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Freitag, 28. Juli 2017

Vielseitig unbegabt!


Urlaubszeit! Raus aus der Alltagsfalle und den vielen Ansprüchen! Der Kabarettist Christian Ehring schenkt mir einen Urlaubsimpuls: "Ich bin vielseitig unbegabt." Da klingt der gängige Spruch gleich mit. "Er ist nur einseitig begabt." Das fängt ja in der Schule schon an. Bist du eher sprachlich oder eher mathematisch begabt. Die einseitigen Naturwissenschaftler und die einseitigen Künstler. Wer einseitig begabt ist, muss sein Talent auch ordentlich kultivieren. So wirst du Schauspieler oder Physikprofessor. Das Leben ist ab der Grundschule schon vorgebahnt.
Dann gibt es noch die Menschen, die vielseitig begabt sind. Die echten Wunderkinder. Sie können alles. Denen fällt dann auch die Entscheidung manchmal schwer. Was mache nur mit meinem Leben? Schauspieler oder Professor? Oder Professor mit guten Schauspielqualitäten?
Ich gehöre wohl zu der Gruppe, die viele Dinge so ungefähr können. Nirgendwo ganz oben und nirgendwo ganz unten. Guter Durschnitt eben. Das hat den Vorteil, dass ich nicht so unter Leistungsdruck stehe.
Solange ich aber irgendetwas kann gibt es auch einen Anspruch. Den Anspruch, die Talente ordentlich auszubauen und zu nutzen. Etwas aus sich zu machen. Wie befreiend hört sich da doch der Satz von Christian Ehring an: "Ich bin vielseitig unbegabt." Das unterscheidet sich doch sehr von: "Ich kann nichts!" Erinnerst du dich an Zeugnisse, wo es eine sechs gab? Ungenügend? Hilfe! Mit einer solchen Note hätte ich mich nicht nach Hause getraut. Ungenügend und das Selbstbewusstsein im Keller. Wie erfrischend, wenn ich sage: "Ich bin vielseitig unbegabt." Ich habe keine Begabung, bin darin aber vielseitig. Vielseitig klingt positiv. Ein Vielseitiger ist für viele Dinge gut. Er kann nichts, davon aber viel und mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen.
Ich erinnere mich an manche Kinder im Ferienlager, die nicht begabt waren. Sie konnten nicht schön malen, nicht schnell rennen und vieles andere auch nicht. Aber in ihrem "Nichtkönnen" waren sie unglaublich glücklich. Mitleid war völlig fehl am Platz. Eher Neid. Wie kann man so glücklich sein, ohne etwas zu können?!
Unser Ego bestimmt sehr stark unser Leben. Etwas können. Dazu gehören. Etwas darstellen. Jemand sein. Der vielseitig Unbegabte spiegelt sich in der klassischen Rolle des Clowns. Er macht alles und macht es so verkehrt, dass alle über ihn lachen und er über sich selbst auch. Der Clown sieht das Leben als ein Spiel. Mehr nicht! Und damit hält er mir den Spiegel hin. Ich bin der unwichtigste Mensch in der Welt und darf darüber total glücklich sein.
www.matthias-koenning.de

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