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Samstag, 22. August 2020
Bist du frei? Darf ich dich stören?
Hinter dem Schild Nr. 14 verbergen sich zwei Wirklichkeiten. Ich kann es verschieben und bekomme jeweils eine andere Botschaft. Nr. 14 ist frei und manchmal darf ich Nr. 14 nicht stören. Nr. 14 kann man nach links und nach rechts schieben. Nr. 14 gehört zu einem Tagungsraum vor dem ich gerade sitze. Es steht auf: "Bitte nicht stören". Dann kommt ein Mann aus dem Raum und schiebt den Regler auf "frei".
Ich sitze gegenüber und mache mir meine Gedanken. Wenn ich dich anspreche: "Bist du frei?" Magst du mir gerade zuhören? Bist du offen für das, was ich sage? Vielleicht sagst du ja verbal: "Ja klar! Gerne! Was möchtest du von mir?" Und zugleich bist du verschlossen und sendest ein verborgenes Signal aus: "Bitte nicht stören". Du bist also nicht wirklich frei. Du bist beschäftigt. Wir Menschen können das irgendwie gleichzeitig und wieder auch nicht. Ein Raum ist frei oder besetzt. Räume sind da eindeutiger. Aber bei uns Menschen gibt es manchmal zwei Welten. Eine innen und eine, die ich zeige. Wie bei dem Schild am Tagungshaus. Welche Wirklichkeit will ich gerade ausdrücken? Bin ich frei? Oder möchte ich nicht gestört werden! Beides hat seine Berechtigung und es gibt jeweils gute Gründe.
Ich möchte mehr in mich hineinspüren, was denn gerade dran ist. Ich werde mich trauen zu sagen, dass ich gerade nicht gestört werden möchte. Ich riskiere meine Freundschaft und vertraue, dass sie das aushält. Dass mein Gegenüber das versteht oder auch nicht und dennoch die Beziehung zu mir aufrecht hält. Und dass mein Gegenüber und ich beide völlig in Ordnung sind. Mal bin ich eben frei und mal möchte ich nicht gestört werden.
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Dienstag, 18. August 2020
Zähne zusammenbeißen...
Wenn du die Zähne zusammenbeißen musst, dann erlebst du etwas als anstrengend, schmerzhaft oder unangenehm. Ein Jährchen älter werden, na und? Ist das schmerzhaft oder unangenehm?
Für eine Zeit habe ich während des Schlafes mit den Zähnen geknirscht. Das meinte jedenfalls mein Zahnarzt und verschriebe mir einen Plastikschutz für die Nacht. Ich habe ihn getragen aber wichtiger fand ich die Forschung nach dem Thema. Was hatte mich denn so belastet, dass ich die Spannung tagsüber nicht abbauen konnte?
Manchmal beschäftigt dich ein Thema. Du sorgst dich. Du hast Angst! Vielleicht sogar eine tiefe Existenzangst. Und diese Sorge hält dich so gefangen, dass du in die Anstrengung gehst. Du musst das Problem lösen. Du musst etwas tun! Es ist zu schwer zum aushalten! Du kannst dir eine Entspannung nicht leisten. Bleib wachsam! Es könnte noch Schrecklicheres geschehen. Vor allem bei Konflikten rechnest du mit dem nächsten Angriff deines Gegners. Du siehst nur noch die Zerstörung, die Auflösung, die Vernichtung, das Böse! Da sammelt sich am Tag so viel Spannung an, dass du die Nacht brauchst, um die Spannung aushalten zu können oder wieder loszuwerden.
Und was machst du da, wenn die Zähne knirschen? Du zermalmst zwischen deinen Zähnen deinen Gegener, dein Problem, deine Sorge und deine Angst. Leider taucht es beim Aufwachen wieder auf. Es kann sein, dass du einfach sauer bist! Du bist ärgerlich bis wütend! Ein paar kräftige Faustschläge ins Kissen. Ein paar kraftvolle Worte in den Wald gerufen wären wahrscheinlich eine gute Entlastung für die Zähne, die diesen Job nur unzureichend vollziehen können.
Zugleich ist es hilfreich, für einen Moment in sich zu gehen. Ich kann dem, was wütend macht aus dem Weg gehen. Ich kann es beseitigen oder ich kann die Einstellung gewinnen, dass es nicht so schlimm ist wie es sich gerade anfühlt. Mein Hilfesatz taucht manchmal auf nach der ersten Aufregung: "Angesichts der Ewigkeit, die auf uns wartet, ist das alles nicht so wichtig." Angesichts der Ewigkeit... Wenn ich diese Welt verlassen habe, werde ich mich mit diesem Thema auf keinen Fall mehr beschäftigen. Da mache ich etwas, das total schön und erfüllend ist. Wenn ich etwas Wunderbares in der Ewigkeit mache, dann kann ich langsam aufhören, micht mit den Sorgen der Gegenwart herumzuplagen. Also! Welche Angst könntest du heute einmal loslassen angesichts der Ewigkeit, die auf dich zukommt und in der du dich schon befindest.
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Für eine Zeit habe ich während des Schlafes mit den Zähnen geknirscht. Das meinte jedenfalls mein Zahnarzt und verschriebe mir einen Plastikschutz für die Nacht. Ich habe ihn getragen aber wichtiger fand ich die Forschung nach dem Thema. Was hatte mich denn so belastet, dass ich die Spannung tagsüber nicht abbauen konnte?
Manchmal beschäftigt dich ein Thema. Du sorgst dich. Du hast Angst! Vielleicht sogar eine tiefe Existenzangst. Und diese Sorge hält dich so gefangen, dass du in die Anstrengung gehst. Du musst das Problem lösen. Du musst etwas tun! Es ist zu schwer zum aushalten! Du kannst dir eine Entspannung nicht leisten. Bleib wachsam! Es könnte noch Schrecklicheres geschehen. Vor allem bei Konflikten rechnest du mit dem nächsten Angriff deines Gegners. Du siehst nur noch die Zerstörung, die Auflösung, die Vernichtung, das Böse! Da sammelt sich am Tag so viel Spannung an, dass du die Nacht brauchst, um die Spannung aushalten zu können oder wieder loszuwerden.
Und was machst du da, wenn die Zähne knirschen? Du zermalmst zwischen deinen Zähnen deinen Gegener, dein Problem, deine Sorge und deine Angst. Leider taucht es beim Aufwachen wieder auf. Es kann sein, dass du einfach sauer bist! Du bist ärgerlich bis wütend! Ein paar kräftige Faustschläge ins Kissen. Ein paar kraftvolle Worte in den Wald gerufen wären wahrscheinlich eine gute Entlastung für die Zähne, die diesen Job nur unzureichend vollziehen können.
Zugleich ist es hilfreich, für einen Moment in sich zu gehen. Ich kann dem, was wütend macht aus dem Weg gehen. Ich kann es beseitigen oder ich kann die Einstellung gewinnen, dass es nicht so schlimm ist wie es sich gerade anfühlt. Mein Hilfesatz taucht manchmal auf nach der ersten Aufregung: "Angesichts der Ewigkeit, die auf uns wartet, ist das alles nicht so wichtig." Angesichts der Ewigkeit... Wenn ich diese Welt verlassen habe, werde ich mich mit diesem Thema auf keinen Fall mehr beschäftigen. Da mache ich etwas, das total schön und erfüllend ist. Wenn ich etwas Wunderbares in der Ewigkeit mache, dann kann ich langsam aufhören, micht mit den Sorgen der Gegenwart herumzuplagen. Also! Welche Angst könntest du heute einmal loslassen angesichts der Ewigkeit, die auf dich zukommt und in der du dich schon befindest.
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Donnerstag, 6. August 2020
Ab sofort bin ich nur noch ich. Alles andere ist mir auf die Dauer zu anstrengend. (Ernst Ferstl)
Es reicht aus, wenn ich ich bin. Damit habe ich genug zu tun. Ich weiß oft nicht einmal wer dieses ICH ist. Manchmal denke ich, es ist das Ich meines Vaters. Ich höre seine Stimme in mir. "Mach das so oder so! Aber bloß nicht anders!" Da gibt es die vielen Stimmen, die zu mir sprechen. Meine Eltern, meine Lehrer, mein Pfarrer. Eine lange Liste. Aber diese Stimmen tun so, als seien sie meine eigene. Wenn ich denke, dass sei meine eigene Stimme müsste ich dem ja folgen, nicht wahr?
Sehr raffiniert! Die vielen fremden Stimmen in mir tarnen sich! Ich denke, das sei ich, aber dabei bin ich es gar nicht. Was mache ich nun? Ich identifiziere die Stimmen in mir. Ich frage zuerst, wem sie gehört. Ist es eine fremde Stimme sage ich: "Raus aus meinem System!" Dann stelle ich mit Erschrecken fest, dass so nach und nach alle Stimmen verschwinden. Da bleibt nicht mehr viel übrig! Wo ist meine eigene Stimme? Die, die nur zu mir gehört?
Sie ist leise geworden im Laufe der Jahre. Sie denkt, dass sie unwichtig ist. Alle anderen Stimmen sind wichtiger. Besonders die elterlichen Stimmen. Aber ich halte die Stille in mir aus. Ich werde wütend und traurig. Und wenn ich es wirklich aushalte - meldet sich meine ureigene Stimme ganz leise in mir. Also: Ab sofort bin ich nur noch ich. Alles andere ist mir auf die Dauer zu anstrengend!
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Mittwoch, 5. August 2020
Meine Entscheidungen und meine Fehler! Nicht deine!
Auf meiner Spruchkarte heute lese ich: "Mein Leben, meine Entscheidungen, meine Fehler - nicht deine Sache"
Manchmal bekommst du ja einen gut gemeinten Rat. "Hast du dir das auch genau überlegt? Ich finde das ein wenig gewagt, was du da vorhast. Denke doch lieber noch mal drüber nach. Nachher tut es dir Leid und sagst mir: 'Warum hast du mich nicht gewarnt!' Das tue ich jetzt. Ich meine, du kannst ja tun und machen was du willst. Du bist ja schließlich erwachsen. Und ich will auf keinen Fall hineinreden. Du hast dir das ja auch bestimmt gut überlegt. So kenne ich dich auch. Aber dieses mal spüre ich in mir so eine kleine Unruhe. Heute sollte ich wirklich mal was sagen. Und das tue ich jetzt. Und danach halte ich auch schon wieder den Mund. Ich will dich ja nicht beunruhigen und dir alles madig machen. Aber jetzt ist es raus und ich kann mich wieder davon verabschieden."
Und? Wie geht es dir jetzt? Ich lese meine eigenen Zeilen und bekomme Ärger. Der steigt mir bis zum Hals. "Dieser blöde Sack! Kann der nicht seinen Mund halten? Dieses Gesülze!"
Manchmal hörst du solche Stimmen im Außen und manchmal ertönt diese Stimme als die Deinige im Hintergrund. Da hilft wirklich ein solcher Satz wie auf der Karte: "Das ist mein Leben und ich treffe hier die Entscheidungen. Auch wenn ich einen Fehler dabei mache. Das ist mir egal! Ich habe ein Recht auf meine Erfolge und auf meine Fehler!"
Also! Geh in die Selbstermächtigung. Es ist dein Leben! Deine Entscheidungen! Und von mir aus auch deine Fehler! Wenn du Fehler allerdings vermeiden möchtest, wirst du anfällig sein für die Stimmen, die da säuseln: "Ich habe dich gewarnt..."
"Danke für deine Warnung und jetzt kümmere dich um deine eigenen Dinge. Und ich übernehme die Verantwortung für mich."
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Manchmal bekommst du ja einen gut gemeinten Rat. "Hast du dir das auch genau überlegt? Ich finde das ein wenig gewagt, was du da vorhast. Denke doch lieber noch mal drüber nach. Nachher tut es dir Leid und sagst mir: 'Warum hast du mich nicht gewarnt!' Das tue ich jetzt. Ich meine, du kannst ja tun und machen was du willst. Du bist ja schließlich erwachsen. Und ich will auf keinen Fall hineinreden. Du hast dir das ja auch bestimmt gut überlegt. So kenne ich dich auch. Aber dieses mal spüre ich in mir so eine kleine Unruhe. Heute sollte ich wirklich mal was sagen. Und das tue ich jetzt. Und danach halte ich auch schon wieder den Mund. Ich will dich ja nicht beunruhigen und dir alles madig machen. Aber jetzt ist es raus und ich kann mich wieder davon verabschieden."
Und? Wie geht es dir jetzt? Ich lese meine eigenen Zeilen und bekomme Ärger. Der steigt mir bis zum Hals. "Dieser blöde Sack! Kann der nicht seinen Mund halten? Dieses Gesülze!"
Manchmal hörst du solche Stimmen im Außen und manchmal ertönt diese Stimme als die Deinige im Hintergrund. Da hilft wirklich ein solcher Satz wie auf der Karte: "Das ist mein Leben und ich treffe hier die Entscheidungen. Auch wenn ich einen Fehler dabei mache. Das ist mir egal! Ich habe ein Recht auf meine Erfolge und auf meine Fehler!"
Also! Geh in die Selbstermächtigung. Es ist dein Leben! Deine Entscheidungen! Und von mir aus auch deine Fehler! Wenn du Fehler allerdings vermeiden möchtest, wirst du anfällig sein für die Stimmen, die da säuseln: "Ich habe dich gewarnt..."
"Danke für deine Warnung und jetzt kümmere dich um deine eigenen Dinge. Und ich übernehme die Verantwortung für mich."
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Dienstag, 4. August 2020
Anfang und Ende!
Im Flur meiner Eltern hängt seit meiner Kindheit der Teil eines Gedichtes zum neuen Jahr von Eduard Mörike. Dort heißt es im Schlussvers:
Herr, dir in die Hände
sei Anfang und Ende,
sei alles gelegt!
Jedes Leben hat einen Anfang und ein Ende. Alles Irdische ist dadurch gekennzeichnet, dass es begrenzt ist. Auch sehr stabile Häuser fallen irgendwann zusammen. Zwar stehen die Pyramiden in Ägypten schon seit einigen Tausend Jahren, aber irgendwann standen sie noch nicht und der Zahn der Zeit nagt unaufhörlich daran. Es mag noch viele viele Jahrtausende dauern, bis sie wieder zerfallen. Aber sie werden zerfallen. Mir fällt nichts ein auf dieser Welt, das keinen Anfang und kein Ende hat.
Eudard Mörike schafft in seinem Gedicht jedoch eine Erweiterung: Anfang und Ende legt er in die Hände Gottes. Damit deutet er an, dass es noch etwas gibt, das über den Anfang und das Ende hinausgeht.
Anfang und Ende gehören zu den begrenzenden Zeiterfahrungen der irdischen Existenz. Leben geschieht immer in einem Zeitraum von Anfang bis Ende. Das sind die Grenzmarkierungen. Aber es gibt eine Dimension, die nicht dieser Beschränkung unterliegt. Unser Bewusstsein kann "Zeitempfindungen" überwinden. Ich kann mich jenseits von Zeit und Raum denken. Menschen mit einer Nahtoderfahrung erzählen davon, wie im Bruchteil einer Sekunde das ganze Leben wie ein Film noch einmal abläuft.
Wir Menschen sind in unserem zeitlichen Empfinden von Begrenzungen, Tod und Ende noch einmal aufgehoben in etwas jenseits von Zeit. Darin liegt eine sehr befreiende Botschaft. Auch und jenseits von Tod und Ende bekommst du noch neue Möglichkeiten. Du bist bildlich gesprochen ein begrenzter Teil in Gottes unbegrenzter Hand.
Wir denken uns "anfänglich" und "endlich" und zugleich können wir uns "ewig" denken. Wie verändert sich dein Leben wenn du das praktisch umsetzt? Wie verändert sich dadurch dein Denken und deine Haltung?
Wenn du dich zeitlich begrenzt erlebst dann bist du im ständigen Mangel alles hier und jetzt noch erleben zu müssen. Die Zeit ist knapp und du hast noch viel zu tun. Wenn du im "Ewigkeitsbewusstsein" bist, dann hört die Hektik auf! Du kannst, aber du musst nicht mehr! Eduard Mörike noch einmal zur Erinnerung: "Herr, dir in die Hände sei Anfang und Ende, sei alles gelegt." Es geht also neben dem Bedenken von Zeit und Ewigkeit noch darum etwas zu tun. Das "Ablegen"! Es geht darum loszulassen, nicht festzuhalten! Wenn ich dem Ewigen das gebe, was ihm eh gehört, dann hört der Kampf auf, unbedingt etwas festzuhalten, was du sowieso nicht festhalten kannst. Kannst du deinen Mann festhalten? Deine Kinder? Deine Gesundheit? Dein Geld? Halte mal mit deinen Händen über einen Zeitraum viele Dinge fest. Du wirst verkrampfen, die Kraft wird dich verlassen und vor allem - du wirst die Dinge nicht mehr genießen können. Wenn du den Geliebten festhältst und nicht loslässt verwandelt er sich in ein Monstrum oder eine Schaufensterpuppe. Im Loslassen der Dinge gewinnst du die Freiheit, damit Erfahrungen zu machen und danach "Danke" zu sagen.
Ob wir "Ja" sagen können zu unserem Leben hängt genau davon ab, ob wir loslassen können. Ohne Angst zu verlieren; nur im Vertrauen, dass schon gut für mich gesorgt ist. In der Übereinstimmung von Atem holen und Atem lassen. In diesem Sinne wünsche ich dir einen ausgewogenen Rhythmus!
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