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Donnerstag, 4. Juni 2015

Die Kunst, sich um ungelegte Eier zu kümmern


Der Satz folgende bekannte Satz stammt wohl von Martin Luther: "Kümmere dich nicht um ungelegte Eier." Wir sollen uns nicht Gedanken machen um Dinge, für die es noch zu früh ist. So, wie das Ei sich noch im Huhn befindet und nicht zu unserer Verfügung steht, so gibt es auch Gedanken und Sorgen zu Ereignissen, die noch nicht stattgefunden haben.
Dieser Gedanke macht durchaus Sinn. Ich kenne Menschen, die fortwährend mit der Zukunft beschäftigt sind. Sollte ich dies machen oder jenes. Wenn ja, zu welchem Zeitpunkt. Wer muss Bescheid wissen und wer auf keinen Fall. Wenn nein, was werden die Folgen sein? Werde ich das verkraften oder meine Familie? Ich bin ein Weltmeister im Konstruieren von sorgenvollen Zukunftsgedanken. Ich brauche dafür nicht einmal ein Thema. Ich kenne die Gedankenwindungen der "ungelegten Eier".
Kümmere dich nicht um ungelegte Eier. Der Folgesatz hieße ja: "Kümmere dich lieber um die gelegten Eier." Lerne also umzugehen mit dem, was ist. Von Lous Leo Holtz stammt der Satz: "Das Leben besteht zu 10% aus Ereignissen und zu 90% daraus, wie du darauf reagierst." Auch schön gesagt! Nicht die Ereignisse bestimmen dein Leben, sondern wie du damit umgehst.
Und trotzdem! In mir rumort da etwas! Ich finde die ungelegten Eier einfach interessanter. Die gelegten Eier sind doch schon da. Was geschehen ist, ist geschehen. Wird das Huhn noch ein Ei legen? Wohin? Wird es heile bleiben? Wie groß wird es sein? Die ungelegten Eier regen mein Interesse an.
Wir reden ja auch davon, dass das menschliche Leben einem Eisberg gleicht. 5% sind bewusst und satte 95% sind unbewusst. Das Unbewusste ist das Verborgene, also die "ungelegten" Eier. Mein Unbewusstsein ist mächtig und stark - und unberechenbar. "Achte auf die Botschaften deiner Träume!" Wenn du das Unbewusste nicht kennst, kennst du nur ganz wenig von dir. Aber das Unbewusste bestimmt quasi dein ganzes Leben.
Wenn du in die Stille gehst und in dich hineinhorchst und spürst, dann regen sich manchmal deine "ungelegten Eier". Da tauchen dann Bilder, Gedanken, Gefühle, Körperzustände auf. Die ausgeworfenen Eier verlieren ihre Macht. Sie werden gewogen, gemessen und sind durchschaut. Aber die "ungelegten"! Du trägst sie in dir. Sie gehen mit dir! Sie drücken und beschäftigen dich! Wenn die "Ungelegten" schon mal da sind, dann macht es doch Sinn, sich mit ihnen zu beschäftigen und sich um sie zu kümmern. Nicht im Sinne von "Kummer" aber im Sinne von Fürsorge! Sei fürsorglich mit deinen "ungelegten" Eiern, damit sie nicht plötzlich kommen und keinen guten Ort finden, wo sie heile landen können. Je mehr du die Reise nach innen gehst, desto mehr wirst du es als Kunst empfinden, damit umgehen zu können.
www.matthias-koenning.de

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