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Donnerstag, 27. Oktober 2016

Man kann in ein Kind nichts hineinprügeln, aber vieles herausstreicheln. (Astrid Lindgren)


Kannst du dich an die vielen Erziehungsversuche deiner Eltern noch erinnern?

Was sagt man denn, wenn man etwas geschenkt bekommt?
Sitz gerade!
Das ist die falsche Hand!
Putz dir die Nase!
Hör auf zu schreien!
Putz dir die Zähne!
Hast du dir schon die Hände gewaschen!
Mach deine Hausaufgaben!
Sei höflich!
Schrei hier nicht rum!

Ich erlebe öfter mal verzweifelte Eltern, die unermüdlich etwas in ihre Kinder hineinprügeln. Hoffentlich nicht mit dem Stock. Aber verbal reicht ja auch schon.
Mir gefällt die Idee von Astrid Lindgren, dass wir Menschen gestreichelt werden möchten. Streichle doch mal etwas aus jemandem heraus. Wie schön das wohl ist?!
Streicheln ist eine Einladung und kein Befehl. Ich wäre als Kind gerne mal verlockt worden. Ich hätte mir mehr Einladungen gewünscht. Wenn ich eingeladen werde, dann mache ich unglaublich gerne etwas. Es ist mir dann sogar eine große Freude. Ich werde gewürdigt und als Mensch behandelt. Das ist es! Wir behandeln die Kinder oft wie Abhängige oder wie Sklaven. Wie können sie da etwas von der menschlichen Würde lernen? Jedes Kind und jeder Mensch hat eine große Würde. Eine Würde mit göttlicher Abstammung. Ich bin unverfügbar und ich habe kein Recht, etwas in einen Menschen hineinzuprügeln. Ich erzeuge damit nur Widerstand, Ärger, Angst und Ohnmacht. Gefühle, die sich in die Haut einbrennen. Oder in irgendein anderes Körperorgan.
Ich möchte lieber gestreichelt werden. Da kann ich erkennen, dass ich einen Wert habe, dass ich in den Augen der Menschen kostbar bin. Niemand muss mich zwingen. Da kann ich zu einem störrischen Esel werden. Als Kind war ich ohnmächtig. Und in der Abhängigkeit von meinen Eltern habe ich gehorcht. Aber ich habe es mir gemerkt und heimlich eine Rechnung aufgestellt. "Wenn ich groß bin, dann..."
Heute kann ich mich dafür entscheiden, etwas herauszustreicheln. Das schafft Verbindung und Freude! Die Gewalt darf ich zurücklassen. Ich möchte da keine Energie mehr hinzufügen. Das schadet meiner Seele. Irgendwann ist es gut, einen Schlussstrich zu ziehen und zum Streicheln zu wechseln.
www.matthias-koenning.de

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