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Freitag, 5. August 2022

Abenteuer Leben Nr. 5: Wenn es nichts mehr zu tun gibt


Rahel Varnhagen von Ense wurde gefragt: "Was machen Sie?"  Sie antwortete: "Nichts. Ich lasse das Leben auf mich regnen."  Ich habe einmal einen Film über die Yanomami gesehen. Das kam mir so ursprünglich vor. So nah bei sich selbst, bei der Natur und bei den Menschen. So stelle ich mir das Leben im Paradies vor. Das Leben bestimmt von selbst die Themen. Wenn ich Hunger habe esse ich. Wenn ein Mensch da ist bin ich gemeinsam mit ihm. Wenn die Sonne scheint halte ich den Bauch da hin.Wenn ich das wirklich so täte! Ich esse wenn ich keinen Hunger habe und kann mit Menschen nicht gut zusammen sein. Ich schütze mich vor der Sonne wenn sie kommt und sehne sie herbei, wenn sie sich nicht blicken lässt.
"Was machen Sie?" - "Nichts." Ich mache immer etwas. Ich achte darauf, immer alles richtig zu machen. Im richtigen Rhythmus und zur richtigen Zeit. Ich führe dadurch ein anstrengendes Leben. Das Nichts leiste ich mir nicht einmal im Urlaub. Höchstens mal für einen Tag oder für eine Stunde. Frau Varnhagen von Ense lässt das Leben auf sich regnen. Sie setzt sich dem Leben aus. Sie muss da nicht extra was machen. Vielleicht geht sie auf die Straße und dann begegnen ihr schon die Themen. Ein Hund, eine Sonne, ein Hunger, eine Lust! Vielleicht ist es möglich, auch heute in der Zivilisation wie ein Yanomami zu leben. Im Einklang mit sich, mit den Menschen, mit der Natur. Der Regen ist da und ich auch. Einfach zulassen und nichts weiter machen. Darin liegt schon genug Stoff für das Leben.
Wie sähe dein Leben aus, wenn es nichts mehr zu tun gäbe? Dahinter steckt für mich der Gedanke des "Müssens". Mein Leben als einen Ablauf von Zwängen. Eine Sklavenidentität. Jemand befiehlt und ich gehorche. Einem Vorgesetzten oder einer inneren Stimme. Wenn es nichts mehr zu tun gibt, dann hören die Stimmen auf, die da "müssen" rufen. Dann kann ich tun ohne dass ich denke, dass ich was tue. Dann würde mir jemand sagen: "Ständig tust du etwas!" Und du würdest antworten: Wirklich? Kommt es dir so vor? Ich fühle mich völlig tiefenentspannt. So, als hätte ich schon lange nicht mehr etwas getan."
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Donnerstag, 4. August 2022

Abenteuer Leben Nr. 4: Wenn du bereit bist zu sterben



Wovor fürchtest du dich? Vor Spinnen, vor Enge, vor Menschen, vor Kritik, vor Arbeitslosigkeit, vor Armut? Die meisten Menschen haben vor irgendetwas Furcht. Wobei für mich da im Moment kein großer Unterschied besteht zwischen Furcht und Angst. Die Angst ist das Grundgefühl und die Furcht bezieht sich auf etwas Reales.
Hinzu kommt in der Regel oft die Angst davor, dass die Angst auftaucht, sozusagen eine Potenzierung dieses Gefühles. Die Furcht erscheint uns wie ein Gespenst, dem wir aus dem Weg gehen. Es wirkt bedrohlich und unsere Angst kann ins Unermessliche wachsen. Sie kann sogar lebensbedrohlich werden. Hinter den meisten Ängsten steckt die Frage nach dem Tod. Die Spinne kann beißen und ich werde vergiftet. In der Enge schnürt es mir die Luft ab und ich werde sterben. Ich werde arbeitslos, habe kein Geld mehr und muss verhungern. Menschen können mir Gewalt antun und mich töten.
Das Entscheidende dabei ist: Alles findet in meiner Phantasie statt. Ich entwickle Bilder davon. Nur selten ist die Bedrohung real. Wenn meine Furcht "nur" ein Gespenst ist, dann kann ich es mir doch einmal anschauen. Wenn du deiner Angst in die Augen schaust, was geschieht dann? Als Kinder haben wir uns im Umgang mit dem Schrecken eingeübt. Wir haben uns versteckt und die Erwachsenen haben uns gesucht. Wenn sie uns gefunden haben, dann haben sie "Buh" gemacht, wie ein Gespenst. Als Kinder haben wir das Erschrecken gespielt und vor Furcht gejuchzt. In der Beratung lade ich oft ein, in die Angst hineinzugehen, sie anzuschauen, sich mit ihr vertraut zu machen. Manchmal frage ich auch: "Bist du bereit zu sterben?"
Mir erzählte eine Freundin von der Erfahrung im Hochseilgarten. Da gab es einen Abschnitt, da musste man springen. Sie musste die Angst vor dem Abgrund überwinden. Ihr half die Einstellung: "Ich springe und wenn ich sterbe dann wars das eben. Mein Leben war schön!"
Leider gibt es keine dauerhafte Befriedung der Angst. Sie kommt auf einem anderen Weg wieder zu dir. Sie bleibt ein Teil von dir solange du lebst - eben so lange du lebst. Wenn du stirbst vergeht die Angst. Die Angst gehört zum körperlichen Leben.
Wenn du bereit wärest zu sterben - wie sähe dann dein aktuelles Leben aus? Was würdest du anders machen? Würdest du bestimmte Situationen aushalten oder ganz schnell verändern? Wenn du bereit bist zu sterben hat niemand mehr Macht über dich! Wie sähe dein Leben aus, wenn du in deine eigene Macht kommst? Stelle dich doch mal vor deinen Spiegel und schau dich an: "Ich bin bereit zu sterben. Jetzt kann kommen, was wolle!" Ich höre gerade deinen Protest: "Das wäre ja wie Kamikaze! Wenn das jeder täte, wäre die Welt eine Hölle!" Darum ergänze ich meinen Satz vor dem Spiegel noch: "Ich bin bereit zu sterben und gehe voll in das Risiko der Liebe!"
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Mittwoch, 3. August 2022

Abenteuer Leben Nr. 3: Wenn du keine Sicherheit mehr brauchst

Manchmal triffst du eine Entscheidung und kannst sie nicht umsetzen, weil dein Bedürfnis nach Sicherheit nicht erfüllt wird. Es existieren zu viele Unsicherheitsfaktoren. Du möchtest abnehmen aber du weißt nicht zu hundert Prozent, ob deine Maßnahmen sinnvoll und richtig sind. Du hast so viele unterschiedliche Meinungen gelesen. Der eine sagt dieses, der andere sagt etwas ganz anderes. Bei dir bleibt in Gefühl der Unsicherheit zurück. Dabei kann der Kopf das Terrain abklopfen und behaupten, dass alles abgesichert sei. Der Arzt gibt sein Einverständnis, die Krankenkasse bezahlt, ein halbes Duzend Bücher sprechen eine Empfehlung aus. In dir ertönt eine Stimme: „Es ist nicht sicher!“ Diese Stimme ist nicht mit 99 % Sicherheit zufrieden. Es möchte wirklich 100 %. Und weil diese Stimme es für unmöglich hält, je auf hundert Prozent überhaupt zu kommen bleibt die Unsicherheit - egal wie sehr du dich auch abmühst.

Du kannst zwar den Satz umwandeln in „Es ist sicher!“ weil du alles geprüft hast. Aber dein inneres System glaubt dir nicht. Welche Alternativen gibt es? Aus der energetischen Psychotherapie, der „Klopftherapie“ gibt es den wertvollen Hinweis, mit diesen unsichtbaren Faktoren aktiv zu arbeiten. Du nimmst den Satz: „Auch wenn es nicht sicher ist bin ich in Ordnung so wie ich bin.“ Damit schickst du deinem Unterbewusstsein eine Botschaft. Mach dich nicht selbst fertig, wenn es sich unsicher anfühlt. Das ist jetzt so. Das heißt aber nicht, dass etwas mit dir nicht stimmt. Im Gegenteil! Du bist in Ordnung! Du musst nichts!

Wie sähe dein Leben aus jenseits eines Sicherheitsdenkens? Bist du auch noch geprägt von den Ängsten deiner Eltern und Großeltern. Hast du auch das Gefühl, dass jederzeit ein Krieg ausbrechen könnte? Eine Inflation? Eine Katastrophe? Die Medien schüren gerne dieses Feuer. Und wir setzen uns diesem Feuer aus.

Wie sähe dein Leben aus, wenn du vollkommen vertrauen würdest. Wenn du aus deinen Zellen die Ängste deiner Eltern und Großeltern herausklopfen könntest. Wenn dir bewusst wäre, dass dein Körper immer noch im Alarm- und Kriegszustand wäre. Wenn du alles herauszittern würdest wie ein Vogel, der sich erschrocken hat? Du wachst auf und wunderst dich, dass du im Paradies bist. Äußerlich hat sich nichts geändert, aber deine Art und Weise, auf dieser Welt da zu sein. Wie sähe dein Leben aus, wenn das Wort "Sicherheit" ein Fremdwort wäre, das du nicht verstehst!

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Dienstag, 2. August 2022

Abenteuer Leben Nr. 2: Wenn du kein Ziel mehr verfolgst



Abenteuer Nr. 2: Wenn du kein Ziel mehr verfolgst

Ständig haben wir Ziele, die wir verfolgen. Hörst du die versteckte Wahrheit? Ziele verfolgen! Das Ziel ist auf der Flucht vor dir und du verfolgst es. Du legst darum deine ganze Anstrengung in diesen Akt. Was ist, wenn das Ziel verschwindet? Was ist, wenn das Ziel sich vor dir versteckt oder die Flucht gelingt? Dann suchst du verzweifelt dein Ziel, das du aus den Augen verloren hast. Ja, du kannst dich damit trösten, dass der Weg das Ziel ist. Ein hilfreicher spiritueller Gedanke.
Welche Ziele verfolgst du gerade? Möchtest du einen Abschluss machen einer Ausbildung? Ein Haus bauen? Ein neues Auto kaufen? Zu einem Fest deine Familie einladen und mit einem Festmahl beglücken? Verfolgst du ein Ziel oder mehrere? Wenn du nur ein Ziel verfolgst dann hast du es leichter bei deiner "Verbrecherjagd" ;-) Aber wenn du viele Ziele verfolgst, dann hast du eine anstrengende Zukunft vor dir!
Stell dir doch einmal vor, dass du kein Ziel mehr verfolgst. Für einen Moment! Wird dein Leben langweilig? Ohne Inhalt? Ohne Identität? Ohne Kraft? Was geschieht, wenn du das machst. Du steichst alle Ziele und verfolgst keines mehr. Vielleicht tauchen dann neue Fragen auf: Wer ruft mich eigentlich, dieses Ziel zu erreichen? Wozu ist es gut? In welcher Art und Weise "verfolge" ich eigentlich meine Ziele? Möchte ich verfolgen, erreichen, erschleichen, erwandern oder doch lieber erzaubern oder erwundern? Könnte das Ziel nicht auch auf dich zukommen? So heißt es doch auch in einem irischen Segensspruch: "Möge die Straße dir entgegenkommen." Straßen sind doch starr, wie Ziele, oder?
Mir gefällt die Vorstellung, dass das Ziel mir entgegenkommt. Dann hört die einseitige Arbeit und die Verfolgung auf. Die Polizei bittet ja auch die Verbrecher, sich freiwillig zu stellen. Das erleichtert deren Arbeit und die Strafe fällt milder aus.
Was geschieht mit dir, wenn du überhaupt kein Ziel mehr verfolgst? Leere? Freiheit? Abwehr? Oder beginnt dann erst das Abenteuer Leben?
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Montag, 1. August 2022

Abenteuer Leben Nr. 1: Wenn das Fremde verlockt!


Abenteuer Nr. 1: Wenn das Fremde verlockt

Als wir auf die Welt kamen waren wir noch mit allem verbunden. Wir kamen aus dem göttlichen Licht und dem wohligen Bauch unserer Mutter. Wir kuschelten uns ein in die Häute von Eltern und Babydecke. Und irgendwann fing das an, was die Erwachsenen "fremdeln" nannten.
Da tauchte auf einmal etwas auf, was uns fremd vorkam. Etwas, das uns verunsicherte. Etwas, das uns ängstigte. Da fühlten wir uns hilflos, ausgeliefert, unwohl. Wir merkten, dass es neben dem Vertrauten etwas gab, das nicht zu unserem System gehörte. Hier bin ich zuhause und jenseits in der Fremde muss ich Angst haben. Im Prinzip hören wir ab dem Zeitpunkt mit dem Fremdeln nicht mehr auf. Wir lernen, damit umzugehen.
Beobachte doch einmal dein eigenes Fremdeln. Du kommst in einen Laden, in dem du noch nie warst. Du hast ein Vorstellungsgespräch und kennst den Personaler nicht. Du gehst in ein Restaurant und sollst dir unbekannte Speisen bestellen. Du sprichst einen Menschen auf der Straße an und fragst nach dem Weg. Gelingt dir das ohne eine innere Hürde? Ohne Herzklopfen? Machst du das völlig cool und gelassen in totalem Vertrauen?
Ich gehöre zu denen, die sich immer wieder überwinden müssen. Das wird ab heute anders. Ich entscheide mich für ein adventliches Abenteuer. Heute lebe ich. Heute fahre ich in die Stadt und frage einen Fremden nach dem Weg. Auch wenn ich den schon kenne. Ich frage trotzdem. Ich fahre ein paar Meter weiter und kurble die Scheibe vom Auto wieder herunter und frage noch einmal. Auch wenn ich den Weg jetzt kenne. Ich frage, weil ich so langsam Spaß bekomme. Ich verändere meinen Glaubenssatz, dass das Fremde Angst macht.
Das Fremde ist fremd, aber muss sich nicht ängstlich anfühlen. Ich lebe doch heute. Jetzt! Ich stelle mir vor, dass ich diese Welt verlasse ohne mal etwas spannend fremdes erlebt zu haben. Ich könnte ja auch mehr riskieren als nur fremden Leuten nach dem Weg zu fragen. Ich öffne die Augen und schaue, was mir fremd ist. Ich werde neugierig! Das möchte ich erleben. Abenteuer Leben!
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