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Freitag, 22. Mai 2015
Die Kunst, zufrieden mit der Unzufriedenheit zu sein
Wir haben unsere inneren Abläufe und Mechanismen, die oft schon automatisch funktionieren. Du wachst zum Beispiel morgens mit einem "Unzufriedenheitsgefühl" auf. Dieses Gefühl ist einfach da. Kann ja auch gar nicht anders sein, bei dem Wetter draußen! Oder: "So, wie mich die Kinder schon anschauen kann der Tag nur schrecklich werden!" Oder: "So, wie mir das Essen heute schmeckt! Wenn das nicht ein schlechtes Zeichen ist.!" Oder: "Was meine Waage schon wieder anzeigt! Heute gibt es einen erzwungenen Fastentag!"
Ich finde immer einen Grund, warum meine Unzufriedenheit berechtigt ist. So schaffe ich es mit Leichtigkeit, diesen Gefühlszustand den ganzen Tag durchzutragen und den Abend mit Unzufriedenheit zu erreichen! Vielleicht aber geht dir ein solches Leben irgendwann auf die Nerven. Deine Familie sieht in dir einen Dauernörgler! Du verbreitest ständig schlechte Laune! Du leidest auch noch selber darunter! Du kannst alles so lassen oder es auch ändern. Aber wie?
Jetzt kommt der "Trick"
Wenn du dir morgens beim Aufwachen noch im Bett die folg1ende Frage stellst: "Wie werde ich es schaffen, dass ich den heutigen Tag unzufrieden beende!" denkst du über deine typischen Unzufriedenheitsgründe nach. Sie werden dir bewusst und es wird nicht mehr so leicht sein, den Abend mit völliger Unzufriedenheit anzusteuern. Es könnte ja zur Abwechslung auch mal der Wunsch nach Zufriedenheit auftauchen, gleich zu Beginn des Tages! Du kommst zu der Erkenntnis: Du willst ein zufriedener Mensch sein und richtest deine Aufmerksamkeit auf alles, was schön ist und was dir gelingt. Dann hat dir die Unzufriedenheit geholfen, ein zufriedenerer Mensch zu werden.
In diesem Sinne! Ein waches Bewusstsein!
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Donnerstag, 21. Mai 2015
Die Kunst, Herz und Verstand in Einklang zu bringen
Wie weit ist eigentlich
die gefühlte Strecke zwischen Verstand und Herz? Manchmal unendlich? Die körperliche
Strecke lässt sich leicht messen. Bei mir sind das ca. 35 Zentimeter. Dieses
kurze Distanz ließe sich doch leicht überwinden, oder? Andersherum. Es müsste
doch ein Leichtes sein, den Verstand und das Herz miteinander zu verbinden und
in Einklang zu bringen. Leider ist es oft so, dass Verstand und Herz nicht gut
miteinander kooperieren. Die Folge ist: wir fühlen uns nicht in Übereinstimmung
mit uns selbst. Was will das Herz und was will der Verstand? Manchmal wohnen da
zwei Personen in unserem Inneren und kennen sich nicht einmal gegenseitig. Geschweige
denn, sie vertrauten sich!
Stell dir doch einmal
Folgendes vor: du gehst in den Supermarkt und stehst vor dem Regal mit den
Chips. (Wenn du solche nicht magst, kannst du dich auch woanders hinstellen.)
Diese Chips lachen dich jetzt an. Dein Herz hüpft vor Freude und in dir
entsteht ein Bild. Es ist Abend, die Arbeit ist erledigt. Im Fernsehen kommt
ein Film, den du schon immer sehen wolltest. Im Keller wartet ein leckerer
Rotwein auf dich und du siehst dich entspannt auf der Couch mit der Tüte Chips
und einem Glas Rotwein vor dem Fernseher. Dein Herz sagt voller Freude: JA!
EINE WUNDERBARE IDEE!
Es geht wohlgemerkt nur um
das Prinzip. Das Herz jauchzt also vor Freude auf. Du stehst vor dem Regal.
Wenn du jetzt noch eine Sekunde zögerst, dann ist auf einmal alles aus und
vorbei. Wohlgemerkt, es reicht eine Sekunde! Es kommt schleichend, aber mit
großer Macht. Es ist ein winzig kleiner Gedanke, der sich bemerkbar macht. Etwa
so: Ob die Chips gut sind für deine Gesundheit? Was sagt der Rest der Familie,
wenn sie dich so sehen, vor dem Fernseher? Füße hoch, hingefläzt mit dem
Rotwein? „Hast du nichts Besseres zu tun? Der Spielfilm ist doch nichts! Eine
Schnulze! Nichts für die Weiterbildung!“ Dann schaust du auf das Preisschild
der Chips Tüte und auf die Mengenangabe. Aha, viel zu teuer und viel zu wenig drin. Es lohnt sich nicht,
diese Tüte zu kaufen. Wenn der Rest der Familie davon auch noch etwas will,
dann bleibt kaum noch was für dich übrig. Zwei Tüten kaufen? Das geht überhaupt
nicht! Die Kommentare zu Hause: „Planst du ein Frustessen? Denk an dein Gewicht!
Willst du uns auch noch mästen?“
Und stell dir vor: du
stehst immer noch vor dem Regal und weißt: es sind nur deine Gedanken, nur
deine Vorstellungen, nur deine Bilder. Es sind nicht die Bilder und
Vorstellungen deiner Familie! Es sind deine Bilder, die sich da im Kopf
ausbreiten, was deine Liebsten so über dich denken könnten. Und? Merkst du, was
da gerade geschehen ist und was jetzt geschehen wird?
Geschehen ist folgendes:
dein Verstand hat dir einen üblen Streich gespielt. Er hat dein Herz einfach
plattgemacht. Und dein Herz? Es zieht sich bekümmert zurück, die Stimme wird
immer leiser und zaghafter: ich wollte doch nur… Ich
wollte doch nur… Und ich hier der Schreiber bin mir relativ sicher: die Chips Tüte
bleibt im Regal, der Wein im Keller und der Spielfilm ungesehen. Das ist ja
auch vernünftig so. Im wortwörtlichen Sinne: es entspricht der Vernunft. Aber
entspricht es auch dem Herzen?
Jetzt stell dir einmal
vor, du handelst nicht nur so bei der Chips Tüte. Dahinter offenbart sich ein
verborgenes und zugleich unbewusstes Prinzip in deinem Leben. Handel vernünftig!
Kindern sagt man es auch: sei doch vernünftig! Du bist doch schon groß!
So wird das Herz
kleingemacht, die Gefühle kleingeredet und in die Bedeutungslosigkeit
geschickt. Dabei wollte das Herz doch nur ein wenig beachtet werden. Bei der
Tüte Chips kann man ja noch schmunzeln, aber wenn es um wichtigere Lebensthemen
geht oder gar um die eigene große Lebensgeschichte, sieht das schon anders aus.
Stell dir vor, du
begegnest der Liebe deines Lebens! Dein Herz sagt: JA! Wie wunderbar! Und
wenige Augenblicke später meldet sich dein Verstand nur mit einer kleinen Anmerkung,
so ganz nebenbei und eigentlich gar nicht
wichtig: jetzt ist es doch noch zu früh! Du kennst diese Person ja gar nicht.
Sei vorsichtig! Du warst noch nicht beim Friseur. Du hast doch eigentlich gar
keine Zeit… Merkst du, wie der Verstand, die Vernunft arbeitet?
Oder du bist unglücklich
an deiner Arbeitsstelle und ergehst dich in Tagträumereien: irgendwo gibt es
eine Stelle, an der du glücklicher sein könntest. Dann auf einmal kommt die
Stelle, an der du glücklich sein kannst. Dein Herz sagt wieder: JA! Und wenige
Augenblicke später meldet sich die bekannte Instanz am oberen Ende des Kopfes.
„Du kommst vom Regen in die Traufe! Pass ja auf! Es ist nicht alles Gold, was
glänzt!“
Wenn du dieses Spiel
zwischen Verstand und Herz zu oft spielst, und auf diese Weise spielst, wird
sich dein Herz zurückziehen. Es bekommt ja nicht den Raum, den es braucht. Das
Praktische siegt. Der Verstand behält die Kontrolle. Doch was tun?
Wenn
es dir gut damit
geht, brauchst du nichts zu tun! Es ist ja gut so, wie es ist. Aber wenn
es dir
nicht damit gutgeht und du etwas anders machen möchtest – wegen deines
Herzens
und der damit verbundenen Herzensenergie, dann begib dich in das
folgende Bild: Die Uhr geht zu auf Mitternacht und gleich schlägt die
Uhr zwölf Mal. Du gibst deinem Herzen die Erlaubnis, zuerst durch die
Tür in den neuen Tag zu gehen. Ein wenig vor Mitternacht. Den Verstand
bittest du, noch
ein wenig zu warten und vielleicht über den vergangenen Tag zu
reflektieren.
Das macht er gerne für dich. Dem Herzen gibst du dadurch einen kleinen
Vorsprung.
Es darf einfach mal so fühlen und Dasein. Staunen über den Anfang des
neuen
Tages! Freude wachsen lassen! Für einen Moment innehalten und nur Dasein
– das
ist wie das Staunen über den Sternenhimmel und dabei die Zeit vergessen.
Dieses
Gefühl, was sich dann einstellt, dehnst du zeitlich aus, so oft es geht.
Schwierig? Eigenartig? Es geht dabei nur
darum, dem Herzen ein wenig mehr Raum zur Entfaltung zu geben, damit der
Verstand nicht sofort deckelt. Das heißt für mich: Folge deinen Impulsen! Gib
der Herzensenergie Raum, lass es sich entfalten. Gehe in Übereinstimmung von Herz und Verstand. Bitte
deinen Verstand, deinem Herzen zu dienen und nicht zu widersprechen, zu kontrollieren
oder Vorschriften zu machen. „Den Impulsen zu folgen“ – wofür lohnt sich ein
solcher Weg? Es könnte sein, dass du einfach glücklicher und zufriedener bist
mit dir. Probier es mal aus! Das wünsche ich dir: in Balance zu sein zwischen Himmel und Erde, in Übereinstimmung
sich zu befinden von Verstand und Herz und ein großes JA! zum eigenen Leben auszusprechen.
www.matthias-koenning.de
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Montag, 18. Mai 2015
Die Kunst, seinen Schatten zu küssen
Es gibt Eingschaften und Fähigkeiten, die du an dir magst. Die Seite in uns, die wir nicht anschauen mögen, die wir
verleugnen, verdrängen oder bekämpfen nennen wir Schatten.
Wir schauen auf unseren dicken Bauch und mögen uns so unförmig nicht leiden. Wir wären gerne schlanker. Damit wir den dicken Bauch nicht ansehen müssen tun wir so, als sei er gar nicht vorhanden.
Du ärgerst dich über deine Unpünktlichkeit und deine Unfähigkeit, deinen Tag ordentlich zu strukturieren und zu planen. Diese Seite an deiner Persönlichkeit magst du überhaupt nicht und wenn dich jemand auf deine Unpünktlichkeit hinweist, dann gehst du hoch wie eine Rakete.
Welche deiner Schattenseiten sind dir vertraut? Wenn du Vorsätze für das neue Jahr gefasst hast, dann beschäftigst du dich gerade mit einem Teil deiner Schattenseiten. In diesem Augenblick sind sie dir schon bewusst geworden und aus dem Schatten in das Licht getreten. Sie sind dir zwar bewusst, aber du magst sie nicht. Du magst nicht deinen dicken Bauch und und magst nicht deine Unpünktlichkeit.
Aber, diese Seiten sind dir jetzt bewusst. Sie sind im Licht und nicht mehr im Schatten. Wenn du deine Vorsätze nicht erfüllst dann kann das ein Zeichen sein, dass du deinen Schatten wieder aktiviert hast. Darum meine Idee für den Umgang mit dem Schatten: Küsse ihn!
Den Schatten magst du nicht, aber er gehört zu dir. Es ist ein Teil deiner Persönlichkeit. Du wünschst dir ja auch sonst von allen deinen Freunden und Freundinnen und deiner Familie, dass sie dich so annehmen, wie du bist. "Liebe mich doch so, wie ich bin!" Die Schattenseiten gehören zu dir wie alle anderen Seiten, die du magst.
Wie wird mit den "schwarzen Schafen" in deiner Familie umgegangen? Werden sie ignoriert, ausgegrenzt oder beschimpft? So, wie du mit den "schwarzen Schafen" im Außen umgehst, wirst du vermutlich auch mit den "inneren schwarzen Schafen" umgehen. Die "inneren schwarzen Schafe" gehören zu dir, sie sind ein Teil von dir. Wenn du sie gut behandelst, behandelst du dich insgesamt gut.
Den Schatten zu küssen ist mehr, als ihn nur anzunehmen. Im "Annehmen" kommt eher zum Ausdruck, dass du mit Anstrengung und ein wenig Widerwillen dich dazu durchringst, endlich nach einem langen abwehrenden Weg anzufangen, mit dem Schatten einverstanden zu sein. Den Schatten zu küssen heißt, den Sprung ins kalte Wasser wagen, etwas völlig Ungewöhnliches zu tun, eine wirklich neue Erfahrung zu machen, den Kopf umzukrempeln und die Wirklichkeit neu zu erfinden.
Also, viel Freude beim Küssen des Schattens und der Erfindung einer neuen Wirklichkeit!
www.matthias-koenning.de
Wir schauen auf unseren dicken Bauch und mögen uns so unförmig nicht leiden. Wir wären gerne schlanker. Damit wir den dicken Bauch nicht ansehen müssen tun wir so, als sei er gar nicht vorhanden.
Du ärgerst dich über deine Unpünktlichkeit und deine Unfähigkeit, deinen Tag ordentlich zu strukturieren und zu planen. Diese Seite an deiner Persönlichkeit magst du überhaupt nicht und wenn dich jemand auf deine Unpünktlichkeit hinweist, dann gehst du hoch wie eine Rakete.
Welche deiner Schattenseiten sind dir vertraut? Wenn du Vorsätze für das neue Jahr gefasst hast, dann beschäftigst du dich gerade mit einem Teil deiner Schattenseiten. In diesem Augenblick sind sie dir schon bewusst geworden und aus dem Schatten in das Licht getreten. Sie sind dir zwar bewusst, aber du magst sie nicht. Du magst nicht deinen dicken Bauch und und magst nicht deine Unpünktlichkeit.
Aber, diese Seiten sind dir jetzt bewusst. Sie sind im Licht und nicht mehr im Schatten. Wenn du deine Vorsätze nicht erfüllst dann kann das ein Zeichen sein, dass du deinen Schatten wieder aktiviert hast. Darum meine Idee für den Umgang mit dem Schatten: Küsse ihn!
Den Schatten magst du nicht, aber er gehört zu dir. Es ist ein Teil deiner Persönlichkeit. Du wünschst dir ja auch sonst von allen deinen Freunden und Freundinnen und deiner Familie, dass sie dich so annehmen, wie du bist. "Liebe mich doch so, wie ich bin!" Die Schattenseiten gehören zu dir wie alle anderen Seiten, die du magst.
Wie wird mit den "schwarzen Schafen" in deiner Familie umgegangen? Werden sie ignoriert, ausgegrenzt oder beschimpft? So, wie du mit den "schwarzen Schafen" im Außen umgehst, wirst du vermutlich auch mit den "inneren schwarzen Schafen" umgehen. Die "inneren schwarzen Schafe" gehören zu dir, sie sind ein Teil von dir. Wenn du sie gut behandelst, behandelst du dich insgesamt gut.
Den Schatten zu küssen ist mehr, als ihn nur anzunehmen. Im "Annehmen" kommt eher zum Ausdruck, dass du mit Anstrengung und ein wenig Widerwillen dich dazu durchringst, endlich nach einem langen abwehrenden Weg anzufangen, mit dem Schatten einverstanden zu sein. Den Schatten zu küssen heißt, den Sprung ins kalte Wasser wagen, etwas völlig Ungewöhnliches zu tun, eine wirklich neue Erfahrung zu machen, den Kopf umzukrempeln und die Wirklichkeit neu zu erfinden.
Also, viel Freude beim Küssen des Schattens und der Erfindung einer neuen Wirklichkeit!
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Sonntag, 17. Mai 2015
Die Kunst, barfuß auf Steinen zu laufen
Unser Laufen ist doch sehr bequem geworden. Die Schuhe verhindern den unmittelbaren Kontakt zur Erde. Du läufst also immer weich, wenn du den geeigneten Schuh trägst. Der Weg kann kalt oder heiß sein, glatt und eben oder huckelig. Die Schuhe federn ab, gleichen aus, sorgen für Beständigkeit. Deine Füße bekommen die Botschaft: Das Leben gleitet immer gleichförmig dahin ohne große Tiefen und ohne besondere Hürden.
Gestaltet sich unser Geist und unser Bewusstsein möglicherweise auch danach nach dem Motto: Wie die Füße so der Rest vom Menschen? Bequem in den Schuhen, bequem durch das Leben? Mit 18 Jahren hatte ich mal ein Anwandlung von Nostalgie und bin wie meine Vorfahren mit Holzschuhen durch den Alltag gelaufen. Das Holz fühlte sich sperrig und klobig an. Die Schritte waren auf einmal nicht mehr geschmeidig sondern grob und laut klappernd. Zugleich gab es aber eine viel größere Aufmerksamkeit auf den Vorgang des Laufens selbst. Eine größere Achtsamkeit. Es ist wie noch einmal laufen lernen. Du wirst zum Anfänger einer Fertigkeit, die du schon lange glaubtest zu beherrschen.
Inzwischen gibt es ja zahlreiche Barfußparcours. Da kannst du mit deinen Füßen experimentieren. Laufen auf Holzspäne, Sand oder Steinen. Den Sand konnte ich noch ertragen, aber die Steine?! Bei jedem Schritt stieg der Schmerz bis in die Kopfspitze. Der ganze Körper wurde durchgeschüttelt und alle Muskeln schrieen laut um Hilfe. Es war pure Folter! Ich bin ein Schuhläufer. Zu hundert Prozent! Schuhe geben mir Sicherheit und Wohlbefinden.
Jetzt beame ich mich ein paar Jahrhunderte zurück zu meinen Vorfahren! Die liefen barfuß. Jeden Tag und bei jedem Wetter und auf jeden Untergrund! Viele indigene Völker laufen bis heute barfuß. Was für die selbstverständlich und ohne Bedeutung ist, wirkt auf mich wie eine hohe Kunst.
Wir haben viele natürliche Fähigkeiten verloren. Als "zivilisierte" Menschen wähnen wir uns unglaublich fortschrittlich. Vielfach haben wir aber das Gespür und die Intuition verloren.
Wer barfuß auf Steinen laufen kann behält den Kontakt zur Erde. Lebt die menschliche Geschöpflichkeit. Weiß um Härte und Kälte. Muss im Hier und Jetzt das Gleichgewicht finden. Vielleicht würden wir in der Barfußidentität wieder viel lebendiger werden, ursprünglicher, einfacher und näher dran.
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Freitag, 15. Mai 2015
Die Kunst, Eigelb und Eiweiß zu trennen
Ich habe vor einiger Zeit jemanden gesehen, der sehr geschickt Eigelb und Eiweiß getrennt hat. Das ganze Ei kam in die Schüssel, eine Plastikflasche zusammendrücken und den Flaschenhals über das Eigelb halten. Durch den Unterdruck wird dann das Eigelb in die Flasche gesaugt und ... fertig.
Ich mache es weiterhin klassisch. Ei in der Mitte anklopfen mit Hilfe der Kante von einer Porzellantasse, vorsichtig in zwei Hälften zerbrechen, dabei das Eiweiß in eine Schüssel laufen lassen und das Eigelb vorsichtig von der einen Hälfte wieder in die andere Hälfte der Eierschale gleiten lassen bis Eigelb und Eiweiß getrennt sind.
Halt Stopp! Da stimmt etwas nicht! Es stimmt schon nicht in der Überschrift! Im Ei selbst sind Eigelb und Eiweiß doch schon getrennt. Beide Elemente sind nicht vermischt! Das Eigelb ist umhüllt und vermengt sich nicht mit dem Eiklar. Das Wesen des Eis besteht in einer eindeutigen Trennung von Gelb und Weiß. Ich muss da nichts mehr wirklich trennen. Das Ei hat also für meinen Trennungswunsch schon die wichtige Vorarbeit geleistet. Ich muss nur dafür sorgen, dass ich diese Arbeit nicht kaputt mache. Ich vollende vielleicht die Trennung oder ich mache sie noch deutlicher oder noch sichtbarer. Aber die Trennung ist eindeutig vorhanden.
Diese Beobachtung bringt mich auf einen wichtigen Gedanken. Trennung und Verbindung ist nicht immer so eindeutig klar. Nicht so klar wie das "Eiklar". Wir sagen zum Beispiel: Das ist eine Familie! Sie besteht aus Vater, Mutter und Kinder! Wenn jetzt Vater und Mutter sich in einer Ehekrise befinden und die Kinder sich im Haus nicht mehr wohlfühlen. Gibt es dann noch eine Familie? Sind die dann zusammen oder nicht doch eher getrennt?
Wenn zwei Kinder sich streiten und die Mütter ziehen die zwei auseinander - sind die Kinder dann getrennt? Körperlich vielleicht, aber im Herzen sind die Kinder im Streit verbunden. Ist Wasser Wasser oder eine Zusammensetzung aus Sauerstoff und Wasserstoff? Was geschieht eigentlich, wenn man Eiweiß und Eigelb auseinanderbringt? Zunächst einmal hat man die Eierschale zerstört, sonst würde das gar nicht gehen. Bist du dir sicher, dass Gelb und Weiß wirklich getrennt sind? Vielleicht gibt es zwischen den Beiden eine für dich unsichtbare Verbindung. Vielleicht existiert eine Verbindung noch in deinem Kopf. Obwohl du die Schale zerbrochen hast, kannst du das ganze Ei heil denken, nicht wahr?
Wenn du jetzt aber ein Ei aufschlägst und das Eigelb und das Eiweiß miteinander verquirlst, kannst du die beiden Teile dann noch voneinander trennen? Kannst du das? Wenn du das kannst, bist du echt ein Künstler und verdienst meine volle Bewunderung und Anerkennung.
Vielleicht denkst du jetzt: "Was schreibt der da für ein wirres Zeug! Ich verstehe nicht wirklich, was sein Anliegen ist!" Was ist mein Anliegen? Wir konstruieren unsere Gedanken und wir erschaffen Wirklichkeit. Ich habe jetzt einfach einmal versucht, etwas durcheinander zu bringen. Ich möchte dich verunsichern mit der Frage, ob es immer so eindeutig ist, wenn etwas getrennt oder verbunden ist. Verbindung und Trennung entsteht im Kopf, oder?
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