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Freitag, 20. Januar 2017

Eisbären sind schwarz, oder?


Seit meiner Kindheit lebe ich mit der Vorstellung: Ein Eisbär ist weiß! Oder vielleicht cremefarben! Jetzt höre ich im Radio: Die Haut des Eisbären ist tief schwarz. Wenn wir also den Eisbären rasieren würden, dann hätten wir einen tiefschwarzen Bären.
All die Jahre hat der Eisbär mich an der Nase herumgeführt. Er hat mir suggeriert, wie schön weiß er ist und wie er sich der Schneelandschaft anpasst. Filme, Photos, Postkarten, Knut, Zoobesuche: Alle sagen mir: Eisbären sind weiß! Weiß! WEISS!
Meine Augen haben mich getäuscht. Ich kann mir auch keinen schwarzen Eisbären vorstellen. Dann wäre es ja ein Schwarzbär. Es kann nicht sein, oder? Eisbären sind nicht wirklich schwarz. Das ist eine Erfindung! Wie mit der Yuccapalme! Da werden auch Geschichten erzählt, die ich glauben soll. Ich denke da an dieser Geschichte mit der Frau und ihrem Hund im chinesischen Restaurant. Wo die Frau auf den Hund zeigt, dass der auch etwas zu fressen bekommen soll. Und wie der Kellner mit dem Hund in die Küche geht, dann die Frau bedient und als die Frau das Essen bezahlen und den Hund wieder mitnehmen möchte erfährt, dass sie den Hund doch soeben aufgegessen hat. Das war bestimmt auch so eine Yuccapalmengeschichte. Das mit dem Eisbären ist so ähnlich gestrickt.
Nein, ich schau der Tatsache ins Auge! Eigentlich hatte ich mich schon immer gewundert warum das Weiß des Eisbären manchmal so schmutzig auf mich wirkt. Jetzt habe ich endlich eine Erklärung. Mein Unterbewusstsein hat es immer schon gewusst. Unter dem weißen Kleid verbirgt sich ein Geheimnis.
Hast du im Leben schon öfter mal solche Erfahrungen gemacht. Du warst felsenfest von etwas überzeugt. Es kam dir gar nicht anders in den Sinn und plötzlich erzählt dir jemand was vom Pferd, so sagen wir dann ja leichthin: "Erzähl mich doch nichts vom Pferd!" Dir prägen sich feste Bilder und Vorstellungen in deinem Hirn ein und du hältst diese Wahrheit für unumstößlich. Wenn du im Laufe des Lebens viele solcher unumstößlichen Wahrheiten gesammelt hast nennen die Leute das Altersstarrsinn. Egal was kommt, du hältst deine Wirklichkeitskonstruktion fest.
Jetzt stell dir einmal vor, das ganze Leben ist so wie mit dem Eisbären. Du siehst weiß und dahinter verbirgt sich schwarz. Deine Wahrnehmungen sind nur optische Täuschungen. Die Wirklichkeit ist anders. Früher hielten die Menschen die Erde für eine Scheibe und die Sterne waren in unerreichbarere Höhe an eine Decke geklebt.
Wir halten uns heute für aufgeklärt. Aber sind wir das? Was berechtigt uns zu dieser Hoffnung, dass wir anders gestrickt sind als unsere Vorfahren. Welche Geheimnisse verbergen sich hinter dem Sichtbaren? Du kannst davon ausgehen, dass wir mindestens so blind sind wie unsere Vorfahren. Nur die Themen haben sich geändert.
Lieber Eisbär, danke, dass meine Augen heute ein wenig geöffnet wurden und ich verzichte auf den Beweis, dich mit schwarzer Haut zu sehen. Lass es dir gut gehen in deinem weißen dichten Fell mit dem du es gut aushalten kannst in der polaren Luft. Und - einen Teil meines Lebens möchte ich damit verbringen hinter die Dinge zu schauen und meine Wirklichkeitskonstruktionen zu überprüfen.
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Donnerstag, 19. Januar 2017

Einfach mal rumsitzen?


Sei nicht so passiv!
Werde doch mal aktiver!
Du sitzt da nur herum!
Ich habe dir das doch schon so oft gesagt!
Tu endlich mal etwas!
Du bringst mich zur Weißglut!

Du machst mich ganz verrückt!
Wenn ich dich schon sehe, wie du da herumsitzt!
Ist dir denn alles egal?
Muss erste die Welt untergehen, bevor du tätig wirst?
Nur ein mal!
Nur ein mal möchte ich erleben, dass du was machst!
Und nicht nur so herumsitzt!
Wenn jeder das täte!
Wenn alle nur so passiv wären!
Wie würde die Welt dann aussehen!

Ich weiß schon nicht mehr was ich sagen soll!
Ich habe alles versucht!
Ich kann nicht mehr!
Ich gebe auf!
Ich setze mich jetzt hin und komm erst mal zur Ruhe!

So stark verbal würde ich zwar nicht reagieren, aber im Kopf manchmal so oder so ähnlich denken.

Vor einigen Tagen sagte mir jemand: "Ich pflege meine Passivität." Das hat angesichts des aufgeregten Aktionismus durchaus etwas für sich. Manche Dinge erledigen sich von selbst. Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Du bleibst in einem erholsamen Entspannungszustand und sparst Adrenalin und Cortisol. Du kannst mehrmals tief durchatmen... und dann noch einmal durchatmen. Und du kannst denken: "Angesichts der Ewigkeit ist dieses Problem doch sehr gering!"

Die Person am Aktionismus-pol provoziert geradezu eine totale Passivität beim Gegenüber. Und jemand in totaler Passivität provoziert umgekehrt den Aktionismus. Interessanterweise sprechen wir aber vom Aktion -"ismus" und nicht vom Passiv-"ismus". "Ismen" haben immer etwas negatives. Sie übertreiben. "Alkoholismus" und "Individualismus" gehören z.B. dazu. Das Wort "passiv" wird nicht mit "ismus" verbunden sondern mit "Ivität". Bei "Ivität" fällt mir ein "Objektivität" oder "Konstruktivität". Vom Wortspiel scheint "Passivität" mit der innewohnenden "Ivität" eher wertschätzend zu klingen. Nun denn, ich pflege jetzt mal die Passivität und beende diesen Text.
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Mittwoch, 18. Januar 2017

Wenn ihr mich sucht ihr findet mich im Zwiespalt

Manchmal begegne ich einer Freundin.
Ich grüße ganz freundlich und bin zugewandt.
Dann bin ich ganz da und das fühlt sich ganz schön an.

Manchmal begegne ich einer Freundin.
Ich grüße ganz freundlich und merke eine Mühe.
Ich bemühe mich, ganz da zu sein.
Und schaffe es nicht, weil ein Teil von mir woanders ist.

Ich bin bei der Arbeit, die vor mir liegt.
Ich klebe an einem Problem, das ich nicht lösen kann.
Ich bin gerade in einer Kränkung.
Ich fühle mich einfach so nicht wohl - ohne Grund.

Dann befindet sich wohl ein Teil von mir in einer Spalte.
Ich bin abgetaucht und nicht so ganz da.
Wenn ich so in einem "Zwiespalt" bin.
Dann freue ich mich, wenn mich jemand sucht und dort besucht.

Das ist dann leichter, diesen "Zwiespalt" zu verlassen.
Den Weg aus der Spalte zu finden und wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.
Wieder handlungsfähig zu sein und die Verantwortung zu übernehmen.

In der "Zwiespalte" stecke ich fest, wenn ich mich zwischen zwei Dingen entscheiden muss.
Mache ich A oder doch besser B.
Je länger ich dort stehe, desto mehr tut sich der Spalt auf.

Und? Wie lange brauchst du an der Stelle zwischen A und B bis sich der Spalt auftut?
Oder bekommst du immer noch früh genug die Kurve und bleibst handlungsfähig?

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Dienstag, 17. Januar 2017

Werde beliebt und beliebe!


Wirst du beliebt? Merkwürdige Frage, oder? Normalerweise reden wir ja davon, dass wir geliebt werden oder beliebt sind. Ich werde also geliebt. Und das ist ein wunderbares Geschenk. Das Geschenk überhaupt. Lieben und geliebt werden und in der Liebe sein.

Dennoch geht mir die Idee nicht aus dem Kopf, dass es Sinn macht, vom "belieben" zu sprechen. Wenn ich jemanden beliebe so meint das den Vorgang, Liebe auszuüben. Ich beliebe also jemanden, indem ich diesen Menschen streichle oder nette Worte sage und "bewünsche", d.h. Wünsche zufliegen lasse.

Wenn ich beliebe dann bin ich nicht nur in dem Gefühl -oder Seinszustand, sondern im aktiven Tun. Ich könnte auch lieben sagen. Das wäre das Gleiche. Aber ich behänge den Weihnachtsbaum, ich befülle eine Flasche, ich behandle einen Kranken. Das "be" drückt aus, dass ich aktiv etwas tue. Und ich finde, dass sich das ganz schön anfühlt, wenn ich beliebt werde. Ich könnte zum Beispiel auf die Straße gehen und aktiv die Menschen belieben. Ich schicke ihnen nette Gedanken. Ich strahle sie an und finde sie wunderbar. Ich stelle mir vor, wie ich gedankliche Blumen verteile aus meinem unendlichen Phantasievorrat. Ich beliebe die Welt und mache damit deutlich, wie reich die Schöpfung ist.

Gott erschuf die Welt durch das Wort. Bekannt ist der Urlaut OM. Durch das Wort wurde das Nichts beliebt und ins Dasein gerufen. Du kannst durch dein "Belieben" der Schöpfung etwas in die Welt bringen. Durch das "Belieben" schöpfst du mit. Ich kannte eine Ordensschwester, die sprach mit den Pflanzen im Haus. Sie war davon überzeugt, dass es ihnen gefällt und das Wachstum unterstützt. Sie hat mit ihren Worten die Pflanzen "beliebt". Und? Was könntest du heute mal ein wenig belieben?
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Montag, 16. Januar 2017

Glück ist wie Pupsen...

Ich lese auf meiner Postkarte den Spruch: "Glück ist wie pupsen, wenn man es erzwingt, wird es Scheiße."
Ich erinnere mich an diese Geschichte von dem chinesischen Bauern, der Samen aussäte. Als die kleinen Pflänzchen kamen dachte er, er könnte sie unterstützen, indem er ein wenig daran zog. Am Ende starben sie.
Ich kann im Leben nichts erzwingen. Weder das Glück noch das Wachstum. Dabei lese ich aber häufig auf der Stirn der Menschen: "Ich möche so gerne glücklich sein." Steht das auch auf deiner Stirn geschrieben? Was mindert dein Glück und was verstärkt es. Kannst du es beeinflussen? Kannst du zum Bäcker gehen und den Duft dort einatmen und merkst, wie du auf einmal glücklich bist?
Oder kannst du in einer schwierigen Lebenssituation dich draußen auf die Bank setzen und die Sonne auf dich einstrahlen lassen und so langsam alles wieder in Glück verwandeln?
Wie groß und stark muss es sich anfühlen dass du es "Glück" nennst? Ist es für dich schon Glück, wenn du einen Unfall vermeiden konntest? Wartest du noch auf das ganz große "Glück"? Die Liebe deines Lebens? Oder bist du sogar ein Junkie, ständig auf der Suche nach dem, was dich glücklich machen könnte?
Ich stelle mir vor, dass ich mich unabhängig davon mache. Wenn ich unbedingt glücklich sein muss, dann kommt scheinbar nichts dabei heraus. Im Mangelgefühl lechze ich nach diesem Glück und muss erleben, dass es sich einfach nicht einstellt. Wenn ich nichts erwarte sondern einfach lebe und erlebe, was da so kommt, was verändert sich dadurch? Vielleicht werde ich unabhängig vom Gefühl des Glückes oder Unglückes. Oder ich nehme es einfach an als Geschenk; das, was mich unglücklich macht und was in mir Glücksgefühle auslöst. Jetzt schließe ich die Augen und stelle mir vor, dass ich den Frühling rieche mitten im Winter... Wichtig scheint mir zu sein, nichts zu erzwingen. Sei also freundlich zu dir!
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