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Montag, 18. Dezember 2017

Adventliches Abenteuer Nr. 18: Wenn im Gefühl der Dankbarkeit Worte überflüssig werden


Einige Tage vor dem Beginn der Adventszeit fiel mir ein, dass Advent und Adventure doch sehr ähnlich klingen. Advent heißt Ankunft und Adventure Abenteuer. Hat Advent etwas mit Abenteuer zu tun? Die meisten Menschen wünschen sich eher eine beschauliche Zeit mit Kerzenschein und Kaminwärme. Mal nicht hetzen. Zeit für sich haben. Nachdenken. Zur Ruhe kommen.

All das verspricht der Advent nicht. Er verspricht das Abenteuer. Er lädt dich ein, die Herausforderung anzunehmen und die Komfortzone zu verlassen. Hast du Lust auf ein Abenteuer? Ich lade dich ein!

Abenteuer Nr. 18: Wenn im Gefühl der Dankbarkeit Worte überflüssig werden

Nicht dafür!
War doch selbstverständlich!
War doch nur eine Kleinigkeit!

Eine Hand wäscht die andere!
Wofür?
Lass gut sein!

Hätte ich auch für dich gemacht!
Du musst mir nicht danken!
Ist schon in Ordnung!
Mach keine große Sache daraus!

Gerne!

Diese Sätze sind dir bestimmt geläufig, oder? Wie reagierst du in der Regel, wenn sich jemand bei dir bedankt? Welchen Satz bevorzugst du?
Oder gehörst du vielleicht zu denen, die geschickt Situationen vermeiden, in denen man sich bedanken  müsste? Darum tust du im Vorfeld alles für deine Unabhängigkeit. Du kannst alles, kaufst dir alles vom eigenen Geld und kannst dir inzwischen alles leisten und brauchst niemanden mehr zu fragen! Beim Wort „Danken“ schwingt eine Fülle von nicht immer angenehmen Ge-„danken“ mit.
Zugleich ist der Oktober mit den Erntefesten dem Danken gewidmet. Mit dem Danken verbindet jeder so seine eigene manchmal auch traumatische Kindheitsgeschichte. Ich erinnere mich ungern an frühere Besuche der Verwandtschaft. Die Tante brachte uns fünf Kindern eine Tafel Schokolade mit. Meine Gedanken fingen sofort an zu kreisen. Diese Schokolade mag keiner von uns! Und außerdem - wie soll man 24 Stücke auf fünf Kinder verteilen? Wer verzichtet heute? Während ich mit diesen Überlegungen beschäftigt war, kam garantiert von den Eltern der Erziehungs- und Killerspruch: „Und?! Was sagt man, wenn man etwas geschenkt bekommt?!“ Ohne weiteres Nachdenken kam der Dank dann pro forma und anerzogen.
Doch der Dank ist kein Wort und entsteht nicht im Kopf. Der Dank kommt aus dem Herzen. Zum Danke sagen gehört unbedingt das dazugehörige Empfinden. Sonst wirkt der Dank schal und gezwungen.
Ich möchte mit dir noch einen Schritt weitergehen. Wenn du etwas von jemandem bekommst, entsteht schnell der Eindruck, dass du damit etwas schuldest, etwas wieder gutmachen und etwas zurückgeben musst. Nicht umsonst entstehen so die Kreisläufe von Besuchen und Gegenbesuchen, von Weihnachts- und Geburtstagsgeschenken im Modus: Da komm ich nie wieder raus! Auch die Wirtschaft arbeitet mit diesen Gesetzen. Am Käsestand darfst du ein Stück Käse probieren (geschenkt!). Dafür kaufst du dann zum Ausgleich irgendetwas ein. Die Eltern schenken dir das Leben und du musst im Laufe der Zeit für den Ausgleich sorgen, indem du im Alter für sie sorgst.
Wenn du „Danke“ sagst, dann nimmst du von jemandem etwas als unverdientes Geschenk an, das dir bislang nicht gehörte. Quasi automatisch entsteht in dir das Gefühl: Ich muss es wieder gut machen. Ich muss für den Ausgleich sorgen. Ich bringe mich in eine Schuld. Dieses Gefühl möchte ich auf jeden Fall verhindern. Ich reduziere es auf ein Minimum, dass mir jemand etwas schenkt. Lieber schenke ich selber und sorge dafür, dass andere mir etwas schuldig sind.
Vielleicht findest du meine Gedanken geschraubt und du gehörst eher zu den Menschen, die sich ganz einfach nur freuen. Du gehörst zu denen, die gerne etwas annehmen und verschenken. Du machst das alles ohne Hintergedanken oder Befürchtungen. Herzlichen Glückwunsch! Du bist schon an der Schwelle des Paradieses angekommen!
Ich glaube, dass wir Menschen uns immer im Kreislauf befinden von „Geben“ und „Nehmen“. Wir können es gar nicht verhindern. Niemand ist eine Insel und kann für sich allein existieren. Es wäre gut, wenn wir das „Geben und Nehmen“ herauskatapultieren aus dem Schuldgedankenkreislauf. Stattdessen möchte ich dich einladen, es auf die Beziehungsebene zu heben. Du beschenkst mich und ich beschenke dich als Ausdruck unserer Verbindung und als Bekräftigung unserer Freundschaft.
Zugleich ist es hilfreich, sich vorzustellen, dass wir als Menschen alle  ausnahmslos abhängig sind. Wir brauchten Eltern, um auf diese Welt zu gelangen. Wir benötigen Nahrungsmittel, Wärme und Zuwendung. Wir sind durch und durch bedürftig, mal mehr, mal weniger. Erkenne es und stehe dazu! Gott sei Dank sind wir in unserer Bedürftigkeit an eine unerschöpfliche und geschenkte Quelle angebunden, die wir Gott nennen. Sein Geschenk des Lebens ist der Ausdruck seiner Liebe. Im Psalm 100 wird dies deutlich.

Jauchzt vor dem Herrn, alle Länder der Erde! / Dient dem Herrn mit Freude! Kommt vor sein Antlitz mit Jubel!
Erkennt: Der Herr allein ist Gott. / Er hat uns geschaffen, wir sind sein Eigentum, sein Volk und die Herde seiner Weide.
Tretet mit Dank durch seine Tore ein! / Kommt mit Lobgesang in die Vorhöfe seines Tempels! Dankt ihm, preist seinen Namen!
Denn der Herr ist gütig, / ewig währt seine Huld, von Geschlecht zu Geschlecht seine Treue.
Nicht zuletzt geht es darum, in das Mitschwingen mit der gesamten Schöpfung zu gelangen. Wenn dein Herz schwingt im Glücksgefühl, wenn dein Körper tanzt, wenn deine Seele „Ja!“ jubiliert, dann ist das die „gelebte Dankbarkeit“ jenseits von jedem moralischen Druck des Danke sagen müssen. 
www.matthias-koenning.de 

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