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Donnerstag, 15. Mai 2014

Wachsen gegen Widerstände

Das Kind bekommt ein schlechtes Zeugnis und wird nicht versetzt in die nächste Klasse. Da kann man nichts machen!
Das Paar hat sich heillos zerstritten und reicht die Scheidung ein. Da kann man nichts machen.
Der Kranke liegt im Sterben und der Tod wartet vor der Tür. Da kann man nichts machen.

Klingt wie Resignation, nicht wahr. Manchmal müssen wir uns dem "Schicksal" ergeben. Das Kind hat sich alle Mühe gegeben und dennoch die erforderlichen Noten nicht geschafft. Das Ehepaar war sogar in einer Beratung und der Kranke hat lange gekämpft. Da kann man nichts machen. Es mag sein, dass das Kind nicht versetzt wird, das Paar sich trennt und der Kranke stirbt. In jeder Situation "kann man dann dennoch etwas machen".
Das Kind kann daraus eine Lektion für die Zukunft lernen und andere Wege gehen. Das Paar findet in der Krise vielleicht einen neuen Anfang. Der Kranke kann noch vor dem Tod seinen Angehörigen seine Liebe zeigen.
Die Situationen können wir manchmal nicht verändern, aber unsere innere Einstellungen. Jedes Ereignis, das uns herausfordert, gibt uns die Gelegenheit zum inneren Wachsen.

Du kannst dein Leben bejahen mit allen Facetten. Es gibt nichts zu tun.
Du kannst Ja sagen auch  zu deinen Fehlern. Dann gibt es nichts zu tun.
Du kannst dich mit dir selber aussöhnen. Dann gibt es nichts zu tun.

Da kann man nichts machen - Resignation.
Es gibt nichts zu tun - einfach im Sein sein!

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Samstag, 3. Mai 2014

Geh deinen eigenen Weg

und schlag nicht den Pfad eines anderen ein. (aus Ägypten)

Den eigenen Weg zu gehen ist gar nicht so leicht. Nur du weißt, welcher Weg der für dich richtige ist. Was für einen anderen Menschen gut ist, ist es noch lange nicht für dich. Ich höre oft den Satz: "Wenn ich dir einen guten Rat geben darf...." Nein, darfst du nicht! Hör auf, Ratschläge zu geben. Warte lieber bis zu gefragt wirst und gib deine Hinweise so, dass sie ein Angebot und eine Einladung sind. Erzähle nur von dem Weg, den du gegangen bist. Erzähle von deinen Erlebnissen und Erfahrungen und überlass es dem Anderen, daraus die eigenen Schlüsse zu ziehen.
Wenn du deinen eigenen Weg gehst kannst du stolpern, in die Irre gehen, dich verlaufen, einen ungewollten Umweg einschlagen, in die Sackgasse geraten, dich ins Unglück stürzen. Alles ist möglich. Na und?
In der Sackgasse kannst du Erfahrungen sammeln und umkehren. Hinter dem Verlaufen gibt es die Korrektur, der Sturz ins Unglück wird ein Ende finden. Den eigenen Weg zu gehen heißt, wirklich Ja zu sich selbst zu sagen und die Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Geh deinen Weg und schlag nicht den Pfad eines anderen ein. Ich wünsche dir den Mut dazu für jeden Tag.


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Freitag, 2. Mai 2014

Das Selbsbewusstsein stärken


Ich sitze auf meinem Fahrrad. Kurz vor dem Supermarkt am Fahrradständer schneidet mir ein kleiner Knirps forsch den Weg ab. Der Vater dahinter ärgert sich sichtlich und ermahnt seinen Sohn: "Pass auf! Die Welt gehört dir nicht allein! Da sind auch noch andere auf die du Rücksicht nehmen musst!" Ich strahle den Vater und sage: "Immerhin hat Ihr Sohn ein gesundes Selbstbewusstsein. Ja, die Welt gehört ihm!" Schon ist der Vater beruhigt und schaut stolz auf seinen Sohn.
Diese Szene bekommt eine Frau mit, die mit ihren Einkäufen wiederkommt und neben mir geparkt hat. "Selbstbewusstsein könnte ich jetzt gut gebrauchen. Die Kassiererin an der Kasse hat mich bestimmt komisch angeschaut, weil ich heute schon zum dritten Mal hier bin. Immer wieder habe ich etwas vergessen. Das ist ja kein Wunder, wenn man den ganzen Tag mit demenzkranken Menschen zu tun hat."
Wir wechselten noch ein paar Worte und jeder ging seines Weges. Dennoch hatte ich den Eindruck, dass der kleine Junge mit seinem forschen Radfahren auch diese Frau gestärkt hat. Er hat dazu beigetragen, dass wir Erwachsene immer wieder etwas für unser Selbstvertrauen tun können. Die Welt gehört dir zwar nicht, aber du kannst ein wenig so tun. Jetzt, in diesem Augenblick ist diese Welt nur für dich da. Du darfst dich darin austoben, darin spielen, dich ausprobieren und Erfahrungen machen. Vielleicht liest die Frau, die ich am 30. April gegen 18.00 Uhr vor dem Marktkauf in Ahlen traf auch einmal diesen Blog. Ihnen wünsche ich Kraft und Stärke und eine gute Portion Gelassenheit im Umgang mit sich selbst!

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Mittwoch, 30. April 2014

Gott jenseits unserer Bilder

Eine Mutter erzählte mir vor einiger Zeit ein Erlebnis mit ihrer vierjährigen Tochter Hannah. Sie saßen zusammen in der Kirchenbank und in wenigen Minuten sollte der Gottesdienst beginnen. Hannah fragte ihre Mutter: "Mama, wo ist denn der Gott?" Mama veruschte ihr Bestes und klärte ihre Tochter auf, dass Gott unsichtbar sei und dass man ihn nicht sehen könnte. Hannah fragte erneut: "Aber Mama, wo ist denn jetzt der Gott?" Egal, was Mutter auch sagte, keine Antwort stellte Hannah zufrieden. Gott sei zwar unsichtbar, aber man kann ihn spüren. Er sei immer für die Menschen da und Jesus habe uns von ihm erzählt. Immer kam von dem Mädchen die gleich Frage, wo denn der Gott sei. 
Schließlich erklang die Glocke und die Messdiener zogen mit dem Pastor in die Kirche ein. Da kommt das erlösende Wort von Hannah: "Mama, da ist doch der Gott!"
Kinder finden für ihre Fragen häufig ganz einfache Lösungen. Für Kinder sind die Eltern ganz einfach das erste Gottesbild. Und wenn die Eltern sich einfach nur als Eltern entpuppen, nichts weiter, suchen sich die Kinder den nächsten Gott. Das ist dann möglicherweise die Erzieherin im Kindergarten oder eben auch der Pastor in der Kirche. Immerhin trägt ein Priester ein Gewand und erinnert an zahlreiche Gemälde, auf denen Gott auch ein Gewand trägt. Ein grauhaariger Priester mit Gewand entspricht also dem idealen Gottesbild. So wandern wir von Bild zu Bild. Irgendwann wird Hannah wissen, dass ihr Pastor nicht Gott ist, sondern ein Mensch wie sie auch. 
Keines unserer Gottesbilder werden wir festhalten wenn wir wach sind. Denn das Bild von Gott ist ein Bild und nicht Gott selbst. Hüten wir uns vor Verwechslungen. Wie gestaltet sich jedoch der Gott für einen erwachsen gewordenen Menschen? Sagen wir Gott? Was meinen wir, wenn wir "Gott" sagen? Wenn wir uns von allen Bildern verabschieden, wirklich alle Biulder loslassen, dann bleibt möglicherweise nur noch das "Gewahrsein einer göttlichen Gegenwart"? Wir mögen über das Gottesbild eines Kindes schmunzeln und sehnsuchtsvoll zurückblicken nach unseren heilen und einfachen Kindertagen.  Redlicher und angemessener ist es jedoch, als Erwachsener wieder zum Gottsucher zu werden. Möge uns "Seine" Wirklichkeit entgegenkommen und erfüllen. 
Dann gibt es noch das Geheimnis, um das Hannah und alle Kinder wissen. Für sie ist der Pastor ja der "liebe Gott". In gewisser Weise hat sie kindlich völlig recht. In jedem Menschen ist Gott gegenwärtig. Er wohnt in unseren Herzen und wir wohnen in seinem. Hannah hat das intuitiv erkannt.

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Sonntag, 27. April 2014

Aus einem Strohhalm wird ein Vogelnest



(Lebensweisheit der Ovambo)
Manchmal weiß der Strohhalm gar nicht, wozu er gut zu gebrauchen ist. Es ist wie ein Wunder. Ein trockener Strohhalm wird zum wichtigen  Bestandteil eines Vogelnestes. Ja, so ist es. Jede und jeder dient mit dem, was sie oder er kann und einbringen mag. Viele Halme ergeben ein Vogelnest. Jede Gemeinschaft, jede Familie, jede Gruppe kannst du vergleichen mit einem Vogelnest. Du bist mit anderen Menschen verwoben und verschränkt. Manchmal fühlt es sich glatt und wohlig an, an manchen Stellen aber auch piekt es. Stell dir vor, du wärest ein Strohhalm und jeder ignoriert dich. Du bist für niemanden wichtig. Du liegst irgendwo herum und kommst dir überflüssig und nutzlos vor. Da finde ich ein piekendes Nest allemal attraktiver.
Wünschst du dir einen Platz zum Entfalten und Wohlfühlen? Leider sieht die Wirklichkeit manchmal anders aus. Es gibt diese Strohhalme, die scheinbar zu keinem Nest gehören. Da entsteht Mangel und es fehlen die Möglichkeiten zur Weiterentwicklung. Interessanterweise passt in jedes Vogelnest noch ein Strohhalm hinein.
Vielleicht kannst du jemanden in dein Nest einladen. Oder du fragst mal nach, wenn du auf der Suche bist. Oder du suchst dir ein neues Nest, wenn deine Nester dich nicht mehr nähren. Oder du wirst wie in dem Sprichwort der Anfang eines neuen Nestes!