Donnerstag, 31. Oktober 2013

Wenn etwas gar nicht geht, dann geht es auf einmal wieder!

Wieder einmal sind sich alle am Tisch einig. Eine spricht aus, was alle denken: Das geht ja gar nicht! Am Tisch entsteht Einvernehmen und Solidarität. Das geht ja gar nicht!
Ich saß zwar in der Nähe und bekam den Inhalt und Anlass der Aufregung leider gar nicht mit. Ich weiß nicht, was da "gar nicht ging". Irgendjemand hat irgendetwas gesagt oder getan, was unmöglich war. Abscheu und Verachtung hing wie eine Wolke über diesem Tisch. "Das geht ja gar nicht!" ist auch so eines dieser Modeworte. Mir gefällt dieser Satz. Du rufst ihn aus der Tiefe deines Bauches heraus im Brustton der völligen Überzeugung. Es gibt da keinen Kompromiss und kein Hauch eines Verständnisses. Auch das muss mal sein! Ewig wird erwartet, dass du Verständnis hast für andere Menschen oder bestimmte Situationen, aber wer hat Verständnis für dich? Mit einem solchen Satz wie "Das geht ja gar nicht!" kannst du auch gleich allen anderen Ärger, den du in dir gesammelt hast, mit nach oben spülen und herauslassen. Die schreckliche Tat dieses unmöglichen Menschen war nur der Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte.
Ich hole mir die Situation am Tisch wieder ins Bewusstsein. Das furchtbare Wort, die unmögliche Tat hatte ihre gute Seite. Solidarität und Freundschaft am Nachbartisch. Jawohl! Wir sind anders! Uns passiert so etwas nicht! Wir halten zusammen! Wir pflegen unsere Freundschaft! Wir sind tolerant und verantwortungsbewusst! Wir wissen noch, was Moral und Anstand ist!
Diese fremde Person, von der ich nichts weiß bis heute, hat ohne es zu wissen eine gute Tat vollbracht. Sie hat dafür gesorgt, dass sich mein Bewusstsein erweitert hat. Manchmal ist es gut, seinem Herzen Luft zu machen und den Ärger förmlich auszuspucken. Danach kann der Atem wieder frei fließen und du bekommst die Energie zum weitergehen.

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Mittwoch, 30. Oktober 2013

Treu sein ohne Treuekärtchen


Gestern beim Bäcker fragte mich die Verkäuferin nach meinem Treuekärtchen. Ich hatte keines. Darum wollte sie mir gerne eines geben. Bei jedem Brot, das ich kaufe, gäbe es dann ein Stempelchen ins Treuekärtchen.
Ich lehnte ab und hatte direkt ein schlechtes Gewissen. Du bist untreu! Treue ist dir nichts wert! Dabei sollte man doch Treue belohnen! Der Bäcker und ich, wir können uns aufeinander verlassen! Der Bäcker backt für mich jeden Tag frisches und leckeres Brot und ich kaufe und esse es. Das ist der perfekte Treuedeal, eine win-win Situation. Und ich lehne ein solches Bündnis ab. Ich möchte kein Treuekärtchen, auch keine Deutschlandcard, keine Rabattkarte und wie die Karten der anderen Konzerne auch sonst heißen mögen.
Ich liebe meine Freiheit! Ich kaufe heute hier und morgen da. Bäcker gibt es wie Sand am Meer. Überall tolle Brötchen, leckeres Brot und wunderbaren Kuchen. Mir wäre lieber, das Brot kostet dann einen Cent weniger. Das wäre eine andere Form von Treue, die Treue des Bäckers. Ein Bäcker sollte immer gutes Brot backen, mit und ohne Treuekärtchen.
So ein Kärtchen muss ja wirkungsvoll sein, sonst würde es nicht angeboten werden. Kundenbindung lohnt sich für den Geschäftsmann und es ist nichts dagegen einzuwenden.
Mir geht es immer nur um das Bewusstwerden. Da werden Werte und Gefühle beim Kunden angesprochen. Beim näheren Hinsehen entlarvt es sich als das, was es ist. Geschäft, nicht mehr und auch nicht weniger.
Treue ist mir wichtig. Gegenüber Freundinnen und Freunden, meinen Zielen und Idealen, meinen Versprechen die ich gebe, Treue im Glauben und Vertrauen ins Leben. Das, so finde ich, ist genug der Treue. Treue da, wo sie hingehört. Bei den wichtigen Werten im Leben.
Mein Brot kaufe ich, wo es mir gerade schmeckt oder wo ich mich gerade befinde. Meine Geldbörse möge verschont bleiben von all den überflüssigen Kärtchen und Markenheftchen!

Dienstag, 29. Oktober 2013

Von menschlichen Kuckuckseiern



Folgende Situation erlebte ich im Supermarkt. Ich befand mich mit meinem Einkaufswagen an der Kasse. Vor mir standen zwei Frauen, die Ihre Produkte auf das Laufband legten. Zwischen den beiden Bereichen platzierten sie wie gewohnt einen Warentrenner (so heißt das kleine Teil glaube ich, oder?). Direkt hinter dem Trennungsklötzchen stellte die zweite Frau ihre zwei Flaschen „Hohes C“. Das Band lief und eine Flasche fiel in den Bereich der vorderen Kundin. Ich wartete gespannt darauf, was jetzt wohl geschieht. Merkt es die Kassiererin oder die „Eigentümerin“ oder eher wahrscheinlich die vordere Kundin? Es geschah das Überraschende, was ich zugleich vermutete! Die Kassiererin nahm die Flasche „Hohes C“, scannte sie ein und schob sie weiter. Die erste Kundin nahm die Flasche und legte sie in ihren Korb. Die zweite Kundin war wohl innerlich abwesend und bemerkte nicht den Verlust „Ihrer“ Flasche. Niemand merkte etwas! Außer mir natürlich! Die erste Frau bezahlte anstandslos die Rechnung und ging mit ihrem „Kuckucksei“ nach Hause.
Ich begreife noch nicht so ganz die Situation. Merkt man das denn nicht, wenn sich da auf einmal ein völlig fremdes Produkt im eigenen Korb befindet? So eine Flasche ist doch auch auffällig, zumal man dieses Teil den ganzen Morgen nicht in die Hände genommen hatte! Die zweite Kundin merkte auch nachträglich noch nichts! Ihr fehlte doch die zweite Flasche! Wo war die wohl mit ihren Gedanken? Und die Kassiererin? Das kommt doch öfter vor, dass Flaschen umfallen und nicht mehr eindeutig zugeordnet werden können! Eines muss ich wohl noch erwähnen. Alle drei Frauen machten den Eindruck von Schläfrigkeit bis Versunkenheit. Und ich? Habe ich die Situation geklärt?
Nein, es gab nichts zu klären. Alle waren doch zufrieden, oder? Die Kassiererin bekam ihr Geld, die erste Kundin bekam Vitamine, die sie bezahlen konnte und der zweiten Kundin blieb noch eine Flasche. Und ehrlich gesagt – ich hatte Vergnügen! Denn ich darf das jetzt hier in epischer Breite erzählen.
Doch das Leben gibt uns Lektionen, die wir lernen dürfen. Auch ich habe an diesem Tag meine Lektion erhalten. Hinter diesem Erlebnis steckt doch eine Botschaft. Es ist eine verborgene Botschaft, eine die sich versteckt, kurz gesagt: eine Kuckucksbotschaft. Da geht diese Frau nach Hause mit einem Kuckucksei. Das bemerkt sie nicht. Es gehört zum Kuckuck dazu, dass er seine Taten unbeobachtet vollbringen kann. Das ist seine Spezialität: Eier an fremde Orte zu platzieren. Das mag er gerne auch so tun, es entspricht seinem Wesen. Aber wir, die wir die Kuckuckseier ausbrüten, wir sind gefragt.
Also, welche Kuckuckseier brütest du aus im übertragenen Sinne? Da kommt jemand zu dir und erzählt dir von seinem Problem. Du versuchst zu helfen und zeigst Mitgefühl und Anteilnahme. Ihr geht wieder auseinander und du bist immer noch mit dem Problem des Anderen beschäftigt. Möglicherweise hat der andere sein Problem an dich abgegeben und du wirst es jetzt nicht mehr los. Setz dich mal hin und frage dich, welche Themen bearbeitest du, die eigentlich gar nicht zu dir gehören. Du hast sie zwar angezogen, aber es sind nicht die Deinen.
In der Regel sind unsere Kuckuckseier unbewusst. Da sind wir wie die „Fremdbrüter“. Wenn wir uns der fremden Eier jedoch bewusst werden, können wir uns neu entscheiden. Ausbrüten oder herauswerfen!
Ich möchte ein paar Beispiele nennen. Da hat dein Kind, dein Mann, deine Frau einmal gesagt, es mag keinen Paprika. Seit dem Zeitpunkt gibt es in deinem Haushalt keinen Paprika mehr, weder für dich, noch für die Anderen. Oder du befolgst Regeln, die damals für dich als Kind in deinem Elternhaus galten und diese Regeln befolgst du als Erwachsene immer noch, ohne sie zu hinterfragen. Es sind die „Kuckuckseier“ Regeln deiner Eltern und nicht deine eigenen. Wahrscheinlich wirst du deine inneren Kuckuckseier erst entdecken, wenn du mal darauf aufmerksam wirst.
Das, was im Umgang mit den alltäglichen Ereignissen und Beziehungen wichtig ist, gilt auch für unser spirituelles Leben. Welche Kuckuckseier brüten wir da immer noch aus! Ist es möglicherweise das Gottesbild unseres ehemaligen Pfarrers oder Religionslehrers? Von wem stammen die Regeln nach denen du dich richtest? Spirituell erwachsen werden heißt, alle Eier im eigenen Nest anschauen und sich neu entscheiden, welches ich noch bebrüten möchte. Manche Küken sind schon längst geschlüpft und erwachsen geworden und ich brüte immer noch. Dazu gehören vielleicht die Eltern, die immer noch ihre erwachsenen Kinder bemuttern. Oder – da gibt es Eier, aus denen wird nie etwas schlüpfen, egal, wie lange ich brüte.
Also, wenn ich nach den Kuckuckseiern schaue, muss ich zugleich alle meine Eier in den Blick nehmen. Das fühlt sich ein wenig an wie Bestandsaufnahme oder Inventur. Das wiederum hat auch etwas mit Ostern zu tun. Nicht wegen der Eier, aber wegen der toten Elemente. Das, was abgestorben oder unfruchtbar ist, oder das, was nicht zu mir gehört, sondern zu einer anderen Person, kann ich getrost entfernen.
So bleibt ein Dank an das Kuckucksei. Es hat mir doch dabei geholfen, einen Unterschied zu machen. Ich entscheide mich für das, was zu mir gehört. Ich trenne mich von dem, was ich gar nicht haben möchte. In der Spiritualitätstradition nennt man so etwas „die Unterscheidung der Geister“. Und hier noch einmal die kurze Zusammenfassung.
  1. Überprüfe deine Einkäufe!
  2. Schau in dein inneres Nest und nimm wahr, welche Eier gehören dem Kuckuck!
  3. Entscheide dich neu für das, was du ausbrüten willst und wovon du dich verabschieden möchtest! 
  4. Danke diesen Kuckuckseiern dafür, dass du im Leben ein wenig reifer geworden bist
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Montag, 28. Oktober 2013

Deine Strategien gegen den Reformstau

Das Wort "Reformstau" wurde von der Gesellschaft für deutsche Sprache zum Wort des Jahres 1997 gekürt. Damals ging es um nötige Reformen in der Politik. Der Reformstau hält bis heute an. Oder gibt es inzwischen einen neuen Stau? Ich könnte jetzt einfach auf das Jahr 2018 vorgreifen. Auch dort wird es einen Reformstau geben. Je größer die Masse an Menschen, desto schwieriger werden Reformen. So viele Interessen muss man da unter einen Hut bringen.
Die Kirche befindet sich schon seit Jahren im Reformstau. Sie ist gleichsam eine Lehrmeisterin darin. Alle blicken immer wieder nach Rom und fragen sich, wann die Kirche den Sprung in die neue Zeit schafft. Große Firmen werden unrentabel, entwickeln dann neue Ideen, die verworfen werden und enden im Reformstau. Da entwickeln sich dann aktive Stillstandsabläufe, die tauglich sich für den Film: "Und täglich grüßt das Murmeltier!"
Der Ablauf erfolgt in jedem System ungefähr so: Irgendetwas funktioniert nicht mehr wie bislang. Es entsteht Ärger und daraus mindestens zwei Parteien. Komplizierter und "reformstauiger" wird es ab Drei.  Die A Partei sagt: So schlimm ist es noch nicht. Die B Partei sagt: Doch schlimmer gehts nimmer. Leider befindet sich B in einer ungünstigen Position. B muss für eine veränderte Regel kämpfen. A hat kein Interesse daran. So verlangt B wenigstens eine Konferenz. A stimmt dem zu um des lieben Friedens willen. Die Konferenz wird höchstens ein Ergebnis haben, und zwar die augenblickliche Steigerung der Zufriedenheit. Sobald die jedoch sinkt braucht es eine nächste Konferenz, dann eine Konferenz auf höherer Ebene und dann wieder eine Konferenz auf allerhöchster Ebene. Die dort auch nicht erfolgten Ergebnisse werden wortreich nach unten durchgereicht und konferiert. Inzwischen kommt es bei B zu Auflösungserscheinungen und A wundert sich, dass in ihrer Gruppe  die gleichen Phänomene auftreten. A braucht halt B. Dieser ganze Prozess kann Jahrzehnte andauern. Das was wächst, werden nicht die Reformen sein, sondern die Papiere. Was also tun?
Der erste Schritt: Vermeide Konferenzen! Dort besteht akute Gefahr zum "Reformstau"!
Der zweite Schritt: Reformiere immer und ständig dein Inneres in kleinen Schritten, jeden Tag neu. Das kannst du auf jeden Fall tun unabhängig von allen widrigen Umständen.
Der dritte Schritt: Gründe deine eigene "Firma" und stelle den Kontakt her mit Gleichgesinnten. So bleibst du flexibel und unabhängig.
Der vierte Schritt: Erwarte keine Reformen von außen. So ersparst du dir die kraftraubenden Enttäuschungen und kannst deine Energie sinnvoller einsetzen.
Der fünfte Schritt: In jedem Stau egal welcher Art gibt es immer noch einen Spielraum und sei er noch so klein. Nutze diesen Freiraum und dehne ihn langsam aus. 

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Sonntag, 27. Oktober 2013

Ja, DICH...dich meine ich!

Schon mal erlebt? Du stehst an der Kasse im Supermarkt und von Ferne winkt dir jemand zu. Du schaust hin und bemühst dich um einen freundlichen Gesichtsausdruck. Gleichzeitig fragst du dich: Kenn ich den oder die überhaupt? Wer ist das? Muss ich diese Person kennen? Woher denn bloß?
Das dauert nur den Bruchteil einer Sekunde. Dabei schaust du immer noch freundlich und willst schon deinen Arm zum Gegengruß erheben. Bloß nichts falsch machen und sich nachher Vorwürfe anhören müssen wie: "Kennst du mich denn gar nicht mehr?" "Du grüßt wohl auch nicht jeden!" Dann ruft der entfernt Winkende einen Namen, lacht noch intensiver und du sinkst in dich zusammen. Du bist gar nicht gemeint! Die Person hinter dir war gemeint! Dein Arm sinkt schnell nach unten, dein Gesicht wird wieder ausdruckslos und in Gedanken sagst du dir: "Wie peinlich! Gott sei Dank hast du's noch rechtzeitig bemerkt! Warum müssen diese Leute auch quer durch den ganzen Laden rufen!" 
So etwas kann dir überall passieren. Du sitzt auf dem Rad und wirst von einem Autofahrer angehupt. Auch da meinte er vielleicht gar nicht dich, sondern irgendeinen Fußgänger hinter dir. Du bist nicht gemeint!
Diese Erlebnisse laden dich ein, mal etwas tieter zu blicken. Da kommt schnell der Gedanke: Habe ich etwas falsch gemacht? Dir wird bewusst, wie fragil und brüchig oft deine Kontakte und Beziehungen sind. Uns begleitet die permanente Angst, einen Freund oder eine Freundin zu verlieren. Innerlich befinden wir uns immer in einer "Hab Acht Stellung". Wir sind ständig angespannt. Wie lange kannst du das durchhalten? Wie lange möchtest du das noch aushalten? Wann fängst du an, dein inneres "Spiel" zu durchschauen und zu unterbrechen? Verzichte darauf, immer in "Grußhaltung" zu sein! Entspann dich! Warte darauf, bis du wirklich gemeint bist!

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Samstag, 26. Oktober 2013

Danke an alle Mias und Theos dieser Welt


Vor einigen Jahren musste ich eine Frau beerdigen, die keine Familienangehörigen hatte. Mehr als fünfzig Jahre war sie in ein und demselben Haushalt tätig als Haushälterin. Sie begleitete die Kinder, die dort aufwuchsen, nahm Anteil an allen Familienereignissen und wurde nach und nach quasi zu einem Teil einer Familie ohne blutsverwandt zu sein. Sie hieß bei allen "unsere Mia". Mia war immer da, sie stand immer zur Verfügung. Wenn Mutter keine Zeit hatte, weil sie im Geschäft war, war Mia zur Stelle. Irgendwo bügelte, putzte oder kochte sie. Irgendwo saß sie und sorgte sich um die kaputten Strümpfe. Sie kannte keine 40 Stunden Woche, sondern war immer anwesend. Die letzten zwei Jahre ihres Lebens verbrachte sie auf einer Pflegestation. Aber die Wahlfamilie kümmerte sich um Mia. Mia wurde nicht vergessen. Bis zum Ende ihres Lebens blieb sie ein Teil der Familie und die Trauer war echt und tief. In der Ansprache nannte ich Mia "Familienergänzerin". Das war ihre Berufung. Sie hat nicht einfach nur den Haushalt versorgt, sondern dort, wo etwas fehlte, das ergänzt und vollständig gemacht. 
Keine Familie auf dieser Welt ist perfekt. Keine Mutter ist perfekt, kein Vater ist perfekt. Jede Familie hat ihre Defizite und Eigenarten. Jeder Familie tut es gut, wenn Verwandte und Freunde mal hereinschauen und etwas "ergänzen". Das ist auch der tiefere Grund einer Patenschaft bei der Taufe. Der Pate, die Patin ist im besten Sinne eine "Familienergänzerin". Er oder sie macht die Mütterlichkeit oder Väterlichkeit vollständiger. 
Eine "Familienergänzerin" erinnert an die Clans von früher. Bauernhöfe mit Mägde und Knechte sorgten dafür, dass jeder in einem Verband eine Bezugsperson hatte. Familienergänzerinnen tragen zur größeren Fülle des Lebens bei. Danke Mia, dass du da warst und danke an alle "Mias" und "Theos" dieser Welt, die sich eine Wahlfamilie ausgesucht haben.


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Freitag, 25. Oktober 2013

Mein blinder Fleck!

Auf meinem Weg zum Supermarkt gibt es einen Taxistand am Bahnhof mit einer kleine Ausfahrt. Seit einem Jahr fahre ich mit meinem Rad an dieser Stelle vorbei und habe bislang nie die Ampel dieser Ausfahrt bemerkt. Ich habe sogar schon einmal einem Taxifahrer die Vorfahrt dadurch genommen. Ich fuhr bei rot über die Ampel und habe es nicht gemerkt. Ich wunderte mich nur über den Ärger des Taxifahrers und war der festen Meinung, er käme aus einer Ausfahrt und ich hatte Vorfahrt.
Erst jetzt habe ich diese Ampel gesehen. Sie passte nicht in mein Wirklichkeitskonzept. Die Ampel gehörte da einfach nicht hin. Darum habe ich sie übersehen. Jetzt ist dieser blinde Fleck in mein Bewusstsein getreten. Von nun an werde ich diese Ampel immer im Blick haben. Sie wird zu einer besonderen Ampel werden - meine heilige Ampel! Halt Stopp! Hier ist Vorsicht geboten!
Eine leuchtende Ampel wird für mich so zum Symbol für blinde Flecken im Leben. Jetzt frage ich mich ernsthaft, wo gibt es noch die blinden Flecken. Sie sind blind, weil ich sie nicht in meinem Bewusstsein habe. Eine rote Ampel zu überfahren ist allein schon peinlich genug!
Was würden die Menschen, die mit mir zusammenleben über mich sagen? Welche blinden Flecken sehen sie wohl bei mir? Wären mir diese peinlich? Würde ich mich dafür schämen? Eines lässt sich auf jeden Fall nicht leugnen: Ich habe mehr als nur einen blinden Fleck! Ich wünsche mir, dass andere da behutsam und nachsichtig mit mir umgehen. Und umgekehrt gilt das Gleiche. Wenn ich mich über meine Mitmenschen ärgere - vielleicht sind sie auch nur befallen von ihrem blinden Fleck?!
Wenn du ein Bewusstsein davon entwickelst, dass du auf jeden Fall wenigstens einen blinden Fleck hast, kannst du ja mal deine Aufmerksamkeit dahin lenken. "Liebes Inneres, lass mich meiner blinden Flecken bewusst werden zum meinem Wohl und zum Wohl des Ganzen!"

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Donnerstag, 24. Oktober 2013

Bist du glücklich?



Mein erster Impuls

Was sagst du, wenn du jemanden siehst im Anschluss an deine Begrüßung?

Etwa so: Na, wie geht's?

Frage mal: Na, bist du glücklich?

Vor vielen Jahren stellte mir ein befreundeter Arzt diese Frage. Einfach so. Unvermittelt. Mitten auf der Straße. "Matthias, bist du glücklich?!"
Diese Frage hat mich völlig durcheinandergebracht. Zufrieden? Ja! In Ordnung? Auch ja! Aber glücklich? Glücklich sein ist schon eine Hausnummer! Dabei geht das wirklich. Wenn du ganz im Hier und Jetzt bist, ganz den Augenblick lebst, bist du glücklich. Und, du kannst dich für das Hier und Jetzt entscheiden und glücklich sein.

Mein zweiter Impuls

Wie wirst du es schaffen, dass du den heutigen Tag unzufrieden beendest?

Na, was löst diese Frage in dir aus? Heute werde ich nichts näheres dazu erläutern. Ich möchte den Satz ja wirken lassen. Im Kommentar darfst du gerne etwas dazu sagen!

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Dienstag, 22. Oktober 2013

DU bist keine Beta Version!

Viele Firmen kommen auf den Markt mit einer so genannten Beta Version.
Die Alpha-Version einer Software wird so genannt, wenn sie noch nicht fertig ist, aber schon einige Neuerungen gegenüber dem Vormodell hat. Die Firmen kommen dann mit der Beta Version auf den Markt. Und dann gibt es auch noch die Gamma Version, das ist die Endversion mit kleinen Fehlern.
Interessanterweise gibt es keine Deltaversion für das perfekte Endprodukt. Vielleicht gibt es Delta auch gar nicht. Jedes Produkt hat seine Mängel.
Früher hießen solche Alpha bis Gamma Produkte Modelle, Versuche oder Entwürfe. Modelle sollten erst mal ordentlich getestet werden, bevor man sie unter die Leute bringt. Man stelle sich einmal Medikamente in der Beta Version vor! Die gibt es auch! Die werden verabreicht an Versuchspersonen. Die Alpha Version vielleicht an Tieren.
Ich nenne das Ganze mal die griechische Nebeltaktik. Nichts gegen die krisengeschüttelten Griechen. Es geht nur um die Buchstaben Alpha, Beta, Gamma.. Sie verharmlosen den Versuch. Sie machen das Modell vorzeigefertig. Niemand denkt sich etwas dabei. Es ist halt Beta, was solls!
Wenn man alle Produkte der Welt genauer unter die Lupe nimmt, dann besitzt ein weltbekannter Versandhandel mit der Sternenvergabe ein sehr gutes Qualitätsmanagement. Der Kunde entscheidet über Alpha, Beta und Gamma. Der Kunde wirft aber keine Nebelbomben, sondern vergibt Sterne! Sterne sind mir allemal sympathischer als griechische Buchstaben. Ein fünf Sterne PC ist schon mal eine Hausnummer!
Jetzt folgt noch die Übertragung auf das Leben. Dein Leben findet nicht statt in der Beta Version. Du bist da, jetzt und einmalig. Du bist kein Versuch und kein Entwurf! Du bist!

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Montag, 21. Oktober 2013

Mache Urlaub und achte auf deine Seele!

Urlaubsgeflüster: Mit dem Flugzeug kommen wir sehr schnell von A nach B. Mit dem Auto nicht ganz so schnell und ganz so weit in kurzer Zeit. Langsamer noch gehts mit dem Rad und gemächlich dann zu Fuß. Im Urlaub scheint die ganze Welt unterwegs zu sein und jeder wird wieder zum Nomaden auf Zeit.
Der Körper bekommt einen schnellen Ortswechsel je nach Strecke und Zeit einigermaßen gut hin. Der Geist kann sogar noch viel schneller verreisen. Im Bruchteil einer Sekunde bin ich in Gedanken mitten in New York. Meine Seele bewegt sich sogar jenseits der Zeit und kann sich zugleich in der Vergangenheit und in der Zukunft bewegen.
Doch wenn ich Körper, Geist und Seele zusammenbetrachte im Angesicht des Urlaubes? Gerade im Verreisen stelle ich eine gewisse Ungleichzeitigkeit fest. Mit dem Körper liegst du am Strand, mit dem Geist bist du noch bei der Arbeit und deine Seele weiß nicht, wo sie genau hingehört. Erst im Laufe der Zeit kommt es zu einer gewissen Synchronisation.
Da haben wir Urlaub und setzen unserem gesamten System einen ganz schönen Stress aus! Wir wünschen uns Erholung, aber muten uns in gewisser Weise eine Spaltung in drei Teilen zu. Vielleicht ist es aber auch gut, Körper, Geist und Seele einmal auseinanderzudividieren, damit wir es wieder neu zusammensetzen können. Auch die alten mechanischen Uhren müssen hin und wieder einmal auseinandergenommen werden, damit sie wieder besser funktionierten.
Das hieße aber, dass unser Urlaub eigentlich etwas anderes ist als bislang gedacht. Die Erholungsgefühle beginnen nicht gleich am ersten Tag und es geht nicht um einen Ausgleich für zu viel Arbeit, eine Erholung für körperlichen oder geistigen Einsatz. Es geht um das Auseinandernehmen und neu Zusammenfügen unserer ganzen Person. Urlaub wird so zu einer Generalüberholung.
Vielleicht sind Partnerschaften und Familien im Urlaub gerade deswegen so sehr gefährdet. Wir sind im Urlaub eben nicht entspannt, sondern zum Äußersten angespannt und auseinandergepflückt! Unser System arbeitet dann auf Hochtouren, um wieder in einen Einklang zu kommen. Erst nach einer gewissen Zeit stellt sich die Neujustierung ein. Paare und Familien sollten sich darum in den ersten Tagen eher aus dem Weg gehen und die Zeit für sich allein nutzen. Wann merkst du, dass du wieder gut beisammen bist? Vielleicht bekommst du ein Signal von deiner Seele. Es fühlt sich an wie eine innere Stimme die dir auf einmal sagt: Jetzt bin ich wieder ganz, jetzt bin ich da!

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Samstag, 19. Oktober 2013

Atme, und entspanne!

Viele Therapeuten empfehlen es und ich auch. Wenn eine Panikattacke auftaucht, wenn du etwas schlimmes erlebt hast, wenn du dich erschrickst, wenn dich jemand beschimpft, wenn du ins Stocken gerätst, wenn du nicht mehr weiter weißt, wenn dir nichts mehr einfällt, wenn du warten musst auf eine möglicherweise unangenehme Nachricht:
Atme erst einmal durch! Atme tief durch! Nutze alle Atemräume aus und atme nicht mit dem Brustraum, sondern tief in den Bauch hinein, mit der so genannten Zwergfellatmung. In einer Krise vergessen wir einfach zu atmen. Die Welt steht still bzw. du erstarrst. Lass deinen Atem fließen. Wenn dein Atem wieder fließt, dann kommst du langsam in einen Zustand der Entspannung und im Zustand der Entspannung finden sich Lösungen für deine Sorgen.
Viele Menschen atmen flach und unregelmäßig. Das Atmen läuft ja auch in der Regel unbewusst ab. Wir atmen wie von selbst oder es atmet in uns. Wenn du auf deinen Atem achtest, merkst du vielleicht, wie du manchmal stockst, den Atem anhältst, schnell oder flach atmest. Beobachte mal deinen Atem. Das kannst du immer und zu jeder Zeit tun.
Wenn du in einer Gesprächsrunde dich aufregst, dann achte auf deinen Atem und atme für einen Moment lang bewusst. Spüre dann, wie sich deine Gedanken und Gefühle verändern und wie du besser zur Mitte kommst. Sich seines Atems bewusst werden dient der Vorbeugung vor Stress, der Stressauflösung, des inneren Ausgleichs und der Balance.
In der Schöpfungsgeschichte der Bibel wird erzählt, wie Gott dem Menschen den Atem einblies. Dieser Vorgang machte den Menschen zu einem lebendigen Wesen. Wir sind also lebendig aufgrund der schöpferischen Beatmung durch Gott. Die Wiederbelebung eines Ertrinkenden geschieht auch durch die Beatmung. Der Patient findet so den Weg vom Koma zum Leben. Im Vorgang und in der Aufmerksamkeit für den Atem wirst du dir inne, dass du ein Mensch bist mit der Atemqualität Gottes. Ausgestattet mit dieser Qualität darfst du dich zurücklehnen und dir sagen: Alles wird gut! Alles ist gut! Schon von Ewigkeit her.

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Freitag, 18. Oktober 2013

Was tun, wenn du dich nicht traust?

Ein Freund sagte vor Kurzem zu mir: Ich traue mich gar nicht, dich zu fragen, ob du einmal Zeit für mich hast. Für einen Augenblick stutzte ich. Moment mal! Wie raffiniert ist das denn? Er traut sich nicht zu fragen und fragt dann doch! Sehr geschickt, auf diese Weise seine Schüchternheit zu überwinden und das zu erhalten, was man sich wünscht. Du fragst einfach, indem du nicht fragst. Das ist eine wunderbare Art, die Hindernisse und Hürden zu überwinden oder geschickt zu umgehen.
Probier es doch einmal aus!
"Ich traue mich nicht, dir zu sagen, dass ich dich liebe, weil ich nicht weiß, wie du darauf reagieren wirst. Ich könnte es nicht ertragen, wenn du einfach Nein zu mir sagst!" statt: "Ich liebe dich."
"Ich traue mich nicht, Ihrer geschickten Verkaufsstrategie jetzt am Telefon zu widerstehen. Sie könnten mir böse sein und mich beim nächsten Anruf über den Tisch ziehen." statt. "Ich möchte nichts!"
"Ich traue mich nicht, von Ihnen eine kostenloses Angebot für eine Heizung machen zu lassen, weil ich mein schlechtes Gewissen fürchte, wenn ich das Angebot nicht annehme und Sie umsonst gekommen sind." "Machen Sie mir ein kostenloses Angebot!"
Manche Dinge lassen sich nicht einfach direkt sagen, aber indirekt geht es leichter. Es ist wie mit den dicken Pillen. Schluckst du sie pur hinunter, könnten sie dir im Hals steckenbleiben. Legst du sie auf einen Löffel mit Joghurt rutscht es wie von selbst.
Überlege einmal, wie oft du am Tag indirekte Fragen stellst oder Wünsche äußerst und hoffst, der andere versteht dich. Direkte Fragen und Wünsche vermeidest du, damit du dir keine Abfuhr holst. Du sagst: "Kommt morgen nicht die Müllabfuhr" statt: "Stell doch bitte den Müll raus!" "Ist noch Tee im Schrank?" statt: "Kochst du mir einen Tee?" "Bis zum Fußballplatz ist es ziemlich weit!" statt: "Könntest du mich dahinfahren?"
Niemand mag so gerne eine Zurückweisung im Nein. Oftmals hören wir im "Nein" zu einer ganz bestimmten einzelnen Frage gleich eine grundsätzliche Ablehnung. Indirektes Fragen verkompliziert leider das Leben ein wenig es sei denn, du machst das so geschickt wie mein Freund.

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Mittwoch, 16. Oktober 2013

Haribo oder für jeden etwas!

Ich hatte Gäste da  zum Essen. Danach öffnete ich eine große Tüte Haribo - Colorrado und meine Gäste griffen tüchtig zu. Die meisten wählten gezielt aus. Nicht jedem schmeckte alles. Ich beobachtete daraufhin gezielt, wer was nahm. Dann schaute ich Maria an und sagte zu ihr: du bist der Lakritzetyp. Volker war der Karamellmann, Susanne die Himbeere, Solveigh für die Kokosteilchen und ich für die Lakritzfruchtgummidrachen?
Wir stellten miteinander fest: Colorado ist irgendwie genial. Jeder findet sein Lieblingsteilchen in dieser Tüte. Jeder hofft, dass der Andere etwas anderes als man selber mag. Das Fischen im Schlälchen macht Spass. Der Jagdinstinkt wird befriedigt. Rundum zufriedene Gesichter. So einfach geht das. Jeder Jeck ist eben anders, auch bei Konfekt.
Noch etwas war zu beobachten. In der Schale blieben die Schaumzuckerhütchen liegen. Wir schauten uns gegenseitig an. Maria meinte zu wissen, dass Die immer liegen bleiben. Volker erinnerte sich allerdings schwach an eine Schaumzuckerliebhaberin. Da bieten sich auf einmal Vergleicht an zum menschlichen Leben. Es gibt die beliebten Menschen in der ersten Reihe und die ewig abwartenden Mauerblümchen. Die müssen manchmal ein wenig Geduld haben, bis ihr Liebhaber kommt. Allen Bewohnern der Haribo-Colorradotüte wünsche ich auf jeden Fall immer einen Platz bei irgendeinem Liebhaber oder Liebhaberin.

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Dienstag, 15. Oktober 2013

Ermutigung für Kümmerer


Auf der Fensterbank vor meiner Küche saß einmal im Winter ein Spatz. Als ich näher ans Fenster trat, flog er weg. Einem Instinkt folgend öffnete ich das Fenster einen Spaltbreit und stellte ein Tellerchen mit Körnern hin. Als ich wiederkam, waren die Körner verschwunden. In den folgenden Tagen wiederholte ich die Prozedur. Inzwischen durfte ich mich in der Küche aufhalten und dem Spatzen beim Picken zuschauen. Der Spatz immer in Hab Acht Haltung und schnell wieder weg. Nach zwei Wochen dachte ich, jetzt könnte ich doch mal eine Pause machen. Schließlich war der Spatz ja nicht mein Haustier. Ich war nicht verpflichtet zur täglichen Fütterung. So stellte ich zwar ein Tellerchen hin, es blieb allerdings leer. Ich öffnete das Fenster und wenige Augenblicke später hüpfte der Spatz heinein. Ein kurzer Blick auf den leeren Teller und er fing lautstark an, zu protestieren. Was blieb mir übrig, als das Füttern fortzusetzen. Im Frühjahr hörte ich dann mit dem Füttern auf und der Besuch des Spatzes blieb aus.
Der Spatz hatte doch Recht, oder? Schließlich habe ich mich mit ihm vertraut gemacht. Ich habe Verantwortung übernommen. Er war nicht mehr ein Spatz unter vielen Spatzen. In gewisser Hinsicht ist er zu meinem Spatz geworden, ein freiwilliges Haustier für wenige Augenblicke des Tages.
Ich glaube, uns Menschen tut es ganz gut, wenn wir uns ein wenig kümmern dürfen. Um Pflanzen, Tiere oder Menschen.

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Montag, 14. Oktober 2013

Heilsame Unterbrechung

Komm mir nicht in die Quere! Daran musste ich denken, als ich mit dem Fahrrad unterwegs war und eine Angestellte vor ihrer Apotheke den Fahrradweg fegte. Schon hatte ich das Bild in mir, wie der Besenstiel zwischen meine Felgen gerät und ich über den Lenker stürzte. Zum Glück war ich nicht so schnell unterwegs. Es bestand keine Gefahr. Ich konnte rechtzeitig bremsen und die Fegerin hat mich bemerkt.
Wenn dir jemand in die Quere kommt, musst du deinen Weg unterbrechen. Du hältst für einen Augenblick an. Du denkst, dass du es eigentlich jetzt in diesem Augenblick gar nicht gebrauchen könntest. Du willst deinen Plan umsetzen und bist voller Tatendrang. Du möchtest nicht ausgebremst werden und dein Ziel erreichen. Du empfindest es als schädlich, wenn sich dir jemand einfach in den Weg stellt.
Dennoch ist es wichtig, ab und zu unterbrochen zu werden. Manche reden ohne Punkt und Komma. Wenn du solche Leute nicht stoppst, hast du keine Chance. Manchmal verfolgst du ein Ziel und erst im Anhalten stellt sich heraus, dass das Ziel gar nicht so wichtig ist für dich.
An dem Tag, als sich die Apothekerin mir in den Weg stellte mit ihrem Besen, stellte ich an meinem Ziel fest, dass ich meinen Fahrradschlüssel vergessen hatte. Aha, dachte ich, so funktioniert das Leben. Ich hätte vor der Apotheke zur Besinnung kommen können. Fahr nach Hause und hol deinen Fahrradschlüssel! Hab ich nicht gemacht.
Häufig kommen Menschen zu mir mit einer Energie, die heute mit burn-out bezeichnet wird - eine vom eigenen System verordnete innere Zwangspause. Manchmal kommen wir uns selbst in die Quere und bremsen uns aus. Da ist es gut, die Signale nicht zu übersehen. Sei jederzeit aufmerksam für das, was im Hier und Jetzt geschieht! Wenn dir jemand in die Quere kommt, dann danke ihm für das Geschenk der Unterbrechung. Wahrscheinlich war das Signal wirklich für dich gedacht, jetzt in diesem Augenblick. Die Unterbrechung lädt dich ein, nach innen zu gehen und zu überprüfen, ob du noch auf dem Weg bist, der für dich förderlich ist. Jesus sagt in der Bibel dazu: Kehr um!

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Sonntag, 13. Oktober 2013

Deine verborgenen Kräfte

Gestern sah ich einen Jungen auf der Straße. Er spielte Fußball und trug ein Trikot mit der Aufschrift: Neuer (die Nummer 1). Das Hemd war zwar reichlich groß, aber er trug es mit sichtbarem Stolz. Dieser kleine Junge ist auch eine Nr. 1! Das Bild erinnerte mich an Gespräche mit Kindern über die Reliquien von Heiligen. In den Altar einer Kirche werden Knochen eingelassen in der Hoffnung, dass etwas von der Qualität des dazugehörigen Heiligen sich auf die Gemeinde überträgt. Der Mensch, der dann den Altar berührt erfährt möglicherweise Stärkung und Heilung. Er geht gebäugt in die Kirche hinein und geht aufrecht wieder heraus. Was früher die Reliquienknochen waren, sind heute die Trikots von Fußballspielern. Die Jungen haben mir immer wieder bestätigt, dass man im Trikot von Manuel Neuer sich zehn Zentimeter größer und erheblich stärker fühlt.
Wenn die Medizin immer mehr über die positive Heilkraft mit Hilfe des Placebo Effektes spricht, dann ist das aus Sicht der Religion ein alter Hut. Spirituelle Menschen haben schon immer gewusst, dass in uns Menschen geheimnisvolle Kräfte wirken, die wir positiv beeinflussen und mitgestalten können. Früher hießen die Hilfsmittel Knochen, Fahnen, Steine, Weihrauch, Gewänder und Kerzen und heute sind es Trikots und Fanartikel. Die Idee dahinter ist der Wunsch nach einem Zuwachs von Energie und Stärke. Letztlich werden da unsere Selbstheilungskräfte aktiviert. In jeder Lebenssituation kannst du spüren: Deine Ressourcen sind größer als du denkst!

www.matthias-koenning.de 

Samstag, 12. Oktober 2013

Danke!



Nicht dafür!
War doch selbstverständlich!
War doch nur eine Kleinigkeit!

Eine Hand wäscht die andere!
Wofür?
Lass gut sein!

Hätte ich auch für dich gemacht!
Du musst mir nicht danken!
Ist schon in Ordnung!
Mach keine große Sache daraus!

Gerne!

Diese Sätze sind dir bestimmt geläufig, oder? Wie reagierst du in der Regel, wenn sich jemand bei dir bedankt? Welchen Satz bevorzugst du?
Oder gehörst du vielleicht zu denen, die geschickt Situationen vermeiden, in denen man sich bedanken  müsste? Darum tust du im Vorfeld alles für deine Unabhängigkeit. Du kannst alles, kaufst dir alles vom eigenen Geld und kannst dir inzwischen alles leisten und brauchst niemanden mehr zu fragen! Beim Wort „Danken“ schwingt eine Fülle von nicht immer angenehmen Ge-„danken“ mit.
Zugleich ist der Oktober mit den Erntefesten dem Danken gewidmet. Mit dem Danken verbindet jeder so seine eigene manchmal auch traumatische Kindheitsgeschichte. Ich erinnere mich ungern an frühere Besuche der Verwandtschaft. Die Tante brachte uns fünf Kindern eine Tafel Schokolade mit. Meine Gedanken fingen sofort an zu kreisen. Diese Schokolade mag keiner von uns! Und außerdem - wie soll man 24 Stücke auf fünf Kinder verteilen? Wer verzichtet heute? Während ich mit diesen Überlegungen beschäftigt war, kam garantiert von den Eltern der Erziehungs- und Killerspruch: „Und?! Was sagt man, wenn man etwas geschenkt bekommt?!“ Ohne weiteres Nachdenken kam der Dank dann pro forma und anerzogen.
Doch der Dank ist kein Wort und entsteht nicht im Kopf. Der Dank kommt aus dem Herzen. Zum Danke sagen gehört unbedingt das dazugehörige Empfinden. Sonst wirkt der Dank schal und gezwungen.
Ich möchte mit dir noch einen Schritt weitergehen. Wenn du etwas von jemandem bekommst, entsteht schnell der Eindruck, dass du damit etwas schuldest, etwas wieder gutmachen und etwas zurückgeben musst. Nicht umsonst entstehen so die Kreisläufe von Besuchen und Gegenbesuchen, von Weihnachts- und Geburtstagsgeschenken im Modus: Da komm ich nie wieder raus! Auch die Wirtschaft arbeitet mit diesen Gesetzen. Am Käsestand darfst du ein Stück Käse probieren (geschenkt!). Dafür kaufst du dann zum Ausgleich irgendetwas ein. Die Eltern schenken dir das Leben und du musst im Laufe der Zeit für den Ausgleich sorgen, indem du im Alter für sie sorgst.
Wenn du „Danke“ sagst, dann nimmst du von jemandem etwas als unverdientes Geschenk an, das dir bislang nicht gehörte. Quasi automatisch entsteht in dir das Gefühl: Ich muss es wieder gut machen. Ich muss für den Ausgleich sorgen. Ich bringe mich in eine Schuld. Dieses Gefühl möchte ich auf jeden Fall verhindern. Ich reduziere es auf ein Minimum, dass mir jemand etwas schenkt. Lieber schenke ich selber und sorge dafür, dass andere mir etwas schuldig sind.
Vielleicht findest du meine Gedanken geschraubt und du gehörst eher zu den Menschen, die sich ganz einfach nur freuen. Du gehörst zu denen, die gerne etwas annehmen und verschenken. Du machst das alles ohne Hintergedanken oder Befürchtungen. Herzlichen Glückwunsch! Du bist schon an der Schwelle des Paradieses angekommen!
Ich glaube, dass wir Menschen uns immer im Kreislauf befinden von „Geben“ und „Nehmen“. Wir können es gar nicht verhindern. Niemand ist eine Insel und kann für sich allein existieren. Es wäre gut, wenn wir das „Geben und Nehmen“ herauskatapultieren aus dem Schuldgedankenkreislauf. Stattdessen möchte ich dich einladen, es auf die Beziehungsebene zu heben. Du beschenkst mich und ich beschenke dich als Ausdruck unserer Verbindung und als Bekräftigung unserer Freundschaft.
Zugleich ist es hilfreich, sich vorzustellen, dass wir als Menschen alle  ausnahmslos abhängig sind. Wir brauchten Eltern, um auf diese Welt zu gelangen. Wir benötigen Nahrungsmittel, Wärme und Zuwendung. Wir sind durch und durch bedürftig, mal mehr, mal weniger. Erkenne es und stehe dazu! Gott sei Dank sind wir in unserer Bedürftigkeit an eine unerschöpfliche und geschenkte Quelle angebunden, die wir Gott nennen. Sein Geschenk des Lebens ist der Ausdruck seiner Liebe. Im Psalm 100 wird dies deutlich.
 Jauchzt vor dem Herrn, alle Länder der Erde! / Dient dem Herrn mit Freude! Kommt vor sein Antlitz mit Jubel!
Erkennt: Der Herr allein ist Gott. / Er hat uns geschaffen, wir sind sein Eigentum, sein Volk und die Herde seiner Weide.
Tretet mit Dank durch seine Tore ein! / Kommt mit Lobgesang in die Vorhöfe seines Tempels! Dankt ihm, preist seinen Namen!
Denn der Herr ist gütig, / ewig währt seine Huld, von Geschlecht zu Geschlecht seine Treue.
Nicht zuletzt geht es darum, in das Mitschwingen mit der gesamten Schöpfung zu gelangen. Wenn dein Herz schwingt im Glücksgefühl, wenn dein Körper tanzt, wenn deine Seele „Ja!“ jubiliert, dann ist das die „gelebte Dankbarkeit“ jenseits von jedem moralischen Druck des Danke sagen müssen. 

Freitag, 11. Oktober 2013

Vertrau deinen Impulsen!




Wie weit ist eigentlich die gefühlte Strecke zwischen Verstand und Herz? Manchmal unendlich? Die körperliche Strecke lässt sich leicht messen. Bei mir sind das ca. 35 Zentimeter. Dieses kurze Distanz ließe sich doch leicht überwinden, oder? Andersherum. Es müsste doch ein Leichtes sein, den Verstand und das Herz miteinander zu verbinden und in Einklang zu bringen. Leider ist es oft so, dass Verstand und Herz nicht gut miteinander kooperieren. Die Folge ist: wir fühlen uns nicht in Übereinstimmung mit uns selbst. Was will das Herz und was will der Verstand? Manchmal wohnen da zwei Personen in unserem Inneren und kennen sich nicht einmal gegenseitig. Geschweige denn, sie vertrauten sich!
Stell dir doch einmal Folgendes vor: du gehst in den Supermarkt und stehst vor dem Regal mit den Chips. (Wenn du solche nicht magst, kannst du dich auch woanders hinstellen.) Diese Chips lachen dich jetzt an. Dein Herz hüpft vor Freude und in dir entsteht ein Bild. Es ist Abend, die Arbeit ist erledigt. Im Fernsehen kommt ein Film, den du schon immer sehen wolltest. Im Keller wartet ein leckerer Rotwein auf dich und du siehst dich entspannt auf der Couch mit der Tüte Chips und einem Glas Rotwein vor dem Fernseher. Dein Herz sagt voller Freude: JA! EINE WUNDERBARE IDEE!
Es geht wohlgemerkt nur um das Prinzip. Das Herz jauchzt also vor Freude auf. Du stehst vor dem Regal. Wenn du jetzt noch eine Sekunde zögerst, dann ist auf einmal alles aus und vorbei. Wohlgemerkt, es reicht eine Sekunde! Es kommt schleichend, aber mit großer Macht. Es ist ein winzig kleiner Gedanke, der sich bemerkbar macht. Etwa so: Ob die Chips gut sind für deine Gesundheit? Was sagt der Rest der Familie, wenn sie dich so sehen, vor dem Fernseher? Füße hoch, hingefläzt mit dem Rotwein? „Hast du nichts Besseres zu tun? Der Spielfilm ist doch nichts! Eine Schnulze! Nichts für die Weiterbildung!“ Dann schaust du auf das Preisschild der Chips Tüte und auf die Mengenangabe. Aha, viel zu teuer und viel zu wenig drin. Es lohnt sich nicht, diese Tüte zu kaufen. Wenn der Rest der Familie davon auch noch etwas will, dann bleibt kaum noch was für dich übrig. Zwei Tüten kaufen? Das geht überhaupt nicht! Die Kommentare zu Hause: „Planst du ein Frustessen? Denk an dein Gewicht! Willst du uns auch noch mästen?“
Und stell dir vor: du stehst immer noch vor dem Regal und weißt: es sind nur deine Gedanken, nur deine Vorstellungen, nur deine Bilder. Es sind nicht die Bilder und Vorstellungen deiner Familie! Es sind deine Bilder, die sich da im Kopf ausbreiten, was deine Liebsten so über dich denken könnten. Und? Merkst du, was da gerade geschehen ist und was jetzt geschehen wird?
Geschehen ist folgendes: dein Verstand hat dir einen üblen Streich gespielt. Er hat dein Herz einfach plattgemacht. Und dein Herz? Es zieht sich bekümmert zurück, die Stimme wird immer leiser und zaghafter: ich wollte doch nur… Ich wollte doch nur… Und ich hier der Schreiber bin mir relativ sicher: die Chips Tüte bleibt im Regal, der Wein im Keller und der Spielfilm ungesehen. Das ist ja auch vernünftig so. Im wortwörtlichen Sinne: es entspricht der Vernunft. Aber entspricht es auch dem Herzen?
Jetzt stell dir einmal vor, du handelst nicht nur so bei der Chips Tüte. Dahinter offenbart sich ein verborgenes und zugleich unbewusstes Prinzip in deinem Leben. Handel vernünftig! Kindern sagt man es auch: sei doch vernünftig! Du bist doch schon groß!
So wird das Herz kleingemacht, die Gefühle kleingeredet und in die Bedeutungslosigkeit geschickt. Dabei wollte das Herz doch nur ein wenig beachtet werden. Bei der Tüte Chips kann man ja noch schmunzeln, aber wenn es um wichtigere Lebensthemen geht oder gar um die eigene große Lebensgeschichte, sieht das schon anders aus.
Stell dir vor, du begegnest der Liebe deines Lebens! Dein Herz sagt: JA! Wie wunderbar! Und wenige Augenblicke später meldet sich dein Verstand nur mit einer kleinen Anmerkung, so ganz nebenbei und eigentlich gar nicht wichtig: jetzt ist es doch noch zu früh! Du kennst diese Person ja gar nicht. Sei vorsichtig! Du warst noch nicht beim Friseur. Du hast doch eigentlich gar keine Zeit… Merkst du, wie der Verstand, die Vernunft arbeitet?
Oder du bist unglücklich an deiner Arbeitsstelle und ergehst dich in Tagträumereien: irgendwo gibt es eine Stelle, an der du glücklicher sein könntest. Dann auf einmal kommt die Stelle, an der du glücklich sein kannst. Dein Herz sagt wieder: JA! Und wenige Augenblicke später meldet sich die bekannte Instanz am oberen Ende des Kopfes. „Du kommst vom Regen in die Traufe! Pass ja auf! Es ist nicht alles Gold, was glänzt!“
Wenn du dieses Spiel zwischen Verstand und Herz zu oft spielst, und auf diese Weise spielst, wird sich dein Herz zurückziehen. Es bekommt ja nicht den Raum, den es braucht. Das Praktische siegt. Der Verstand behält die Kontrolle. Doch was tun?
Wenn es dir gut damit geht, brauchst du nichts zu tun! Es ist ja gut so, wie es ist. Aber wenn es dir nicht damit gutgeht und du etwas anders machen möchtest – wegen deines Herzens und der damit verbundenen Herzensenergie, dann begib dich in das folgende Bild: Die Uhr geht zu auf Mitternacht und gleich schlägt die Uhr zwölf Mal. Du gibst deinem Herzen die Erlaubnis, zuerst durch die Tür in den neuen Tag zu gehen. Ein wenig vor Mitternacht. Den Verstand bittest du, noch ein wenig zu warten und vielleicht über den vergangenen Tag zu reflektieren. Das macht er gerne für dich. Dem Herzen gibst du dadurch einen kleinen Vorsprung. Es darf einfach mal so fühlen und Dasein. Staunen über den Anfang des neuen Tages! Freude wachsen lassen! Für einen Moment innehalten und nur Dasein – das ist wie das Staunen über den Sternenhimmel und dabei die Zeit vergessen. Dieses Gefühl, was sich dann einstellt, dehnst du zeitlich aus, so oft es geht. Schwierig? Eigenartig? Es geht dabei nur darum, dem Herzen ein wenig mehr Raum zur Entfaltung zu geben, damit der Verstand nicht sofort deckelt. Das heißt für mich: Folge deinen Impulsen! Gib der Herzensenergie Raum, lass es sich entfalten. Gehe in Übereinstimmung von Herz und Verstand. Bitte deinen Verstand, deinem Herzen zu dienen und nicht zu widersprechen, zu kontrollieren oder Vorschriften zu machen. „Den Impulsen zu folgen“ – wofür lohnt sich ein solcher Weg? Es könnte sein, dass du einfach glücklicher und zufriedener bist mit dir. Probier es mal aus! Das wünsche ich dir: in Balance zu sein zwischen Himmel und Erde, in Übereinstimmung sich zu befinden von Verstand und Herz und ein großes JA! zum eigenen Leben auszusprechen.