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Dienstag, 21. April 2015

Die zweite der fünf Freiheiten nach Virginia Satir: Sprich aus was du fühlst und denkst!



Virginia Satir war eine wichtige systemische Familientherapeutin und lebte von 1916 - 1988. Sie hat wertvolle Impulse gesetzt für familäre Strukturen und sehr wertschätzend und ressourcenorientiert gedacht und gehandelt. Sehr bekannt geworden sind ihre "fünf Freiheiten", die ich gerne nach und nach erschließen möchte.

Die zweite Freiheit lautet:

Die Freiheit das auszusprechen, was ich wirklich fühle und denke, und nicht das, was von mir erwartet wird.

Was wird von dir erwartet? Von einer Mutter wird erwartet dass sie empört ist, wenn das eigene Kind ungerecht behandelt wird. Von einem Kind wird erwartet, dass es auf  seine Eltern hört.
Was wird von dir in einer Beziehung erwartet? "Wenn du mich wirklich liebst, dann wüsstest du jetzt wie es mir geht!" "Wenn ich wirklich wichtig für dich wäre, dann würdest du dich heute nicht mit deinen Freunden treffen sondern bei mir bleiben!"
Ich kenne solche Merkwürdigkeiten zur Genüge aus meiner Kindheit. Häufig hatte ich so Fragen und Sätze im Kopf wie: Wie sage ich es meiner Mutter? Wie sage ich es, wenn mir etwas kaputt gegangen ist? Mir ist einmal eine kostbare Tasse auf den Boden gefallen und sie ging dabei kaputt. Eigentlich war mir diese Tasse egal. Eine Tasse ist eine Tasse. Mir war nicht egal, dass meine Mutter vielleicht traurig war, aber die Tasse an sich fand ich nicht wichtig. Also musste ich überlegen wie ich mich denn jetzt gegenüber meiner Mutter verhalte. Was erwartet sie? Sie erwartet bestimmt, dass ich den Kopf senke, mich entschulde, drei Tage mit einem schlechten Gewissen herumlaufe, mich klein mache, mich nie wieder aufrichte usw. In meiner Phantasie malte ich mir aus, wie schlecht es jetzt meiner Mutter geht und was ich alles dazu beigetragen habe dass es ihr jetzt so schlecht geht. Ich war also immer damit beschäftigt, was meine Mutter erwartet, was ich jetzt fühlen müsste.
Ich erinnere mich an so einen Spruch von meinem Vater: "Du müsstest dich schämen!" Aber ich schämte mich nicht. Sich nicht zu schämen war also falsch! Für das, was ich getan hatte, musste ich mich schämen. Scham war das angemessene und richtige Gefühl.
So kann es kommen, dass du ständig mit der Frage beschäftigt bist, wie muss ich denken und fühlen, dass die anderen das als richtig empfinden. Irgendwann kenne ich meine eigenen, unmittelbaren und ursprünglichen Gefühle gar nicht mehr. Ich fühle und denke, was die anderen meinen, das ich fühlen und denken müsste. So wirst du zu einem Sklaven von fremden Gefühlen und Gedanken.
Ich las einmal von einer Frau, die mit einem ehemaligen Mönch zusammenlebte. Ihr Mann war kaum in der Lage eigene Bedürfnisse zu äußern. Das mönchische Leben hat ihn bedürfnislos gemacht. Das Leben war bestimmt durch die Klosterregeln und dem Gehorsam gegenüber dem Abt.
Jetzt stell dir vor, dass du eigene Gedanken und eigene Gefühle hast. Es sind deine! Nicht die deiner Eltern, deiner Freunde, deiner Familie oder deines Arbeitgebers. Es sind deine Gefühle! Sie gehören zu dir. Du darfst sie haben, deine Gedanken und deine Gefühle! Niemand kann sie dir absprechen. Niemand hat das Recht, sie zu bewerten. Und wenn, musst das nicht beachten. Du hast die Freiheit das auszusprechen was du wirklich selber fühlst und denkst. Das ist wichtig, damit du spürst, wo du stehst und wer du gerade bist.
Zugegeben! Es ist nicht immer leicht, die eigenen Gefühle auszusprechen. Möglicherweise wirst du dein Gegenüber enttäuschen. Dein Gegenüber hat etwas anderes erwartet. Aber zugleich ist es wichtig, dass dein Gegenüber auf ein wirkliches "Du" trifft und nicht auf eine "Eigenprojektion". Wenn den Gegenüber enttäuscht ist über deine Gedanken und Gefühle gibst du die Möglichkeit, dass dieser sich von seinen "Täuschungen" befreien kann. Du gibst ihm die Gelegenheit, dich wirklich kennenzulernen und wahrzunehmen, was du gerade fühlst und denkst.
Du hast die Freiheit auszusprechen was du denkst und fühlst! Die Freiheit, nicht den Zwang. Es heißt nicht, dass du das tun musst. Dann wäre das ein neuer Zwang. Du kannst es dir einfach mal überlegen ob das für dich eine Möglichkeit sein kann. Hin und wieder experimentierst du uns sprichst aus, was du wirklich denkst und fühlst. Du darfst, aber du musst nicht! Du hast die Freiheit!
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Montag, 20. April 2015

Die erste der fünf Freiheiten nach Virginia Satir: Was im Moment da ist!



Virginia Satir war eine wichtige systemische Familientherapeutin und lebte von 1916 - 1988. Sie hat wertvolle Impulse gesetzt für familäre Strukturen und sehr wertschätzend und ressourcenorientiert gedacht und gehandelt. Sehr bekannt geworden sind ihre "fünf Freiheiten", die ich gerne nach und nach erschließen möchte.

Die erste Freiheit lautet:

Die Freiheit zu sehen und zu hören was im Moment wirklich da ist, anstatt was sein sollte, gewesen ist oder erst sein wird. 

Mein Mann sollte mir besser zuhören können. Dann wäre das Leben viel schöner. Mein Kind sollte mehr aufräumen, dann wäre ich viel entspannter. Mein Arbeitgeber sollte sehen, was ich alles leiste, dann würde ich viel lieber arbeiten.
Oder: Früher war doch alles besser. Die Bahn war pünktlicher. Die Brötchen schmeckten frischer und waren günstiger. Die Milch kam noch von der Kuh. Ich war körperlich fit. Die Welt war einfach schöner. Die Leute hatten alle mehr Zeit.
Oder: Wenn ich in Rente gehe, dann werde ich mehr Zeit haben. Wenn meine Kinder groß sind, dann werde ich endlich tun können was ich immer schon tun wollte.
Du denkst oft mit den Worten: "sollte" du gehst in die "gute Vergangenheit" oder phantasierst dich in eine "bessere" Zukunft. Du machst das schon automatisch, ständig oder mehrmals am Tag. Du verlässt die Gegenwart und den Augenblick und merkst nicht, wie unfrei du dadurch wirst. Du wirst wie ein Sklave, der sich die Freiheit wünscht: Wenn ich erst einmal diese Fesseln los werde, dann wird alles anders! Pustekuchen!
Virginia Satir lädt dich ein zu einem ganz bestimmten Aspekt der Freiheit. Du entscheidest dich für das "sollte" "die tolle Vergangenheit", die "bessere Zukunft". Du trägst die Verantwortung dafür, wohin deine Phantasie, Sichtweise, dein Ohr und deine Gedanken gehen.
Und du hast die Freiheit, dich jetzt neu zu entscheiden! Du kannst dich dafür entscheiden und hast die Freiheit das zu sehen und zu hören, was im Moment wirklich da ist. Du musst dir nichts vormachen. Du brauchst nichts beschönigen. Du musst die die Zukunft nicht toll vordenken. Bekommt das, was ist, jetzt von dir die Erlaubnis dazusein?
Mein Mann kann nicht zuhören. Das ist so. Aber ich kann ihn immer wieder darauf hinweisen, dass er das jetzt in diesem Augenblick tun kann. Mein Kind ist kein Aufräumer. Das ist einfach so. Und mein Kind ist trotzdem in Ordnung. Die Welt wird nicht untergehen, wenn es nicht aufräumt und es bleibt mein Kind. Mein Arbeitgeber ist blind für die Leistungen der Angestellten. Das ist einfach so! Aber ich kann für mich würdigen, was ich leiste. Und ich leiste was! Und das fühlt sich stark an! Egal, ob es der Chef sieht oder nicht.
Ich warte nicht bis zur Rente, damit ich mehr Zeit habe. Jetzt in diesem Augenblick nehme ich mir die Zeit. Es ist meine Zeit, meine Lebenszeit. Heute schmecken mir die Brötchen und außerdem bin ich ein toller Bäcker. Und heute noch werde ich tun, was ich immer schon gerne tun wollte.

Spürst du wie es ist, wenn du ein Gespür für deine Freiheit wieder findest und entwickelst? Wenn du unerfüllten Sehnsüchten hinterherträumst kann es dich viel Kraft und Energie kosten und irgendwann bist du weg! Du bist nicht mehr da. Gedankenverloren schlürfst du deinen Kaffee und weißt gar nicht, was du getrunken hast. Was kannst du jetzt in diesem Moment hören und sehen?
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Samstag, 18. April 2015

Vom Reichtum der Armut

Papst Franziskus nimmt die Armut wieder in den Blick. Die gelebte Armut war immer ein wichtiger Aspekt in der Kirche. "Selig die Armen, denn Ihnen gehört das Himmelreich", sagt Jesus in der Bergpredigt. Wir sollen mit den Armen solidarisch sein.
Auf zwei Dinge möchte ich gerne hinweisen. Die Armut an sich ist eigentlich kein Ziel. Wir sind von Gott reich beschenkt. Wir dürfen im Reichtum seiner Schöpfung leben. Das Ziel heißt also eher, dass alle Menschen in Solidarität und Geschwisterlichkeit den Weg zum Reichtum und Teilen der Schöpfung finden. Der "Schöpfer" hat die Schöpfung überquellend angelegt und nicht sparsam oder arm!
Der zweite Hinweis verbirgt sich im Wort "Armut". Wortwörtlich steckt darin "Der Mut in den Armen." Die Arme sind die körperliche Verlängerung und Umsetzung des Herzens und des Herzraumes. Im Herzen entsteht der Mut. Dieser Mut wird von den Armen aufgenommen und in die Tat umgesetzt. Wahre "Armut" besteht also darin, beherzt und mutig den inneren Impulsen zu folgen und seine "Berufung" in die Tat umzusetzen. Die "Armen" haben den "Mut" und die Kraft verloren und brauchen vorübergehend Energie, Kraft und Liebe von außen durch unsere menschliche Solidarität. Das Ziel heißt jedoch  Hilfe zur Selbsthilfe.
Es wäre fatal, das "Arm sein" an sich zu glorifizieren. Auf bestimmter Ebene war Jesus auch nicht arm. Er hatte Freunde, er war in starker Liebe mit Gott verbunden, er lebte seine Berufung und hatte "Mut in den Armen", indem er mit seinen Händen und der Energie des Herzens heilen konnte. In diesem Sinne wünsche ich dir diese "Armut, die aus dem Herzen kommt."

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Freitag, 17. April 2015

Das fehlende Puzzleteilchen oder "Vom Umgang mit dem Haar in der Suppe"

Stell dir ein Puzzle vor mit tausend Teilen. Du gestaltest ein Bild mit einer Szene im sonnigen Süden. Es handelt sich um ein andalusisches weißes Dorf an einem blauen und weiten Meer. Im Hintergrund siehst du einen wunderbaren Sonnenuntergang. Du hast Mühe, die weißen Häuser auseinanderzuhalten. Es ist knifflig. Die Wasserelemente sehen alle gleich aus. Du fängst mit dem Rand an, denn du arbeitest ja mit System. Du hast die Teile farblich sortiert, damit du du deine Arbeit überschaubar machst. Deine lange Aufmerksamkeit  und Konzentration kommt langsam dem Ende entgegen. Du stellst dir in Gedanken vor, wie du mit Stolz und Freude auf das Gesamtbild schauen wirst. Es entsteht in deinem Inneren eine Atmosphäre von Urlaub, Frieden und Wohlbehagen. Du siehst dich schon selbst im Sommer an einen ähnlichen Ort. Es sind nur noch wenige Teile übrig. Dann kannst du die übrigen Teile schon zählen. Es sind nur noch fünf Puzzleteile übrig. Den Ort dafür zu finden ist ganz leicht, es geht wie von allein. Während der letzten drei Teile siehst du es deutlich vor dir. Da wird eine Lücke bleiben. Es fehlt ein Teil. Das Bild wird unvollständig. Du schaust in den Kasten. Der ist leer. Du schaust unter dem Tisch nach. Da befinden sich nur ein paar Brotkrümel vom Morgen. Du schaust unter dem Sofa. Vielleicht ist ja beim Auspacken vor einigen Tagen das fehlende Teil dorthin gefallen. Du schaust im Keller nach und die Ahnung in dir steigert sich zur Gewissheit. Das fehlende Teil ist für immer verloren. Es lässt sich nicht finden. Das Hochgefühl von vor einer Stunde sinkt auf einmal in den Keller. Nichts ist mehr von der Freude da. Du wirst nie wieder puzzlen. Du siehst den Abgrund. Die ganze Arbeit war umsonst. 
Und jezt lade ich dich ein, von diesem Traum aufzuwachen. Es war ein Traum, mehr nicht. Es ist nur ein Stückchen Pappe, mehr nicht. Du hast eine tolle Arbeit geleistet. Du kannst im Geiste das Puzzle ergänzen. Du kannst auch angemessen damit umgehen. Ein kleiner Seufer. Ach, wie schade! Aber was solls. 
Im Leben ist es auch manchmal so. Das fehlende Puzzleteilchen hat manchmal so viel Macht. Es kann stärker werden als alles, was wir als gelungen ansehen. Es wird zum Haar in der Suppe, zum fehlenden Sahnehäubchen und zum nicht vorhandene Tüpfelchen auf dem I. 
Geh doch mit dem fehlenden Puzzleteilchen im Leben mal kreativer um! Schlüpfe in deiner Phantasie durch die Lückie im Bild und schau, was sich dahinter verbirgt. Schließe deine Augen und stell dir vor, du bist mitten in deiner Traumlandschaft und das fehlende Puzzleteilchen ist der Schlüssel oder der Türöffner. 
Und wenn du immer noch traurig um das fehlende Teilchen bist, hast du die Möglichkeit, dich in deiner Trauer einzuüben. Das ist auch ganz wichtig. Trauer spüren, hineinatmen und annehmen.


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Donnerstag, 16. April 2015

Vom Großen des Kleinen


Damals kämpften die Israeliten gegen die übermächtigen Philister. Ein Zweikampf gegen Goliath sollte alles entscheiden. Jeder kennt die Geschichte, wie David den Goliath besiegte mit seiner Steinschleuder. Der Stein brachte die Wende. Wie wäre die Geschichte der Israeliten verlaufen ohne David und seine Steinschleuder? Der Stein wurde zum Zeichen und Symbol, der den Wandel brachte von Resignation zu Zuversicht und Hoffnung.
Ich habe festgestellt, dass viele Menschen im übertragenen Sinne auch "ihren" Wendestein im Leben erfuhren. Da kam der Brief mit der Zusage für eine lebenslange Berufsanstellung. Da gab es ein Erschrecken bei einem Beinahe- Unfall, das Wachwerden und die Dankbarkeit dafür, dass das Leben noch eine neue Chance gab. Da gibt es die Frau, die bei einer Party, zu der sie gar nicht gehen wollte, den Mann ihres Lebens fand. Da bekommt das Kind nach einer Kette von Misserfolgen in der Schule endlich einen Lehrer, der genau der richtige Begleiter ist.
Kannst du den "Wendestein" deines Lebens benennen? Gibt es vielleicht sogar mehrere davon?  Oder wartest du noch darauf? Wie kann ein solcher Stein in dein Leben kommen?
Ich glaube, dass diese Steine, die die Wende bringen, ständig in unserem Leben auftauchen. Wir erkennen sie nur oft nicht, weil wir nicht aufmerksam genug sind für die uns zugedachten Zeichen am Weg. So wünsche ich dir offene Augen und ein wachsames Herz für das Kleine und Unscheinbare, dass deinem Leben die positive Wendung gibt.

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