Wir lieben unsere festen Gewohnheiten. Die Tasse Kaffee am Morgen aus
einer bestimmten Tasse. Die spezielle Sorte Brot mit der immer gleichen
Menge an verteilter Butter. Die Uhrzeit, der Zeitraum, der Ort des
Frühstücks. Die Art, die Autotür aufzuschließen und sich in sein
Fahrzeug zu setzen. Die Uhr am linken Arm und den Kamm in der hinteren
rechten Hosentasche. Den Lieblingsbäcker und das Lieblingskino, den
Lieblingsitaliener und die Lieblingsdöner. Die Worte zur Begrüßung und
die Worte zum Abschied. Die Art die Zähne zu putzen von links oben bis
rechts oben außen, dann links unten bis rechts unten außen. Kaffee nie
mit Zucker aber immer mit Milch, ein bestimmtes Quantum. Kleidung von
einer bestimmten Marke in einer zum Typ passenden Farbe. Das Maß an
Höflichkeit bis Freundlichkeit ja nach Grad der Bekanntschaft oder
Freundschaft. Der Besuch bei den Eltern am ersten Weihnachtstag zum
Kaffee. Abfahrt vor dem Abendessen. Das Gläschen französischen Rotwein
zum Ausklang des Abends. Mit dem Po zuerst aufs Bett, dann das linke und
dann das rechte Bein. Einlschafposition auf dem Bauch mit dem Kopf nach
links gedreht. Der Winkel zwischen Kinn und Brust beträgt 68,5 °.
Sicherheit, Wohlfühleffekt, Stabilität, Zuverlässigkeit,...
Es kann jedoch sein, dass sich das manchmal wie schon gestorben anfühlt bevor du aufwachst!
Besuch
deine Eltern mal nicht am ersten Weihnachtstag, sondern an Silvester
oder am Valentinstag. Putz deine Zähne und trink deinen Kaffee mit der
dir ungewohnten Hand. Wähle bewusst eine andere Einschlafposition. Fahre
im Urlaub da hin, wo du eigentlich nie hinfahren würdest. Befreunde
dich mit dem Italiener, von dem die Leute sagen, dass seine Pizza nicht
schmeckt. Kaufe einen Markenpullover und schneide direkt nach dem
Einkauf ein kleines Loch hinein. Zieh diesen Pullover an und beobachte,
ob die Leute das merken. Entscheide dich, wenn du total pünktlich bist,
wenigstens einen Tag in der Woche zum Unpünktlichkeitstag zu
deklarieren. Na, welches ist DEIN Beitrag zum Wachwerden!
Mach es einfach mal anders! Beobachte dich dabei! Na, wie fühlt es sich an, wenn du aufgewacht bist?
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Mittwoch, 15. April 2015
Freitag, 27. März 2015
Wunder Leben!
Als
im vergangenen Winter viel Schnee lag, hing ich in einem Strauch einen
Meisenknödel auf. Es brauchte ein paar Tage, bis die Meisen daran
gingen. Auch eine Taube und eine Amsel hatten Interesse an diesn
Körnern. Sie waren aber zu groß und zu schwer und konnten sich nicht an
dem Netz festhalten. "Die Trauben hingen zu hoch." Als jedoch die Meisen
kamen und kraftvoll in dem Knödel herumpickten, fiel immer ein
Bröckchen auf den Boden. Da waren Taube und Amsel gleich zur Stelle und
pickten sich ihren Teil. So erreichten sie doch noch ihr Ziel, etwas vom
großen Kuchen abzubekommen. Ich glaube, das gilt auch für uns Menschen.
Wenn du aufmerksam bist, fällt immer etwas ab, auch für dich. Schau nur
genau hin! Dabei geht es um die Aufmerksamkeit und das Gewahrsein.
Jetzt im Frühjahr wärmt die Sonne die Natur und bringt sie zum aufwachen. Ein paar Sonnenstrahlen fallen auch für dich ab. Du brauchst nichts dafür tun. Stell dich einfach in die Sonne und es geschieht. Du erwachst, wie die Natur!
Du kannst dir auch die Weisheit von Taube und Amsel aneignen und dir zu Herzen nehmen. Immer fällt irgendwo etwas für dich ab. Im Karneval die Kamelle, im Winter die Wärme in einem Kaufhaus, hier und da ein paar Rabatte und Peisnachlässe, ein Probierstand im Supermarkt, eine kleine Gabe auf dem Wochenmarkt, ein Hustenbonbon und ein Paket Taschentücher in der Apotheke, eine Scheibe Wurst beim Metzger und ein freundlicher Hinweis einer Verkäuferin im Modegeschäft. Vielleicht lässt du selber mal hier und da etwas liegen für einen anderen Menschen. Ein kleines Bildchen, einen Aufkleber, eine Dose Futter für das Tierheim. So funktioniert der Kreislauf. Du empfängst und du gibst, du bist ein Teil vom Ganzen. Du kannst es bewusst mitgestalten und erlebst Wunder über Wunder! Faszinieren, nicht?
www.matthias-koenning.de
Jetzt im Frühjahr wärmt die Sonne die Natur und bringt sie zum aufwachen. Ein paar Sonnenstrahlen fallen auch für dich ab. Du brauchst nichts dafür tun. Stell dich einfach in die Sonne und es geschieht. Du erwachst, wie die Natur!
Du kannst dir auch die Weisheit von Taube und Amsel aneignen und dir zu Herzen nehmen. Immer fällt irgendwo etwas für dich ab. Im Karneval die Kamelle, im Winter die Wärme in einem Kaufhaus, hier und da ein paar Rabatte und Peisnachlässe, ein Probierstand im Supermarkt, eine kleine Gabe auf dem Wochenmarkt, ein Hustenbonbon und ein Paket Taschentücher in der Apotheke, eine Scheibe Wurst beim Metzger und ein freundlicher Hinweis einer Verkäuferin im Modegeschäft. Vielleicht lässt du selber mal hier und da etwas liegen für einen anderen Menschen. Ein kleines Bildchen, einen Aufkleber, eine Dose Futter für das Tierheim. So funktioniert der Kreislauf. Du empfängst und du gibst, du bist ein Teil vom Ganzen. Du kannst es bewusst mitgestalten und erlebst Wunder über Wunder! Faszinieren, nicht?
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Donnerstag, 26. März 2015
Steh auf!
Jesus
befindet sich in guter Gesellschaft mit Marius Müller-Westernhagen,
Bushido, Culcha Candela, Betontod und den Toten Hosen. Sie alle und noch
einige Künstler mehr sangen oder sprachen diese Aufforderung aus: „Steh
auf!“
Das sind
energische Worte! „Steh auf!“ Mit Ausrufezeichen! Jesus richtet diese
Worte an den verstorbenen Sohn einer Witwe. Dieser wird gerade auf der
Bahre liegend weggetragen. „Steh auf!“ ruft Jesus in einem eindeutigen
Befehlston. Man stelle sich einmal vor, er würde folgendes sagen:
„Junger Mann, es wäre doch schön für deine traurige Mutter und für alle
anderen Verwandten, wenn du es dir mit dem Sterben noch einmal überlegen
würdest. Die ganze Zukunft liegt noch vor dir! Willst du das alles
wegwerfen? Ist deine Zeit denn wirklich schon gekommen?“ Das wären zwar
sehr einfühlsame Worte gewesen und sicherlich angemessen für einen Toten
und zugleich tröstlich für die Mutter. Hätten solche Worte jedoch
ausgereicht, einen Toten aufzuwecken? Jesus entscheidet sich für die
harte Tour. „Steh auf!“
Die
Band Betontod singt in ihrem Lied: „Ich will Dich nie wieder am Boden
sehen, es ist Zeit aufzustehen und nach vorne zu sehen! Ich will Dich
nie wieder am Boden sehen, steh auf!“ Interessant, dass sowohl
„Betontod“ als auch die „Toten Hosen“ das Wort „Tod“ im Namen tragen.
Musiker mit solchen Namen werden so zu Verkündern des Evangeliums vom
Aufstehen!
„Am Boden liegen – und aufstehen“ – darüber möchte ich gerne noch ein
wenig intensiver nachdenken. Als kleines Kind bin ich mit meinen Eltern
und Geschwistern am Sonntag spazieren gegangen. Mein Vater erzählt mir
heute manchmal, dass ich mich einfach zwischendurch auf die Straße
setzte und nicht wieder aufstand. Alle seine Bitten und Appelle halfen
nichts. Ich blieb da einfach sitzen und die ganze Familie wartete, bis
ich von selbst wieder aufstand. Aus der Perspektive des am Boden
liegenden zeigt sich: Der muss
auch aufstehen wollen. Die Aufforderung muss das Ziel zuerst einmal
erreichen.
Wir Menschen
können nicht früh genug damit beginnen, das wieder Aufstehen einzuüben.
Wir alle haben irgendwann gelernt, das erste Mal auf eigenen Füßen zu
stehen und bewegten uns haltsuchend und wackelig auf den Beinen an den
Objekten im Wohnzimmer entlang. Dann gingen wir freihändig ohne
„Objektschutz“ zwischen Mama und Papa hin und her, strahlten über die
ersten wirklich freien Schritte und … wir fielen! Das Fallen gehört zum
Laufen lernen dazu.
Mittwoch, 25. März 2015
Erhol dich gut!
Das Wort „erholen“ kommt ursprünglich aus der Medizin. Nach
einer Phase der Krankheit geht es darum, wieder gesund zu werden. Der Körper soll nach einer Anstrengung wieder
Zeit bekommen zur Regenerierung, vielleicht nach dem Motto: „Hole dir deine
Gesundheit wieder.“
Wenn wir uns vor dem Urlaub wünschen: „Erhol dich gut!“ dann
verbinden wir damit den Wunsch nach einer Regeneration. Das setzt ja voraus,
dass der entsprechende Mensch tatsächlich krank war oder eine anstrengende
Phase hinter sich gebracht hat.
Es wäre schön, wenn wir auch die Arbeitsphasen im Leben so
gestalten, dass wir nicht erholungsbedürftig werden. Interessanterweise
sprechen wir auch nicht von Erholungsbedürftigkeit nach einem anstrengenden
Sport. Ein anstrengender Sport führt zur Erholung und eine anstrengende Arbeit
zur Erholungsbedürftigkeit.
Ich glaube, da stimmt was nicht.
Statt „Erholung“ rede ich lieber von „Pause“. Untersuchungen
zeigen, dass wir Menschen uns nur 90 – 120 Minuten konzentrieren können und
dann eine Unterbrechung brauchen. Einfach für ein paar Minuten nichts tun und Körper
und Geist zur Ruhe kommen lassen. Wenn wir am Tag genug pausieren, wird der
Urlaub nicht zu einer Art selbstfinanzierter Reha Maßnahme. Der Urlaub wird zur zweckfreien Zeit und zu
einer ausgedehnten Pause.
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Dienstag, 24. März 2015
Werde wesentlich
Auch diesen Vers habe ich gefunden bei Angelus Silesius im
„cherubinischen Wandersmann.“
„Mensch, werde wesentlich; denn wenn die Welt vergeht,
So fällt der Zufall weg, das Wesen, das besteht.“
Es gibt das „Wesen“ und das,
was „dazu fällt“. Es gibt einen
unzerstörbaren Kern, und es gibt die vergängliche Geschichte. Es geht etwas und
es bleibt etwas. Jeden Tag fällt uns etwas zu. Ein Mensch kreuzt unseren Weg,
wir sitzen am Frühstückstisch, wir erledigen die Alltagsgeschäfte. Wir regen
uns auf, wir werden erschüttert. Wir geben den „vorübergehenden“ Erlebnissen
unendlich Bedeutung. Nicht zuletzt besetzen uns manche Ereignisse so stark,
dass wir über Jahre traumatisiert werden.
„Mensch, werde wesentlich!“ Das, was wir erleben soll uns
dazu dienen, dass wir daran wachsen und reifen. Häufig bleiben wir jedoch bei
den Dingen stehen und nicht beim Wesentlichen.
Als Kind kommst du z.B. zu deiner Mutter und beschwerst
dich: „Mama, der Bernd hat mich gehauen!“ Dann hörst du deine Mutter sagen:
„Ach du Armer, das hat er bestimmt nicht mit Absicht gemacht.“ „Doch, hat
er...!“ Ihr Beide bleibt in der Szene, bis sie sich irgendwann friedlich oder
sonst wie auflöst.
Sinnvoll ist es, wenn du dich irgendwann als Erwachsener mit
den dahinter verborgenen Themen auseinandersetzt. Wie erlebst du den Umgang mit
Macht und mit Gewalt? Wie gehst du um mit Schmerzen, Kränkungen und
Ablehnungen? Wer ist dieses „Du“, dass das da gerade erlebt? Wenn du das
machst, trägst du etwas dazu bei, wesentlich zu werden.
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