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Freitag, 6. Juni 2014

Gott, der Ideenbäcker

Mein Spaziergang heute führte mich an einer Bäckerei vorbei. Über dem Eingang stand in großen Lettern: "Ideenbäcker". Das war mir bislang noch gar nicht aufgefallen. Ich war schon öfter in dem Laden. Er unterscheidet sich nicht von den anderen Bäckereien. Dort gibt es wie überall Brot, Brötchen, Kuchen und Gebäck. Das Wort "Ideenbäcker" suggeriert jedoch, dass das Brot von diesem Bäcker sich unterscheidet von allen anderen Broten dieser Stadt. Wird mir ein besonders ideenreiches Brot versprochen? Bei den vielen Bäckereien, die es in den Innenstädten gibt, muss man sich wohl auch durch besondere Werbemerkmale hervortun.
Beim Weitergehen komme ich ins Nachdenken. Dieser Bäcker backt laut Selbstaussage kein Brot, sondern Ideen. Wie macht er das wohl? Aus welchem Material besteht ein Ideenteig und bei welcher Temperatur wird er wie lange gebacken? Bislang konnte ich in den Auslagen dort noch keine gebackenen Ideen entdecken geschweige denn kaufen. "Ich hätte gerne ein Kilogramm gebackene Ideen!" Ich stelle mir aber vor, sie existieren tatsächlich: Die gebackenen Ideen! Ich esse einige von diesen Ideen und bin dann voller Inspiration und Energie. Ein Bäcker, der dies könnte, wäre vermutlich ein Millionär.
Ich traue mich nicht, in der Bäckerei nach den Ideenbackwaren zu fragen aus Angst, die Verkäuferinnen zu überfordern oder für verrückt angesehen zu werden. Mir ist ja klar, dass das nur ein Werbegag ist. Was ich davon mitnehme ist folgendes: Jeder von uns kann irgendetwas besonders gut. Wenn du das Deine mit ganzem Herzen machst wachsen dir zugleich immer wieder neue Ideen und Inspirationen zu. Auch du bist ein Ideenbäcker und lebst aus der Quelle des großen "Ideenbäckers", den wir Gott nennen.

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Donnerstag, 5. Juni 2014

Es gibt keinen Weg, der nicht irgendwann nach Hause führt.

Wieder mal ein afrikanischer Spruch aus meinem Kalender.
Ich kenne viele Menschen, die das Gefühl haben, nicht bei sich angekommen zu sein. Immer gibt es einen Mangel. Nie ist etwas so ganz richtig. "Jetzt mache ich mehr Sport, das hat mir früher schon gut getan, aber irgendwann habe ich damit aufgehört. Vielleicht hilft es mir ja weiter." Dann kommt der Sport und es fühlt sich wieder nicht so ganz richtig an.
Manche Menschen sagen von sich, dass sie viele Umwege machen. Da ist die erste Liebe, die nicht funktioniert, dann kommt die zweite Liebe und manchmal ist die dritte Liebe dann die richtige.
Manche erlernen einen Beruf und stellen schnell fest, dass er nicht den eigenen Fähigkeiten und dem Herzenswunsch entspricht. Aber sie üben ihn aus über viele Jahre bis hin zur großen Sinnkrise.
Bei all diesen Geschichten und Erfahrungen kommt dann vielleicht der Gedanke: Wozu das alles? Warum diese ständigen Umwege? Wann komme ich endlich an mein Ziel? Wann wird alles so sein, dass ich rundum zufrieden bin?

Da sagt das afrikanische Sprichwort: Es gibt keinen Weg, der nicht irgendwann nach Hause führt. Das ist doch beruhigend, nicht wahr? Ich darf Umwege machen, so viele ich will. Es ist nicht einmal ein Umweg. Das Wort "Umweg" ist nur meine persönliche Deutung. Es ist halt mein Weg, der Weg, den ich gerade gehe. Ich kann mehrmals um die ganze Erde reisen und innerlich durch tausend Welten wandern, es geht gar nicht anders, als das ich ans Ziel gelange. Ein Misslingen ist damit quasi ausgeschlossen. Egal wie lange du unterwegs bist und wohin du dich auch wendest: Du kommst irgendwann nach Hause, entweder am Ende deines Lebens, zwischendurch oder auch heute. Diese Erkenntnis schenkt dir eine unmittelbare Gelassenheit und klare Gewissheit. Es gibt keinen Weg, der nicht irgendwann nach Hause führt.   
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Mittwoch, 4. Juni 2014

Der Weg in die Freiheit

Gehe ich am Samstag zur Hochzeit oder fahre ich am Wochenende nach Hamburg?
Esse ich heute die Reste von gestern oder koche etwas Frisches?
Bleibe ich am Wochenende zu hause oder verreise ich?
Wähle ich A oder wähle ich B?

Virginia Satir sagt:
Ein Weg führt in die Sackgasse.
Zwei Wege führen in ein Dilemma.
Ab dem dritten Weg beginnt die Freiheit.

Also entscheide ich so:
Ich gehe zur Hochzeit und mache vorher mit den Freunden in Hamburg eine skype-Konferenz.
Ich gebe die Reste in das Frische und gestalte eine originelle Neukomposition
Ich verreise am Wochenende und nehme mein Wohfühlkuschelkissen von  zu hause mit.
Ich entscheide mich für den oberen Teil vom A und für den unteren Teil von B und erfinde den Buchstaben, den man nicht aussprechen kann und der eine neue Welt öffnet.

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Dienstag, 3. Juni 2014

Der blinde Fleck

Auf meinem Weg zum Supermarkt gibt es einen Taxistand am Bahnhof mit einer kleine Ausfahrt. Seit einem Jahr fahre ich mit meinem Rad an dieser Stelle vorbei und habe bislang nie die Ampel dieser Ausfahrt bemerkt. Ich habe sogar schon einmal einem Taxifahrer die Vorfahrt dadurch genommen. Ich fuhr bei rot über die Ampel und habe es nicht gemerkt. Ich wunderte mich nur über den Ärger des Taxifahrers und war der festen Meinung, er käme aus einer Ausfahrt und ich hatte Vorfahrt.
Erst jetzt habe ich diese Ampel gesehen. Sie passte nicht in mein Wirklichkeitskonzept. Die Ampel gehörte da einfach nicht hin. Darum habe ich sie übersehen. Jetzt ist dieser blinde Fleck in mein Bewusstsein getreten. Von nun an werde ich diese Ampel immer im Blick haben. Sie wird zu einer besonderen Ampel werden - meine heilige Ampel! Halt Stopp! Hier ist Vorsicht geboten!
Eine leuchtende Ampel wird für mich so zum Symbol für blinde Flecken im Leben. Jetzt frage ich mich ernsthaft, wo gibt es noch die blinden Flecken. Sie sind blind, weil ich sie nicht in meinem Bewusstsein habe. Eine rote Ampel zu überfahren ist allein schon peinlich genug!
Was würden die Menschen, die mit mir zusammenleben über mich sagen? Welche blinden Flecken sehen sie wohl bei mir? Wären mir diese peinlich? Würde ich mich dafür schämen? Eines lässt sich auf jeden Fall nicht leugnen: Ich habe mehr als nur einen blinden Fleck! Ich wünsche mir, dass andere da behutsam und nachsichtig mit mir umgehen. Und umgekehrt gilt das Gleiche. Wenn ich mich über meine Mitmenschen ärgere - vielleicht sind sie auch nur befallen von ihrem blinden Fleck?!
Wenn du ein Bewusstsein davon entwickelst, dass du auf jeden Fall wenigstens einen blinden Fleck hast, kannst du ja mal deine Aufmerksamkeit dahin lenken. "Liebes Inneres, lass mich meiner blinden Flecken bewusst werden zum meinem Wohl und zum Wohl des Ganzen!"

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Sonntag, 1. Juni 2014

Ärgere dich nicht darüber, dass der Rosenstrauch Dornen trägt,

sondern freue dich darüber, dass der Dornenstrauch Rosen trägt. (aus Arabien)

Dieser Satz ist die arabische Form des halb leeren oder vollen Glases. Er inspiriert mich zu einer kleinen Meditation.

Ärgere dich nicht darüber, dass die falschen Politiker an der Regierung sind, sondern freue dich darüber, dass eine Regierung auch falsche Politiker verträgt.
Ärgere dich nicht darüber, dass der "neue" Papst Franziskus bislang so wenig Reformen umgesetzt hat, sondern freue dich darüber, dass trotz der wenigen Reformansätze Papst Franziskus seine gute Laune noch nicht verloren hat.
Ärgere dich nicht über deinen Nachbarn, der mit seinem Grill die Luft in deinem Garten verpestet, sondern freue dich darüber, dass trotz des Grills dir genügend Luft zu atmen bleibt.
Ärgere dich nicht darüber, dass deine erwachsenen Kinder dich nicht mehr anrufen, sondern freue dich darüber, dass deine Kinder ein so sinnvolles Leben führen, dass für Anrufe keine Zeit bleibt.
Ärgere dich nicht über das katastrophale Fernsehprogramm, sondern freue dich darüber, dass trotz des katastrophalen Fernsehprogrammes du noch Lust auf gute Unterhaltung hast.
Ärgere dich nicht über einen schlechten Service im Lebensmittelmarkt, sondern freue dich über einen Lebensmittelmarkt, in dem du noch das eine oder andere Produkt findest, das dein Herz erfreut.
Ärgere dich nicht darüber, dass du irgendwann sterben musst, sondern freue dich darüber, dass bis zu dem Zeitpunkt noch ein paar Atemzüge machen darfst und heute dein Leben genießt.

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