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Donnerstag, 28. Mai 2015

Die Kunst, aus der Schüchternheit eine Tugend zu machen!


Ein Freund sagte vor Kurzem zu mir: Ich traue mich gar nicht, dich zu fragen, ob du einmal Zeit für mich hast. Für einen Augenblick stutzte ich. Moment mal! Wie raffiniert ist das denn? Er traut sich nicht zu fragen und fragt dann doch! Sehr geschickt, auf diese Weise seine Schüchternheit zu überwinden und das zu erhalten, was man sich wünscht. Du fragst einfach, indem du nicht fragst. Das ist eine wunderbare Art, die Hindernisse und Hürden zu überwinden oder geschickt zu umgehen.
Probier es doch einmal aus!
"Ich traue mich nicht, dir zu sagen, dass ich dich liebe, weil ich nicht weiß, wie du darauf reagieren wirst. Ich könnte es nicht ertragen, wenn du einfach Nein zu mir sagst!" statt: "Ich liebe dich."
"Ich traue mich nicht, Ihrer geschickten Verkaufsstrategie jetzt am Telefon zu widerstehen. Sie könnten mir böse sein und mich beim nächsten Anruf über den Tisch ziehen." statt. "Ich möchte nichts!"
"Ich traue mich nicht, von Ihnen eine kostenloses Angebot für eine Heizung machen zu lassen, weil ich mein schlechtes Gewissen fürchte, wenn ich das Angebot nicht annehme und Sie umsonst gekommen sind." "Machen Sie mir ein kostenloses Angebot!"
Manche Dinge lassen sich nicht einfach direkt sagen, aber indirekt geht es leichter. Es ist wie mit den dicken Pillen. Schluckst du sie pur hinunter, könnten sie dir im Hals steckenbleiben. Legst du sie auf einen Löffel mit Joghurt rutscht es wie von selbst.
Überlege einmal, wie oft du am Tag indirekte Fragen stellst oder Wünsche äußerst und hoffst, der andere versteht dich. Direkte Fragen und Wünsche vermeidest du, damit du dir keine Abfuhr holst. Du sagst: "Kommt morgen nicht die Müllabfuhr" statt: "Stell doch bitte den Müll raus!" "Ist noch Tee im Schrank?" statt: "Kochst du mir einen Tee?" "Bis zum Fußballplatz ist es ziemlich weit!" statt: "Könntest du mich dahinfahren?"
Niemand mag so gerne eine Zurückweisung im Nein. Oftmals hören wir im "Nein" zu einer ganz bestimmten einzelnen Frage gleich eine grundsätzliche Ablehnung. Indirektes Fragen verkompliziert leider das Leben ein wenig es sei denn, du machst das so geschickt wie mein Freund.

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Mittwoch, 27. Mai 2015

Die Kunst, Besucher in seiner eigenen Wohnung zu sein


In meiner Wohnung bin ich zu Hause. Ich habe dort meinen festen Platz. Dort steht mein Bett und dort steht mein Stuhl. Im Kühlschrank befinden sich meine Nahrungsmittel und ich brauche niemanden zu fragen. Im Schrank hängen und liegen meine Anziehsachen. Die passen mir haargenau und sie riechen nach mir. Meine Wohnung fühlt sich an wie eine Haut um meine Haut herum.
Alle Gegenstände sind mir vertraut. Sie gehören zu mir und ich gehöre zu ihnen. Manchmal bin ich überrascht, wenn ich etwas finde in der Ecke meines Schreibtisches, an das ich mich nicht mehr erinnere. Aber dennoch weiß ich: Auch das gehört zu mir. Ich habe es lediglich vergessen.

In einer fremden Wohnung bin ich nicht zu Hause. Im Kühlschrank dort gibt es Dinge, die ich mir nie kaufen würde. In den Kleiderschränken hängen Dinge, die mir nicht passen in Farben, die mir nicht stehen. Sie gehören mir auch nicht. In den Schränken dort gehört mir kein einziges Teil. Alles ist mir fremd. Die Möbel sind mir fremd und auch der Blick aus dem Fenster. Ich bin ein Besucher. Ich darf mich dort aufhalten, weil ich eine Erlaubnis bekommen habe. Ich sehe den Stuhl an und frage: "Darf ich?" Ich blicke auf die Wasserflasche und frage wieder: "Darf ich!" Überall steht dran: "Du musst mich schon fragen!" Ich bin ein Besucher und ich frage mich, wie lange ich bleiben darf. Einen Nachmittag? Oder mit Übernachtung und Frühstück? Ich bin ein Besucher in einer mir fremden Wohnung.

Jetzt stell dir doch mal einen Augenblick vor, dass du diese Gefühle der Fremdheit in einer fremden Wohnung überträgst auf dein "zu Hause". Du betrittst deine Wohnung und bist ein "Besucher". Dort gehört dir nichts. Es gehört einem Fremden. Zufällig mag im Kühlschrank etwas stehen, was du auch magst. Im Schrank mag es Kleidung geben, dir dir auch passt. Aber all diese Dinge gehören dir nicht. Du bist ein Besucher in deiner eigenen Wohnung. Kennst du dieses Gefühl? Mir geht es oft so nach einer Urlaubsreise. Ich komme nach Hause und es hat seine Vertrautheit verloren. Während deiner Abwesenheit haben sich fremde Gerüche verbreitet und du befindest dich in einem Zustand des "Fremdelns". Du musst dich neu anfreunden in und mit deiner eigenen Wohnung.

Jetzt könntest dir weiterhin vorstellen, dass du ein Experiment machst. Geh doch einfach mal in eine Besucheridentität hinein. Du kommst von einem anderen Planeten und darfst dir deine eigene Wohnung anschauen. Lass alle Dinge einmal ganz neu auf dich wirken. Beobachte, was in deinem Kühlschrank ist. Wie bist du eingerichtet? Was erzählt dir der Bewohner über sein Wesen, seine Gewohnheiten, Vorlieben? Wie aufgeräumt oder chaotisch wohnt dieser Mensch. Du gehst herum und staunst über diesen Menschen, der so lebt, wie er da lebt. Du wirst vielleicht vieles mögen. Vielleicht wirst du als Besucher deiner eigenen Wohnung aber auch an der einen oder anderen Stelle anhalten und dich fragen: "Macht das Sinn, so zu leben? Ginge es nicht auch anders?" Als Besucher wirst du nichts verändern können, denn du hast dort ja keine Rechte. Du musst also die Wohnung wieder verlassen und noch einmal hineingehen. Jetzt gehst du durch die Tür wie ein Bewohner. Aber du nimmst die Impulse deines Besuchers mit und hast wertvolle Anregungen für eine verbesserungswürdige Veränderung. Und so ganz nebenbei wirst du die Kunst lernen, Besucher in deiner eigenen Wohnung zu sein.
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Dienstag, 26. Mai 2015

Auf den Ton kommt es an!


Eigentlich würde ich hier lieber eine Audiodatei veröffentlichen, denn bei der Betonung geht es ja um den Ton und um das Hören. Auf den Ton kommt es an!
"Was du gesagt hast, stört mich nicht! Aber wie du es sagst! Da hast du dich wohl im Ton vergriffen!" Im Schwingen der Stimme hören wir mehr als nur Worte wie von einem neutralen Sprachcomputer. Da möchte jemand etwas von dir. Mit welchem Wort fängt er an? "Anna,... könntest du mal..." "Martin,... das finde ich jetzt...." Du wirst also mit deinem Namen angesprochen. Und oft vermutest du schon beim Aussprechen deines Namens, dass da jemand von dir etwas möchte. Kennst du auch solche Sätze wie: "Du meldest dich auch nur, wenn du etwas willst!" Jemand möchte "etwas" von uns, aber wir als Personen sind selbst oft gar nicht gemeint. Dein Auto ist interessant, dein Wissen, dein Rasenmäher oder dein Grill. Aber du?
Ja klar, du wirst mit deinem Namen angesprochen, aber du bist nicht gemeint. Jetzt stell dir einmal einen Menschen vor, der dich mag! Er spricht dich an und sagt deinen Namen. Er will nichts von dir. Er ruft nur deinen Namen! In seiner Stimme schwingt Wohlwollen, Aufmerksamkeit, Neugier und Freude. Da gibt es auf einmal einen völlig anderen "Ton". Die Vokale in deinem Namen fangen an zu schwingen. Die M's und S's, F's und W'S beginnen zu surren und zu vibrieren. Im "Tönen" deines Namens spürst du ein großes Willkommen. "Schön, dass du da bist!"
Auf den Ton kommt es wirklich an! Nicht, wenn jemand etwas von dir will. Einen höflichen und freundlichen Ton finde ich eher selbstverständlich. Mir geht es um den Ton, der da drunter und da drüber liegt. Die Ober- und Untertöne! Das ganze Spektrum deines Daseins! Ob du deinen Namen liest oder aussprichst - ein Riesenunterschied! Geh doch mal in den Wald und rufe deinen eigenen Namen. Summe ihn! Singe ihn! Dehne die Vokale und lasse es klingen! Verlocke dich selbst, lade dich ein und lege ein schelmisches Glucksen mit hinein. Dann geh in eine Kirche, stelle dich mitten in den Raum und wiederhole das Ganze noch einmal. Bemerkst du einen Unterschied? Du im Wald oder du in der Kirche?
Dann gehst du mit einem lieben Menschen in den Wald oder in die Kirche und "betönst" diesen. Du wirst merken, wie du da in Schwung kommst. Alle deine Körperzellen werden aktiv werden. Dein Gegenüber wird vor Freude und vielleicht auch vor Scham erröten. Aber es wird zu einem unvergesslichen Ereignis und Fest werden.
Nach der Bibel erschuf Gott die Welt durch das Wort. Er tönte auch! Durch die Schwingungen aus seinem Herzen, ausgedrückt in Töne und Worte wurde die Schöpfung! Für ihn kam es auch darauf an, dass er den Ton fand, der das Leben hervorbrachte. Auf den Ton kommt es an, weil er eine ganze Welt erschafft!
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Montag, 25. Mai 2015

Rede wie Silber und schweige wie Gold!


So geht ja das Sprichwort eigentlich: "Reden ist Silber. Schweigen ist Gold!" Ein feierliches Abschlusswort eines Menschen, der nicht zum Kreis der Schwätzer, Denunzianten und Intriganten gehört. Ein Mensch, der auf die Kraft des Schweigens vertraut! Reden ist ganz in Ordnung, aber Schweigen ist auf jeden Fall besser. Silber ist wertvoll, aber Gold ist noch wertvoller.
Dadurch, dass "reden" und "schweigen" in einem Zusammenhang gesetzt werden geschieht zugleich eine Wertung.
Silber hat doch eine ganz eigene und besondere Qualität. Silber ist sehr kostbar. Manche Menschen können sehr gut Silberschmuck tragen. Sie sehen damit wunderbar und würdig aus! Eine Augenweide! Alte Menschen mit "silbernem" Haar wirken erfahren und weise!
Gold hat auch eine ganz eigene und besondere Qualität. Gold ist sehr kostbar. Manche Menschen können sehr gut Goldschmuck tragen. Sie sehen damit wunderbar und außergewöhnlich aus! Eine Augenweide! Menschen mit Gold in der Stimme erfreuen das Herz der Zuhörer!
Reden hat eine wunderbare Qualität! Darin besteht die Hälfte der Kommunikation! Reden auf der einen Seite und zuhören auf der anderen Seite. Toll, wenn jemand über seine Gefühle sprechen kann! Einladend, wenn jemand wohltuende Worte findet! Was täten wir ohne die Geschichtenfinder- und erzählerInnen! Durch das Reden werden ganze Welten erfunden. "Am Anfang war das Wort!" steht schon in der Bibel. Du kannst natürlich auch einfach drauflos quatschen! Darum wäre das schon wichtig, "Reden" mit "Silber" in einen Zusammenhang zu bringen. Etwa so: "Rede wie Silber!" Geh sorgfältig mit deinen Worten um! Achte darauf, was dein Reden beim Zuhörer auslösen kann! Finde ein gutes Maß! Zu wenig ist manchmal eben zu wenig. Und zu viel ist zu viel!
Schweigen hat eine wunderbare Qualität! Verteilt auf die vielen Stunden des Tages schweigst du lange Zeiten. Wenn du nachts im Bett deine Augen schließt trittst du ein in das große Schweigen! Im Schweigen kommt eine ganz neue Welt zu dir! Im Schweigen findest du Ruhe und Kraft! Es ist möglich, im Schweigen sich jenseits aller Worte zu verstehen. Du kannst aber auch schweigen, weil du gekränkt bist. Du verweigerst dich der Kommunikation bzw. des Redens. Du hältst den Mund, damit du nichts falsches sagen willst! Du schweigst halt lieber in Streitsituationen. Darum macht es Sinn, auf die Qualität des Schweigens zu achten! "Schweige wie Gold!" Werde dir dessen bewusst, dass es Art des Schweigens gibt, die wir Meditation oder Kontemplation nennen. Im Schweigen nimmst du das "Ganze" wahr. In der Bibel wird erzählt wie Gott am siebten Tag der Schöpfung ins Schweigen ging. Er ruhte aus! Auch Jesus ging für 40 Tage in die Wüste um eine "goldene" Schweigezeit mit Gott zu erleben.
Doch in der Kombination von "Reden wie Silber" und "Schweigen wie Gold" wird der Wert der einzelnen Qualitäten zerstört. Hilfreicher wäre es, ein Gespür dafür zu entwickeln, was zu welcher Zeit dran ist. Und dass du zugleich darauf achtest, dass deine Art zu reden und zu schweigen sich gut weiterentwickelt zu einer silbernen und goldenen Qualität.
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Sonntag, 24. Mai 2015

Die ganze Welt ein Friedhof!


Zugegeben! Auf den ersten Blick kein schönes Thema! Mitten im Frühjahr von Friedhöfen zu sprechen. Aber wenn du bereit bist, mit mir einmal dahin zu schauen dann musst du mit mir übereinstimmen, dass die ganze Welt ein einziger Friedhof ist. Jede Blume, jeder Baum, jedes Tier in freier Wildbahn oder gezähmt und jeder Mensch stirbt irgendwann und geht den Weg der Verwesung.
Wenn wir an einen Friedhof denken, dann kommen uns natürlich zuerst die von uns Menschen angelegten Orte in den Sinn. Da wird der Tod hin verbannt. Der Friedhof ist eingezäunt und abgegrenzt. So wird der Tod kontrolliert und es wird ihm ein Ort zugewiesen, an dem er sein darf. Aber der Tod lacht uns aus! Er sagt dir: "Du lebst in einer Illusion! Die ganze Welt ist ein Friedhof und du findest keinen Ort, wo es mich nicht gibt."
Im Bad hinterlassen wir unsere Ausscheidungen, die Haare und die Hautschuppen.
Auf den Sitzpolstern reiben wir im Laufe der Jahre die Kleidung ab, die wir tragen.
In der Küche beendest du das Leben von Obst und Gemüse. Dort steht dein Behälter für Müll, der dann weitertransportiert wird auf unterschiedliche Friedhöfe für Bio, Rest oder "gelber Sack" mit der Chance, noch einmal in den Kreislauf zu dürfen.
In deinem Schlafzimmer findest du in der Schmutzwäsche die Sammlung deiner Körperdüfte und Ausscheidungen in etwas feinerer Konsistenz.
Im Waschkeller hast du dir einen besonderen Friedhof eingerichtet und leitest das Schmutzwasser geschickt aus deinem Haus.
Kein Raum in deinem Haus, der nicht Friedhof ist. Schau einmal genau hin!
Im Supermarkt beerdigst du dein Geld und auf der Arbeit begräbst du dein Zeitkontingent. Nicht jeder deiner Friedhöfe zeigt seine schreckliche Seite. Sehr dezent lassen wir den Tod agieren! Aber du wirst nicht drum herum kommen. Du lebst in deinem Friedhof Körper, in deinem Friedhof Haus und in einer Welt, die ein einziger Friedhof ist!
Erschrickt dich diese Sichtweise? Wir bauen ja oft einen Gegensatz auf. Hier das Leben und da der Tod! Das Leben suchen wir, den Tod vermeiden wir! Doch Martin Luther sagte schon: "Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen!" Wahrscheinlich meinte er damit das biologische, menschliche Ende.
Die ganze Welt ein Friedehof! Immerhin verbirgt sich in dem Wort ein Geheimnis. Da steckt das Wort "Frieden" drin! Die Ganze Welt ist also ein Hof, an dem es Frieden gibt. Mir geht es darum, dass es immer zwei oder mehr Wahrheiten gibt, die zur gleichen Zeit existieren. Die andere Wahrheit stimmt ebenso: Die ganze Welt ist ein Paradies!
Dein Schlafzimmer schenkt dir Ruhe und Erholung! Deine Küche gibt dir wunderbare Nahrung! Dein Bad lässt dich frisch werden! Dein Waschkeller sorgt für saubere Kleidung! Du verbindest dich mit der lebendigen Natur und dankst dem Schöpfer für dein Leben. Die ganze Welt ist ein Friedhof! Das bleibt! Die ganze Welt ist ein Paradies! Das bleibt auch!
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