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Mittwoch, 13. März 2019

Wir alle haben im Dachgeschoss der Seele ein Geheimnis unter Verschluss. Carolos Ruiz Zafon


Stell dir vor, dass es im Dachgeschoss deiner Seele ein Geheimnis gibt. Du hältst es unter Verschluss. Du kennst es selbst nicht, Du hast diese Kiste nie geöffnet und verbirgst den Schlüssel vor dir selbst. Du achtest darauf, dass niemand sonst von diesem Geheimnis etwas weiß. Du vermutest nämlich, wenn du deine geheime Kiste öffnen würdest, dann käme da ein schreckliches Gespenst heraus. Du würdest etwas entdecken, für das du dich so schämst, dass es tödlich endet. Oder du hättest die Angst, nicht mehr bestehen zu können vor deinen Lieblingsmenschen und vor der Umwelt.
Du hältst es lieber verschlossen, damit auch ja nichts geschieht. Du verschließt es so, dass du sogar nicht mehr weißt, dass es sich im Dachgeschoss befindet. Du würdest jedem Menschen sagen: Ich habe keine Geheimnisse! Und du würdest dir sogar selber glauben. Aber vielleicht ahnst du, dass es ein Geheimnis gibt und du vermutest, dass es eher unangenehm ist. Und dann? Dann verhältst du dich so, als ob du etwas verstecken müsstest. Du würdest durch die Gegend laufen wie jemand, der etwas versteckt. Du wärest betont freundlich oder ausgelassen, damit man deine Angst nicht spürt. Du würdest so eine Mischung versprühen von scheinbarer Gelassenheit, auffälliger Unauffälligkeit, betont ruhiger unruhiger Blick. "Hoffentlich sieht es niemand!"
"Wir alle haben im Dachgeschoss der Seele ein Geheimnis unter Verschluss." meint Zafon. Wie beruhigend! Ich bin damit nicht allein. Du hast es! Ich habe es. Alle haben es. Alle laufen mit einem Geheimnis herum. Dann können wir ja auch aufhören uns zu verstecken. Das ist auf die Dauer nämlich ganz schön anstrengend. Und wer weiß! Vielleicht ist das Geheimnis ja etwas unglaublich Liebevolles. Etwas, das ich gut öffnen könnte! Etwas, das zu mir gehört und das gerne angenommen und gesehen werden möchte. Etwas, das nach Integration ruft! "Hallo, hier bin ich! Magst du mich?"
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