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Mittwoch, 30. Januar 2019

Wenn sich eine Tür schließt, sollte man auch nicht mehr durchs Schlüsselloch schauen.


Es ist manchmal echt schwer, etwas loszulassen. Ist da nicht noch was möglich. Soll ich noch mal hinterherhaken? Ich könnte ja noch etwas klären oder probieren.
Ich habe einmal eine Freundschaft beendet. Hinterher fragten mich alle, was denn so los war. Und dann habe ich losgelegt, wie gekränkt und verletzt ich immer noch sein. Wie unmöglich sich dieser Freund verhalten hat. Wie uneinsichtig er war und wie wenig ich mich verstanden fühlte. Alle, mit denen ich sprach, litten mit mir. "Du hast alles richtig gemacht. Sei froh, dass du den Freund los bist."
Dann wollte irgendwann niemand mehr mit mir über diese Kränkungen sprechen. Ich sah es schon in deren Augen: "Bitte nicht schon wieder!" Also musste ich die Kränkungen in meinem Kopf durchspielen. Wieder und wieder! Alle Dialoge noch einmal! Aber jetzt war ich nicht mehr Opfer meines Freundes, sondern ich habe es ihm heimgezahlt. Nur in den Gedanken natürlich.
Jetzt lese ich diesen Spruch: Wenn sich eine Tür schließt, sollte man auch nicht mehr durchs Schlüsselloch schauen.
Ich fühle mich erwischt. Ja, genau! Das mache ich doch ständig. Ich schaue durchs Schlüsselloch! Ich lasse die Geschichte einfach nicht los. Ich recherchiere und frage nach, ob mein Exfreund jetzt wenigstens leidet. Ich wühle alte Geschichten auf und vergrabe mich in meinem Elend. Aber es gibt keine Erlösung, solange ich vor der Tür stehe und durch das Schlüsselloch schaue. Dann kommen ständig alte Gefühle hoch. Wenn ich durch das Schlüsselloch schaue, was sind dann die Folgen? Ich bekomme einen krummen Rücken. Ich sehe durch das Loch nur einen kleinen Ausschnitt. Es macht mich auf die Dauer krank und fertig. Und ich verlerne den aufrechten Gang. Den brauche ich aber für die nächsten Schritte. Also weg vom Schlüsselloch und durchstarten. Ist besser so! Wenn ich erst einmal die neue Landschaft sehe wird es Schritt für Schritt besser. Irgendwann verschwindet das Schlüsselloch, die Tür und alles, was dazu gehört. Ich bin frei! Warum nicht sofort? Das Schlüssleloch lockt! "Komm, schau durch!" "Da ist noch was!" Es braucht eine klare Entscheidung und einen Ruck und die Verlockung des Neuen. Und auch das ist schon da!
www.matthias-koenning.de

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