurückzuwerfen. Er muss dich in die Knie zwingen und dich dazu bringen, wieder von vorne zu beginnen. Und das so kurz vor dem Ziel! Der vernichtende Blick im Vorbeiziehen wäre allein schon genug gewesen. Aber das reichte dem Gegner nicht aus. Er musste dich in den Staub stoßen, hinunter in den Abgrund.
Du stehst wieder am Nullpunkt und fängst von vorne an. Dabei schaut dich die ganze Zeit über der Schriftzug auf dem Spielebrett an: "Mensch ärgere dich nicht!" Du ärgerst dich und zwar mehrfach! Über dein Pech, über das Glück des anderen, über deine scheinbar falsche Strategie, über deinen eigenen Ärger, darüber, dass du wieder von vorne beginnen musst usw.
Irgendwann wird dir jedoch bewusst: Hey, es ist ein Spiel! Es ist nur ein Spiel! Und, wenn du diese Erfahrung auf das Leben überträgst? Im Leben ist es nicht so?! Doch, wenn du ehrlich bist - im Leben ist es durchaus manchmal so. Nicht immer so krass, aber in den Grundzügen wird es dir immer wieder geschehen, dass du gut unterwegs bist und dann fällst. Dass du wieder aufstehen musst und weitergehst.
Im Vorgang des Spielens wächst deine Erfahrung und deine Kraft, das Leben besser annehmen zu können. Wenn du im Spiel öfter gefallen und wieder aufgestanden bist, hast du alle Gefahren und Hindernisse mit den damit verbundenen Gefühle schon mehrfach durchlebt. Vor allem die traurigen und ärgerlichen Gefühle konnten sich einmal richtig austoben und verloren ihre Schrecken.
Im "Mensch-ärger-dich-nicht-Spiel" wird dir bewusst, dass du spielst. Jetzt denke noch einmal einen Schritt weiter. Und wenn dein Leben auch nur ein Spiel ist? Ein großes Spiel? Ein heiliges Spiel? Zwar ein ernsthaftes Lebensspiel, aber eben doch nur ein Spiel?
Wenn ich Kinder beobachte, dann stelle ich fest, dass sie im Erleben keinen Unterschied machen. Ihr "ernstes" Leben ist ein fortwährendes Spiel. Ob mit Bauklötzen oder mit dem Essen oder miteinander reden - alles im Kind spielt.
Zurück zum "Mensch ärgere dich nicht". Ist dir folgendes klar? Du kannst jederzeit aus dem Spiel aussteigen und es beenden. Das Spiel spielt nicht mit dir, DU spielst es! Du kannst jederzeit ein anderes Spiel beginnen. Du hast die Freiheit! Werde dir dieser Freiheit bewusst! Wenn du dir dieser Freiheit bewusst bist, wirst du anders spielen als bislang. Nicht mehr so verbissen, nicht mehr so auf Sieg.
Heute ist ein Feiertag. Allerheiligen! Der Beginn des sogenannten Totenmonats November; Einstieg und Ausstieg in das Ende von Allem und zugleich der große Neubeginn - ein Wendepunkt. Ein Feiertag bietet die Möglichkeit zum Ausstieg aus dem Spiel, aus den vielen Lebensspielen! Mach eine Pause von den vielen "Lebensspielen"! Ich sehe was, was du nicht siehst? und das... heißt Himmel! 

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Montag, 29. Juli 2013

Konfrontation mit dem Nickneger

Bis vor Kurzem besaß ich eine Figur, die in früheren Zeiten an der Krippe stand. Diese Figur hatte auch einen Namen: Nickneger. Ich schreibe dieses Wort nicht in Anführungsstrichen, auch wenn es mir total gegen den Strich geht. Das Wort ist diskriminierend, die Figur ist diskriminierend, der Spruch dazu ist diskriminierend und die Absicht, die diese Figur verkörperte ist auch diskriminierend. An der Krippe warf man dem Nickneger ein Geldstück in den Hut. Das Geld war gedacht für die Aufgaben der Mission Zum Dank nickte er stellvertretend für alle Heidenkinder dieser Welt. Für das Nicken sorgt ein verborgener Mechanismus im Inneren der Figur. Der fromme Geldeinwerfer las den Spruch dazu: "Ich war ein armer Heidensohn, jetzt kenn ich meinen Heiland schon. Und bitte darum jedermannn: Nehmt euch der armen Heiden an."
Mein Nickneger verbringt sein Leben jetzt in einer Kiste. Ich packe sie nur zu Demonstrationszwecken aus. Diese oder eine ähnliche Figur stand in der Vergangenheit völlig legal und ohne Skrupel an den großen Kirchenkrippen. Gott sei Dank sind wir vorsichtiger und respektvoller geworden mit dem Glauben anderer Menschen. Es ist gut, dass unser Bewusstsein dafür wächst, mit Wörtern wie Neger, Heiden und Mission anders umzugehen.
Dennoch ist der Nickneger Zeitzeuge einer überholten Vorstellung einer alten Welt, einer christlichen Welt, einer Welt, die unterteilte in Gläubige und Heiden, in Entwickelte und Unterentwickelte. Beim Betrachten dieser Figur kommt bei mir Scham hoch. Ich würde sie nie in eine Vitrine stellen. Zugleich frage ich mich, wie wir heute mit Menschen umgehen, die anders sind als wir. Gibt es das heute auch noch, dass wir Menschen zu unseren Nicknegern machen? Ich tue dir gutes und sei bitteschön auch dankbar dafür.
"Ich war ein armer Heidensohn". Niemals warst du arm! Du warst reich gesegnet mit Kultur, mit Lebensfreude mit Liebe und allem, was der Mensch benötigt.  Niemand braucht sich deiner anzunehmen. Du besitzt deine eigene Würde wie jeder andere Mensch auch!

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Dienstag, 11. Juni 2013

Kinder, die was wollen...

 Ich dachte, der Spruch sei ausgestorben. "Kinder, die was wollen, kriegen was auf die Bollen." Wie so häufig, mache ich interessante Erfahrungen im Supermarkt. Dort sagte ein kleiner Junge zu seiner Mutter: "Mama, ich will ein Eis!" Doch Mama hatte den Spruch drauf. Kinder, die was wollen,... Wunderbar! Das erspart jede weitere Diskussion. Eis gibt es nicht! Fertig! Mama hatte keine Lust auf weitere Diskussionen und Wünsche. Sie war genervt. Vielleicht hatte der Junge ja schon vorher andere Wünsche geäußert, die ich nicht mitbekommen hatte. Ich hörte nur den Spruch: Kinder, die was wollen...
Ich hätte mich gefreut, wenn Mama gesagt hätte: "Junge, ich sehe deinen Wunsch zwar, aber heute bekommst du kein Eis. Ich möchte mich jetzt um unsere Einkäufe kümmern. Morgen kannst du noch mal fragen. Aber jetzt in diesem Augenblick nicht!" Der Spruch mit den Bollen greift tiefer als man denkt. Es spricht den Kinder ab, einen Willen zu haben. Der Wille ist wichtig, die Wünsche und Bedürfnis, die damit verbunden sind, auch. Ich bin mit diesem Spruch groß geworden. Kinder hatten nichts zu wollen und zu wünschen sondern dankbar zu sein für das, was da war. Die Eltern bestimmten, was für uns Kinder gut und richtig war. Wir waren als Kinder unmündig. Das wir damals noch nicht so erfahren waren wie Erwachsene, das kann ich teilen. Aber das mit dem Absprechen meines Willens, das kann ich nicht teilen.
Zunächst geht es doch darum, die Wünsche und Bedürfnisse wahrzunehmen und auszudrücken in der Hoffnung, einfach zunächst mal gehört zu werden. Wie sollen Erwachsene ihre Bedürfnisse kennen, wenn diese als Kinder schon im Keim erstickt wurden. Nicht jeder Wunsch muss sofort erfüllt werden! Aber da sein dürfen!
Das bekannte Sprichwort steigert die vorhandenWünsche auch noch mit einer Strafandrohung. Hör auf zu wollen, sonst sind die Oberschenkel dran! Warum wohl die "Bollen?" Wegen des Reimes? Wenn ich auf die Hinterseite der Oberschenkel schlage, geht der Mensch in die Knie. Geht es also doch um die Brechung des Willens?
Willenlose Menschen sind leichter zu händeln, aber nur auf den ersten Blick. Willenlose Menschen haben es schwerer, im Leben zurecht zu kommen. Solange sie klein sind, können die Eltern ja die Konsequenzen ihrer Erziehung tragen und das Wünschen und Wollen übernehmen. Aber wehe, aus den Kindern werden Erwachsene. Es dauert, bis der verschüttete Wille aus der Kindheit wieder auftauchen darf! Ich möchte den Spruch verändern in: "Kinder mit einem starken Willen sind besser in der Lage, für ihre eigenen Bedürfnisse zu sorgen."

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Montag, 27. Mai 2013

Wenn der Flügel nur herumsteht!

Als wir in dieses Haus einzogen stand da noch ein alter schwarzer Flügel in der Diele. Niemand wollte ihn haben, die Tochter der verstorbenen Frau nicht und auch ncht die Musikschule. Der Flügel war verstimmt und einige Hundert Euro Investitionskosten hätte es schon gebraucht.
Ich besitze eine Klarinette aus dem "Baujahr" 1911. Ungefähr fünf Jahre lang habe ich dieses Instrument gespielt. Seit jetzt mehr als 20 Jahren liegt es im Köfferchen und ab und zu schaue ich mal rein. Ein alter Flügel und eine betagte Klarinette, die nicht mehr gespielt werden. Zum Glück "funktioniert" meine Klarinette noch.
Viele Menschen erzählen mir ähnliches: Ich habe mal gestrickt vor langer Zeit. Ich konnte mal richtig gut Tennis spielen. Ich war mal Leistungsschwimmer! Generationen von Blockflötenspielern sind in unserem Land großgeworden. Wo mögen diese Flöten nun liegen? Viele von uns investieren in der Kindheit in eine Fähigkeit und in ein Talent, das irgendwann nicht mehr gepflegt wird. Vielleicht steckten dahinter nur die verborgenen Wünsche unserer Eltern. Sie wollten mal musizieren und durften das nie.
Manchmal haben wir uns aber einfach nur weiterentwickelt und das, was wir früher mochten, ist heute nicht mehr dran. Aber wir schleppen die Dinge aus der Vergangenheit noch mit uns herum. Hast du mal deinen Keller, die Schränke oder den Dachboden durchforstet nach Relikten aus deiner Vergangenheit? Konntest du dich von ihnen trennen?
Manche sagen mir: Ich könnte ja mal wieder... Ich würde ja gerne mal wieder... aber! Eines ist klar! Wenn du zu viele Relikte aus der Vergangenheit mit dir herumträgst, kann dein Inneres schnell zu einem Friedhof werden. Räum mal auf und wirf weg oder verschenk, was du nicht mehr brauchst! Du wirst merken, so kann auch Neues zu dir kommen!

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